Landesstipendium Provenienzforschung NRW

Die Forschungsstelle Provenienzforschung, Kunst- und Kulturgutschutzrecht vergibt zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein Promotionsstipendium:

Landesstipendium Provenienzforschung

Das Stipendium in Höhe von 1.400,- € monatlich steht bis Ende 2023 zur Verfügung und wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Es wird zunächst für die Dauer von zwölf Monaten vergeben, mit der Option, es nach erfolgreicher Zwischenevaluierung zu verlängern. Die Gewährung des Stipendiums ist unabhängig von einer Betreuung der Dissertation an der Universität Bonn. Es besteht zudem keine Residenzpflicht in Bonn, jedoch ist eine aktive Beteiligung an den Aktivitäten und Veranstaltungen der Forschungsstelle erwünscht.

Themengebiet:
Das Promotionsvorhaben sollte im weitesten Sinne Kulturgutentziehung, -verlagerung, -verbringung und/oder “Verwertung” von Kulturgut während der Kolonial- und/oder der NS-Zeit im Rheinland und/oder Westfalen und/oder Lippe behandeln. Angrenzende Themenbereiche der Provenienzforschung zu Personen, Netzwerken, Institutionen und Kultureinrichtungen sowie dem
Kunsthandel, auch in besetzten Gebieten, sind ebenso denkbar. Ein enger thematischer Bezug zum heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen sollte jedoch in jedem Fall vorhanden sein.

Voraussetzungen:
Voraussetzung für die Bewerbung ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium (Magister, Master), zum Beispiel in den Fächern Kunstgeschichte, Geschichte oder Ethnologie.

Bewerben können sich sowohl bereits Promovierende als auch Absolvent*innen, welche die Voraussetzungen für ein Promotionsstudium erfüllen und sich für eine Dissertation in dem oben
genannten Themenbereich interessieren.

Promovierende reichen bitte neben einem Lebenslauf, Kopien der Abschlusszeugnisse und unter der Angabe der Kontaktdaten zweier Referenzpersonen ein 8 bis 10-seitiges Exposé zum
Promotionsvorhaben inklusive Arbeits- und Zeitplan ein.

Interessierte Absolvent*innen reichen neben einem Lebenslauf, Kopien der Abschlusszeugnisse und unter der Angabe der Kontaktdaten zweier Referenzpersonen eine erste Skizze zum geplanten
Promotionsvorhaben ein.

Ihre Bewerbung senden Sie bitte per E-Mail in ausschließlich einer PDF-Datei bis zum 30. Juni 2021 unter dem Stichwort „Landesstipendium Provenienzforschung“ an Stéphanie Baumewerd M.A. (). Für weitere Auskünfte stehen Ihnen Jun.-Prof. Dr. des. Ulrike Saß () und Prof. Dr. Christoph Zuschlag () gerne zur Verfügung.

Verlängert bis 11. April: Call for Papers für die Herbsttagung 2021 des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste

24.03.2021

Die dies­jäh­ri­ge Herbst­kon­fe­renz des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te wird vom 17.-19.11.2021 als vir­tu­el­le Kon­fe­renz und in Ko­ope­ra­ti­on mit der Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz und The Re­se­arch Cen­ter for Ma­te­ri­al Cul­ture of the Na­tio­nal Mu­se­um of World Cul­tu­res, the Net­her­lands statt­fin­den. The­ma der Kon­fe­renz mit dem Ti­tel “The Long His­to­ry of Claims for the Re­turn of Cul­tu­ral He­ri­ta­ge from Co­lo­ni­al Con­texts” ist die oft­mals ver­ges­se­ne Vor­ge­schich­te zur heu­ti­gen De­bat­te um die Rück­ga­be von Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten.

Ne­ben Vor­trä­gen von ge­la­de­nen Red­ner:in­nen wird es die­ses Jahr auch mög­lich sein, sich mit ei­nem ei­ge­nen Bei­trag um die Teil­nah­me zu be­wer­ben. Die Frist da­für wur­de nun bis zum 11. April 2021 ver­län­gert. Den aus­führ­li­chen Call for Pa­pers fin­den Sie hier. Er ent­hält auch al­le wei­te­ren wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen. Bit­te be­ach­ten Sie: Die Kon­fe­renz wird auf Eng­lisch statt­fin­den. Bei Rück­fra­gen wen­den Sie sich bit­te ger­ne an: con­fe­rence@kul­tur­gut­ver­lus­te.de.

Kurzfilm der Ostfriesischen Landschaft über das Verbundvorhaben “Provenienzforschung zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten (China) in vier ostfriesischen Museen und Kultureinrichtungen”

Ein Video der Ostfriesischen Landschaft informiert über das zum 1.1.2021 gestartete und vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderte Projekt.

Es ist über die Facebook-Seite der Landschaft aufrufbar: https://www.facebook.com/ostfriesischelandschaft/

Nähere Informationen zum Projekt finden Sie auch hier sowie auf der Seite des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste hier

Erste Online-Tagung im Bomann-Museum mit großer Resonanz sehr erfolgreich

Die Tagung fand im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts statt, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und dem Lüneburgischen Landschaftsverband gefördert wird. Im Projekt wird unter anderem die Herkunft der Erwerbungen untersucht, die das Bomann-Museum in den Jahren 1933 bis 1945 im regionalen Kunsthandel tätigte. Dabei soll geklärt werden, ob sich darunter Kulturgut aus vormaligem jüdischem Besitz befindet, das nach 1933 unter Zwang verkauft oder enteignet wurde.

Für die Provenienzrecherche ergeben sich im Fall des regionalen Kunsthandels jedoch besondere Herausforderungen. Die Quellenlage ist nicht selten problematisch, wenn weder Auktions- und Verkaufskataloge noch Geschäftsunterlagen überliefert sind. Vor dieser Problematik steht allerdings nicht nur das Bomann-Museum, sondern auch andere Häuser bei Forschungen zur Herkunft ihrer dort erworbenen Bestände. Daher war es ein Ziel der Tagung, zur Vernetzung der Ergebnisse beizutragen und eine Diskussion darüber anzuregen, wie trotz schwieriger Quellenlage eine bestmögliche Recherche stattfinden kann.

Angesichts der Corona-Pandemie musste das Bomann-Museum erstmals eine Tagung komplett in digitaler Form realisieren. Obwohl insbesondere Beiträge zum Kunsthandel in Niedersachsen, Hamburg und Bremen Teil der Veranstaltung waren, fand sie weit darüber hinaus große Resonanz. Rund 130 Interessierte aus ganz Deutschland und teilweise dem europäischen Ausland nahmen daran teil. „Das sind mehr als doppelt so viele wie bei der letzten Tagung vor dreieinhalb Jahren“, zeigt sich Organisator Dr. des. Christopher Galler zufrieden.

Auch Museumsdirektor Dr. Jochen Meiners zeigte sich in seinem Grußwort sehr zufrieden mit der Resonanz: „Diese Reichweite hätten wir mit einem analogen Format wohl nicht erzielen können. Auch können Kolleginnen und Kollegen teilnehmen, die wegen der räumlich Distanz zum Tagungsort wohl nicht angereist wären.“

Den Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Der Kunsthandel in Hannover: Bezugsquelle für die Sammlung des Bomann-Museums Celle“ hielt Projektbearbeiter Dr. des Christopher Galler. Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte des Bomann-Museums bis 1945 gab er einen ausführlichen Einblick die Forschungsergebnisse zu den Erwerbungen bei sechs Kunsthändlern aus Hannover. Besonders der Händler Emil Backhaus war durch seine Funktion als Vertrauensmann und Sachverständiger der Reichskammer der bildenden Künste am Entzug von Kulturgut beteiligt. Nicht selten kaufte er selbst Kunst und Antiquitäten an, die er zuvor aus dem Umzugsgut von Juden ausgeschlossen hatte, und überwies den Preis auf Sperrkonten. Schwierig gestaltet sich allerdings nach wie vor die konkrete Zuordnung von Objekten, wenn es sich um keine Unikate handelt oder sie in den Quellen nur rudimentär beschrieben sind.

Im folgenden Vortrag beleuchtete Dr. Johannes Schwartz, der als Provenienzforscher für die kulturgeschichtlichen Museen der Stadt Hannover zuständig ist, seine Ergebnisse am Beispiel von drei Kunsthändlern. Darunter war auch der bereits zuvor erwähnte Emil Backhaus, durch dessen Vermittlung ein Rokoko-Schrank aus dem Besitz der als Jüdin verfolgten Klara Berliner in den Bestand des Museums August Kestner gelangte. Weiterhin referierte er ausführlich zu den Händlern Erich Pfeiffer und Karl von der Porten, der einen jüdischen Adoptivvater hatte. Mit diesem hatte er sich jedoch überworfen und verdiente während der NS-Zeit selbst an der Versteigerung von jüdischem Eigentum.

Im Anschluss folgten mehrere kürzere Beiträge: Moderatorin Dr. Claudia Andratschke, die neben der Leitung des Netzwerkes auch für die Provenienzforschung am Landesmuseum Hannover zuständig ist, ergänzte die bereits genannten Erkenntnisse zum Kunsthandel in Hannover durch Beispiele aus ihrer eigenen Forschung. Prof. Dr. Ulrike Wolff-Thomsen, die Direktorin des Museums Kunst der Westküste, referierte über die Provenienz eines Liebermann-Gemäldes, das seit 2016 im Bestand des von ihr geleiteten Museums ist. 1942 war es vom Städtischen Museum Braunschweig an den Kunsthändler Erich Pfeiffer veräußert worden und wurde im August 1943 zur Sicherung vor Bombenangriffen im Celler Schloss eingelagert. Dr. Christian Riemenschneider zeigte anschließend die Verbindungen des regionalen Kunsthandels zu den Museen in Südniedersachsen auf und berichtete dabei auch über den jüdischen Händler Henry Seligmann, der vor 1933 insbesondere erfolgreich mit Münzen handelte. Dr. Ulrike Schmiegelt-Rietig stellte Erkenntnisse zu dem in Hannover geborenen Kunsthändler Helmuth Rinnebach vor. Dieser betrieb in den 1920er Jahren in Hannover wohl nur kurzzeitig eine Kunsthandlung, spielte aber ab 1939 bei der Beschlagnahmung von Kunst im „Protektorat Böhmen und Mähren“ eine Rolle.

Das Nachmittagsprogramm begann mit einem Doppelvortrag von Dr. Kathrin Kleibl und Susanne Kiel, die am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven tätig sind. Dort forschen sie zum Verbleib von jüdischem Umzugsgut, das nach Ausbruch des Krieges in den Häfen von Bremen und Hamburg verblieben war und zugunsten des Reiches „verwertet“ wurde. Dies geschah häufig durch Auktionen, so auch im Fall des Umzugsgutes von Hans Salomon, der in Celle bis 1938 das Herrenmodengeschäft Hasall betrieben hatte. Nicht wenige Kunst- und Antiquitätenhändler traten auf solchen Auktionen als Käufer auf. Ziel der Forschungen und Kleibl und Kiel ist umfangreiche Datenbank, mit der der Verbleib des Umzugsgutes recherchiert werden kann.

Der anschließende Vortrag von Dr. Brigitte Reuter thematisierte die Geschichte der 1938 gegründeten Hamburger Kunsthandlung F.K.A. Huelsmann. Das Händler-Ehepaar vermachte große Teile seiner Privatsammlung der Stadt Bielefeld, wo sie heute im Museum Huelsmann zu sehen ist. Im Verlauf ihres Bestehens entwickelte sich die Kunsthandlung für die Museen in Norddeutschland vor allem zu einer Bezugsquelle für hochwertige Silberobjekte. Der abschließende Beitrag von Dr. Annette Baumann zu den Händlern und Sammlern Herbert von Gravens und Otto Ralfs als Scouts der Avantgarde im Norden nahm dann noch einmal einen weiteren bedeutenden Aspekt des regionalen Kunsthandels in Hannover in den Blick.

Bereits im Verlauf der Veranstaltung kristallisierte sich im Chat der Wunsch heraus, die bisherigen Forschungserkenntnisse zu den Kunst- und Antiquitätenhandlungen und anderen Akteuren in einem Verzeichnis zusammenzuführen. Hierzu entwickelte sich auch eine rege Abschlussdiskussion. Ein solches Verzeichnis soll im Rahmen der geplanten Publikation der Tagungsbeiträge zunächst zu den Händlern und Firmen entstehen, die Gegenstand der Vorträge waren.

 

 004: Boden einer Fürstenberger Vase, 1942 beim Händler Emil Backhaus (Hannover) erworben,
© Bomann-Museum Celle
 003: Verladung im Hamburger Hafen,
© Gustav Werbeck/HHLA/Speicherstadtmuseum
 002: Werbeanzeige des Händlers Erich Pfeiffer aus dem Adressbuch der Stadt Hannover für 1942
 001: Blick in die erste Ausstellung der Galerie von Garvens (Hannover) im Oktober 1920,
© Herbert von Garvens- Garvensburg: Zwei Jahre Galerie von Garvens, Hannover 1922

Infoveranstaltung: Fördermöglichkeiten für Provenienzforschung in kolonialen Kontexten

09.02.2021

Seit mitt­ler­wei­le zwei Jah­ren hat das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te sei­ne För­de­rung auf den Be­reich des Kul­tur- und Samm­lungs­guts aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten aus­ge­dehnt. In die­sem Zeit­raum konn­ten bis­her ins­ge­samt 23 Pro­jek­te mit ei­nem Vo­lu­men von ca. 2,6 Mil­lio­nen Eu­ro ge­för­dert wer­den. Die För­de­rung rich­tet sich an Ein­rich­tun­gen, die Kul­tur­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten sam­meln, be­wah­ren oder er­for­schen. Da­zu zäh­len Mu­se­en, Uni­ver­si­tä­ten und an­de­re For­schungs­ein­rich­tun­gen. Die För­de­rung rich­tet sich ins­be­son­de­re auch an klei­ne­re Stadt­mu­se­en oder Mehr­spar­ten­häu­ser.

Zum 1. Ja­nu­ar 2021 ist ei­ne über­ar­bei­te­te Fas­sung der För­der­richt­li­nie in Kraft ge­tre­ten, die ne­ben der Aus­wei­tung der För­de­rung auf ge­mein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen in pri­vat­recht­li­cher Trä­ger­schaft neue För­der­in­stru­men­te wie et­wa ei­nen so­ge­nann­ten „Erst­check“ nun auch im För­der­be­reich des Kul­tur- und Samm­lungs­guts aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten er­mög­licht.

Der Fach­be­reich möch­te Ih­nen sei­ne Tä­tig­keit und die er­wei­ter­ten För­der­mög­lich­kei­ten sehr ger­ne im Rah­men ei­ner On­line-Ver­an­stal­tung vor­stel­len. Ne­ben all­ge­mei­nen In­for­ma­tio­nen zur För­de­rung wird es Ge­le­gen­heit zu Fra­gen auch in Be­zug auf Ih­re in­di­vi­du­el­len Her­aus­for­de­run­gen ge­ben.

Die Ver­an­stal­tung wird als Webex-Vi­deo­kon­fe­renz am Don­ners­tag, 11. März 2021, von 10-12 Uhr statt­fin­den.

Mel­den Sie sich bit­te bis zum Mon­tag, 8. März 2021, bei Dr. Jan Hüs­gen (jan.hues­gen@kul­tur­gut­ver­lus­te.de) an. Ei­ne E-Mail mit den An­meld­e­in­for­ma­tio­nen wer­den wir Ih­nen recht­zei­tig vor der Ver­an­stal­tung zu­kom­men las­sen.

Der Fach­be­reich „Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten“ freut sich auf den Aus­tausch mit Ih­nen!

Save the Date/Call for Papers für die Herbsttagung 2021 des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste

28.01.2021

Die dies­jäh­ri­ge Herbst­kon­fe­renz des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te wird vom 17.-19.11.2021 als vir­tu­el­le Kon­fe­renz und in Ko­ope­ra­ti­on mit The Re­se­arch Cen­ter for Ma­te­ri­al Cul­ture of the Na­tio­nal Mu­se­um of World Cul­tu­res, the Net­her­lands statt­fin­den. The­ma der Kon­fe­renz mit dem Ti­tel “The Long His­to­ry of Claims for the Re­turn of Cul­tu­ral He­ri­ta­ge from Co­lo­ni­al Con­texts” ist die oft­mals ver­ges­se­ne Vor­ge­schich­te zur heu­ti­gen De­bat­te um die Rück­ga­be von Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten.

Ne­ben Vor­trä­gen von ge­la­de­nen Red­ner:in­nen wird es die­ses Jahr auch mög­lich sein, sich mit ei­nem ei­ge­nen Bei­trag um die Teil­nah­me zu be­wer­ben. Den aus­führ­li­chen Call for Pa­pers fin­den Sie hier. Er ent­hält auch al­le wei­te­ren wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen. Bit­te be­ach­ten Sie: Die Kon­fe­renz wird auf Eng­lisch statt­fin­den. Bei Rück­fra­gen wen­den Sie sich bit­te ger­ne an: con­fe­rence@kul­tur­gut­ver­lus­te.de.

Mehr Geld für die Provenienzforschung: Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste erweitert seine Forschungsförderung

21.01.2021

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te er­hält 2021 ins­ge­samt 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro mehr als im ver­gan­ge­nen Jahr. Die zu­sätz­li­chen Mit­tel wer­den von der Be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en, Prof. Mo­ni­ka Grüt­ters, zur Ver­fü­gung ge­stellt. Da­mit kann die Stif­tung im Jahr 2021 ih­re Mit­tel für die For­schung nach un­recht­mä­ßig ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut er­neut er­hö­hen, wo­bei die För­de­rung der Er­mitt­lung von NS-Raub­gut auch künf­tig den weit­aus größ­ten An­teil mit nun­mehr gut 5 Mil­lio­nen Eu­ro aus­macht.

Prof. Dr. Gil­bert Lup­fer, Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te, be­grüß­te die Er­hö­hung: „Die­se Ent­schei­dung er­mög­licht es In­sti­tu­tio­nen und Pri­vat­per­so­nen in Deutsch­land, noch in­ten­si­ver als bis­her nach un­recht­mä­ßig ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut zu for­schen. Und sie zeigt auch, dass die Pro­ve­ni­enz­for­schung und da­mit die Auf­ar­bei­tung ge­sche­he­nen Un­rechts wei­ter­hin ei­nen ho­hen Stel­len­wert in der Kul­tur­po­li­tik ge­nießt.“

Der Stif­tungs­rat des Zen­trums be­schloss in sei­ner jüngs­ten Sit­zung im De­zem­ber, die Richt­li­ni­en für die För­de­rung in den Be­rei­chen NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut so­wie Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten an­zu­pas­sen. Un­ter an­de­rem wur­de die ma­xi­ma­le För­der­sum­me für kurz­fris­ti­ge Pro­jek­te von 15.000 Eu­ro auf 25.000 Eu­ro er­höht. Im Be­reich NS-Raub­gut ist ei­ne För­de­rung von so­ge­nann­ten Erst­checks nun auch für Pri­vat­per­so­nen mög­lich. Mit ei­nem sol­chen Erst­check soll fest­ge­stellt wer­den, ob ein Ver­dacht auf NS-Raub­gut in ei­nem Saml­lungs­be­stand vor­liegt. So kann der Be­darf an ei­ner wei­ter­ge­hen­den, lang­fris­ti­gen Pro­ve­ni­enz­for­schung er­mit­telt oder aus­ge­schlos­sen wer­den. Auch für die Pro­ve­ni­enz­for­schung an Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten kön­nen nun Erst­check-Pro­jek­te ge­för­dert wer­den. Zu­dem kön­nen auch be­stimm­te pri­vat ge­tra­ge­ne Ein­rich­tun­gen in die­sem Be­reich künf­tig För­deran­trä­ge stel­len. Der Stif­tungs­rat be­schloss au­ßer­dem, die För­de­rung von Grund­la­gen­for­schung zu Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in SBZ und DDR für 2021 von bis­her bis zu 300.000 Eu­ro auf bis zu 500.000 Eu­ro zu er­hö­hen.

Der Stif­tungs­rats­vor­sit­zen­de Dr. Gün­ter Win­ands dank­te in der Sit­zung der bis­he­ri­gen Ku­ra­to­ri­ums­vor­sit­zen­den Dr. Ute Haug für ih­ren ho­hen Ein­satz und ihr großes En­ga­ge­ment für das Zen­trum. Die Be­set­zung des Ku­ra­to­ri­ums des Zen­trums wech­sel­te im No­vem­ber 2020 re­gu­lär nach fünf Jah­ren.

Das von Bund, Län­dern und kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den zum 01.01.2015 ge­grün­de­te Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ist in Deutsch­land zen­tra­ler An­sprech­part­ner zu al­len Fra­gen un­recht­mä­ßig ent­zo­ge­nen Kul­tur­guts. Das Zen­trum wird von der Be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en in­sti­tu­tio­nell ge­för­dert und er­hält hier­aus auch die Mit­tel für sei­ne Pro­jekt­för­de­rung. Das Haupt­au­gen­merk des Zen­trums gilt dem im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­gut, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz. Da­ne­ben zäh­len Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten und kriegs­be­dingt ver­la­ger­te Kul­tur­gü­ter so­wie Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in der SBZ und DDR zu den Hand­lungs­fel­dern des Zen­trums. An­trä­ge für län­ger­fris­ti­ge Pro­jek­te kön­nen je­weils bis zum 1. Ja­nu­ar und 1. Ju­ni ei­nes Jah­res ein­ge­reicht wer­den.

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te

Stif­tung bür­ger­li­chen Rechts
Pres­se­stel­le
Hum­boldt­stra­ße 12 | 39112 Mag­de­burg
Te­le­fon +49 (0) 391 727 763 35
Te­le­fax +49 (0) 391 727 763 6
pres­se@kul­tur­gut­ver­lus­te.de
www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de

Neues Heft „Provenienz & Forschung“ zu Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten erschienen

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat ei­ne neue Aus­ga­be des Pe­ri­odi­kums „Pro­ve­ni­enz & For­schung“ ver­öf­fent­licht. In Heft 2/2020 geht es um Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten.

Zum In­halt:

Die Auf­ar­bei­tung des Ko­lo­nia­lis­mus ist seit 2018 ein er­klär­tes Ziel der deut­schen Kul­tur­po­li­tik. In die­sem Sin­ne wur­de der Auf­ga­ben­be­reich des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te um ei­nen neu­en Fach­be­reich er­wei­tert und seit 2019 mit der För­de­rung von Pro­jek­ten im Be­reich der Pro­ve­ni­enz­for­schung zu »Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten« be­gon­nen. Die­ses Heft bie­tet ei­nen ers­ten Ein­blick in ak­tu­el­le For­schungs­per­spek­ti­ven und stellt zen­tra­le Ak­teu­re der po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen De­bat­te vor.

Heft 2/2020

„VEB Kunst“ – eine Tagung zum Kulturgutentzug in der DDR

30.11.2020

30 Jah­re nach der Deut­schen Ein­heit ist die DDR zwar Ver­gan­gen­heit, doch die Auf­ar­bei­tung ih­rer Ge­schich­te ist noch lan­ge nicht ab­ge­schlos­sen. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­leuch­tet mit der di­gi­ta­len Kon­fe­renz „VEB Kunst – Kul­tur­gut­ent­zug und Han­del in der DDR“ am 30. No­vem­ber 2020 ein Feld in der Pro­ve­ni­enz­for­schung, das öf­fent­lich bis­lang noch we­nig dis­ku­tiert wird: den Bin­nen- und Au­ßen­han­del mit Kunst und An­ti­qui­tä­ten auf dem Ge­biet der ehe­ma­li­gen DDR zwi­schen 1945 und 1990.

Pres­se­mit­tei­lung

KOMPLIZENSCHAFT – Die Sammeltätigkeit von „Kunst“ und Stadt Emden während der NS-Zeit im Fokus der Provenienzforschung.

Emden im Nationalsozialismus: Stadtverwaltung, Finanzamt, Gestapo u.a., aber auch die Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer (die „Kunst“) tragen das autoritäre System. Hinzu kommen nicht zuletzt viele Bürgerinnen und Bürger Emdens, die plötzlich nicht mehr fähig sind, Recht und Unrecht zu unterscheiden. Jüdischen Bürgerinnen und Bürgern sowie anderen Verfolgten des NS-Terrors wird alles von Wert genommen. So genannte „Judenauktionen“ und Lager für „Hollandgut“ sind die Hauptumschlagplätze für das so geraubte Kulturgut. Die Stadt Emden und die „Kunst“ ergänzen sich im Eifer, dieses Kulturgut zu „sichern“. Zeugnisse dieser Untaten befinden sich auch heute noch in den Beständen des Ostfriesischen Landesmuseums Emden.

Die Ausstellung berichtet aus der Perspektive der Provenienzforschung vom Sammeln geraubten Kulturguts und den Menschen, die damit in Verbindung standen. Sie zeigt die Spuren des Verbrechens, stellt wichtige zeitgenössische Akteurinnen und Akteure vor und macht Strukturen und Prozesse der Beraubung transparent.
Ermöglicht wurde diese umfassende Forschungsarbeit durch die Förderung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste für ein Projekt zur wissenschaftlichen Untersuchung der Herkunftsgeschichte der Bestände des Ostfriesischen Landesmuseums Emden aus der NS-Zeit. Beide Träger des Museums – Stadt Emden und „1820dieKUNST“ – stellen sich aktiv der historischen Verantwortung, die aus den Forschungsergebnissen erwächst und unterstützen das Projekt in vollem Umfang.

Die Ausstellung wird am 26.11.2020 um 19 Uhr digital eröffnet.

Über einen Live-Stream auf Facebook, Twitter und auf der Homepage des Ostfriesischen Landesmuseum Emden kann jeder an der Eröffnung teilnehmen. Es wird u. a. Beiträge von Oberbürgermeister Tim Kruithoff geben sowie dem Vorsitzenden von 1820dieKUNST, Dr. Reinhold Kolck.  Kurator und Provenienzforscher Georg Kö führt durch die Ausstellung.

Am 29.11. um 11:30 Uhr findet zudem eine weitere digitale Führung durch die Sonderausstellung statt.