Stellenausschreibung Landesmuseum Hannover: Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in Provenienzforschung (m/w/d), 50%

Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover ist mit den Bereichen Archäologie, Ethnologie, Landesgalerie, Naturkunde und Numismatik das größte staatliche Museum in Niedersachsen. Die Provenienzforschung erstreckt sich auf alle Fachbereiche des Hauses und ist zugleich die Koordinationsstelle des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen.

Im Bereich Provenienzforschung ist zum 1.1.2023 die Teilzeitstelle (50%)

Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in Provenienzforschung (m/w/d)

befristet für die Dauer von drei Jahren zu besetzen.

Die Stelle dient der wissenschaftlichen Unterstützung der Provenienzforschung am Landesmuseum Hannover. Zu den Aufgaben zählen Recherchen zu NS-Raubgut, zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten und zu weiteren Kontexten im Vorfeld der Annahme von Neuzugängen in allen Fachbereichen des Hauses. Ziel ist jeweils die Rekonstruktion der Provenienzen und Offenlegung möglicher unrechtmäßiger Besitzverhältnisse durch Objektautopsien sowie interne und externe Archivrecherchen. Weitere Aufgaben sind die Dokumentation von Recherche-Ergebnissen in Datenbanken und Dossiers, die Abstimmung von weiteren Schritten und Handlungs-empfehlungen, die Erstellung von Publikationen, die Unterstützung bei der Betreuung von Volontär*innen und Praktikant*innen, der Neugestaltung der KunstWelten des Landesmuseums und der Vermittlung von Provenienzforschung allgemein sowie der Koordination des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen.

Erwartet werden:

  • ein abgeschlossenes Hochschulstudium (mindestens Master) in den Fächern Geschichte, Kunstgeschichte, Ethnologie oder einem vergleichbaren Fach,
  • nachgewiesene einschlägige Erfahrungen auf dem Gebiet der Provenienzforschung, möglichst in beiden Hauptschwerpunkten (NS-Raubgut und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten),
  • Erfahrungen mit wissenschaftlichen (Archiv-)Recherchen und dem Verfassen von wissenschaftlichen Berichten,
  • Erfahrungen in der Sammlungsarbeit und im Umgang mit museumsbezogenen Datenbanksystemen,
  • vertiefte Kenntnisse der aktuellen Diskurse und Sensibilität für die politische, historische und ethische Dimension der Aufgabe,
  • Interesse an interdisziplinärer Arbeit, hohe Kommunikations- und Kooperationskompetenz,
  • sehr gute Kenntnisse der deutschen und englischen Sprache in Wort und Schrift, wünschenswert Kenntnisse in weiteren Fremdsprachen,
  • versierter Umgang mit den gängigen Office-Applikationen,
  • Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit, selbstständige Arbeitsweise, Zielorientierung, Prioritätensetzung und Diskretion.

Erwünscht sind:

  • Freude am Verfassen wissenschaftlicher und museumsrelevanter Texte und Erfahrungen in der Redaktion von wissenschaftlichen Texten,
  • Interesse an der Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte.

Die Vergütung erfolgt nach Entgeltgruppe 13 TV-L. Die Bereitschaft zum Dienst am Wochenende oder in den Abendstunden wird vorausgesetzt.

Wir fördern die Gleichstellung und wertschätzen Vielfalt. Daher begrüßen wir Bewerbungen von Menschen aller Nationalitäten sowie mit persönlicher oder familiärer Migrationsgeschichte.

Bewerbungen schwerbehinderter Menschen werden bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung nach Maßgabe der einschlägigen Vorschriften bevorzugt berücksichtigt. Bitte weisen Sie zur Wahrung Ihrer Interessen bereits in der Bewerbung auf eine Schwerbehinderung oder Gleichstellung hin und fügen einen entsprechenden Nachweis bei.

Wir bitten um Verständnis, dass Bewerbungsunterlagen nur zurückgesandt werden können, wenn ihnen ein frankierter Rückumschlag beiliegt. Andernfalls werden die Unterlagen nach Abschluss des Ausschreibungsverfahrens vernichtet. Ihre Daten werden ausschließlich für die Zwecke der Durchführung des Bewerbungsverfahrens verarbeitet und gespeichert.

Nachfragen zum Verfahren richten Sie bitte an Stephanie Versümer ().

Ihre ausführliche Bewerbung mit den üblichen Unterlagen richten Sie bitte bis zum 07.10.2022 (Eingangsschluss) an:

Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
Stephanie Versümer
Az: 03/Provenienzforschung
Willy-Brandt-Allee 5
30169 Hannover

Erstchecks III in Südniedersachsen (DZK-Projekt-ID KU03-2022)

Die Suche nach Kulturgütern, die während der NS-Zeit in Südniedersachsen unrechtmäßig entzogen wurden und in Museen gelangt sind, geht weiter. Bereits 2016 und 20217 führte der Landschaftsverband Südniedersachsen zwei Erstchecks mit anschließender Tiefenforschung über vier Jahre in insgesamt neun stadtgeschichtlichen Museen durch. Mit dem dritten Erstcheck in der Region soll Forschungsbedarf in vier weiteren Museen ermittelt werden: den Stadtmuseen Bad Gandersheim, Goslar und Moringen sowie dem Museum der Porzellanmanufaktur Schloss Fürstenberg. Auch diese Forschungsrunde wird wieder vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanziell gefördert.

Es wurden Museen ausgewählt, die entweder bereits vor der NS-Zeit gegründet wurden oder – wie im Fall Fürstenberg und Moringen – Objekte aus der Zeit vor 1945 im Bestand haben. Seitens der Museen besteht ein lebhaftes Interesse an der Klärung der unbekannten Herkunft von Einzelobjekten und Beständen. So hat beispielsweise das Heimatmuseum Moringen eine Fahne des örtlichen Arbeiter-Radfahrervereins im Bestand, deren Herkunft unklar ist. Oder im Museum Goslar soll dem Erwerb von Bildern des Goslarer Kunstsammlers Max Jacob (1897-1945 für tot erklärt) nachgegangen werden. Nach der Deportation des Sammlers im Jahr 1942 fragte das Finanzamt

Goslar den örtlichen Museumsleiter Dr. Carl Borchers als Taxator für zwölf von Max Jacob eingezogene Gemälde an. Bei dieser Gelegenheit erwarb das Museum zwei Bilder, der Weg der übrigen Bilder ist unbekannt.

Das Projekt erstreckt sich über einen Zeitraum von sechs Monaten. Es wird mit einer öffentlichen Abschlussveranstaltung enden. Die Ergebnisse werden auf der Webseite des Landschaftsverbands veröffentlicht werden, wo auch alle bisherigen Provenienzforschungsergebnisse und Publikationen zugänglich sind (https://landschaftsverband.org/museumsberatung/provenienzforschung.html). Der Erstcheck wird von Dr. Christian Riemenschneider übernommen, der bereits die vorausgegangenen Provenienzforschungsprojekte des Landschaftsverbands durchgeführt hat.

 

Fahne des Arbeiter-Radfahrervereins Sturmvogel 1922 Moringen im Heimatmuseum Moringen (Foto: Christian Riemenschneider)
Fahne des Arbeiter-Radfahrervereins Sturmvogel 1922 Moringen im Heimatmuseum Moringen (Foto: Christian Riemenschneider)

Colonized Objects and Bodies in Europe. New challenges and new perspectives on the Decolonialization of Cultural Heritage

Die Debatte um die Restitution von afrikanischen Kulturgütern, die während der Kolonialzeit nach Europa gelangten, hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Museen und Universitäten stehen mit ihren Sammlungen und ihrem Selbstverständnis mehr denn je im Fokus einer globalen Debatte um koloniale Vergangenheit, Erinnerungskultur und Restitution. Diese Beobachtung führt u.a. zu den folgenden Fragen: 

Wie kolonial ist das kulturelle Erbe in Europa und wie lässt es sich dekolonisieren? Welche Rolle spielen europäische Museen und Universitätssammlungen bei dieser Dekolonisierung?

Antworten auf diese und weitere Fragen sollen im Rahmen der Tagung “Colonized Objects and Bodes in Europe. New challenges and new perspectives on the Decolonialization of Cultural Heritage” am 24. und 25. Juni 2022 von internationalen Wissenschaftler:innen in Würzburg diskutiert werden, um den Blick auf europäische Museums- und Sammlungskulturen aus verschiedenen Perspektiven zu aktualisieren.

Die Veranstaltung findet in hybrider Form und in englischer Sprache statt. Die Teilnahme am Tagungsprogramm in Präsenz im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Würzburg (ohne Bewirtung) sowie online und ist jeweils kostenfrei. Interessierte Teilnehmer:innen werden gebeten, sich über das Formular auf der Tagungswebseite anzumelden:

https://colonizedobjectsandbodies.eu/

Call for Papers: Partizipation und Engagement damals und heute. Der Einfluss aktiver Bevölkerungsbeteiligung auf museale Sammlungen am Beispiel historischer und jüdischer Museen

Call for Papers:
Tagung, Braunschweigisches Landesmuseum, 17./18. April 2023
Deadline: 02.09.2022

Museen und Sammlungen verdanken ihre Gründungen nicht selten ausgeprägtem bürgerlichem Engagement. Das Braunschweigische Landesmuseum möchte die Sammlungsstrategien und -konzepte historischer und jüdischer Museen, die durch eine starke Beteiligung der Öffentlichkeit initiiert wurden, diskutieren. Bald nach der Gründungsphase stießen bürgerliche museale Initiativen an ihre Grenzen. Der Aufbau und die Pflege der Sammlung sollten wissenschaftlich betreut werden. Dafür wurde die Leitung an qualifizierte Wissenschaftler abgegeben.

Am 1891 gegründeten Vaterländischen Museum, heute das Braunschweigische Landesmuseum, war dies der Kunsthistoriker Karl Steinacker (1872-1944). Sein Konzept war darauf ausgerichtet, die Sammlung zu diversifizieren. Vernetzt innerhalb der Gesellschaft des Braunschweiger Landes, fand Karl Steinacker für seine Diversifizierungspläne auch innerhalb der jüdischen Gemeinden Unterstützung. Ausgelöst wurde dieses Engagement durch die Erwerbung der Inneneinrichtung der Hornburger Synagoge 1924. Danach erreichten das Museum zahlreiche Leihgaben und Schenkungen von Jüdinnen und Juden aus dem Land Braunschweig, die zu einer eigenen jüdischen Abteilung innerhalb des Museums zusammengeführt wurden. Die Beziehung zwischen Museum und jüdischer Gemeinschaft setzte sich nach 1945 fort. So beteiligten sich Jüdinnen und Juden aktiv an der Erweiterung der jüdischen Sammlung sowohl bei der Wiedereröffnung der Judaica-Abteilung 1987 als auch bei deren Neukonzeption 2021.

Daran anschließend stellen sich folgende Fragen mit Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft:
Wie beeinflusst aktive Bevölkerungsbeteiligung den Aufbau und die Weiterentwicklung musealer Sammlungen? Welches Mitspracherecht haben Bürgerinnen und Bürger und wie ist das Verhältnis zwischen bürgerlichen Beiräten zu Museumsleitungen? Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich aus dieser Partizipation und diesem Engagement? Welche Netzwerke haben sich entwickelt? Wie sind diese zustande gekommen? Wie organisiert sich die Zusammenarbeit zwischen Community und Museum? Wie können neue Communities erreicht werden? Mit diesen Fragen beziehen wir uns auf historische Museen im Allgemeinen sowie auf jüdische Museen und Sammlungen im Besonderen.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann freuen wir uns auf Ihr Exposé (nicht länger als 2000 Zeichen inkl. Leerzeichen) und Ihren Lebenslauf (nicht länger als 500 Zeichen inkl. Leerzeichen) bis zum 02.09.2022. Die Vorträge sollten eine Redezeit von 20-30 Minuten nicht überschreiten. Im Anschluss an jeden Vortrag planen wir eine 10-minütige Fragerunde ein.

Ihr Exposé und Ihren Lebenslauf schicken Sie bitte als PDF an: oder .
Die Tagung soll am 17./18. April 2023 analog in Braunschweig stattfinden. Reise- und Übernachtungskosten der Referent*innen werden erstattet. An eine Publikation der Redebeiträge in Buch- und Open Access-Form ist gedacht.

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste publiziert zweite Ausgabe der Reihe „Working Paper“

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat die zwei­te Aus­ga­be sei­ner neu­en Pu­bli­ka­ti­ons­rei­he „Wor­king Pa­per Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te“ ver­öf­fent­licht. Dar­in gibt die His­to­ri­ke­rin Eva Künk­ler an­hand aus­ge­wähl­ter Bei­spie­le ei­nen Über­blick über die sys­te­ma­ti­sche Plün­de­rung im Kon­text so­ge­nann­ter Straf­ex­pe­di­tio­nen in deut­schen Ko­lo­ni­al­ge­bie­ten in Afri­ka. Das Dos­sier trägt den Ti­tel „Ko­lo­nia­le Ge­walt und der Raub kul­tu­rel­ler Ob­jek­te und mensch­li­cher Über­res­te: Ei­ne sys­te­ma­ti­sche Über­sicht zu Mi­li­tär­ge­walt und so­ge­nann­ten Straf­ex­pe­di­tio­nen in deut­schen Ko­lo­ni­al­ge­bie­ten in Afri­ka (1884–1919)“ und er­scheint im Open Ac­cess auf der in­ter­dis­zi­pli­nären On­line-Pu­bli­ka­ti­ons­platt­form www.per­spec­ti­via.net der Max We­ber Stif­tung – Deut­sche Geis­tes­wis­sen­schaft­li­che In­sti­tu­te im Aus­land.

In der Rei­he „Wor­king Pa­per Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te“ er­schei­nen in lo­ser Fol­ge Tex­te zu ak­tu­el­len For­schungs­the­men on­li­ne. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem Dos­siers, Leit­fä­den, Re­cher­che­hil­fen, For­schungs­be­rich­te und Über­sich­ten aus al­len För­der­be­rei­chen und Hand­lungs­fel­dern der Stif­tung: zu NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut (sog. NS-Raub­gut), zu kriegs­be­dingt ver­brach­tem Kul­tur­gut (sog. Beu­te­gut), zu Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in SBZ/DDR und zu Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten.

Das Wor­king Pa­per von Eva Künk­ler kann auf www.per­spec­ti­via.net un­ter htt­ps://doi.org/10.25360/01-2022-00001 kos­ten­frei als pdf her­un­ter­ge­la­den wer­den. Ein wei­te­res Wor­king Pa­per, das sich mit so­ge­nann­ten Straf­ex­pe­di­tio­nen in Ozea­ni­en be­schäf­ti­gen wird, ist in Vor­be­rei­tung.

Abschlussbericht zum Projekt „Provenienzforschung zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten (China) in vier ostfriesischen Museen und Kultureinrichtungen“

Die Museumsfachstelle/Volkskunde des Kommunalverbandes Ostfriesische Landschaft hatte in einem Projekt die Provenienz von 511 Objekten, bei denen vermutet wurde, dass sie aus der ehemaligen deutschen Kolonie in China stammten, zu untersuchen. Diese Objekte befinden sich in vier ostfriesischen Museen und Kultureinrichtungen. Erforscht wurde die Herkunft von Objekten in den Sammlungen des Deutschen Sielhafenmuseums Carolinensiel, der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden, des Ostfriesischen Teemuseums Norden und des Fehn- und Schiffahrtmuseums Westrhauderfehn. Das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderte Projekt wird vom Netzwerk Provenienzforschung Niedersachsen unterstützt. Mit den Forschungen wurde Facts & Files Historisches Forschungsinstitut Berlin beauftragt.

Das Projekt hat am 1. Januar 2021 begonnen und ist am 31. Dezember 2021 abgeschlossen.

Zu Beginn des Projekts fand am 25. Februar 2021 eine öffentliche Auftaktveranstaltung in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und dem Netzwerk für Provenienzforschung in Niedersachsen unter Beteiligung u.a. von Prof. Dr. Sun Lixin und Prof. Dr. Cord Eberspächer (online) statt. Das Projekt wurde auf der vom Pekinger Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Qingdao vom 16. bis 17. Juni 2021 veranstalteten Konferenz „Kulturelle und historische Bedeutung des frühen deutsch-chinesischen bilateralen Austausches im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert“ und am 22. Oktober 2021 auf der Konferenz „Historische Relikte und historisches Gedächtnis im Kontext der deutsch-chinesischen Beziehungen“ durch Dr. Hajo Frölich (online) vorgestellt.

Am 12. November 2021 fand die Abschlussveranstaltung in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und dem Netzwerk für Provenienzforschung in Niedersachsen und unter Beteiligung von Prof. Dr. Sun Lixin, Prof. Dr. Cord Eberspächer, Stefanie Schmidt M.A., Beate Schreiber und Dr. Hajo Frölich (hybrid) statt. Siehe Bericht https://www.ostfriesischelandschaft.de/2815.html

Mit der Besetzung des Ortes Qingdao (Tsingtau) am Eingang der Bucht von Jiaozhou im November 1897 hatte das Deutsche Reich einen länger gehegten Plan zur Errichtung eines eigenen Stützpunkts für das Ostasiengeschwader der Kaiserlichen Marine sowie eines Handelsstützpunktes in die Tat umgesetzt. Im März des folgenden Jahres verpachtete die Regierung in Beijing gezwungenermaßen ein Gebiet von gut 500 Quadratkilometern für 99 Jahre an Deutschland.

In Qingdao waren zwischen 1.500 und 3.500 Soldaten des im Dezember 1897 eigens für die Besatzung der neuen Kolonie in Cuxhaven zusammengestellten III. Seebataillons stationiert, die rund drei Viertel der europäischen Bevölkerung in der Kolonie ausmachten. Im Unterschied zu den anderen, von der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes verwalteten Kolonien, bildeten die Marinesoldaten in Qingdao jedoch keine dauerhafte Kolonialarmee oder „Schutztruppe“, sondern wurden in der Regel alle zwei Jahre ausgetauscht. Doch auch jenseits des Militärs waren deutsche Seeleute, insbesondere Kapitäne und Steuermänner (als Heizer und Trimmer wurden Chinesen
bevorzugt), dauerhaft in China beschäftigt. Denn deutsche Reedereien spielten, neben britischen und chinesischen, mit ihren Dampfern eine wichtige Rolle im Waren- und Personenverkehr zwischen Hong Kong im Süden und Tianjin im Norden.

Der Alltag in Jiaozhou war – trotz eines Umschwungs hin zu mehr Kooperation gerade im Bildungswesen ab 1905 – durch ethnische Segregation bestimmt, für Chinesen und Europäer (sowie Japaner) gab es getrennte Rechtsordnungen, getrennte Stadtviertel, getrennte Toiletten. „Strafexpeditionen“ des III. Seebataillons mit dem Ziel der Durchsetzung des vertraglich konzessionierten Baus von Eisenbahnstrecken in den Jahren 1899 und 1900 trugen ebenso wie das aggressive Auftreten deutscher katholischer Missionare im Umland Jiaozhous maßgeblich zur Entstehung der Widerstandsbewegung der „Boxer“ (yihetuan oder „Kämpfer für Gerechtigkeit und Harmonie“) bei. Deren Niederschlagung 1900/1901 stellte nicht nur einen Höhepunkt der Demütigung Chinas durch die militärische Gewalt der europäischen Mächte, Japans und der USA dar. Das 1901 unterzeichnete Boxer-Protokoll beschleunigte durch immense Reparationszahlungen auch den Untergang des Chinesischen Kaiserreichs.

In den 1920er Jahren erlebte Qingdao, nominell Teil der Republik China, aber faktisch von Japan kontrolliert, wie das Unternehmertum in weiten Teilen Chinas auch, eine wirtschaftliche Blütezeit. An dem wachsenden Handel waren deutsche Kaufleute stark beteiligt. Zu diesem historischen Kontext, unter dem die Objekte in Qingdao entstanden, wurde im Projekt weiter in chinesischen und deutschen Archiven recherchiert.

Ursprünglich sollte die Zahl der zu untersuchenden Objekte 511 betragen. Durch Nachmeldungen erhöhte sich diese Zahl im Laufe des ersten Halbjahres 2021 auf 606 Objekte. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass ein Teil der Objekte aus mehreren Teilen besteht (z. B. Kanne und Deckel), die je einzeln inventarisiert sind. Außerdem konnten etwa 50 Objekte frühzeitig als nicht aus China oder Ostasien stammend identifiziert und folglich von der tiefergehenden Untersuchung ausgeschlossen werden.

Anhand der Museumsinventare, Objektdokumentation, Abbildungen und den bei der Autopsie erhobenen Provenienzmerkmalen wurden Vorbesitzer der Objekte ermittelt. Zu der Analyse gehörten auch die Identifikation, Transliteration und Übersetzung der gefundenen Marken, Punzen und sonstigen chinesischen und japanischen Beschriftungen.

Zu den Vorbesitzern selbst wurde in deutschen und chinesischen Archiven recherchiert. Zentrales Ziel dieser Recherchen war es, Bezüge der identifizierten Vorbesitzerinnen und Vorbesitzer oder deren Familien zu China festzustellen, insbesondere einen Aufenthalt dort nachweisen zu können, etwa als Soldat, ziviler Angestellter in Jiaozhou, als Teil einer Schiffsmannschaft, als Kaufmann oder in sonstiger Funktion. Im Bundesarchiv Militärarchiv Freiburg wurden insbesondere Akten aus dem Bestand des Reichsmarineamtes als Verwalter der Kolonie Tsingtau zu „Unruhen“ und „Wirren“ im Hinterland der Kolonie eingesehen, außerdem das Tagebuch eines im Boxerkrieg 1900/1901 eingesetzten Soldaten. Parallel identifizierte Facts & Files relevante Bestände im Niedersächsischen Staatsarchiv (Standorte Aurich, Oldenburg, Stade und Hannover), im Stadtarchiv Emden, im Sylter Archiv in Westerland und im Staatsarchiv Bremen zu einzelnen Vorbesitzern sowie zu namentlich genannten Porzellan- und Antiquitätenhändlern und stellte entsprechende Rechercheanfragen.

Insbesondere die weitergehende Auswertung des bereits genannten Bestandes des Reichsmarineamtes im Bundesarchiv Freiburg (267 Akten) führte zur Identifikation und weiteren Informationen zu Vorbesitzern.

Für die Vorbesitzer der Objekte der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden von 1814 erwiesen sich die Ergebnisse früherer Recherchen durch Aiko Schmidt, M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ostfriesischen Landesmuseums in Emden und stellvertretender Direktor der Naturforschenden Gesellschaft, als sehr hilfreich. Freundlicherweise stellte Herr Schmidt seine Ergebnisse Facts & Files zur Verfügung.

Prof. Dr. Cord Eberspächer (Hunan Normal University, Changsha, China) lieferte ebenfalls wichtige Anregungen und Hinweise. Diese betrafen nicht nur die Kontextforschung, sondern auch die konkreten Recherchen zu einzelnen Vorbesitzern. Hierzu stellte Prof. Eberspächer Facts & Files teils unveröffentlichte Manuskripte zur Verfügung.

Die Kuratorinnen der Wilhelmshavener Sonderausstellung „Tsingtau und Wilhelmshaven – Von Kolonie zu Kolonie“, Julia Heimlich und Stefanie Schmidt, gaben ebenfalls wertvolle Hinweise und Informationen zu Händlern und anderen Akteure des Kunst- und Souvenirhandels in Qingdao während der deutschen Besatzungszeit, die sie für die Ausstellungsrecherche ermittelt hatte.

Die Kooperation betraf im Wesentlichen die Begutachtung ausgewählter Objekte, Archivrecherchen, Literaturrecherchen und die Teilnahme an Veranstaltungen.

Aufgrund seiner eigenen Forschungserfahrung empfahl Sun Lixin für die Recherche nach Archivalien zu konkreten Vorbesitzern einerseits und zum Handel speziell in der Kolonie Jiaozhou andererseits – primär das Stadtarchiv Qingdao sowie das Zweite Historische Staatsarchiv in Nanjing. Die Kooperation mit Prof. Sun Lixin betraf im Wesentlichen die Begutachtung ausgewählter Objekte, Archivrecherchen, Literaturrecherchen und die Teilnahme an Veranstaltungen. Sun Lixin recherchierte im Stadtarchiv Qingdao und im Zweiten Historischen Staatsarchiv in Nanjing.

Bei 270, also knapp der Hälfte aller zu untersuchenden, Objekten wurde durch die Analyse der darauf befindlichen Marken festgestellt, dass diese nicht in China hergestellt worden waren. Davon sind 119 chinesisch oder asiatisch dekorierte Porzellane, vor allem Tassen, Untertassen und Teekannen. Viele davon wurden in Japan produziert, einige auch in Deutschland. Beispielsweise stammen acht Stücke aus der Fabrik Carl Hans Tuppack GmbH, Tiefenfurt, Schlesien, die ab 1927 bis zum Ende der Firma 1945 asiatische Motive als Marken verwendete. Die als in Japan produzierten Stücke wurden aufgrund ihres möglichen Erwerbs in China (oder auf dem Weg von/nach China) weiter untersucht. Die überwiegende Mehrheit der neu zugeschriebenen Objekte (233) befindet sich im Sielhafenmuseum Carolinensiel, während in den anderen Häusern nur jeweils etwa zehn Objekte betroffen sind.

Bei 43 Objekten konnte zudem die Datierung des Objektes korrigiert oder präzisiert werden – am eindrücklichsten vielleicht im Falle einer Seidenlampe, die bislang grob als „20. Jahrhundert“ verzeichnet war, offenbar jedoch zwischen 1952 und etwa 1956 in der Volksrepublik China hergestellt wurde. Anhaltspunkt hierfür ist die Beschriftung der augenscheinlich originalen Glühbirne. Die schon länger bestehende Glühbirnenfabrik hieß erst seit 1952 – wie aufgedruckt – Shanghai dengpao chang 上海燈泡厰. Zugleich ist der Name hier noch in Langzeichen geschrieben, die ab 1956 schrittweise durch Kurzzeichen ersetzt wurden.

Im Falle der tatsächlich in China hergestellten Porzellane erwiesen sich angebrachte Regierungs-Marken in den meisten Fällen und wenig überraschend als Nachahmungen, die für die Datierung allenfalls einen terminus post quem lieferten. Alle ermittelten 55 Marken wurden dokumentiert und anhand von Fachliteratur sowie unterschiedlichen, insbesondere chinesischen Quellen im Internet bestimmt.

Die Ausfuhr von Objekten aus China wird in den recherchierten Archivalien nicht dokumentiert. Wohl auch aufgrund der Tatsache, dass Ausfuhrbeschränkungen für Kulturgüter in China erst ab den 1920er Jahren wirksam wurden, sind entsprechende Unterlagen nicht überliefert.

Nicht näher untersucht wurden die chinesischen Porzellane aus den Wracks von Schiffen, die lange vor 1839 (dem Beginn des Ersten Opiumkrieges) gesunken waren und erst in den 1980er und 1990er Jahren geborgen wurden („Geldermalsen“ 1985, „Vung Tau“ 1990, „Diana“ 1994, „Tek Sing“ 1999). Die in den Wracks befindlichen Objekte waren überwiegend zum Export bestimmt.

Sechs der recherchierten Voreigentümer waren Angehörige des Militärs und aus diesem Grund in China, drei davon waren nachweislich in Qingdao stationiert. Von diesen drei Voreigentümern kamen 109 Objekte in die vier Sammlungen. Neun Voreigentümer waren Seeleute bzw. Kapitäne. Nachweislich in Qingdao war davon lediglich Jelleus Prahm, der 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft geriet. Von diesem kamen 1963 drei Objekte über Heinrich Haake in das Museum in Westrhauderfehn, wovon sich noch eines in der Sammlung befindet. 155 Objekte sind damit als „Mitbringsel“ mit einer möglichen Erwerbung in Qingdao zu bezeichnen, auch wenn sie mitunter nicht in China produziert wurden, sondern aus Japan importiert worden waren.

23 Personen gaben Stücke an die Museen, ohne das für sie eine Beziehung zu Ostasien oder Qingdao ermittelbar war. Jedoch lebten alle in Ostfriesland oder waren dort geboren worden. Heinrich Roskam kaufte als Direktor des Fehn- und Schiffahrtsmuseum Sammlungsstücke an. Diese Ankäufe dienten auch dazu, die Beziehungen zu China und Ostasien allgemein in den Sammlungen des Museums zu illustrieren.

Ein unrechtmäßiger Erwerb im Sinne der Definition des „Leitfadens zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ und der „Empfehlungen zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen“ des Deutschen Museumsbunds konnte in keinem Fall nachgewiesen werden.

Die relevanten Objekte werden online auf https://www.postcolonial-provenance-research.com (PAESE – Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen) veröffentlicht.

Bericht zur Abschlusskonferenz zum Projekt „Provenienzforschung zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten (China) in vier ostfriesischen Museen und Kultureinrichtungen“

Das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderte und durch das Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen unterstützte Projekt startete am 1. Januar 2021 und endet am 31. Dezember desselben Jahres. Beteiligt an ihm waren das Deutsche Sielhafenmuseum Carolinensiel, die Naturforschende Gesellschaft zu Emden von 1814, das Ostfriesische Teemuseum Norden und das Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn. Den Antrag stellte und die Koordination übernahm die Museumsfachstelle der Ostfriesischen Landschaft. Ausgeführt wurden die Forschungen von Facts & Files Historisches Forschungsinstitut Berlin.

Das Projekt legte sein Augenmerk auf etwa 500 durch die beteiligten Einrichtungen benannte Objekte, von denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgingen, dass diese in einem kolonialen Zusammenhang zu Qingdao, dem ehemaligen „Schutzgebiet“ des Deutschen Reiches stehen könnten. Dies herauszufinden sowie Informationen zu den Vorbesitzerinnen und Vorbesitzern der Objekte zu eruieren, war die Hauptaufgabe des Projekts. Darüber hinaus waren auch allgemeinere Kenntnisse zu den Verhältnissen in Qingdao zur Kolonialzeit von Interesse. Als Kooperationspartner konnte Prof. Dr. Sun Lixin von der Shandong Universität in Jinan, China, gewonnen werden. Er unterstützte zusammen mit von ihm herangezogenen chinesischen Kolleginnen und Kollegen das Projekt durch Archivrecherchen in chinesischen Archiven und fachkompetente Anmerkungen zu einer Reihe der zu untersuchenden Sammlungsstücke.

Die Abschlussveranstaltung sollte vor allem die Ergebnisse der Untersuchungen vorstellen. Diese waren eingebettet in weitere Vorträge. Prof. Sun Lixin referierte zur chinesischen Gesellschaft unter deutscher Kolonialherrschaft zwischen 1897 und 1814. Prof. Cord Eberspächer vom Institut für Vergleichende chinesische und europäische Geschichte der Universität Changsha, China, richtete den Blick auf die Plünderung des kaiserlichen Palasts und auf chinesische Dinge in deutschen Museen und Sammlungen und auf ihre Herkunft. Die Kunsthistorikerin und Sinologin Stefanie Schmidt M.A. eröffnete das Thema der kolonialen Mitbringsel und fragte nach einer Massenproduktion für eine neue Käuferschaft in der Kolonie. Die Präsentation der Projektergebnisse lag dann in den Händen von Beate Schreiber und Dr. Hajo Frölich von Facts & Files.

Zu Beginn der Veranstaltung erfolgten mehrere Grußworte.

Der Präsident der Ostfriesischen Landschaft, Rico Mecklenburg, dankte vor allem den Mittelgebern, Unterstützerinnen und Unterstützern und allen, die sich aktiv am Forschungsprojekt sowie an der Durchführung der Veranstaltung beteiligt haben. Dr. Jan Hüsgen, Referent für Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, stellte diese Einrichtung vor und betonte den Pilotcharakter des ostfriesischen Projekts, das vier kleinere Museen und ihre Bestände bündelt und es so ermöglicht, nicht nur große Häuser in den Metropolen in den Blick der kolonialen Provenienzforschung zu stellen. Dr. Claudia Andratschke, Koordinatorin des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen, trug ihr Grußwort auch im Namen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur vor und bedankte sich ebenfalls bei den am Projekt mitwirkenden und das Vorhaben unterstützenden Einrichtungen und Personen. Dabei hob sie insbesondere die vier ostfriesischen Museen und deren Leiter*innen hervor, ohne deren Offenheit und Motivation, die Geschichte ihrer Häuser und die koloniale Herkunft ihrer Sammlungen aufzuarbeiten, derartige Projekte nicht möglich seien. Das Projekt sei nur der Auftakt für weitere Vorhaben in diesem Bereich, die das Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen auch weiterhin gern unterstützen wird.

 

Prof. Dr. Sun Lixin, School of History and Culture/ German Research Centre, Shandong University

Die chinesische Gesellschaft in Qingdao unter deutscher Kolonialherrschaft (1897-1914)

Von 1897 bis 1914 nahmen die deutschen Kolonisten eine herrschende Stellung in Qingdao ein, aber die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung blieben die Chinesen.

Im Hinblick auf die Berufsklassifikation bestand die chinesische Gesellschaft Qingdaos in der Zeit der deutschen Besetzung hauptsächlich aus Arbeitern, Geschäftsleuten, Literaten, Studenten, Kompradoren (chinesischen Vermittlern in ausländischen Diensten) und Angestellten sowie ehemaligen Qing-Adligen und -Ministern.

Obwohl die deutsche Regierung der chinesischen Bevölkerung eine strikte Politik der Apartheid auferlegte, hatten die Deutschen und die Chinesen in Qingdao jedoch unweigerlich Kontakt und Austausch in verschiedenen Formen. Dazu gehörten Ausgrenzung und Widerstand, aber auch Mitwirkung und Kooperation. Durch vielfältige Kontakte erlernte und akzeptierte ein Teil der Chinesen nicht nur westliche Wissenschaft und Technologie, sondern bildete auch ein starkes Gefühl von Nationalismus aus und strebte eine unabhängige Modernisierung an. Beides spielte in der Entwicklung der Stadt Qingdao eine sehr wichtige Rolle.

The Chinese society in Qingdao under German colonial rule

From 1897 to 1914, the German colonists dominated Qingdao, but the vast majority of the population remained Chinese.According to the occupational classification, the Chinese society of Qingdao at the time of the German occupation consisted mainly of workers, business people, writers, students, compradors and employees as well as former Qing nobles and ministers.Although the German government imposed a strict policy of apartheid on the Chinese people, however the Germans and Chinese in Qingdao inevitably had contact and exchanges in various forms. These included compliance and collaboration, but exclusion and resistance as well. Through a variety of contacts, part of the Chinese not only came into contact with an began to accepted Western science and technology, but also formed a strong sense of nationalism and a desire for independent modernization. Both played a very important role in the development of the city of Qingdao.

山东大学历史文化学院/德国研究中心孙立新教授、博士

德国殖民统治下的青岛中国人社会(1897-1914)

自1897年到1914年,德国殖民者虽然在青岛处于统治地位,但当地占总人口绝大多数的依然是中国人。根据职业划分,德国占领时期的青岛中国人社会主要由工人、商人、文人、学生、买办、职员以及清朝从前的贵族和大臣组成。尽管德国政府针对中国人实行了严格的种族隔离政策,然而生活在青岛的德国人与中国人之间不可避免地存在着各种形式的接触与交流,其中包含了排斥与反抗、顺应与合作。通过接触与交流,部分中国人不仅学习并接受了西方的科学技术,更是萌生了一种强烈的民族主义感情,并且致力于谋求一种独立自主的现代化进程。他们在青岛市的发展中发挥了极为重要的作用。

 

Prof. Dr. Cord Eberspächer, Professor für Vergleichende chinesische und europäische Geschichte, Universität Changsha, China

Die Plünderung des kaiserlichen Palastes Chinesische Dinge in deutschen Museen und Sammlungen und ihre Herkunft

Während die Debatten um koloniale Raubkunst aus Afrika und Ozeanien und ihre Restitution in voller Intensität geführt werden, bleibt es um China merkwürdig ruhig. Dabei ist China im Verlauf der 19. und frühen 20. Jahrhunderts massiver kolonialer Gewalt ausgesetzt gewesen und hat durch Raub und Plünderung zahllose Kunstschätze verloren, die heute in europäischen, amerikanischen und japanischen Museen und Sammlungen zu finden sind. Doch China war nie eine westliche Kolonie. Da das chinesische Kaiserreich also durch die gesamte Periode des Kolonialismus ein souveräner Staat blieb, sind die Provenienzen chinesischer Kunstwerke, die in den Westen und damit auch nach Deutschland gelangten, ausgesprochen vielfältig. Sie reichen von Raubgut über Geschenke bis hin zu legalen Ankäufen und umfassen neben erlesenen Kunstwerken auch minderwertige Ware, die ausschließlich für den Export produziert wurde, von Fälschungen ganz zu schweigen.

Der Vortrag widmet sich anhand konkreter Beispiele den vielfältigen Dimensionen des Transfers von Kunstwerken und ähnlichen Gegenständen aus China nach Deutschland und trägt dazu bei, Sammlungsgegenstände und ihre Provenienz vor dem Hintergrund der deutsch-chinesischen Geschichte besser einordnen zu können.

Looting the Imperial Palace. Chinese Things in German Museums and Collections and their origin

While the debates on colonial looted art from Africa and Oceania and their restitution are engaged in full intensity, around China everything stays strangely quiet. Yet China has been object of massive colonial violence in the course of the 19th and early 20th century and lost countless art treasures through looting and pillage, that today can be found in European, American and Japanese museums and collections. But China never was a Western colony. As imperial China through the whole period of colonialism remained a sovereign state, the provenances of Chinese art objects that reached the West and Germany are remarkably manifold. They span from looted art over presents to legally purchased goods and include next to objects of art also things of minor value that were exclusively produced for export, and of course also forgeries.

The lecture will demonstrate on concrete examples the varied dimensions of the transfer of art treasures and related things from China to Germany and will thus contribute to a clearer understanding of Chinese collections and their provenances against the background of Sino-German history.

湖南师范大学中国与欧洲比较史Cord Eberspächer教授、博士

抢劫皇宫——德国博物馆与收藏中的中国物品及其来源

相较于正在热烈展开的关于从殖民时期的非洲和大洋洲所掠夺的艺术品及其归还的争论,与中国相关的这一论题却令人惊奇地鲜少讨论。然而,在19世纪和20世纪初,中国遭受了极其严重的殖民主义暴力,并在抢劫和掠夺中失去了无数的艺术珍品。如今人们可以在遍布欧洲、美国和日本的博物馆和收藏中看到这些珍品。不过,中国自始至终并未沦为西方的殖民地。由于中华帝国在整个殖民主义时期都是一个主权国家,所以到达西方——其中也包括德国——的中国艺术品的流转经历极其多样:有抢劫来的珍品,有礼物,也有合法购买的物品,其中不仅包括精致的艺术品,还有专门为出口而生产的价值不高的商品,当然还有各种赝品。本报告通过具体的事例来阐述艺术品及类似物品从中国流传到德国的多种维度,从而有助于在德中历史的背景下对这些藏品及其来源更好地进行归类。

 

Diskussion

Im Anschluss an die ersten beiden Vorträge war die Möglichkeit zur Diskussion gegeben. Frau Wilma Nyari, Organisatorin des „runden Tisches Kolonisierung/Dekolonisierung“ in Wilhelmshaven, forderte eine deutlich gesellschaftskritischere und nicht vorrangig historische Auseinandersetzung im Bereich Provenienzforschung ein sowie die Verwendung einer sensiblen Sprache. Ihre Aufforderung bezog sich nicht allein auf die Auseinandersetzung mit der ehemaligen Kolonie des Deutschen Reichs in China, sondern allgemein auf Situationen mit einseitiger Macht- und Gewaltausübung von Angehörigen ehemaliger Kolonialmächte in der Welt. Die Folgen der Kolonialzeit wirken bis in die Gegenwart, vor allem auf marginalisierte Gruppen, weswegen verstärkt zivilgesellschaftliche Verbände in die Projekte mit einbezogen werden sollten. In diesem Ansatz wurde sie grundsätzlich von Sina Schindler unterstützt, Projektkoordinatorin beim Verein korientation in Berlin.

Prof. Cord Eberspächer stimmte dem Anliegen prinzipiell zu. Er betonte die Prägungen und Traumatisierungen von Kolonisierten und Kolonisatoren als wichtiges Thema und dass koloniale Strukturen das Denken lange, z. T. bis in die Gegenwart bestimmen. Er gab zu bedenken, dass das Thema des Projekts konkret Sammlungsgüter mit einem kolonialen Hintergrund sei, mit einem Fokus auf China und die Betrachtung der Einzelobjekte und ihrer Geschichte erst erfolgen müsse, bevor die Debatte erweitert würde. Dr. Jan Hüsgen ergänzte den Ansatz, den das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste mit der Förderung von Provenienzen verfolgt, nämlich die Sensibilisierung für koloniale Kontexte in Museen, auch in kleineren Einrichtungen, abseits der Metropolen. Dies sowie die Kooperationen mit Vertreterinnen und Vertretern der Herkunftsgesellschaft sah er im ostfriesischen Projekt als eingelöst. Zudem wies er darauf hin, dass das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste Forschungen zu Objekten aus Gewaltkontexten prioritär bearbeitet.

 

Stefanie Schmidt M.A.

Koloniale Mitbringsel: japanische Massenproduktion für eine neue Käuferschaft

In vielen deutschen Sammlungen und Archiven lagern „Mitbringsel“ ehemaliger in Tsingtau/Qingdao, China stationierter (See-) Soldaten. Leider ist über diese asiatischen Kunstgegenstände, die für den jeweiligen Käufer ein Andenken an die Dienstzeit in Fernost darstellten, oft nur wenig bekannt und die Herkunftsbezeichnung mitunter irreführend. Eine kritische Betrachtung der über die Kolonie Qingdao nach Deutschland gelangten „chinesischen“ Stücke hinsichtlich der Frage nach Hersteller und Käuferschaft zeigt, dass eine Neubewertung vieler Objekte zwingend erforderlich ist.

Die Verwaltung der deutschen Kolonie in China unterstand der Leitung der Kaiserlichen Marine. Die großangelegten Bauarbeiten am Qingdaoer Hafen und die ständige militärische Besetzung des Pachtgebiets, sorgte für den regelmäßigen Zustrom einer spezifischen Gruppe Menschen – Seesoldaten. Diese wiederum stellten für den Markt eine ganz neue Art Käuferschaft dar: eine, die nur eine begrenzte Zeit blieb und individuelle Wünsche hatte. Beliebte Mitbringsel waren Porzellan, Holzschnitzarbeiten, Lack-Fotoalben, aber auch vor Ort individualisierte Seidenstickbilder.

Eine konkrete Herkunftsbestimmung ist bei Porzellanen oder Lack-, bzw. Schnitzarbeiten vergleichsweise einfach, da häufig bereits die abgebildeten Motive japanischen Ursprungs sind. Zudem sind vor allem Keramiken oft mit einer eindeutig zu identifizierenden Herstellermarke versehen. Anders sieht es bei den für Seesoldaten hergestellten Seidenstickbildern aus. Doch auch bei diesen gibt es repräsentative Stücke mit japanischen Herstellerbezeichnungen.

Es deutet alles darauf hin, dass sich japanische Händler, die zu der Zeit bereits in anderen Kolonialhäfen (darunter Shanghai und Hongkong) ansässig waren, der neuen Käuferschaft angenommen haben. Daraus ergibt sich, dass nicht jedes Mitbringsel eines Seesoldaten aus Zeiten der Kolonie Qingdao zwangsläufig einer chinesischen Herkunft zuzuordnen ist. Zweifellos wurden diese Stücke in China verkauft, jedoch von japanischen Händlern in großem Umfang (und zum Teil ausschließlich) für die oben angegebene Klientel angefertigt und vertrieben.

Colonial souvenirs: Japanese mass production for a new group of buyersMany German collections and archives store “souvenirs” from soldiers who were (sea) soldiers stationed in Tsingtau / Qingdao, China. Unfortunately, little is known about these Asian objects of art, which for the respective buyer represented a souvenir of the service in the Far East, and the designation of origin is sometimes misleading. A critical examination of the “Chinese” pieces that came to Germany via the Qingdao colony with regard to the question of manufacturers and buyers shows that a reassessment of many objects is imperative.The administration of the German colony in China was under the direction of the Imperial Navy. The large-scale construction work on Qingdao Port and the constant military occupation of the leased area ensured the regular influx of a specific group of people – marines. These in turn represented a completely new type of buyer base for the market: one who only stayed for a limited time and had individual wishes. Popular souvenirs were porcelain, wood carvings, lacquer photo albums, but also silk embroidery pictures that were customized on site.It is comparatively easy to determine the origin of porcelain or lacquer or carving, as the motifs shown are often of Japanese origin. In addition, ceramics in particular are often provided with a clearly identifiable manufacturer’s mark. The situation is different with the silk embroidery pictures made for marines. But even with these there are representative pieces with Japanese manufacturer names.Everything indicates that Japanese traders, who were already based in other colonial ports (including Shanghai and Hong Kong) at the time, have accepted the new buyers. From this it follows that not every souvenir a marine brought back from the times of the Qingdao colony can inevitably be assigned to a Chinese origin. These pieces were undoubtedly sold in China, but were made and sold by Japanese dealers on a large scale (and in some cases exclusively) for the above-mentioned clientele. 

殖民地纪念品:为新顾客群批量生产的日本工艺品

许多德国收藏和档案馆中都存放有以前曾在中国青岛驻扎过的(海军)士兵带回的 “纪念品”。遗憾的是人们对这些被购买者当作是对其在远东服役时光的一种纪念的亚洲工艺品通常知之甚少,并且也时常被那些关于产地的注明所误导。出于要查清制作者和购买者而对这些经由青岛殖民地流转到德国的 “中国”物品进行的一种批判性研究表明,对许多物品重新进行评估是极为必要的。

德国在中国的殖民地由德意志帝国海军负责管理。青岛港的大规模修建工作以及对租界持续的军事占领使得“海军士兵”这样一个特定群体会定期涌入。另一方面,这些士兵又成为了市场上一个全新的购买群体:他们停留的时间有限,且有各自不同的需求。受欢迎的纪念品有瓷器、木雕、漆画相册,但也有在当地制作的具有个性色彩的丝绸刺绣画。

确定瓷器、漆画或雕刻品的具体来源相对比较容易,因为这些物品所描绘的图案通常源自日本。此外,它们往往带有一个清晰可辨的制作者的印章,特别是陶瓷制品。但为海军士兵所制作的丝绸刺绣画则不一样。然而即使在这些画中也有一些代表性作品是带有日本制作者的印章的。

各种迹象表明,当时已经在其他殖民地港口(其中包括上海和香港)经商的日本商人瞄准了这些新买家。由此可见,并不能将每一个被海军士兵从殖民时期的青岛带回来的纪念品的源头都归于中国。毋庸置疑,这些商品是在中国出售的,但它们是由日本商人为上述客户大批量制作(在某些情况下是专门制作)并经销的。

 

Beate Schreiber und Dr. Hajo Frölich, Facts & Files Historisches Forschungsinstitut Berlin

Provenienz China? Forschungsergebnisse des Projekts in Ostfriesland

Im Rahmen des einjährigen Projekts haben wir die Herkunft von mehr als 500 ostasiatischen Objekten in vier Museen und Kultureinrichtungen in Ostfriesland untersucht. Dabei handelte es sich zur Hälfte um Keramik, aber auch um Kunsthandwerk aus Metall, Textilien und anderes. Sofern vorhanden, wurden zuerst Provenienzmerkmale an den Objekten selbst dokumentiert. Dabei stellte sich heraus, dass viele bislang als „chinesisch“ geführte Stücke tatsächlich aus Japan stammen.

Wie in Kooperation mit Professor Sun Lixin von der Shandong University in Jinan ermittelt wurde, handelt es sich zu einem großen Teil um Export- und Massenware sowie Alltagsgegenstände. Da folglich eine Identifizierung individueller Stücke in den Quellen kaum möglich ist, wurden biografische Recherchen zu den in den Museumsunterlagen dokumentierten Vorbesitzerinnen oder Vorbesitzern genutzt, um so über die Biografien der Personen Hinweise auf einen Bezug zu China und die eventuelle Erwerbung des Objekts vor Ort zu verifizieren. Diese mehr als 60 Personen lassen sich in vier Gruppen einteilen:

  1. Marinesoldaten aus Ostfriesland, die in der deutschen Kolonie Jiaozhou (mit der Hauptstadt Qingdao) Dienst taten (vertreten besonders im Deutschen Sielhafenmuseum Carolinensiel)
  2. Zivile Beamte, Kaufleute oder Angehörige anderer Berufe in Jiaozhou (vertreten u.a. in der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden von 1814)
  3. Kapitäne und Seeleute, die chinesische Häfen anliefen (bedeutsam vor allem vor 1897, vertreten u.a. im Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn)
  4. Antiquitäten- oder Ostasiatika-Händler in Deutschland (vertreten vor allem im Ostfriesischen Teemuseum Norden).

Aus den genannten Gründen konnten nicht alle Provenienzen geklärt werden. Konkrete Hinweise auf Raubgut konnten nicht festgestellt, aber auch nicht ausgeschlossen werden. Mit Ausnahme einiger vor 1840 ausgeführter oder nach 1949 produzierter Objekte stammen alle aus einem kolonialen Kontext – entweder aus der Kolonie Jiaozhou (das gilt wahrscheinlich auch für die erwähnten, in Japan hergestellten Objekte) oder aus einem anderen Teil Chinas, das um 1900 weitgehend durch die Kolonialmächte beeinflusst wurde. Auch diese kolonialen Erwerbungskontexte wurden untersucht. Dabei wurde deutlich, dass China kein passives Opfer des Kolonialismus war. Gerade in der Provinz Shandong, in der Jiaozhou lag, betrieb die Regierung intensive Wirtschaftsförderung und leistete den Deutschen so ökonomischen Widerstand. So entstanden zahlreiche Produktionsstätten von Kunsthandwerk, und die Zahl entsprechender chinesischer (aber auch japanischer) Geschäfte in Qingdao nahm stetig zu.

Origin China? Research results of the project in East FrisiaDuring the one-year project, the provenance of more than 500 East Asian objects in four museums and cultural institutions in East Frisia were examined. Half of these were ceramics, but also metal handicrafts, textiles, and other things. Where available, provenance markings on the objects themselves were first documented. It turned out that many of the pieces that had previously been classified as “Chinese” actually originate from Japan.With the expert support by Professor Sun Lixin from Shandong University in Jinan, it was concluded that these objects are mostly export and mass-produced goods as well as everyday objects. Since it is therefore hardly possible to identify individual items in the archival sources, biographical research on the previous owners documented in the museum files was used, and verified if these persons had any connection due to travel, work or their ancestors to the colony Qingdao. We researched more than 60 persons belonging to four types:1. Marines from East Friesland who served in the German colony of Jiaozhou (with the capital Qingdao) (particularly represented in the German Sluice Port Museum Carolinensiel)2. Civil officials, merchants, or members of other professions in Jiaozhou (represented in the Association of Naturalists in Emden from 1814)3. Captains and seamen who called at Chinese ports (most prominent before 1897, represented in the Fen and Navy Museum Westrhauderfehn, among others)4. Dealers in antiques or East Asian artifacts in Germany (mainly represented in the East Frisian Tea Museum in Norden).For the reasons discussed, full provenance information for each object could not be established. Any specific evidence of looted objects could not be determined, but that possibility can also not be excluded either. With the exception of a few objects exported before 1840 or produced after 1949, all of them derive from a colonial context – either from the Jiaozhou colony (this probably also applies to the objects mentioned, which were made in Japan) or from another part of China, which was largely affected by colonial powers around 1900.Thesecolonial acquisition contexts were also examined. Our research shows that China was not a passive victim of colonialism. Particularly in the Shandong Province, where Jiaozhou was located, the Chinese government promoted the economic development intensively, and thus created economic resistance to the Germans. This resulted in numerous handicraft production facilities, and the number of Chinese (but also Japanese) shops in Qingdao increased steadily. 

柏林事实与档案历史研究所Beate Schreiber和Hajo Frölich博士

源自中国?东弗里斯兰项目研究成果

在为期一年的项目工作中,我们研究了东弗里斯兰四个博物馆与文化机构中500多件东亚物品的来源。这些物品中有一半是陶瓷,但也有使用金属、纺织品和其他材质所制作的工艺品。我们首先对手头已有的物品自身所标记的产地作了记录,结果却显示,许多之前被列为产自 “中国 “的物品实际上源自日本。

在与济南山东大学的孙立新教授合作时,我们发现这些物品主要是用于出口且批量生产的商品以及日常用品。鉴于借助档案资料几乎不可能识别单个物品,因此我们对博物馆记录中有关物品之前的所有者的生平进行了调查研究,以便通过他们的生活轨迹来验证物品与中国相关联的线索并对物品的产地予以确认。这60多名前所有者按照其身份可以分为四种类型:

  1. 来自东弗里斯兰的海军士兵,他们曾在德国殖民地胶州(首都青岛)服役(主要以位于德国维特蒙德市Carolinensiel城区的Sielhafenmuseum博物馆为代表)。
  2. 胶州的公务员、商人或从事其他职业的人员(以1814年的Naturforschende Gesellschaft zu Emden及其他组织为代表)。
  3. 在中国港口停靠的船长和海员(1897年前的时期极为重要,以位于Westrhauderfehn的Fehn- und Schiffahrtsmuseum博物馆为代表)。
  4. 生活在德国的古董商或经营东亚工艺品的商人(主要以位于Norden的东弗里斯兰茶叶博物馆为代表)。

鉴于上述各种原因,我们无法澄清所有物品的来源。我们没有发现任何掠夺财物的具体线索。然而,我们也不能排除这种可能性的存在。除了少数1840年以前出口或1949年以后生产的物品外,所有物品都带有殖民时代这一大背景——它们要么来自殖民地胶州(这可能也适用于上述在日本生产的物品),要么来自中国其他地区——中国在1900年左右几乎完全处于各殖民强权的影响之下。我们也对这一殖民时期的收购背景进行了研究。其结果显示,中国并不是殖民主义的被动受害者,尤其在胶州所处的山东省,当地政府推行了密集的经济促进措施,对德国人在经济领域进行抵抗。由此带来的是不计其数的工艺美术品生产厂得以建立,而相应的中国(但也包括日本)商店的数量在青岛也与日俱增。

 

Diskussion

Die Diskussion begann Frau Nyari mit einem Dank an die Referentinnen und den Referenten und der Einladung an den Runden Tisch Kolonisierung/Dekolonisierung in Wilhelmshaven. Herr Jürgens vom Pressebüro Werner Jürgens griff ein von Dr. Frölich genanntes Objekt, einen geflochtenen Zopf aus der Sammlung der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden, auf und fragte, ob dieser nicht anders zu betrachten sei als die Mehrzahl der anderen Objekte, bei denen es sich offensichtlich um Souvenirs handele.

Frau Schreiber und Dr. Frölich stimmten hier zu und erklärten, dass bei den meisten Objekten die Quellenlage, bezüglich der Vorbesitzer und Erwerbskontexte, keine endgültigen Aussagen zuließe. Auch der geflochtene Zopf könnte als Souvenir angefertigt worden sein und müsse daher nicht unbedingt aus Menschenhaar gefertigt sein. Prof Eberspächer ergänzte, dass solche Zöpfe auch angefertigt und an chinesische Studenten oder auch Revolutionäre verkauft worden seien, die beispielsweise aus Japan oder den USA nach China zurückkehrten und ihren abgeschnittenen durch einen anheftbaren Zopf ersetzten, um der vorgeschriebenen Haartracht zu genügen. Das zweite Objekt, das Herrn Jürgens interessierte, war ein aufwändig aus Walrossbein geschnitztes Bootsmodell. Durch die Bestätigung von Frau Dr. Susanne Knödel vom Museum am Rothenbaum Kulturen und Künste der Welt in Hamburg sind aber auch diese arbeitsteilig in großen Mengen und dementsprechend ebenfalls für den Andenkenmarkt hergestellt worden, wie auch Stefanie Schmidt bestätigte.

Dr. Amir Theilhaber, Provenienzforscher für das Lippische Landesmuseum in Detmold, fragte danach, ob sich die Sammlungen mit kolonialen Kontexten in kleineren Museen der Provinz von denen der großen unterscheiden. Dr. Andratschke betonte, dass in diesen vielfach lokale Akteurinnen und Akteure eine große Rolle spielten, die aus einem Gefühl des Heimatpatriotismus heraus „ihrem“ Museum ohne das Vorhandensein von etwaiger Expertise Dinge aus den Kolonien mitgebracht hätten, weshalb deren Zuschreibung nicht immer stimmen müsse. Dr. Knödel merkte an, dass in einem großen Haus wie dem MARKK vielfach Souvenirware vorhanden sei, darüber hinaus aber auch wertvollere Objekte, bei denen naheliegend sei, dass sie nicht legal erworben wurden. Gemeinsam mit Prof. Sun wies Dr. Frölich darauf hin, dass Provenienzforschung auch in privaten Sammlungen sehr interessant und aufschlussreich sein könnte.

Rico Mecklenburg schloss die Frage nach obrigkeitlichen Reglementierungen des Handels mit Kunstwerken oder Antiquitäten, die einen kolonialen Bezug haben, an. Dr. Andratschke verwies auf das novellierte Kulturgutschutzgesetz, das die Klärung der Provenienz vor einer Ausfuhr und auch beim weiteren Handel verlangt. Ein illegaler Handel sei dadurch leider nicht ausgeschlossen. Dr. Frölich ergänzte, dass in China bereits Anfang des 20. Jahrhunderts Ausfuhrgesetze reglementierend z.B. für Objekte von archäologischen Grabungen wirkten. Hierzu habe auch Prof. Sun zahlreiche Archivquellen recherchiert.

Auf die Fragen von Frau Nyari zur Dokumentations- und Depotlage in den Museen und den Recherchen in Archiven bestätigte Frau Schreiber, dass alle der vier beteiligten Museen, bzw. Sammlungen die Objekte bereits elektronisch inventarisiert und auch fotografiert hatten. Dies habe auch die Forschungen bei zeitweilig durch die Pandemie eingeschränkten Reisemöglichkeiten sehr erleichtert. Ebenfalls sehr hilfsbereit zeigten sich die Archive, die vielfach befragt wurden. Grenzen ergaben sich hier, indem, z.B. durch Unglücksfälle, Quellenbestände vernichtet sind.

Dr. Heike Ritter-Eden vom Deutschen Sielhafenmuseum Carolinensiel bedankte sich im Namen der teilnehmenden Häuser dafür, dass dies Projekt durchgeführt werden konnte. Die neuen Erkenntnisse seien wichtig und würden in die Ausstellungen mit aufgenommen werden.

Auch Rico Mecklenburg bedankte sich bei allen Referentinnen, Referenten und Gästen und schloss die Veranstaltung.

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste lädt zum “Kolloquium Provenienzforschung” am 13. Dezember 2021

01.12.2021

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt in Ko­ope­ra­ti­on mit CAR­MAH (Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge) zur Ver­an­stal­tungs­rei­he „Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung“ ein.

Am Mon­tag, 13. De­zem­ber, 18 Uhr, hält Isa­bel­la Boz­sa (wis­sen­schaft­li­che Pro­jekt­mit­ar­bei­te­rin PAE­SE am Städ­ti­schen Mu­se­um Braun­schweig) ei­nen Vor­trag zum The­ma „Missio­na­ri­sches Sam­meln in Ka­me­run wäh­rend der deut­schen Ko­lo­ni­al­zeit: Er­werbs­kon­tex­te, Missi­ons­pro­pa­gan­da und Hand­lungs­räu­me“.

An­ge­hö­ri­ge der Missi­ons­ge­sell­schaft „Bas­ler Missi­on“ er­war­ben wäh­rend der deut­schen Ko­lo­ni­al­zeit auf un­ter­schied­li­che Wei­se Ge­gen­stän­de ver­schie­de­ner Art für die eth­no­gra­fi­sche Samm­lung in Ba­sel. Im Vor­trag wird Fra­gen nach den Er­werb­sum­stän­den, Mo­ti­ven und Hand­lungs­räu­men lo­ka­ler Ak­teur:in­nen, For­men der In­ter­ak­ti­on zwi­schen Missio­nar:in­nen und „Be­sam­mel­ten“ so­wie Funk­tio­nen der Eth­no­gra­fi­ka-Samm­lung in der Schweiz nach­ge­gan­gen. Ar­chi­va­li­sche Quel­len of­fen­ba­ren un­glei­che Macht­ver­hält­nis­se und am­bi­va­len­te Be­zie­hun­gen zwi­schen ka­me­ru­ni­schen Ak­teur:in­nen und Missi­ons­an­ge­hö­ri­gen eben­so wie brü­chi­ge Selbst­bil­der von Missio­nar:in­nen.

Die Ver­an­stal­tung fin­det als Vi­deo­kon­fe­renz über die Soft­ware Webex statt. Die Teil­nah­me ist kos­ten­frei, je­doch nur nach An­mel­dung bis 12. De­zem­ber 2021 mög­lich. Die Teil­neh­mer:in­nen er­hal­ten am Tag der Ver­an­stal­tung die Zu­gangs­da­ten.

An­mel­dun­gen an:

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Ste­fa­nie Ko­bow / An­na-Ka­tha­ri­na Köh­ler
Pres­se­stel­le
Hum­boldt­stra­ße 12 | 39112 Mag­de­burg
Te­le­fon +49 (0) 391 727 763-23 / -24
Te­le­fax +49 (0) 391 727 763 6
ver­an­stal­tun­gen@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

Mit Ih­rer An­mel­dung und der Teil­nah­me er­tei­len Sie dem Ver­an­stal­ter die Er­laub­nis, wäh­rend der Ver­an­stal­tung Fo­to-, Ton- und Vi­deo­auf­nah­men zu ma­chen und die­se Auf­nah­men im Zu­sam­men­hang mit der Ver­an­stal­tung für die Öf­fent­lich­keits­ar­beit und die Do­ku­men­ta­ti­on, ana­log und di­gi­tal, zu ver­wen­den (nach § 22 Kunst­Ur­hG). Der Ver­an­stal­ter er­hebt, ver­ar­bei­tet und nutzt Ih­re per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten im Rah­men der Wahr­neh­mung der sat­zungs­ge­mä­ßen Auf­ga­be des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te.

Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ gestartet

Pressemitteilung der Deutschen Digitalen Bibliothek

Berlin, 30. November 2021

Die Deutsche Digitale Bibliothek hat heute das Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ unter der Domain ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de freigeschaltet. Damit ist Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten von 25 Piloteinrichtungen innerhalb der Deutschen Digitalen Bibliothek online verfügbar. Zunächst als Prototyp entwickelt, soll das Portal künftig zu einer umfassenden zentralen Veröffentlichungsplattform für Informationen über Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in deutschen Kultur- und Wissenseinrichtungen ausgebaut werden.

Zum Start steht das Portal in deutscher und englischer Sprache mit Informationen zu rund 8.000 Nachweisen zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zur Verfügung, wobei Beschreibungen in der Regel zunächst nur auf Deutsch vorliegen. In einem nächsten Schritt werden relevante Daten, die bereits jetzt in der Deutschen Digitalen Bibliothek enthalten sind, als „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ gekennzeichnet, damit sie künftig ebenfalls im Portal auffindbar sind. Perspektivisch soll das Portal in weiteren Sprachen angeboten sowie mit Daten von weiteren Kultur- und Wissenseinrichtungen bereitgestellt werden.

Die Entwicklung des neuen Portals geht auf die von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden im Oktober 2020 vereinbarte „3 Wege-Strategie zur Erfassung und digitalen Veröffentlichung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“ zurück. Ziel der „3 Wege-Strategie“ ist es, im Hinblick auf Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten größtmögliche Transparenz herzustellen. Die Aufbauphase des heute gestarteten Portals wird von der Bundesregierung aus dem Etat für Kultur und Medien finanziert.

Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters: „Größtmögliche Transparenz – das ist ein wichtiger Gradmesser für den verantwortungsvollen Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in unseren Museen und Einrichtungen. Sie ist der Maßstab für unsere Glaubwürdigkeit und die Grundlage für einen zukunftsgerichteten Austausch mit den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften über den weiteren Umgang mit diesen Objekten, der Rückgaben einschließt. Das neue Onlineportal der Deutschen Digitalen Bibliothek ist ein nächster wichtiger Schritt in diese Richtung, dem mit Unterstützung des Bundes weitere folgen werden.“

Die „3 Wege-Strategie“ wurde im Rahmen des 13. Kulturpolitischen Spitzengespräches am 14. Oktober 2020, an dem die Staatsministerin für Kultur und Medien, der Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation des Auswärtigen Amtes, die Kulturminister*innen, die Kultursenator*innen der Länder sowie Vertreter*innen der kommunalen Spitzenverbände teilnahmen, vereinbart.

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin und Vorsitzender der Kulturministerkonferenz: „Ich begrüße die politische Bereitschaft aller staatlichen Ebenen in Deutschland, sich zu einem transparenten Zugang zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zu bekennen. Das Portal wird die Transparenz über die Sammlungsbestände bundesweit ganz wesentlich befördern und eine wichtige Grundlage für den weiteren Dialog über Rückführungen mit den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften sein. Die Restitution geraubter Kulturgüter bleibt ein wichtiger Bestandteil der Auseinandersetzung mit unserem kolonialen Erbe.“

Dr. Andreas Görgen, Abteilungsleiter Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt: „Transparenz ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen gemeinsamen Dialog. Die Deutsche Digitale Bibliothek ist ein hervorragender Partner für diese Aufgabe. Sie erweitert den Kreis derjenigen, die die Voraussetzungen für Rückgaben schaffen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!“

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger, Sprecher des Vorstands der Deutschen Digitalen Bibliothek und Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: „Ich freue mich, dass der Deutschen Digitalen Bibliothek das Vertrauen für diese komplexe Aufgabe entgegengebracht wird. Mit ihrer umfangreichen Erfahrung im Zusammenführen von heterogenen Beständen aus unterschiedlichsten Kultureinrichtungen kann sie wichtige technische Voraussetzungen für einen transparenten Zugang zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten schaffen.“

 

Links und weitere Informationen – Portal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“:

Startseite: https://ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de

Hintergrund: https://ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/ueber-uns-ccc

Fragen und Antworten: https://ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/fragen-antworten

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Deutsche Digitale Bibliothek

Die Deutsche Digitale Bibliothek vernetzt die digitalen Bestände von Kultur- und Wissenseinrichtungen in Deutschland und macht sie zentral zugänglich. Sie bietet allen Menschen über das Internet freien Zugang zu digitalisierten Museumsobjekten, Büchern, Musikstücken, Denkmälern, Filmen, Urkunden und vielen anderen kulturellen Schätzen. Die Deutsche Digitale Bibliothek fungiert als Netzwerk, sie verlinkt und präsentiert die digitalen Angebote ihrer Partner und leistet einen Beitrag zur Demokratisierung von Wissen und Ressourcen.

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Patronengurt gehörte legendärem Anführer der Ovambanderu

Der im Städtischen Museum Braunschweig verwahrte Patronengurt ist authentisch und gehörte Kahimemua Nguvauva, dem legendären Anführer der namibischen Ovambanderu. Zu diesem Ergebnis  kam eine Delegation Experten der Gemeinschaft der Ovambanderu, die aus Namibia anreiste und den Gurt am gestrigen Dienstag, 2. November, eingehend untersuchte. Der Patronengurt, der Kahimemua Nguvauva 1896 vor dessen Exekution durch die deutschen Kolonialtruppen nach einem gescheiterten Aufstand der Ovambanderu  abgenommen worden war, kann nun – sollte der Rat der Stadt Braunschweig zustimmen – nach Namibia zurückgeführt werden. Er ist für die Gemeinschaft der Ovambanderu als spirituelles Identifikationssymbol von enormer Bedeutung und ein Schatz von nationaler Tragweite. Nguvauva wurde vom namibischen Staat offiziell zum Helden erklärt und symbolisch auf dem Heldenacker bei Windhoek begraben. In den Legenden der Ovambanderu werden ihm übermenschliche Eigenschaften zugeschrieben.

Historisch verbürgt ist, dass der aus Meerdorf bei Braunschweig stammende Kaufmann Gustav Voigts Kahimemua nach dessen Gefangennahme den Patronengurt abnahm und unter Eigentumsvorbehalt dem Städtischen Museum Braunschweig überließ. Allerdings verlor sich im Laufe der Zeit seine Spur. Im Bestandsverzeichnis von 1968 war der Gürtel nicht mehr enthalten. Aufzufinden war nur die alte Karteikarte, auf der das Objekt verzeichnet war. Schließlich entdeckte man an einem anderen Ort einen Patronengürtel. Neu entdeckte Fotografien aus Namibia legten nahe, dass es sich um den Gurt des Ovambanderu-Anführers handeln könnte. Weder ethnologische noch genetische Untersuchungen konnten die Herkunft jedoch eindeutig klären.

Eine mehrstündige Untersuchung des Gürtels durch die Expertenkommission aus Namibia brachte jetzt Gewissheit. Machart und Material belegen, dass das Stück nach einem Muster des Stammes der Nama auf dem Gebiet des heutigen Namibia im 19. Jahrhundert aus Rindleder angefertigt wurde. Viehfett und rotes Pflanzenpulver dienten als Weichmacher und gaben dem Gürtel die charakteristische Farbe, die Löcher wurden mit der Klaue eines Tieres gestochen.

Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse würdigte die Klärung der Herkunft des Patronengurts als wichtigen Schritt der Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit einerseits und als  Zeichen für eine zukünftige partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Braunschweig und der Gemeinschaft der Ovambanderu andererseits. Museumsdirektor Dr. Peter Joch sprach von einem historischen Moment. Beide Seiten betonten, der heutige Tag sei der Beginn eines vertieften Dialogs, der auf vielen Ebenen fortgeführt werden soll. In der Dauerausstellung des Städtischen Museums soll eine Vitrine eingerichtet werden, die von den Ovambanderu zu Themen ihrer Geschichte bestückt wird und die Kooperation mit einer Herkunftsgesellschaft dauerhaft dokumentiert.

Ziel des Museums ist es, einen Vertrag zwischen der Stadt Braunschweig, den Ovambanderu und den Erben Gustav Voigts‘ über die Rückgabe des Patronengurts zu schließen. Ein entsprechender Entwurf würde dem Rat zur Entscheidung vorgelegt. Die nächsten Schritte hängen davon ab, von wem ein Restitutionsanspruch erhoben wird. Dies könnten die Ovambanderu, die in Namibia lebenden Nachfahren Voigts‘ oder der namibische Staat sein.