ZDFkultur zeigt in der “Digitalen Kunsthalle” eine Ausstellung über NS-Raubkunst

Saulmann, von Klemperer, von Bleichröder, Rubinstein: Diese vier Namen stehen stellvertretend für die Schicksale unzähliger jüdischer Familien während der NS-Zeit – und sie stehen stellvertretend für das Schicksal bedeutender privater Sammlungen, die von den Nationalsozialisten gestohlen, auseinandergerissen, verkauft oder zerstört worden sind. Die Ausstellung “Geraubte Kunst”, die ZDFkultur ab sofort unter https://digitalekunsthalle.zdf.de zeigt, dokumentiert erstmals in virtuell begehbaren Räumen die Verlustgeschichte der einstigen Sammlungen von Ernst und Agathe Saulmann, Gustav von Klemperer, James von Bleichröder und Arthur Rubinstein. Sie zeigt am Beispiel ausgewählter Werke aus diesen Sammlungen, wie der NS-Raub vonstattenging, wie der Kunstmarkt von der Zwangslage jüdischer Kunstbesitzer profitierte und wie Museen heute mit möglichen Restitutionsfällen im Sinne der Washingtoner Erklärung umgehen.

Die Schau entstand im Austausch mit den Provenienzforschern bedeutender deutscher Kultureinrichtungen: der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Städel Museum in Frankfurt, die insgesamt vier Fälle für die Produktion bereitgestellt haben. Sie waren in den Besitz von Raubkunst aus jenen Sammlungen gelangt, an die nun in der Ausstellung in der “Digitalen Kunsthalle” erinnert wird. Inzwischen wurden diese Objekte an die rechtmäßigen Eigentümer restituiert und teilweise im Anschluss wiedererworben. Präsentiert wird unter anderem ein “Pinseläffchen” des Modelleurs Johann Joachim Kaendler der Porzellanmanufaktur Meissen (um 1730), das einst Eigentum der Dresdner Bankiersfamilie von Klemperer war. Aus der Sammlung des schwäbischen Textilfabrikanten Ernst Saulmann und seiner Frau Agathe stammen eine Madonna mit Kind aus dem 14. Jahrhundert und das Relief “Drei Engel mit dem Christuskind” (um 1430) aus dem Umkreis von Hans Multscher. Das um 1530/40 geschaffene Gemälde “Die Auferweckung des Lazarus” gehörte einst der Bankiersfamilie Bleichröder, und aus der Privatbibliothek des Pianisten Arthur Rubinstein ist eine Ausgabe von Miguel de Cervantes’ “Don Quijote” zu sehen.

Neben diesen Objekten, die auf ganz unterschiedlichen Wegen in die Institutionen gelangten, werden in der Ausstellung in vier Filmen die vier Sammlungen vorgestellt und die Geschichten ihrer Besitzer geschildert, wobei jeweils verschiedene Aspekte von Raub und Restitution thematisiert werden. Im “Raum der Stimmen” kommen zudem in kurzen Videoclips renommierte Expertinnen und Experten zum Thema NS-Raubkunst zu Wort. Darunter Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die über die “Notwendigkeit rückhaltloser Aufklärung” spricht. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, äußert sich zur Verantwortung von Museen und Kulturinstitutionen. Gilbert Lupfer, Kunsthistoriker und ehrenamtlicher Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, sucht Antworten auf die Frage, warum Provenienzforschung und Restitutionen erst so spät begannen. Und Stuart E. Eizenstat, Diplomat und Mitinitiator der Washingtoner Konferenz von 1998, auf der die Prinzipien für den Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut festgelegt wurden, erläutert, welche Zwecke die Nationalsozialisten mit dem Raub jüdischer Sammlungen verfolgten.

Die digitale Ausstellung “Geraubte Kunst” widmet sich einem gesellschaftlich höchst relevanten Thema und trägt dazu bei, es stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Damit erfüllt sie zentrale Zielsetzungen, die bei der Gründung von ZDFkultur vor einem Jahr formuliert wurden: Kultur für alle zugänglich zu machen, das kulturelle Gedächtnis zu fördern, einen Raum zu bieten für fundiertes Wissen, aktuelle Diskurse und neue Perspektiven.

Eingebettet in die ZDFmediathek bündelt ZDFkultur Inhalte aus unterschiedlichen Bereichen wie Kunst, Literatur und Musik – und ist selbst als Kulturproduzent tätig. Anlässlich des Jahrestages von ZDFkultur am 13. Februar 2020 erhält die “Digitale Kunsthalle” ein neues, optimiertes Design.

Parallel zur Ausstellung entstand die Dokumentation “Geraubte Kunst. Jüdische Sammlungen im Nationalsozialismus” von Felix von Boehm und Constantin Lieb, die unter https://zdf.de/kultur/kulturdoku/geraubte-kunst-100.html zu sehen ist und beispielhaft vom Schicksalsweg von Ernst und Agathe Saulmann und ihrer Kunstsammlung erzählt.

Ansprechpartnerinnen:

Dr. Britta Schröder, , Katharina Rudolph, ; Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108,

Ausstellung “Geraubte Kunst” in der “Digitalen Kunsthalle”: https://digitalekunsthalle.zdf.de/geraubtekunst/index.html

Doku “Geraubte Kunst. Jüdische Sammlungen im Nationalsozialismus” in der ZDFmediathek: https://zdf.de/kultur/kulturdoku/geraubte-kunst-100.html

ZDFkultur in der ZDFmediathek: https://zdfkultur.de

ZDFkultur bei Facebook: https://facebook.com/ZDFkultur

https://twitter.com/ZDFpresse

Pressekontakt:

ZDF Presse und Information
Telefon: +49-6131-70-12121

Kolloquium Provenienzforschung, Berlin: Vortrag von Dr. Andrea Baresel-Brand – Digitale Provenienzforschung – die neue Forschungsdatenbank PROVEANA

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt in Ko­ope­ra­ti­on mit CAR­MAH (Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge) zur Ver­an­stal­tungs­rei­he „Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung“ des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te ein. Am Mon­tag, dem 24. Fe­bru­ar 2020, um 18 Uhr hält Dr. An­drea Ba­re­sel-Brand (Lei­te­rin des Fach­be­reichs Lost Art, Do­ku­men­ta­ti­on beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te) ei­nen Vor­trag zum The­ma: „Di­gi­ta­le Pro­ve­ni­enz­for­schung – die neue For­schungs­da­ten­bank PRO­VEA­NA“.

Di­gi­ta­le Da­ten, de­ren Auf­be­rei­tung, Ana­ly­se und Vi­sua­li­sie­rung sind zen­tra­le The­men der Di­gi­tal Hu­ma­ni­ties. Ei­ne zeit­ge­mä­ße Pro­ve­ni­enz­for­schung be­darf di­gi­ta­ler Platt­for­men und Werk­zeu­ge. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat mit der im Ja­nu­ar on­line ge­gan­ge­nen Pro­vea­na die bun­des­weit bis­her um­fas­sends­te Pro­ve­ni­enz­for­schungs-Da­ten­bank ge­star­tet. Un­ter http://www.pro­vea­na.de sind zu­nächst die Er­geb­nis­se der bis­her von der Stif­tung und zu­vor von der „Ar­beits­stel­le für Pro­ve­ni­enz­for­schung“ ge­för­der­ten For­schungs­pro­jek­te so­wie Da­ten und Be­rich­te zur Pro­ven­ienz­re­cher­che im Fall Gur­litt re­cher­chier­bar. Der Vor­trag gibt Ein­bli­cke in Kon­zept, Funk­tio­na­li­tä­ten und Ent­wick­lungs­po­ten­tia­le von Pro­vea­na.

Die Ver­an­stal­tung fin­det im Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge, In­sti­tut für Eu­ro­päi­sche Eth­no­lo­gie, Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, Moh­ren­stra­ße 40/41, in 10 117 Ber­lin, in Raum 408 (4. Stock) statt.

Auf­grund der be­grenz­ten An­zahl von Plät­zen möch­ten wir Sie bit­ten, sich un­ter der fol­gen­den E-Mail-Adres­se bis zum 21.02. an­zu­mel­den:

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Jo­se­fi­ne Han­nig
Ver­an­stal­tun­gen
Hum­boldt­stra­ße 12
39112 Mag­de­burg
Te­le­fon+49 (0) 391 727 763 23
Te­le­fax+49 (0)391 727 763 6
E-Mailjo­se­fi­ne.han­nig@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

POSTKOLONIALE PROVENIENZFORSCHUNG ÜBERSICHT ZU FORSCHUNGSPROJEKTEN IM BEREICH DER KOLONIALEN PROVENIENZEN JETZT ONLINE

Die „schnellstmögliche weltweite Verfügbarmachung der Bestandsverzeichnisse afrikanischer Objekte“ ist die zentrale Forderung der Unterzeichner_innen des Appells „Öffnet die Inventare!“ an die deutschen Museen im Oktober 2019. Appelle wie diese machen deutlich, wie wichtig Transparenz ist – das gilt auch für die an deutschsprachigen Museen, Universitäten und anderen Einrichtungen geleistete Forschungsarbeit zu Sammlungen aus kolonialen Kontexten. Die Arbeitsgruppe Koloniale Provenienzen – eine Initiative von Wissenschaftler_innen, die zu ethnologischen Sammlungen, aber auch im Bereich der menschlichen Überreste forscht – stellt unter https://www.postcolonial-provenance-research.com/ag-projekte eine Übersicht von laufenden und abgeschlossenen For-schungsprojekten postkolonialer Provenienzforschung online. Die Liste wird kontinuierlich aktualisiert und ergänzt.


Die Arbeitsgruppe Koloniale Provenienzen ist seit 2018 im Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. organisiert. Den Wissenschaftler_innen der Arbeitsgruppe geht es um einen Austausch über die oftmals durch Drittmittel geförderten Projekte und Initiativen, die sich dezidiert der Aufarbeitung kolonialer Provenienzen widmen. Die Bündelung von Informationen, Wissenstransfer und die Vernetzung der Akteur_innen zunächst innerhalb der deutschsprachigen Museen und Universitätssammlungen ist Teil dieses Austauschs. Zentral ist die Frage, wie die an vielen Häusern seit Jahren durchgeführte sammlungsgeschichtliche Forschung für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden kann. Die nun online gestellte Liste der Projekte mit den jeweiligen Mitarbeiter_innen und Kooperations-partner_innen ist hierfür ein wichtiger Ausgangspunkt. Sie verweist auf die vielfältigen Aktivitäten in dem Forschungsfeld gerade auch in Hinblick auf die zunehmende Bedeutung der Zusammenarbeit mit den sogenannten Herkunftsgesellschaften.


Die Arbeitsgruppe setzt sich aus freiberuflichen, fest angestellten und ehrenamtlichen Provenienzforscher_innen zusammen, die sich im Rahmen der alljährlich im Herbst stattfindenden Tagungen des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V. treffen. Zudem kommt die Gruppe zweimal im Jahr in einem der ethnologischen Museen im deutschsprachigen Raum zusammen. Im Rahmen von Vorträgen und praktischen Workshops werden u.a. die Herausforderungen und Methoden postkolonialer Prove-nienzforschung diskutiert, dazu gehören auch die dringend anstehende Digitalisierung der Sammlungen und ihre Einbindung in einer übergreifenden online-Datenbank. Das nächste Treffen findet am 13. und 14. Februar 2020 im Weltmuseum Wien statt.


Die Arbeitsgruppe ist offen für alle Wissenschaftler_innen und Museumsexpert_innen, die Provenienzforschung betreiben und sich mit der Thematik der Translokation von Objekten im Kontext des Kolonialismus auseinandersetzen.

Pressekontakt:
Kristin Weber-Sinn (Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz)

Noch mehr Offenheit und Vernetzung in der Provenienzforschung: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste startet neue Forschungs-Datenbank Proveana

23.01.2020

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat mit der am 23. Ja­nu­ar on­line ge­gan­ge­nen Pro­vea­na die bun­des­weit bis­her um­fas­sends­te Pro­ve­ni­enz­for­schungs-Da­ten­bank ge­star­tet. Über Pro­vea­na sind zu­nächst die Er­geb­nis­se der bis­her von der Stif­tung und zu­vor von der „Ar­beits­stel­le für Pro­ve­ni­enz­for­schung“ ge­för­der­ten For­schungs­pro­jek­te so­wie Da­ten und Be­rich­te zur Pro­ven­ienz­re­cher­che im Fall Gur­litt re­cher­chier­bar.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters: „Der heu­ti­ge Start der Da­ten­bank Pro­vea­na ist ein Mei­len­stein in der Pro­ve­ni­enz­for­schung. Durch das neue An­ge­bot des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te wer­den die Trans­pa­renz und vor al­lem die Ver­net­zung un­zäh­li­ger For­schungs­er­kennt­nis­se ge­stärkt. Das ist ein großer Fort­schritt für die Auf­ar­bei­tung des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kul­tur­gu­trau­bes. Die mit Pro­vea­na ver­bes­ser­te Wis­sens­ba­sis ist ein Ge­winn für die Wis­sen­schaft und die For­schungs­ar­beit in Mu­se­en und Samm­lun­gen, in Bi­blio­the­ken und Ar­chi­ven so­wie für vie­le Pro­ve­ni­enz­for­scher. Pro­vea­na wen­det sich zu­dem an die vom Kul­tur­gu­traub Be­trof­fe­nen und de­ren Nach­fah­ren. Es ist da­mit ein wei­te­res un­mit­tel­ba­res An­ge­bot für all die­je­ni­gen, de­nen auch wei­ter­hin un­se­re gan­ze Auf­merk­sam­keit und all un­se­re An­stren­gun­gen gel­ten müs­sen – für die Op­fer des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kul­tur­gu­trau­bes und ih­re Fa­mi­li­en.“

Die frisch ge­star­te­te Da­ten­bank ist als ste­tig wach­sen­de Un­ter­neh­mung kon­zi­piert: Sie wird von ei­nem Re­dak­ti­ons­team stän­dig mit neu­en In­for­ma­tio­nen ge­füllt und ak­tua­li­siert. Das neue An­ge­bot steht in­halt­lich auf vier Bei­nen. Es ver­sam­melt For­schungs­er­geb­nis­se aus den von der Stif­tung ge­för­der­ten vier Be­rei­chen: NS-Raub­gut, Kriegs­ver­lus­te, Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne und der DDR so­wie Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten. Der Schwer­punkt liegt da­bei auf dem Kul­tur­gut­ent­zug zwi­schen 1933 und 1945. Pro­vea­na bie­tet In­for­ma­tio­nen über Per­so­nen, In­sti­tu­tio­nen und Er­eig­nis­se, über Samm­lun­gen und Ob­jek­te. Da­zu kom­men wei­ter­füh­ren­de Quel­len, Ar­chi­va­li­en, Li­te­ra­tur und di­gi­ta­le An­ge­bo­te. „Pro­vea­na soll ei­ne Road­map wer­den für For­scher und In­ter­es­sier­te“, so der wis­sen­schaft­li­che Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te, Gil­bert Lup­fer. „Die Da­ten­bank soll Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern, aber auch Be­trof­fe­nen of­fen ste­hen für ih­re ei­ge­nen Re­cher­chen.“

Die Idee da­hin­ter: Pro­vea­na fasst zu­sam­men und durch­leuch­tet, was in der ge­för­der­ten Pro­ve­ni­enz­for­schung seit 2008 zu­sam­men­ge­tra­gen wur­de. Sie bün­delt For­schung, macht Re­sul­ta­te leich­ter hand­hab­bar und gibt tie­fe Ein­bli­cke. Pro­vea­na er­hebt selbst­ver­ständ­lich kei­nen An­spruch auf Voll­stän­dig­keit. Sie soll wach­sen und sich ver­zwei­gen, die Er­trä­ge der Pro­ve­ni­enz­for­schung trans­pa­rent und bes­ser nutz­bar ma­chen. Pro­vea­na, so Lup­fer, soll „neue Ver­bin­dun­gen her­stel­len, Mög­lich­kei­ten und We­ge auf­zei­gen, In­ter­es­sier­ten und For­schern neue Res­sour­cen er­öff­nen und sie in ih­rer Ar­beit un­ter­stüt­zen. Da­hin­ter steht im­mer un­ser An­spruch, zu Lö­sun­gen bei­zu­tra­gen, die im Sin­ne der Op­fer von Kunst­raub und Kul­tur­gut­ent­zug sind.“

Pro­vea­na er­laubt auch den Zu­griff auf In­for­ma­tio­nen der eben­falls vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­nen Lost Art-Da­ten­bank. Die­se er­fasst vor al­lem Kul­tur­gü­ter, die un­ter der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ge­walt­herr­schaft ins­be­son­de­re jü­di­schen Ei­gen­tü­mern ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ist ei­ne 2015 vom Bund, den Län­dern und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den ge­grün­de­te Stif­tung. Es ist na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal der zen­tra­le An­sprech­part­ner zu Fra­gen un­recht­mä­ßi­ger Ent­zie­hun­gen von Kul­tur­gut, das sich heu­te in Samm­lun­gen deut­scher kul­tur­gut­be­wah­ren­der Ein­rich­tun­gen be­fin­det. Das Haupt­au­gen­merk des Zen­trums gilt hier­bei dem im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­gut ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz. Das Zen­trum ver­steht sei­ne Ar­beit als wich­ti­gen Bei­trag zur Wie­der­gut­ma­chung er­lit­te­nen Un­rechts.

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste lädt zum “Kolloquium Provenienzforschung” am 27.1.2020

21.01.2020

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt in Ko­ope­ra­ti­on mit CAR­MAH (Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge) zur Ver­an­stal­tungs­rei­he des „Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung“ des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te ein.

Am Mon­tag, dem 27. Ja­nu­ar 2020, um 19 Uhr hält Dr. Hol­ger Sto­e­cker (Se­mi­nar für Afri­ka­wis­sen­schaf­ten der HU Ber­lin) ei­nen Vor­trag zum The­ma: „Aus­lands­kul­tur­po­li­tik im Di­lem­ma. Zum Um­gang der DDR mit For­de­run­gen nach Rück­ga­be von Ob­jek­ten ko­lo­nia­ler Pro­ve­ni­enz“.

Seit den frü­hen 1970er Jah­ren wur­de die DDR mit ei­nem un­er­war­te­ten Phä­no­men kon­fron­tiert: mit For­de­run­gen aus der „Drit­ten Welt“ nach Rück­ga­be von Kul­tur­gü­tern, wel­che wäh­rend der Ko­lo­ni­al­zeit in deut­sche Mu­se­en ge­langt wa­ren. Die Rück­ga­be­for­de­run­gen aus den „jun­gen Na­tio­nal­staa­ten“ führ­ten zu ei­ner an­hal­ten­den Ir­ri­ta­ti­on in den zu­stän­di­gen DDR-Stel­len. Der Vor­trag un­ter­sucht das Be­mü­hen der DDR-Au­ßen­kul­tur­po­li­tik in den 1970er und 1980er Jah­ren, kon­zep­tio­nel­le und prag­ma­ti­sche Aus­we­ge aus die­sem au­ßen­kul­tur­po­li­ti­schen Di­lem­ma zu fin­den, oh­ne da­bei ei­ge­ne Rück­füh­rungs­an­sprü­che auf­zu­ge­ben.

Die Ver­an­stal­tung fin­det im Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge, In­sti­tut für Eu­ro­päi­sche Eth­no­lo­gie, Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, Moh­ren­stra­ße 40/41, in 10 117 Ber­lin, in Raum 408 (4. Stock) statt.

Auf­grund der be­grenz­ten An­zahl von Plät­zen möch­ten wir Sie bit­ten, sich un­ter der fol­gen­den E-Mail-Adres­se bis zum 26.01. an­zu­mel­den:

Ma­thi­as Dei­nert
Te­le­fon+49 (0) 391 727 763 32
E-Mailma­thi­as.dei­nert@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

 

Intensiver Austausch: Israelischer Gesandter Sagui besucht die Stiftung

15.01.2020

Der Ge­sand­te der Bot­schaft des Staa­tes Is­rael in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Aaron Sa­gui, hat am 14. Ja­nu­ar das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­sucht, um sich ein Bild von der Ar­beit und der Struk­tur der Stif­tung zu ma­chen. Großes In­ter­es­se zeig­te er an der Ein­rich­tung des neu­en Help Desks in Ber­lin, der seit 1. Ja­nu­ar ins­be­son­de­re jü­di­schen Op­fern des NS-Kul­tur­gu­traubs und ih­ren Nach­fah­ren Be­ra­tung und Hil­fe­stel­lung bie­tet.

Au­ßer­dem wur­de über den wei­te­ren Dia­log des Zen­trums und die Zu­sam­men­ar­beit mit is­rae­li­schen Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen ge­spro­chen. Ein wei­te­res The­ma war die vom Zen­trum be­trie­be­ne Lost Art-Da­ten­bank. Der Ge­sand­te wür­dig­te die Be­deu­tung der Da­ten­bank und die Ar­beit der Stif­tung ins­ge­samt und gab der Be­reit­schaft sei­tens der Bot­schaft Aus­druck, das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in sei­ner wei­te­ren Ar­beit nach Kräf­ten zu un­ter­stüt­zen.

Aaron Sa­gui ist seit dem Jahr 2000 als Di­plo­mat im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um des Staa­tes Is­rael tä­tig. Seit Au­gust 2019 ist er Ge­sand­ter der Bot­schaft des Staa­tes Is­rael in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Netzwerk der europäischen Restitutionskommissionen veröffentlicht 5. Newsletter

14.01.2020

Das zu Be­ginn des Jah­res ge­grün­de­te Netz­werk der fünf Kom­mis­sio­nen, die sich in Eu­ro­pa mit der Er­for­schung und Rück­ga­be von NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut be­fas­sen, hat sei­nen fünf­ten Newslet­ter (PDF, 3 MB) her­aus­ge­ge­ben.

Das Netz­werk be­steht aus der Be­ra­ten­den Kom­mis­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­guts, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz (Deutsch­land), der Com­mis­si­on pour l’in­dem­ni­sa­ti­on des vic­ti­mes de spo­lia­ti­ons (Frank­reich), dem Spo­lia­ti­on Ad­vi­so­ry Pa­nel (Groß­bri­tan­ni­en), der Re­sti­tu­tie­com­mis­sie (Nie­der­lan­de) und der Kom­mis­si­on für Pro­ve­ni­enz­for­schung (Ös­ter­reich).

Die Ko­ope­ra­ti­on wur­de auf der In­ter­na­tio­na­len Kon­fe­renz in Lon­don im Sep­tem­ber 2017 be­schlos­sen. Ein Jahr spä­ter setz­ten die fünf Kom­mis­sio­nen die­se Idee um und leg­ten die Be­din­gun­gen ih­rer Ko­ope­ra­ti­on im Rah­men ih­rer je­wei­li­gen po­li­ti­schen Man­da­te und Struk­tu­ren fest.

Al­le Newslet­ter des Netz­wer­kes auf ei­nen Blick

Start des „Help Desk NS-Raubgut“ in Berlin

09.01.2020

Men­schen, de­nen wäh­rend der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft Kul­tur­gü­ter ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den, kön­nen sich eben­so wie ih­re Nach­fah­ren seit An­fang Ja­nu­ar mit ih­ren An­lie­gen an ei­ne zen­tra­le Kon­takt­stel­le in Ber­lin wen­den. Fi­nan­ziert wird die­ser „Help Desk“ von der Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur und Me­di­en.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters er­klärt: „Vie­le po­ten­zi­el­le Re­sti­tu­ti­ons­fäl­le sind schon in­halt­lich au­ßer­or­dent­lich kom­plex. Um den oft im Aus­land le­ben­den Op­fern des NS-Re­gimes und ih­ren Nach­fah­ren die Ori­en­tie­rung zu er­leich­tern und An­sprech­part­ner nen­nen zu kön­nen, steht ih­nen ab so­fort in der Ber­li­ner Be­ra­tungs­stel­le ei­ne er­fah­re­ne Kunst­his­to­ri­ke­rin zur Sei­te. Denn die Men­schen, de­nen selbst oder de­ren Vor­fah­ren un­vor­stell­ba­res Leid von deut­scher Hand wi­der­fah­ren ist, sol­len hier nicht auf bü­ro­kra­ti­sche Hür­den sto­ßen, son­dern ih­nen soll ge­hol­fen wer­den.“

Gil­bert Lup­fer, wis­sen­schaft­li­cher Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg: „Seit län­ge­rem be­steht auf Sei­ten der Op­fer des NS-Kul­tur­gu­traubs und ih­rer Nach­fah­ren das Be­dürf­nis nach stär­ke­rer fach­li­cher Be­ra­tung bei der Su­che nach Kul­tur­gü­tern aus Fa­mi­li­en­be­sitz, beim Fin­den der zu­stän­di­gen An­sprech­part­ner so­wie im Dia­log auf Au­gen­hö­he mit Mu­se­en, Bi­blio­the­ken und Be­hör­den in Deutsch­land. Wir freu­en uns, mit Su­san­ne Mey­er-Abich ei­ne neue Kol­le­gin ge­fun­den zu ha­ben, die die­se wich­ti­ge und sen­si­ble Auf­ga­be mit ih­rer lang­jäh­ri­gen in­ter­na­tio­na­len Er­fah­rung und ih­rer kom­mu­ni­ka­ti­ven Kom­pe­tenz ge­wiss sehr gut aus­fül­len wird.“

Dies, so Prof. Lup­fer, gel­te be­son­ders für Per­so­nen, die nicht in Deutsch­land leb­ten, nicht die deut­sche Spra­che be­herrsch­ten und nicht mit den Ge­pflo­gen­hei­ten des deut­schen Kul­tur­fö­de­ra­lis­mus ver­traut sei­en. „Die neue Kon­takt- und Ver­trau­ens­per­son in Ber­lin soll ge­nau die­se Lücke schlie­ßen und Be­trof­fe­nen bei ers­ten Schrit­ten un­ter­stüt­zend zur Sei­te ste­hen.“

Die Kunst­his­to­ri­ke­rin Dr. Su­san­ne Mey­er-Abich lei­tet seit dem 1. Ja­nu­ar 2020 den „Help Desk NS-Raub­gut“. Sie stu­dier­te Kunst­ge­schich­te, Eng­lisch und Ita­lie­nisch an der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bo­chum und pro­mo­vier­te dort 1995. Von 1998 bis 2016 ar­bei­te­te sie in in­ter­na­tio­na­len Auk­ti­ons­häu­sern. Seit Ju­ni 2016 war Su­san­ne Mey­er-Abich als Fach­über­set­ze­rin für Kunst und Kul­tur tä­tig, seit No­vem­ber 2016 als lei­ten­de Re­dak­teu­rin beim Jour­nal for Art Mar­ket Stu­dies an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin.

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Dr. Su­san­ne Mey­er-Abich
An­sprech­part­ne­rin “Help Desk”
Ber­t­ha-Benz-Stra­ße  5
10117 Ber­lin
Te­le­fon+49 (0) 30 34 65 542 49
Te­le­fax+49 (0)391 727 763 6
E-Mailsu­san­ne.mey­er-abich@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

Der „Help Desk“ ist ganz­tä­gig be­setzt. Te­le­fo­ni­sche Sprech­zei­ten sind mon­tags bis don­ners­tags 14 bis 18 Uhr und nach Ver­ein­ba­rung. Per E-Mail ist der „Help Desk“ je­der­zeit er­reich­bar.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ist ei­ne 2015 vom Bund, den Län­dern und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den ge­grün­de­te Stif­tung. Es ist in Deutsch­land na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal der zen­tra­le An­sprech­part­ner zu Fra­gen un­recht­mä­ßi­ger Ent­zie­hun­gen von Kul­tur­gut im 19. und 20. Jahr­hun­dert, das sich heu­te in Samm­lun­gen deut­scher kul­tur­gut­be­wah­ren­der Ein­rich­tun­gen be­fin­det. Das Haupt­au­gen­merk des Zen­trums gilt hier­bei dem im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­gut ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz. Das Zen­trum ver­steht sei­ne Ar­beit als wich­ti­gen Bei­trag zur Wie­der­gut­ma­chung er­lit­te­nen Un­rechts.

Kunstsammlung Oetker restituiert NS-Raubgut

Das Bie­le­fel­der Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men Dr. Oet­ker hat ein Ge­mäl­de an die Er­ben des jü­di­schen Kunst­samm­lers Leo Ben­del zu­rück­ge­ge­ben. Bei dem Werk mit dem Ti­tel „Der He­xen­meis­ter“ von Carl Spitz­weg han­delt es sich um NS-Raub­gut.

Leo Ben­del, Ta­bak­händ­ler mit pol­ni­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit, leb­te zu­sam­men mit sei­ner Ehe­frau El­se Ben­del (geb. Gol­ze) in Ber­lin und Wien, bis er im Jahr 1935 auf­grund sei­nes jü­di­schen Glau­bens sei­nen Be­ruf ver­lor und kurz dar­auf sei­nen Wohn­sitz in Ber­lin auf­gab. Er ver­kauf­te das Kunst­werk 1937 an die Ga­le­rie Hei­ne­mann in Mün­chen. Im Jahr 1938 leg­te Ben­del sei­ne pol­ni­sche Staats­bür­ger­schaft ab und kon­ver­tier­te ge­mein­sam mit sei­ner Frau zum Ka­tho­li­zis­mus. Den­noch wur­de er im Sep­tem­ber 1939 von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten in Wien ver­haf­tet und ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald de­por­tiert, wo er im März 1940 er­mor­det wur­de. Sei­ne nicht­jü­di­sche Ehe­frau über­leb­te.

Ca­ro­li­ne Oet­ker er­stand das Carl-Spitz­weg-Ge­mäl­de von der Mün­che­ner Ga­le­rie Hei­ne­mann im Jah­re 1937. Sie ver­mach­te das Bild ih­rem En­kel Ru­dolf-Au­gust Oet­ker. 1998 wur­de es Be­stand­teil der dann ge­grün­de­ten Kunst­samm­lung Ru­dolf- Au­gust Oet­ker GmbH. Im Jahr 2006 hat­ten die Ver­tre­ter der Er­ben von Leo Ben­del die Kunst­samm­lung dar­auf auf­merk­sam ge­macht, dass sich das Ge­mäl­de einst in der Samm­lung von Leo Ben­del be­fand. Bei­de Sei­ten ei­nig­ten sich be­reits 2016 prin­zi­pi­ell auf ei­ne Rück­ga­be des Ge­mäl­des von der Kunst­samm­lung an die Er­ben Leo und El­se Ben­dels, je­doch nahm es Zeit in An­spruch, bis die recht- mä­ßi­gen Er­ben aus­fin­dig ge­macht und ihr An­spruch durch ent­spre­chen­de Erb­nach­wei­se be­legt wer­den konn­ten. Nach­dem das zu­stän­di­ge Ge­richt die an­spruchs­be­rech­tig­te Par­tei nun be­stimmt hat, konn­te das Ge­mäl­de zu­rück­ge­ge­ben wer­den.

Seit 2016 lässt die Kunst­samm­lung die Pro­ve­ni­en­zen der da­zu­ge­hö­ren­den Ob­jek­te um­fas­send re­cher­chie­ren. Ziel ist es, zu über­prü­fen, ob Kunst­wer­ke der Samm­lung ur­sprüng­lich im Be­sitz von Per­so­nen wa­ren, die von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­folgt wur­den und ob die Ob­jek­te auf­grund des­sen un­recht­mä­ßig ab­han­den­ge­kom­men sind.

Seit 2017 kön­nen pri­vat­recht­li­che Ein­rich­tun­gen oder Pri­vat­per­so­nen, die bei der ei­ge­nen Su­che nach NS-Raub­gut und fai­ren und ge­rech­ten Lö­sun­gen den Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en und der Ge­mein­sa­men Er­klä­rung fol­gen, ei­ne För­de­rung der Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­an­tra­gen.

Jüdische Gemeinde Oldenburg erhält Grundstein der alten Synagoge

20.06.2019

In ei­nem be­we­gen­den Fes­t­akt hat die Jü­di­sche Ge­mein­de Ol­den­burg den Grund­stein der al­ten Syn­ago­ge zu­rück­er­hal­ten. Der Grund­stein be­fand sich vie­le Jah­re im Be­stand des Stadt­mu­se­ums Ol­den­burg und konn­te im Zu­ge der dor­ti­gen vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten Pro­ve­ni­enz­for­schung nun als ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut re­sti­tu­iert wer­den. Die Jü­di­sche Ge­mein­de über­lässt den sym­bol­hal­ti­gen Stein dem Stadt­mu­se­um als wich­ti­ge Leih­ga­be für die Dau­er­aus­stel­lung.

„Am Bei­spiel sol­cher Re­sti­tu­tio­nen zeigt sich, wa­rum es wich­tig ist, Pro­ve­ni­enz­for­schung zu be­trei­ben und mit den recht­mä­ßi­gen Er­ben nach ge­rech­ten und fai­ren Lö­sun­gen im Sin­ne der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en zu su­chen. Sol­che Re­sti­tu­tio­nen krö­nen den lan­gen Weg der oft her­aus­for­dern­den For­schungs­ar­bei­ten“, sag­te So­phie Le­schik, Re­fe­ren­tin im Fach­be­reich Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Zen­trum.

Der Grund­stein war 1854 ge­legt wor­den. In der Po­grom­nacht 1938 setz­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten die Syn­ago­ge in Brand und zer­stör­ten sie, der Stein tauch­te 1959 bei Bau­ar­bei­ten wie­der auf und wur­de dann in die Samm­lun­gen des Stadt­mu­se­ums Ol­den­burg ge­ge­ben. Der ur­sprüng­li­che In­halt des Steins be­fin­det sich heu­te im Be­sitz des Braun­schwei­gi­schen Lan­des­mu­se­ums und um­fasst zwei gra­vier­te Plat­ten, zwei Mün­zen und ei­ne Zeit­kap­sel, die das Stadt­mu­se­um Ol­den­burg als Leih­ga­ben er­hält. Dar­über hin­aus ent­hielt er ei­ne Grund­riss­skiz­ze, ei­ne Glau­bens- und Pflich­ten­leh­re, ein Ge­set­zes­blatt und ei­nen Zei­tungs­aus­schnitt.

In der Stadt Ol­den­burg wird seit 2016 mit Un­ter­stüt­zung des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te Pro­ve­ni­enz­for­schung im Stadt­mu­se­um be­trie­ben: Über­prüft wer­den al­le künst­le­ri­schen Ar­bei­ten, die von 1933 bis 1945 Ein­gang in die Be­stän­de des Mu­se­ums fan­den. Be­trof­fen sind ins­ge­samt ca. 1000 Ob­jek­te.

Pres­se­mit­tei­lung der Stadt Ol­den­burg