Termine

Ausstellung „Ehem. jüdischer Besitz” – Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus

Von Freitag, 27.04.2018 bis Sonntag, 23.09.2018

Die Erforschung der Herkunft von Kunstwerken in den eigenen Sammlungsbeständen gehört zu den Schwerpunkten der wissenschaftlichen Arbeit des Münchner Stadtmuseums. Als erstes Museum in München widmet das Haus diesem Thema eine Ausstellung, in der auch die eigene Geschichte in der NS-Zeit beleuchtet wird.

Die Präsentation versteht sich als Momentaufnahme in einem Prozess kontinuierlicher Aufarbeitung. Sie zeichnet die vielfältigen Biografien von ausgewählten Exponaten aus den unterschiedlichen Sammlungen des Museums nach. Dazu gehören Kunstgegenstände aus den Bereichen Grafik und Gemälde, Mode und Textilien sowie Kunsthandwerk und Möbel, aber auch Musikinstrumente und Marionetten. Anhand der Vielfalt der unterschiedlichen Sammlungsbestände wird das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Raubaktionen greifbar, die sämtliche Segmente des öffentlichen und privaten Lebens betrafen.

Präsentiert werden Objekte mit gesicherten Provenienzen ebenso wie Werke, deren Herkunft bislang ungeklärt ist. Aufgrund der zumeist lückenhaften Quellenlage besteht hier weiterer Forschungsbedarf. Vor diesem Hintergrund versucht die Ausstellung durch die öffentliche Präsentation der Gegenstände weiterführende Hinweise über die noch ungeklärten Herkunftsgeschichten der Kunstobjekte zu erhalten.

Während der NS-Herrschaft erwarb das Münchner Stadtmuseum durch Schenkung, Ankauf oder Tausch über 20.000 Kunst- und Kulturgegenstände, von denen etwa 2.600 Objekte hinsichtlich ihrer Herkunftsgeschichte als kritisch einzustufen sind und bezüglich ihrer Provenienz näher untersucht werden müssen. Die Herkunft von rund 450 Artefakten konnte bereits eindeutig geklärt werden.

Die Ankaufspolitik des Hauses der Jahre 1933 bis 1945 und die Aktivitäten der damaligen Museumsleitung werden in der Ausstellung über ausgewählte Kunstwerke sowie historische Dokumente und Fotografien nachgezeichnet. Weit über die Geschichte des Museums hinaus werden so auch die Bedingungen des Kunsthandels während der Diktatur sichtbar: ein gut organisiertes Netzwerk städtischer Entscheidungsträger und ein funktionierendes Zusammenwirken der verschiedenen, an der systematischen Verfolgungspolitik des NS-Regimes beteiligten Institutionen in München und auf nationaler Ebene.

Bislang beherrschen Kunstwerke namhafter Künstler oder bedeutender jüdischer Kunsthändler und -sammler die Schlagzeilen zu diesem Thema, wie zuletzt der sogenannte „Schwabinger Kunstfund“ um die Sammlung Hildebrand Gurlitts. Verstellt wird dadurch der Blick auf die alltäglichen und mitunter sehr privaten Kunst- und Kulturgegenstände, die gleichermaßen der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Enteignungspolitik zum Opfer fielen. Denn von den Repressalien und dem staatlich organisierten Eigentumsentzug der Nationalsozialisten waren auch heute kaum noch bekannte jüdische Künstler, Gewerbetreibende und Privatpersonen betroffen, genauso wie politische Gegner des Regimes. So wird die Geschichte der Entrechtung und Enteignung im „Dritten Reich“ unvollständig bleiben, solange nicht auch dem Schicksal der „kleinen Leute“ und dem aus kunsthistorischer Sicht weniger bedeutenden Kultur- und Kunstgegenständen die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Ein wesentliches Anliegen der Ausstellung ist es, die betroffenen Kunstsammler und -händler, Geschäftsinhaber sowie Privatpersonen, von deren Enteignungen das Münchner Stadtmuseum – wie auch andere Münchner Museen – direkt profitierten, eingehender vorzustellen. Ihr kulturelles Engagement soll gewürdigt und an ihre persönlichen Schicksale erinnert werden. Eine besondere Berücksichtigung erfahren insbesondere die Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, das Putz- und Hutgeschäft Heinrich Rothschild, der Sammler und Geschäftsmann Dr. Julius Schülein, die L. Bernheimer KG, die Sammlung des Zentrumspolitikers und Industriellen Dr. Albert Hackelsberger sowie die Künstlerin Maria Luiko.

Zum ersten Mal werden die Erkenntnisse der Provenienzforschung zu den Erwerbungen eines Museums zusammen mit der Geschichte der nationalsozialistischen Entrechtungspolitik erzählt und damit in ihren historischen Kontext eingebettet. Anhand von sorgfältig ausgewählten Erwerbungen des Museums aus den Jahren 1933 bis 1945 wird die schrittweise Verschärfung der antisemitischen Ausgrenzungs- und Verfolgungspolitik des NS-Regimes exemplarisch veranschaulicht. Die von staatlicher Seite akribisch geplante Vorgehensweise bei „Arisierungen“ von Münchner Unternehmen und Konfiszierungen jüdischen Eigentums werden offen gelegt. Hierbei lassen sich insgesamt vier Phasen – von der wirtschaftlichen Verdrängung bis hin zur Existenzvernichtung – herauskristallisieren. Sie fungieren zugleich als Grundgerüst und Leitfaden der Ausstellung. Nicht zuletzt tritt so Münchens Vorreiterrolle in der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik und bei der Verdrängung von Juden aus dem Wirtschaftsleben deutlich zutage.

Darüber hinaus nehmen auch die Nachkriegsjahre einen wichtigen Teil der Präsentation ein. Es wird sowohl auf die Kontinuitäten in personeller Hinsicht eingegangen als auch der Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kunstobjekten und Neueingängen nach 1945 beleuchtet. Zu nennen sind hier beispielsweise die sogenannten Bundesleihgaben aus dem Restbestand des „Central Collecting Point“.

Die Ausstellung liefert damit einen umfassenden Einblick in die bislang am Haus erfolgte Provenienzforschung. Das Münchner Stadtmuseum möchte sich so seiner historischen Verantwortung stellen und ein wichtiges Kapitel der eigenen Hausgeschichte erstmals der Öffentlichkeit präsentieren. Darüber hinaus soll die Präsentation dazu beitragen, das Thema „Provenienzforschung“ allgemein verständlich zu vermitteln und insgesamt eine größere Sensibilität für dieses wichtige Anliegen zu schaffen. 

Zur Ausstellung erscheint ein 272-seitiger Katalog im Hirmer Verlag mit rund 240 Abbildungen und Texten der Herausgeber Henning Rader und Vanessa Voigt sowie Elisabeth Angermair, Sarah Bock, Katharina Common, Angelika Enderlein, Andreas Heusler und András Varsányi.

Erbstücke und Familiengeschichten unter der Lupe

Im Rahmen der Ausstellung haben Museumsbesucher die Möglichkeit eigene Kunst- und Kulturgegenstände, die in der NS-Zeit in Familienbesitz gelangten, einer Expertin zur Begutachtung vorzulegen und die dazugehörigen Familiengeschichten zu erzählen. Hierbei kann es sich um Gegenstände handeln, die einst jüdischen Nachbarn, Freunden und Bekannten oder politisch Verfolgten gehörten, oder bei denen jüdische Voreigentümer vermutet werden.

Termine:

Mittwoch 09. Mai 2018, 17.00-20.00 Uhr
Samstag 19. Mai 2018, 13.00-16.00 Uhr
Donnerstag 31. Mai 2018 (Fronleichnam), 10.00-13.00 Uhr
Mittwoch 11. Juli 2018, 17.00-20.00 Uhr
Freitag 20. Juli 2018, 10.00-14.00 Uhr
Dienstag 14. August 2018, 10.00-14.00 Uhr
Mittwoch 12. September 2018, 16.00-20.00 Uhr

Veranstaltungsort

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München

www.muenchner-stadtmuseum.de/sonderausstellungen/ehem-juedischer-besitz-erwerbungen-des-muenchner-stadtmuseums-im-nationalsozialismus.html

Internationale Fachkonferenz des Zentrums: "20 Jahre Washingtoner Prinzipien: Wege in die Zukunft"

Von Montag, 26.11.2018 bis Mittwoch, 28.11.2018

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt an­läss­lich des 20-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­ums der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en vom 26. bis 28. No­vem­ber 2018 zu ei­ner in­ter­na­tio­na­len Fach­kon­fe­renz in das „Haus der Kul­tu­ren der Welt“ in Ber­lin ein. Ex­akt zwan­zig Jah­re nach­dem sich 44 Staa­ten und zahl­rei­che nicht-staat­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen auf die „Grund­sät­ze der Wa­shing­to­ner Kon­fe­renz in Be­zug auf Kunst­wer­ke, die von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten be­schlag­nahmt wur­den“ ver­stän­dig­ten, zie­hen nam­haf­te Ex­per­ten Bi­lanz, dis­ku­tie­ren Her­aus­for­de­run­gen, die bei der Um­set­zung der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en auf­tre­ten, und iden­ti­fi­zie­ren zu­künf­ti­ge Auf­ga­ben­fel­der. Das Spek­trum ge­rech­ter und fai­rer Lö­sun­gen steht da­bei eben­so im Fo­kus wie die Fra­ge, wie das An­lie­gen der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en in die nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen wei­ter­ge­tra­gen und in der Ver­ant­wor­tungs- und Er­in­ne­rungs­kul­tur wei­ter­hin und dau­er­haft ver­an­kert wer­den kann.

Ein ab­wechs­lungs­rei­ches, zwei­spra­chi­ges Pro­gramm mit Po­di­ums­dis­kus­sio­nen, Ge­sprä­chen und Vor­trä­gen zu den vier The­men­kom­ple­xen 20 Jah­re nach Wa­shing­ton – ei­ne Bi­lanz, Ge­rech­te und fai­re Lö­sun­gen, Wei­ter­ent­wick­lun­gen und Per­spek­ti­ven so­wie Ver­mitt­lung und Ver­ant­wor­tung kenn­zeich­net die ers­ten bei­den Kon­fe­renz­ta­ge. Am drit­ten Tag der Kon­fe­renz wer­den pra­xis­na­he Work­shops zu aus­ge­wähl­ten The­men­fel­dern an­ge­bo­ten. Wich­ti­ger Hin­weis: Für die Teil­nah­me an den Work­shops ist ei­ne se­pa­ra­te On­line-Re­gis­trie­rung er­for­der­lich. Die Ar­beitss­pra­che der Work­shops ist Eng­lisch. Es er­folgt kei­ne Über­set­zung.

Kon­fe­renz­spra­chen: Deutsch und Eng­lisch. Ei­ne Si­mul­tan­über­set­zung wird für den 26./27. No­vem­ber 2018 an­ge­bo­ten. Am 28. No­vem­ber 2018 er­folgt kei­ne Über­set­zung.

De­tail­lier­te In­for­ma­tio­nen zur in­ter­na­tio­na­len Fach­kon­fe­renz ent­neh­men Sie dem Pro­gramm:
Pro­gramm „20 Jah­re Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en: We­ge in die Zu­kunft“ (PDF, 1 MB)

Die An­mel­dung zur Kon­fe­renz ist aus­schließ­lich im Zeit­raum vom 20. Au­gust bis 12. Ok­to­ber 2018 mög­lich und kann nur on­line er­fol­gen. Der Link zur On­line-Re­gis­trie­rung wird recht­zei­tig zu Be­ginn der An­mel­de­frist auf www.20-Jah­re-Wa­shing­to­ner-Prin­zi­pi­en.de frei­ge­schal­tet.

Ver­an­stal­tungs­ort
Haus der Kul­tu­ren der Welt
John-Fos­ter-Dul­les-Al­lee 10
10557 Ber­lin

Die Kon­fe­renz wird ge­för­dert von der Be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en. Sie er­folgt in Ko­ope­ra­ti­on mit der Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz und der Kul­tur­stif­tung der Län­der.

Veranstaltungsort

Haus der Kul­tu­ren der Welt
John-Fos­ter-Dul­les-Al­lee 10
10557 Berlin

www.kulturgutverluste.de/Webs/DE/Aktuelles/Veranstaltungen/Index.html

GESAMMELT. GEKAUFT. GERAUBT? Fallbeispiele aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext

Von Donnerstag, 16.08.2018 bis Sonntag, 27.01.2019

Eröffnung: Mittwoch, 15. August, 19 Uhr

Wie kamen Anfang des 20. Jahrhunderts Ahnenfiguren aus Nias auf den europäischen Kunstmarkt? Weshalb konnte das Museum Anfang der 1940er Jahre in Paris und Amsterdam ‚günstige‘ Ankäufe machen? Handelt es sich bei einem Waffengurt aus Südafrika um Kriegsbeute?

Das sind nur einige Fragen, die bei der Auseinandersetzung mit der hauseigenen Sammlung aufkommen. Bei vielen Objekten ist der Weg ins Museum unklar und der Erwerbskontext kaum dokumentiert. In der Ausstellung GESAMMELT. GEKAUFT. GERAUBT? werden diese Fragen anhand von ausgewählten Fallbeispielen aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext beleuchtet. Die in der Ausstellung gezeigten Objektgeschichten machen deutlich, wie wichtig eine langfristige Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlung ist. Gleichzeitig wird klar, dass man bei der Aufarbeitung der Erwerbsgeschichten bzw. ihrer Provenienzen oft an Grenzen stößt und diese vielfach zu weiteren offenen Fragen führt.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Kooperation „Gekauft. Gesammelt. Geraubt? Vom Weg der Dinge ins Museum“ mit dem Historischen Museum Frankfurt, dem Museum Judengasse und dem Museum Angewandte Kunst statt, die bereits im Mai und Juni 2018 eigene Ausstellungen eröffneten.

Kuratiert von Julia Friedel und Vanessa von Gliszczynski.

Folgt uns auf @weltkulturen.museum und #GesammeltGekauftGeraubt? #RaubkunstFrankfurt #LootedArtFrankfurt!

Gefördert vom Kooperationsfonds des Kulturamtes der Stadt Frankfurt.

Weltkulturen Labor, Schaumainkai 37

Veranstaltungsort

Weltkulturen Museum/ Weltkulturen Labor
Schaumainkai 37
60594 Frankfurt am Main

www.weltkulturenmuseum.de/de/ausstellungen/vorschau/10030

Sonderausstellung Spuren der NS-Verfolgung. Provenienzforschung in den kulturhistorischen Sammlungen der Landeshauptstadt Hannover

Von Donnerstag, 06.12.2018 bis Sonntag, 16.06.2019

In der Washingtoner Erklärung vom Dezember 1998 verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland dazu, während der NS-Herrschaft beschlagnahmte Kulturgüter zu identifizieren, deren Vorkriegseigentümer und Erben ausfindig zu machen und mit ihnen „eine gerechte und faire Lösung zu finden“. Seit 2008 erforscht die Landeshauptstadt Hannover in diesem Sinne systematisch die Provenienzen des städtischen Kulturgutes.

Anlässlich des zwanzigsten Jahrestages der Washingtoner Erklärung werden ab 6. Dezember 2018 erstmals die bisherigen Ergebnisse und aktuellen Probleme der Provenienzforschung im Museum August Kestner, im Historischen Museum am Hohen Ufer, im Stadtarchiv und in der Stadtbibliothek der Öffentlichkeit in einer Sonderausstellung und in einem wissenschaftlichen Begleitband präsentiert.

Im Zentrum der Sonderausstellung stehen Objekte aus dem Besitz zweier jüdischer Opfer des NS-Regimes: die Goldmünzen des Arztes aus Großburgwedel Dr. med. Albert David und der Rokoko-Schrank der Hannoveraner Fabrikantentochter Klara Berliner. Weitere Schwerpunkte sind antike Kulturgüter, Kunstgewerbe-Objekte, Münzen, Bücher und Autographen, die ab 1933 erworben wurden und die aus dem Besitz fast aller Opfergruppen des NS-Regimes stammen: Sozialdemokraten, Kommunisten, Zeugen Jehovas, Freimaurer und Juden.

Die Ausstellung erzählt die Verfolgungsgeschichte dieser NS-Opfer und stellt die komplizierten Wege dar, auf denen diese Objekte in den Besitz der Landeshauptstadt Hannover gelangten. Außerdem werden die schwierigen Bemühungen der Provenienzforschung geschildert, berechtigte und ungerechtfertigte Erbansprüche voneinander zu unterscheiden und die heute in aller Welt verstreuten Erben dieser Verfolgten des NS-Regimes ausfindig zu machen.

Veranstaltungsort

Museum August Kestner
Trammplatz 3
30159 Hannover

www.hannover.de/Museum-August-Kestner/Veranstaltungen/Das-passiert-2018-im-MAK