Provenienzforschung zu Judaika: Online-Handbuch jetzt auf Deutsch

30.04.2019

Um Pro­ve­ni­enz­for­scher bei der Iden­ti­fi­ka­ti­on und der Su­che nach dem Ver­bleib jü­di­scher Ze­re­mo­ni­al­ge­gen­stän­de zu un­ter­stüt­zen, hat die Je­wish Claims Con­fe­rence (JCC) im ver­gan­ge­nen Jahr ge­mein­sam mit der World Je­wish Re­sti­tu­ti­on Or­ga­ni­za­ti­on (WJRO) das “Hand­book on Ju­dai­ca Pro­ve­nance Re­se­arch: Ce­re­mo­ni­al Ob­jects” ver­öf­fent­licht. Das zu­nächst auf Eng­lisch er­schie­ne­ne Hand­buch ent­hält ne­ben ei­ner his­to­ri­schen Ein­ord­nung zahl­rei­che In­for­ma­tio­nen zu Ob­jekt­ty­pen und wis­sen­schaft­li­ches Quel­len­ma­te­ri­al. Nun ist das Hand­buch auch auf Deutsch on­line ver­füg­bar.

In­ter­es­sier­te kön­nen es ab so­fort auf der Web­si­te der “Con­fe­rence on Je­wish Ma­te­ri­al Claims Against Ger­ma­ny” kos­ten­frei her­un­ter­la­den. In­iti­iert und fi­nan­ziert wur­de die deut­sche Über­set­zung von der Be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en.
“Mit der deut­schen Aus­ga­be die­ses wich­ti­gen Hand­buchs wol­len wir die Pro­ve­ni­enz­for­schung spe­zi­ell zu Ju­dai­ka stär­ker in den Fo­kus der Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­rau­bes rücken”, be­tont Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters. “Der Bun­des­re­gie­rung war es da­her ein großes An­lie­gen, die Über­set­zung des Hand­buchs zu un­ter­stüt­zen, um deutsch­spra­chi­gen For­sche­rin­nen und For­schern den Zu­gang zu wis­sen­schaft­li­chen Quel­len bei der Un­ter­su­chung von Ju­dai­ka wei­ter zu er­leich­tern.”

Hand­buch zur Ju­dai­ca-Pro­ve­ni­enz­for­schung: Ze­re­mo­nial­ob­jek­te

Ferdinand von Schirach lässt historische Familiensammlung auf NS-Raubgut prüfen

17.04.2019

Der Schrift­stel­ler Fer­di­nand von Schi­rach stell­te sich der Ver­ant­wor­tung für die Ge­schich­te sei­ner Fa­mi­lie. Nach ei­ner Be­ra­tung durch das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ent­schloss er sich, ei­ne Stu­die zum Kunst­be­sitz sei­ner Groß­el­tern Bal­dur und Hen­ri­et­te von Schi­rach aus ei­ge­nen Mit­teln zu fi­nan­zie­ren. Das Zen­trum ver­mit­tel­te ihm mit dem Zen­tral­in­sti­tut für Kunst­ge­schich­te in Mün­chen ei­nen er­fah­re­nen Pro­jekt­trä­ger, der – oh­ne jeg­li­che Ein­fluss­nah­me Fer­di­nand von Schi­rachs – ei­ne Pro­ve­ni­enz­for­sche­rin mit der Re­cher­che be­auf­trag­te. Auf die­se Wei­se wur­de die  Un­ab­hän­gig­keit der Stu­die si­cher­ge­stellt, wor­auf Fer­di­nand von Schi­rach ei­nen ho­hen Wert leg­te. Erst bei der Prä­sen­ta­ti­on der For­schungs­er­geb­nis­se traf er die Pro­ve­ni­enz­for­sche­rin The­resa Sepp.

Die Stu­die ver­folg­te drei Zie­le: Zu­nächst die Re­kon­struk­ti­on des Kunst- und Kul­tur­gut­be­sit­zes, über den das Ehe­paar von Schi­rach zwi­schen 1933 und 1945 ver­füg­te. Im Wei­te­ren soll­te die his­to­ri­sche Rol­le Bal­dur von Schi­rachs als „Reichs­statt­hal­ter“ in Wien ab 1940, be­zo­gen auf die Ent­zie­hung- und Ver­wer­tung von Kunst­wer­ken un­ter­sucht wer­den. Und schließ­lich re­kon­stru­ier­te die For­sche­rin die Be­mü­hun­gen Hen­ri­et­te von Schi­rachs um Rück­ga­be des zum Kriegs­en­de durch die Al­li­ier­ten  ein­ge­zo­ge­nen Be­sit­zes. Die Er­geb­nis­se die­ser vier­mo­na­ti­gen Stu­die lie­gen nun vor und sind im Fak­ten­blatt im An­hang kurz zu­sam­men­ge­fasst.

Fer­di­nand von Schi­rach stell­te re­sü­mie­rend fest: „Dass mei­ne Groß­mut­ter auch nach dem Krieg, nach den Bil­dern der Be­frei­ung von Ausch­witz, Ge­gen­stän­de und Kunst­wer­ke von den Be­hör­den her­aus­for­der­te, die jü­di­schen Fa­mi­li­en ge­raubt wur­den, er­füllt mich mit Scham und Wut. Das ist ei­ne zwei­te Schuld, ei­ne Wie­der­ho­lung der furcht­ba­ren Ver­bre­chen, ein er­neu­ter Raub. Viel­leicht hilft es den Op­fern und ih­ren Nach­kom­men zu er­fah­ren, was die His­to­ri­ker heu­te noch er­mit­teln kön­nen. Ich ap­pel­lie­re in die­sem Zu­sam­men­hang an den Ge­setz­ge­ber, die Kunst­händ­ler und Auk­ti­ons­häu­ser in die­sen ein­deu­ti­gen Fäl­len zu zwin­gen, ih­re Ar­chi­ve of­fen­zu­le­gen. Mei­nes Er­ach­tens wie­gen die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen der Op­fer und der For­schung weit schwe­rer, als der hier zwei­fel­haf­te Per­sön­lich­keits­schutz der Käu­fer und Ver­käu­fer. Ich wür­de mich freu­en, wenn an­de­re Fa­mi­li­en ei­nen ähn­li­chen Weg ge­hen wür­den. Es ist jetzt un­ser Staat und un­se­re Ver­ant­wor­tung.“

Der um­fang­rei­che For­schungs­be­richt kann im “Mo­dul For­schungs­er­geb­nis­se” des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te re­cher­chiert wer­den.

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An­hang zur Pres­se­mit­tei­lung

Fak­ten­blatt

Vor­stu­die Kunst­be­sitz Bal­dur und Hen­ri­et­te von Schi­rach

Lauf­zeit: 7. Mai bis 31. Au­gust 2018

htt­ps://www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de/Webs/DE/For­schungs­foer­de­rung/

Kurz­text Pro­jekt­be­schrei­bung und Er­geb­nis­se:

Das vier­mo­na­ti­ge Pro­jekt um­fass­te drei Kom­ple­xe. Zu­nächst wur­de ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on je­ner Kunst- und Kul­tur­gü­ter, die sich zwi­schen 1933 und 1945 in Be­sitz von Bal­dur von Schi­rach und sei­ner Ehe­frau Hen­ri­et­te be­fan­den, er­stellt und die Her­kunft und der Ver­bleib mög­lichst vie­ler Ge­gen­stän­de be­ar­bei­tet. Um­fang und Art der Ob­jek­te wa­ren bis­lang un­be­kannt. Ins­ge­samt konn­ten 132 Kunst­ge­gen­stän­de do­ku­men­tiert und 70 Mö­bel und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de fest­ge­stellt wer­den. Da­ne­ben wur­den ca. 490 Bü­cher mit Ti­tel er­fasst, was al­ler­dings nur ei­nen Bruch­teil der Bi­blio­thek der Schi­rachs dar­stellt. Für min­des­tens 5 Ob­jek­te konn­te ein ein­deu­ti­ger NS-ver­fol­gungs­be­ding­ter Ent­zug fest­ge­stellt wer­den. Da­ne­ben wei­sen min­des­tens 45 Ob­jek­te ei­ne zu­min­dest be­denk­li­che Pro­ve­ni­enz auf, da sie Schi­rach in den vom Deut­schen Reich be­setz­ten Ge­bie­ten er­warb. 
Über die Re­kon­struk­ti­on der Samm­lung hin­aus galt es, Bal­dur von Schi­rachs Rol­le dar­zu­stel­len, die er als Reichs­statt­hal­ter und Gau­lei­ter von Wien ab 1940 im Ent­zie­hungs- und Ver­wer­tungs­pro­zess von Kunst­ge­gen­stän­den ein­nahm. Als Er­geb­nis kann fest­ge­hal­ten wer­den, dass Schi­rach nicht nur sei­ne Funk­ti­on als Reichs­statt­hal­ter aus­nutz­te, um Kunst­wer­ke aus be­schlag­nahm­ten Samm­lun­gen zu er­wer­ben, son­dern auch von sei­nen Pri­vi­le­gi­en als ho­her NS-Funk­tio­när Ge­brauch mach­te, um sich auf dem Kunst­markt fi­nan­zi­ell zu be­rei­chern. 
Der drit­te The­men­kom­plex des Pro­jek­tes soll­te sich mit Hen­ri­et­te von Schi­rachs Be­mü­hun­gen um die Rück­ga­be des ein­ge­zo­ge­nen Ver­mö­gens ab den spä­ten 1940er Jah­ren be­fas­sen. Dass die Rück­ga­ben bei­na­he das ge­sam­te 1945 ein­ge­zo­ge­ne Ver­mö­gen von Bal­dur von Schi­rach um­fass­ten, war bis­lang in die­ser Di­men­si­on nicht be­kannt.

Lang­fas­sung: Zu­sam­men­fas­sung der For­schungs­er­geb­nis­se:

Zie­le der For­schung

  1. Re­kon­struk­ti­on des Be­sit­zes von Kunst- und Kul­tur­gut, über den Bal­dur und Hen­ri­et­te von Schi­rach zwi­schen 1933 und 1945 ver­füg­ten
  2. Kon­text­for­schung zur his­to­ri­schen Rol­le von Bal­dur von Schi­rach im Ent­zie­hungs- und Ver­wer­tungs­pro­zess von Kunst­ge­gen­stän­den als Reichs­statt­hal­ter in Wien ab 1940
  3. Be­mü­hun­gen Hen­ri­et­te von Schi­rachs um Rück­ga­be des ein­ge­zo­ge­nen Be­sit­zes nach 1945

Er­geb­nis­se zu 1
Auf Ba­sis der in der Da­ten­bank zum Cen­tral Col­lec­ting Point (CCP) Mün­chen zu­gäng­li­chen Kar­tei­kar­ten, die das nach Kriegs­en­de ein­ge­zo­ge­ne In­ven­tar aus den von der Fa­mi­lie Schi­rach be­wohn­ten Im­mo­bi­li­en Schloss As­pen­stein in Ko­chel und in Ur­feld im Ein­zel­nen ver­zeich­nen, und wei­te­ren Ar­chi­vre­cher­chen zu den in der Dienst­vil­la auf der Ho­hen War­te in Wien auf­be­wahr­ten Ob­jek­ten wur­den Her­kunft und Ver­bleib des Kul­tur­gut­be­sit­zes von Bal­dur und Hen­ri­et­te von Schi­rach mög­lichst weit­ge­hend do­ku­men­tiert. Auf die­se Wei­se konn­ten 132 Kunst­ge­gen­stän­de, 70 Mö­bel und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de und ca. 490 Bü­cher mit Ti­tel (die Bi­blio­thek um­fass­te tat­säch­lich ca. 12.000 Bän­de) er­fasst wer­den. Für min­des­tens 4 der Kunst­wer­ke wur­de ein NS-ver­fol­gungs­be­ding­ter Ent­zug ein­deu­tig fest­ge­stellt. Min­des­tens 45 Ob­jek­te wei­sen zu­dem ei­ne be­denk­li­che Pro­ve­ni­enz auf, da von Schi­rach sie in vom Deut­schen Reich be­setz­ten Ge­bie­ten (Frank­reich und Nie­der­lan­de) er­warb.

Er­geb­nis­se zu 2
Bal­dur von Schi­rach nutz­te sei­ne Funk­ti­on als Reichs­statt­hal­ter nach­weis­lich aus, um Kunst­wer­ke aus in Wien be­schlag­nahm­ten Samm­lun­gen zu er­wer­ben. Zur „Ver­wer­tung“ frei­ge­ge­be­ne Kunst­ob­jek­te er­warb er so­wohl über die „Vu­ges­ta“, als auch di­rekt über sein Bü­ro so­wie über Kunst­händ­ler. Zu­dem er­warb von Schi­rach Kunst­wer­ke aus dem be­setz­ten Frank­reich und nutz­te sei­ne Pri­vi­le­gi­en als Funk­ti­ons­trä­ger des NS-Re­gimes, um be­schlag­nahm­te Kunst­wer­ke über die in Den Haag an­säs­si­ge „Dienst­stel­le Mühl­mann“ güns­tig zu er­wer­benund sie ge­winn­brin­gend auf dem deut­schen Kunst­markt zu ver­kau­fen.

Er­geb­nis­se zu 3
Von den 60 nach En­de des Krie­ges in Ko­chel auf­ge­fun­de­nen und in den Cen­tral Col­lec­ting Point (CCP) ge­brach­ten Kunst­ge­gen­stän­den er­hielt Hen­ri­et­te Hoff­mann-von Schi­rach ab 1948 ins­ge­samt 34 oh­ne Ge­gen­leis­tung aus­ge­hän­digt, 19 er­warb sie käuf­lich vom Staat. Drei Kunst­wer­ke wur­den re­sti­tu­iert und ei­nes zer­stört (ein Por­trät Bal­dur von Schi­rachs). Für drei Kunst­ge­gen­stän­de konn­te der Ver­bleib nach der Über­tra­gung auf den Frei­staat Bay­ern im Jahr 1952 nicht ge­klärt wer­den. Von den 68 im CCP si­cher­ge­stell­ten Mö­beln und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­den er­hielt Hen­ri­et­te von Schi­rach 58 Ob­jek­te kos­ten­frei aus­ge­lie­fert, 7 Ob­jek­te kauf­te sie zu­rück. Bei den 3 ver­blei­ben­den Ge­gen­stän­den han­del­te es sich um lee­re Rah­men, die mög­li­cher­wei­se zu­sam­men mit den pas­sen­den Kunst­wer­ken zu­rück­gin­gen, oh­ne dass dies do­ku­men­tiert wur­de. So­mit ge­lang­ten ca. 92% der zum Zwe­cke der Re­sti­tu­ti­on und der Wie­der­gut­ma­chung ein­ge­zo­ge­nen Kunst­ge­gen­stän­de und Mö­bel wie­der in Fa­mi­li­en­be­sitz. Al­ler­dings sind in die­ser An­zahl we­der die Rück­ga­ben und -käu­fe aus der Bi­blio­thek noch aus der Ein­zie­hung des Be­sit­zes von Hen­ri­et­tes Va­ter Hein­rich Hoff­mann be­rück­sich­tigt. Im Fal­le des „Hol­län­di­schen Platz­bil­des“ aus dem Be­sitz von Hein­rich Hoff­mann er­ziel­te Hen­ri­et­te von Schi­rach zu­dem mit dem Ver­kauf ei­nen er­heb­li­chen Ge­winn.

10. April: Zentrum unterstützt „Tag der Provenienzforschung“

09.04.2019

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg un­ter­stützt den vom Ar­beits­kreis Pro­ve­ni­enz­for­schung e. V. in­iti­ier­ten ers­ten „Tag der Pro­ve­ni­enz­for­schung“ am 10. April 2019. Ge­mein­sam mit dem Nie­der­säch­si­schen Lan­des­ar­chiv und der „Kon­fe­renz der Lei­te­rin­nen und Lei­ter der Ar­chiv­ver­wal­tun­gen des Bun­des und der Län­der“ rich­tet das Zen­trum an die­sem Tag die Fach­kon­fe­renz „Mu­se­ums­über­lie­fe­rung – Im Schnitt­punkt der In­ter­es­sen von Mu­se­en, Ar­chi­ven und der For­schung“ aus.

Uwe Hart­mann, Lei­ter des Fach­be­reichs Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Zen­trum, und Ma­thi­as Dei­nert, An­sprech­part­ner im Be­reich Pro­jekt­ko­or­di­na­ti­on Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in SBZ und DDR, wer­den im Rah­men der Ta­gung be­grü­ßen, ein­zel­ne Sek­tio­nen mo­de­rie­ren und die Ab­schluss­dis­kus­si­on lei­ten.

Ziel ist es, den fach­li­chen Dia­log zwi­schen Pro­ve­ni­enz­for­schung, Mu­se­en und Ar­chi­ven vor­an­zu­trei­ben und dar­zu­stel­len, wel­che spe­zi­fi­schen An­for­de­run­gen und Be­dürf­nis­se Pro­ve­ni­enz­for­scher an die Er­schlie­ßung von Mu­se­ums-Schrift­gut ha­ben. An­hand von Er­fah­rungs­be­rich­ten wer­den er­folg­rei­che Mo­del­le und Bei­spie­le gu­ter Zu­sam­men­ar­beit vor­ge­stellt, aber auch Pro­ble­me und Hür­den be­spro­chen, um ge­mein­sam über Lö­sun­gen nach­zu­den­ken.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur vom Zen­trum aus­ge­rich­te­ten Ta­gung fin­den Sie hier.

Der Tag der Pro­ve­ni­enz­for­schung fin­det in die­sem Jahr erst­ma­lig statt. Mehr als 70 Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen in Deutsch­land, Groß­bri­tan­ni­en, Ös­ter­reich, den Nie­der­lan­den und der Schweiz neh­men dar­an teil und ge­ben u. a. im Rah­men von Füh­run­gen, Prä­sen­ta­tio­nen, Aus­stel­lun­gen oder an­der­wei­ti­gen Ak­tio­nen ei­nen ak­tu­el­len Ein­blick in we­sent­li­che Fra­gen und Er­geb­nis­se der Pro­ve­ni­enz­for­schung. Zu­künf­tig soll der Ak­ti­ons­tag ein­mal jähr­lich, je­weils am zwei­ten Mitt­woch im April statt­fin­den.

Ei­ne Über­sicht der teil­neh­men­den Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen fin­det sich auf der Web­si­te des Ar­beits­krei­ses Pro­ve­ni­enz­for­schung.

Tagung “Provenienzforschung in den Lübecker Museen”

In einem dreijährigen Projekt, gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, wurden die Erwerbungen des damaligen Museums für Kunst und Kulturgeschichte Lübeck, die zwischen 1933 und 1945 in die Sammlung gelangten, systematisch auf ihre Provenienz geprüft.

Nun wird die Tagung „Provenienzforschung in den Lübecker Museen. Erwerbungen 1933 bis 1945“ einen Blick auf die Recherchen in Lübeck werfen. Von Alwin Pump in Lübeck bis zum Dorotheum in Wien werden Kunsthandlungen und Personen beleuchtet, die 1933 bis 1945 in die Erwerbungen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Lübeck involviert waren.

Programm folgt in Kürze.

Anmeldungen bitte bis zum 10. Mai 2019 an:

Zeit: 16.-17. Mai 2019
Ort: Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck, Königstraße 42, 23552 Lübeck

Neuer Förderbeirat “Koloniales Kulturgut” berufen

20.02.2019

Seit dem 1. Ja­nu­ar 2019 kön­nen beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te An­trä­ge für ei­ne Pro­jekt­för­de­rung zur Er­for­schung der Her­kunft von Kul­tur­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten ge­stellt wer­den. Die ers­te An­trags­frist wird der 1. Ju­ni 2019 sein. Zur Be­wer­tung der ein­ge­hen­den An­trä­ge und Er­ar­bei­tung ei­ner För­der­emp­feh­lung an den Vor­stand der Stif­tung, hat Staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters ei­nen neu­en För­der­bei­rat „Ko­lo­nia­les Kul­tur­gut“ be­ru­fen. Als Mit­glie­der wähl­te sie re­nom­mier­te Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten auf die­sem Ge­biet aus und be­zieht auch die in­ter­na­tio­na­le Per­spek­ti­ve mit ein.

Im Bei­rat ver­tre­ten sind: Prof. Dr. Wieb­ke Ahrndt (Über­see-Mu­se­um Bre­men), Prof. Dr. Dr. An­to­i­net­te Do­mi­nicé (Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen), Prof. Dr. Al­bert Gouaf­fo (Uni­ver­sité de Dschang, Ka­me­run), Prof. Dr. Mo­ni­ca Ju­ne­ja (Uni­ver­si­tät Hei­del­berg), Prof. Dr. Ul­ri­ke Lind­ner (Uni­ver­si­tät zu Köln), Dr. Bar­ba­ra Plan­ken­stei­ner (Mu­se­um am Ro­then­baum, Ham­burg), Prof. Dr. Béné­dic­te Sa­voy (Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Ber­lin), Dr. Ma­ja Schweit­zer (BKM, Ber­lin), Dr. Ste­pha­nie Tasch (Kul­tur­stif­tung der Län­der, Ber­lin).

Mit Be­ginn des Jah­res 2019 wei­tet das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te sei­ne Auf­ga­ben auf Pro­ve­ni­enz- und Grund­la­gen­for­schung zu Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten aus. Ähn­lich wie bei der För­de­rung im Be­reich NS-Raub­gut wer­den öf­fent­li­che Mu­se­en und Samm­lun­gen, Bi­blio­the­ken, Ar­chi­ve und For­schungs­ein­rich­tun­gen bei der Klä­rung der Her­kunft der Wer­ke zu­künf­tig un­ter­stützt. Zur Durch­füh­rung die­ser Auf­ga­ben wird ein neu­er Fach­be­reich ein­ge­rich­tet. Die Mit­tel für Pro­jekt­för­de­rung und Per­so­nal be­tra­gen 1,9 Mil­lio­nen Eu­ro.

Von der neu­en und wich­ti­gen Auf­ga­be des Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te bleibt die Kern­auf­ga­be, die Pro­jekt­för­de­rung im Be­reich NS-Raub­gut, un­be­rührt.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur Pro­jekt­för­de­rung fin­den Sie hier.

20 Jahre Washingtoner Prinzipien – Konferenz-Dokumentation online

18.02.2019

Die (Vi­deo)-Do­ku­men­ta­ti­on der in­ter­na­tio­na­len Fach­kon­fe­renz „20 Jah­re Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en: We­ge in die Zu­kunft“ steht ab so­fort auf der Web­sei­te des Zen­trums in deut­scher und eng­li­scher Spra­che zur Ver­fü­gung. Ne­ben dem auf­be­rei­te­ten Li­ve-Stream der zwei Haupt­kon­fe­renz­ta­ge fin­den Sie al­le dem Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te bis­her zur Ver­öf­fent­li­chung zur Ver­fü­gung ge­stell­ten Vor­trä­ge und wei­te­re Ma­te­ria­li­en. Soll­ten wei­te­re Ma­te­ria­li­en das Zen­trum er­rei­chen wer­den die­se suk­zes­si­ve er­gänzt.

Für die deut­sche Ver­si­on bit­te hier wei­ter kli­cken.  

Für die eng­li­sche Ver­si­on bit­te hier wei­ter kli­cken.

Kunstfund Gurlitt: Kulturstaatsministerin Grütters restituiert NS-Raubkunst-Gemälde

09.01.2019

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters hat heu­te in Ber­lin ge­mein­sam mit Mar­cel Brül­hart, Ver­tre­ter des Kan­tons Bern beim Kunst­mu­se­um der Stadt, das Ge­mäl­de „Por­trait de jeu­ne fem­me as­si­se“ (Por­trät ei­ner sit­zen­den jun­gen Frau) von Tho­mas Cou­ture an die Fa­mi­lie des ur­sprüng­li­chen Ei­gen­tü­mers Ge­or­ges Man­del über­ge­ben. Das Bild aus dem Nach­lass von Cor­ne­li­us Gur­litt war zu­letzt in der Aus­stel­lung „Be­stands­auf­nah­me Gur­litt“ im Ber­li­ner Gro­pi­us Bau zu se­hen, die ges­tern zu En­de ging.

„Mit der Rück­ga­be des Ge­mäl­des von Tho­mas Cou­ture an die Fa­mi­lie des frü­he­ren Ei­gen­tü­mers set­zen wir ei­nen be­we­gen­den Schluss­punkt un­ter die Aus­stel­lun­gen zum Kunst­fund Gur­litt“, er­klär­te Staats­mi­nis­te­rin Grüt­ters. „Es ist der Fa­mi­lie Ge­or­ges Man­dels zu ver­dan­ken, dass die­ses Werk an al­len drei Aus­stel­lungs­stand­orten in Bonn, Bern und Ber­lin ge­zeigt wer­den konn­te. Da­durch war es mög­lich, das Schick­sal des jü­di­schen Po­li­ti­kers Ge­or­ges Man­del, der von den Na­zis ver­folgt und in­ter­niert wur­de, ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit be­kannt zu ma­chen. Auch die­ser Fall mahnt uns, nie nach­zu­las­sen in der rück­halt­lo­sen Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­raubs, für den Deutsch­land Ver­ant­wor­tung trägt. “

Mar­cel Brül­hart sag­te: „Das Kunst­mu­se­um Bern hat­te sich nach reif­li­cher Über­le­gung für die An­nah­me der Erb­schaft Cor­ne­li­us Gur­litt ent­schie­den, um ei­nen Bei­trag für die Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­raubs und zur Mil­de­rung ge­sche­he­nen Un­rechts zu leis­ten. Ent­spre­chend freu­en wir uns über je­de Rück­ga­be ei­nes Wer­kes an die be­rech­ti­gen Er­ben im Nach­gang zu den auf­wän­di­gen For­schungs­ar­bei­ten. Ent­schei­dend ist am En­de aber nicht die Men­ge der Re­sti­tu­tio­nen, son­dern das ehr­li­che und en­ga­gier­te Be­mü­hen um die Klä­rung der Her­kunft sämt­li­cher Wer­ke des Kunst­fun­des Gur­litt“.

Das Team des Pro­jekts „Pro­ven­ienz­re­cher­che Gur­litt“ beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat­te das Werk im Ok­to­ber 2017 als NS-Raub­kunst iden­ti­fi­ziert. Ein win­zi­ges, re­pa­rier­tes Loch in dem Ge­mäl­de, das für das Por­trät aus dem Be­sitz Man­dels do­ku­men­tiert ist, führ­te die Pro­ve­ni­enz­for­scher auf die Spur des frü­he­ren Ei­gen­tü­mers. Mo­ni­ka Grüt­ters: „Der Er­folg der For­sche­rin­nen und For­scher, das Ge­mäl­de an­hand ei­nes klei­nen De­tails als NS-Raub­kunst zu iden­ti­fi­zie­ren, un­ter­streicht ein­mal mehr die enor­me Be­deu­tung der Pro­ve­ni­enz­for­schung. Es ist und bleibt un­se­re Ver­pflich­tung, die Her­kunft al­ler Kul­tur­gü­ter zu un­ter­su­chen, die mög­li­cher­wei­se NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den. Ge­ra­de weil es so auf­wän­dig ist, die Pro­ve­ni­en­zen der Ob­jek­te zwei­fels­frei zu klä­ren, gilt um­so mehr: Je­des Werk, das zu­rück­ge­ge­ben wer­den kann, trägt zur An­er­ken­nung der da­hin­ter ste­hen­den Op­fer­bio­gra­phien bei und ist ein wich­ti­ger As­pekt der Er­in­ne­rungs­po­li­tik. “

An der Über­ga­be des Ge­mäl­des im Gro­pi­us Bau nahm auch der Ge­sand­te der fran­zö­si­schen Bot­schaft, Guil­lau­me Ol­lagnier, teil. Die fran­zö­si­sche Kom­mis­si­on für die Ent­schä­di­gung der Op­fer von Ent­eig­nun­gen auf­grund der an­ti­se­mi­ti­schen Ge­setz­ge­bung wäh­rend der Ok­ku­pa­ti­ons­zeit (CIVS) hat­te den Bund bei der Kon­takt­auf­nah­me mit der Fa­mi­lie un­ter­stützt.

Das Kunst­mu­se­um Bern ist Er­be Cor­ne­li­us Gur­litts und da­mit des Kunst­funds Gur­litt. In ei­ner Ver­ein­ba­rung vom 24. No­vem­ber 2014 zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, dem Frei­staat Bay­ern und der Stif­tung Kunst­mu­se­um Bern war be­schlos­sen wor­den, dass die Pro­ve­ni­en­zen der über 1.500 Wer­ke er­forscht wer­den und der Bund NS-Raub­kunst an die Op­fer oder de­ren Nach­kom­men re­sti­tu­iert.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen un­ter www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de

Tho­mas Cou­ture (1815-1879)
Por­trait ei­ner sit­zen­den jun­gen Frau, 1850–1855
Öl auf Lein­wand, 73,5 x 60,0 cm

Le­gat Cor­ne­li­us Gur­litt 2014

Re­sti­tu­ti­on an die Nach­fah­ren recht­mä­ßi­ge Er­ben von Ge­or­ges Man­del
Fo­to: Mick Vin­cenz © Kunst­mu­se­um Bern und Kunst- und Aus­stel­lungs­hal­le der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land GmbH

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Pres­se­stel­le BKM

Die Be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en

Do­ro­theen­stra­ße 84, 10117 Ber­lin

Te­le­fon: (030) 18 272-3281

Fax: (030) 18 272-3259

E-Mail:

In­ter­net: www.kul­tur­staats­mi­nis­te­rin.de

NDR Kultursendungen berichten in TV, Radio und online über „Museumsdetektive – Auf den Spuren geraubter Kunst im Norden“

Raubkunst gehört auch im Norden zum Bestand vieler Museen: unrechtmäßig erworbene Bilder und Objekte, Möbel, ja ganze Sammlungen. Woher kommen diese Objekte? Wo sind die Besitztümer von Opfern des Nationalsozialismus geblieben? Und was passierte mit in der DDR beschlagnahmten Kunstwerken? Unter dem Titel „Museumsdetektive – Auf den Spuren geraubter Kunst im Norden“ informieren die Kulturredaktionen des Norddeutschen Rundfunks im Fernsehen, im Radio und online ab Montag, 15. Oktober, wie norddeutsche Ausstellungshäuser nach der Herkunft ihrer Objekte forschen, und bieten eine Bestandsaufnahme.

Die gemeinsame Recherche von „Kulturjournal“ (NDR Fernsehen), NDR Info, NDR Kultur und NDR Online führte zum Beispiel zur Geschichte der jüdischen Familie Hahn aus Göttingen. Sie verlor in der Pogromnacht 1938 ihr Zuhause und wurde in Beugehaft genommen. Ihre wertvolle Sammlung von Judaica wurde geraubt, ein Großteil der Familie fiel dem Holocaust zum Opfer. Die Erben haben privat einen Provenienzforscher beauftragt, die Geschichte der Sammlung zu erforschen. Eine Spur führt ins Museum für Kunst und Gewerbe nach Hamburg – und tatsächlich findet sich dort achtzig Jahre später ein Stück aus dem ehemaligen Familienbesitz. Ein weiterer Fall betrifft Kunstgegenstände, die Bürgern der DDR bei der legalen Ausreise genommen und oft weiterverkauft wurden. Dieses Kapitel deutscher Geschichte ist noch so gut wie unbeleuchtet.

Die Sendungen im Einzelnen:
NDR Fernsehen/„Kulturjournal“, 22.45 Uhr

  • Auf den Spuren der Sammlung Hahn aus Göttingen – Spektakulärer Fund in Hamburg; Sendetermin: 15. Oktober / Autorin: Sophia Münder
  • Aus historischer Verantwortung – Provenienzforschung im Norden; Sendetermin: 22. Oktober / Autorin: Sophia Münder
  • Historische Analogie – Wie die DDR sich mit Kunst bereicherte; Sendetermin: 29. Oktober / Autorin: Sylvie Kürsten

Im Tagesprogramm von NDR Kultur und NDR Info laufen ab dem 15. Oktober folgende Beiträge:

  • Wie funktioniert Provenienzforschung? / Autor: Jonas Kühlberg
  • Die Geschichte der jüdischen Familie Hahn aus Göttingen / Autorin: Sophia Münder
  • Provenienzforschung in Heimatmuseen am Beispiel von Mecklenburg-Vorpommern / Autorin: Lenore Lötsch
  • Ein Gemälde kehrt zurück – mehr als 75 Jahre nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten erhalten die Erben ein Gemälde aus dem Familienbesitz zurück / Autorin: Silke Lahmann-Lammert
  • Kunstraub in der DDR: Erst jetzt beginnen die Forscher mit der Ausarbeitung/ Autorin: Silke Lahmann-Lammert
  • Gespräche mit Kunstraub-Experten sowie Beiträge im „Journal“ auf NDR Kultur (Montag bis Freitag ab 19.00 Uhr)

NDR Info hat zu dem Schwerpunkt zudem zwei lange Sendungen im Programm:

  • Die Reportage: Great Grandfather Jaffés Gemälde kehrt zurück in die Familie: Das Museum in Celle hat nach langer Recherche die Erben der ursprünglichen Eigentümer eines Tischbein-Gemäldes ermittelt. Mehr als ein Dreivierteljahrhundert, nachdem die Nationalsozialisten sich ihrer Sammlung bemächtigten, kehrt die „Waldlandschaft“ nun zu den englischen Urenkeln von Alfons und Hedwig Jaffé zurück.
    Autorin: Silke Lahmann-Lammert
    Sendetermin: Sonntag, 21. Oktober, 6.30 Uhr und 17.30 Uhr
  • Forum am Sonntag: Wenn das Regime seine Bürger prellt: Staatlich organisierter Kunstdiebstahl in der DDR: Raubkunst – diesen Begriff kennen wir bisher vor allem aus der Zeit des Nationalsozialismus. Doch auch in der DDR gab es Kunstraub. Das „Forum am Sonntag“ schildert den Fall eines früheren DDR-Bürgers, dessen Bilder bei seiner Ausreise beschlagnahmt wurden. Heute hängen diese Kunstwerke in zahlreichen Museen, vielfach ohne Anerkennung des Unrechts und ohne Hoffnung auf Rückgabe.
    Autorin: Silke Lahmann-Lammert
    Sendetermin: Sonntag, 28. Oktober, 6.05 Uhr und 17.05 Uhr

NDR Online:

Dokumentation der Recherche und Veröffentlichung der genannten Fallgeschichten und Beiträge unter www.NDR.de/museumsdetektive

14. Oktober 2018 / IB

Radiobeitrag zur Restitution eines Gemäldes an die Erben nach Alfons und Hedwig Jaffé durch das Bomann-Museum Celle

NDR Info: Die Reportage
“Die Museumsdetektive – Forscher auf den Spuren geraubter Kunst im Norden (1/2)”: Great-Grandfather Jaffés Gemälde kehrt zurück in die Familie
Von Silke Lahmann-Lammert
 
Holländische Malerei war die große Leidenschaft von Alfons Jaffé. Anfang des 20. Jahrhunderts trug der Kunstliebhaber in Berlin eine kleine, aber feine Sammlung niederländischer Meister zusammen. Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten traf ihn und seine Frau Hedwig doppelt hart: Erst mussten die Jaffés ins englische Exil flüchten, dann fielen die Gemälde, die ihnen so viel bedeuteten, Hitlers Kunsträubern in die Hände. Nach dem Krieg blieb ein Großteil der Sammlung verschwunden. Auch die “Waldlandschaft”, ein Meisterwerk aus dem 17. Jahrhundert, galt als unauffindbar. Wie hätte das Ehepaar reagiert, hätte es erfahren, dass ihr Bild die Wände des Hitler-Fotografen Heinrich Hoffmann schmückte? Auf welchen Wegen es zu ihm nach München und von dort ins Bomann-Museum in Celle gelangte, hat der Historiker Christopher Galler rekonstruiert. Als Provenienzforscher prüft er die Museumsbestände auf Raubkunst. Mehr als ein Dreivierteljahrhundert, nachdem die Nationalsozialisten sich ihrer Sammlung bemächtigten, kehrt die “Waldlandschaft” nun zu den englischen Urenkeln von Alfons und Hedwig Jaffé zurück.
 
Erstsendung um 06:30 Uhr auf NDR Info,
Wiederholung um 17:30 Uhr auf NDR Info und
NDR Info Spezial

Online-Publikation der Claims Conference,WJRO: “Handbuch zur Judaika Provenienzforschung: Zeremonialobjekte”

Die On­line-Pu­bli­ka­ti­on „Hand­buch zur Ju­dai­ka Pro­ve­ni­enz­for­schung: Ze­re­mo­nial­ob­jek­te“ bie­tet Un­ter­stüt­zung beim Auf­spü­ren von ge­stoh­le­nen oder ver­lo­re­nen Ju­dai­ka Ob­jek­ten, de­ren Spur sich wäh­rend des 20. Jahr­hun­derts und vor al­lem im Kon­text des zwei­ten Welt­kriegs ver­liert. Ob­wohl ähn­li­che Leit­fä­den bzw. Hand­bü­cher zur Pro­ve­ni­enz­for­schung bzgl. Raub­kunst exis­tie­ren, ist die­se spe­zi­el­le Pu­bli­ka­ti­on für Ju­dai­ka ein­zig­ar­tig.
Die Con­fe­rence on Je­wish Ma­te­ri­al Claims Against Ger­ma­ny (Claims Con­fe­rence) und die World Je­wish Re­sti­tu­ti­on Or­ga­ni­za­ti­on (WJRO) ha­ben die­ses Hand­buch jüngst ver­öf­fent­licht.

Das „Hand­buch der Ju­dai­ka Pro­ve­ni­enz­for­schung: Ze­re­mo­nial­ob­jek­te“ ist frei ver­füg­bar un­ter: http://art.claims­con.org/ho­me-new/loo­ted-art-cul­tu­ral-pro­per­ty-in­itia­ti­ve/ju­dai­ca/hand­book-ju­dai­ca-pro­ve­nance-re­se­arch-ce­re­mo­ni­al-ob­jects/