Call for Contributions für die Studientag “Understanding, questioning, transforming de/colonial legacies at the museum” der Académie des Traces in Partnerschaft mit der Villa Medici und der Museo delle Civilità in Rom

Call for Contributions Villa Medici

 

Study Day of the Académie des Traces at the French Academy in Rome
Understanding, questioning, transforming de/colonial legacies at the museum

April 9, 2024, 9:30 a.m. – 5 p.m., Villa Medici, Rome, Italy

Application deadline: March 15, 2024

As part of its residency at the Villa Medici, the Académie des Traces is co-organising a study day dedicated to dé/colonial legacies in museums, with the art history department of the French Académie in Rome and the Museo delle Civiltà.

Register here to participate online

The ambition of this day is to put the work carried out by the Academy of Traces in Berlin back into practice, by opening it up to perspectives in Italy. The workshop will be structured around four themes:

 

  1. Return / Repatriate
  2. Represent / Exhibit
  3. Acquire / Appropriate
  4. Imagine / Perform

 

Each theme will be the subject of a session, structured into four short presentations not exceeding 5 minutes. These “impulses” will provide the material for a discussion of 45 minutes which will be moderated by team members of the Académie des Traces, the Villa Médicis and the Museo delle Civilità. The languages ​​of intervention will be French and English – without translation.

Proposals for impulses, linked to one of the four thematic axes, must include a title, a summary, as well as a short biography. The application must be written in the same language as the language chosen for the intervention (French or English).

Proposals linked to Italy (museums, collections, collectors, etc.) will be favored.

The event will take place online and at the Villa Médicis (hybrid format). Travel and accommodation costs will not be covered.

Apply here: Applications must be submitted via this online form

More information here: https://academiedestraces.com/villamedici.html#

Namibisches Kulturerbe in deutschsprachigen Institutionen

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat eine umfangreiche Untersuchung zu Kultur- und Sammlungsgut aus Namibia in einschlägigen Museen und Universitäten im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Die Studie versammelt erstmals Informationen aus ca. 40 ausgewählten Museen und Universitäten in Deutschland, der Schweiz und Österreich zu knapp 19.000 Objekten, die zum Großteil infolge der Kolonisierung durch das Deutsche Reich in die Institutionen kamen und dort in den meisten Fällen bis heute aufbewahrt werden.

„Das sind erstaunlich hohe Zahlen, insbesondere wenn man sie mit den Beständen des namibischen Nationalmuseums vergleicht, das etwa 1600 Objekte beherbergt“, sagt Larissa Förster, Leiterin des Fachbereichs Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten am Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und eine der Autorinnen.

Die Publikation soll europäischen und namibischen Provenienzforscher:innen als Arbeitshilfe dienen und die Vernetzung zwischen europäischen Institutionen und namibischen Expert:innen fördern. Nicht zuletzt soll sie die Debatte über die Restitution von namibischem Kulturgut unterstützen.

„Locating Namibian Cultural Heritage in Museums and Universities in German-Speaking Countries. A Finding Aid for Provenance Research“ wurde von Larissa Förster (Leiterin des Fachbereichs Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten am Deutschen Zentrum Kulturgutverluste) und Gesa Grimme (Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland) sowie Christoph Rippe (freiberuflicher Provenienzforscher) erarbeitet und ist in der Reihe „Working Paper Deutsches Zentrum Kulturgutverluste“ erschienen. Das Working Paper ist auf der Publikationsplattform der Max Weber Stiftung https://perspectivia.net kostenfrei abrufbar unter: https://doi.org/10.25360/01-2024-00002

Das Working Paper wird am Mittwoch, 28. Februar 2024, um 18 Uhr im Kurssaal, Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, Humboldt-Universität zu Berlin, Campus Nord – Haus 3, Philippstr. 13, 10115 Berlin, vorgestellt (zum Lageplan).

Stellenanzeige MARKK Hamburg Leitung Sammlung & Forschung (w/m/d) mit Kuration Globale Themen und transkulturelle Zusammenarbeit

Das Museum am Rothenbaum fördert die Wertschätzung für Kulturen und Künste der
Welt. Es befasst sich mit gesellschaftlichen Debatten der Gegenwart, in denen Themen wie
koloniales Erbe, das Zusammenleben in einer globalisierten Gesellschaft und eine Öffnung
der Museen für ein breites Publikum eine zentrale Rolle spielen. Als Museum mit
weltumspannenden Sammlungen und Wissensarchiven entwickelt es sich derzeit zu einem
innovativen Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Forschungszentrum der
Verflechtungsgeschichten und transkulturellen Kreativität.

Das Museum am Rothenbaum sucht zum 1. Juli 2024 eine
Leitung Sammlung & Forschung (w/m/d) mit Kuration Globale Themen und
transkulturelle Zusammenarbeit
in Vollzeit (40 Std./Woche)

Das MARKK sucht eine Leitung der Abteilung Sammlung & Forschung in Verbindung mit
der Funktion eines Kurators für globale Themen, zeitgenössische Kunst und transkulturelle
Zusammenarbeit. Die Stelle ist zunächst auf 3,5 Jahre befristet – eine Entfristung ist
vorgesehen.
In dieser Position bringen Sie okkupatorische globale, übergreifende Themen in die
Museumsarbeit und Ausstellungskonzeption ein und leiten die kuratorische Abteilung. Sie
stehen in enger Abstimmung mit der Direktorin bezüglich der strategischen Ausrichtung
der sammlungsbezogenen Aktivitäten des Museums. Als Leitungsperson übernehmen Sie
zudem die übergeordnete Steuerung sämtlicher Abteilungstätigkeiten und die
Personalverantwortung für die Beschäftigen in Ihrem Bereich. Zur Abteilung gehören die
wissenschaftlichen bzw. kuratorischen Stellen (Regionalsammlungen,
Provenienzforschung, Projekte), die Sammlungsdokumentation sowie die Bibliothek, das
Foto- und Schriftarchiv.
Wichtige Aufgaben in den nächsten Jahren umfassen die Konzeption und Umsetzung einer
neuen Dauerausstellung im Rahmen der Gesamtmodernisierung des MARKK. Hier wird der
Position eine zentrale Rolle beigemessen.

Ihre Aufgaben:

  • Mitgestaltung der inhaltlichen Positionierung des Museums in Abstimmung mit der
    Direktion und dem kuratorischen Team
  • Weiterentwicklung und Umsetzung der Forschungs- und Ausstellungsstrategie des
    Museums in Abstimmung mit der Direktion und unter Einbindung insbesondere der
    Regionalkurator:innen
  • Mitwirkung im Leitungsteam des Museums
  • Budget- und Ressourcenplanung für die Abteilung sowie Forschungs- und
    Ausstellungsaktivitäten des Museums gemeinsam mit der Direktion
  • Dienstvorgesetzte des Teams der Abteilung in Abstimmung mit dem Vorstand
  • Unterstützung der Direktorin bei der Entwicklung und dem Ausbau von Netzwerken
    zu Universitäten, Interessenverbänden, Vereinen und sonstigen Akteuren
  • Unterstützung der Direktorin bei der Akquise von Drittmitteln für Forschungs- und
    Ausstellungsprojekte
  • Kuration sammlungsübergreifender globaler Themen mit entsprechender Nutzung
    des Sammlungsbestandes Museums und zeitgenössischer globaler Kunst
  • Kuration von Ausstellungen

Ihre Qualifikationen:

  • ein mit Doktorat abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium der Kulturund
    Sozialanthropologie (Ethnologie), der globalen Kunstgeschichte oder einer
    Regionalwissenschaft mit Schwerpunkt auf materieller Kultur und zeitgenössischer
    Kunst sowie Kenntnis postkolonialer Theorien und Gegenwartsdebatten
  • Mehrjährige Leitungserfahrung oder Führung von Teams/ Personalführung in einem
    Museum
  • Herausragende wissenschaftliche und kuratorische Kompetenz, nachgewiesen
    durch eigene Ausstellungsprojekte zu Regionen-übergreifenden Themen,
    Publikationen sowie Beteiligung an internationalen Forschungs- oder
    Kooperationsprojekten
  • Sehr gute Kenntnisse der aktuellen Diskurse in ethnologischen Museen bzw.
    allgemein im Museumssektor und Erfahrung in dialogischen Projekten mit
    Vertreter:innen von Nachfolgegesellschaften und/oder der Diaspora
  • internationale Vernetzung in der Fachgemeinschaft
  • sichere Beherrschung der modernen Büro-Kommunikation (MS Office-Paket)
  • Erfahrung in der Arbeit mit Datenbanken und in der Objektdokumentation
  • Sehr gute Kommunikationsfähigkeiten sowie große Führungs- und
    Sozialkompetenz
  • Sehr gutes Verständnis für betriebliche Strukturen und Prozesse
  • Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Belastbarkeit,
    Zuverlässigkeit, strukturierte Arbeitsweise
  • ausgezeichnete Englischkenntnisse in Wort und Schrift; Falls keine
    Deutschkenntnisse vorhanden sind, muss die Bereitschaft zum Erlernen der Sprache
    innerhalb von 3 Jahren auf mindestens C1 Niveau gegeben sein.

Wir bieten:

  • eine Vergütung entsprechend TV-AVH E14
  • eine abwechslungsreiche und zukunftsweisende Tätigkeit während eines
    besonderen Moments der Umgestaltung des Museums
  • Zuschuss zum Deutschland-Ticket
  • Große Gestaltungsmöglichkeiten in einem für das Museum strategisch zentralen
    Aufgabenbereich

Das Museum am Rothenbaum begrüßt Bewerbungen von Menschen aller Nationalitäten,
von People of Color sowie von Bewerber:innen mit Flucht- oder familiärer
Migrationsgeschichte. Schwerbehinderte Bewerber:innen werden bei gleicher Eignung
besonders berücksichtigt (der Einsatzort ist nicht barrierefrei).
Für inhaltliche Nachfragen steht Ihnen Dr. Barbara Plankensteiner (Tel.: 040 / 428 879-501)
zur Verfügung.
Ihre schriftliche Bewerbung (mit Motivationsschreiben ohne Foto) senden Sie bitte bis zum
21. März 2024 per E-Mail an (Single-PDF, max. 20 MB) oder
postalisch an das Museum am Rothenbaum, z. H. Frau Lapidus, Rothenbaumchaussee 64,
20148 Hamburg. Wir weisen darauf hin, dass wir Bewerbungsunterlagen nicht zurücksenden.
Falls Sie dies wünschen, legen Sie bitte einen frankierten Rückumschlag bei.

NS-Raubgut an die AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften restituiert

Im Zuge des Forschungsprojekts „NS-Raubgut unter den antiquarischen Erwerbungen der Herzog August Bibliothek seit 1969“ hat die Wolfenbütteler Herzog August Bibliothek (HAB) drei Bände an die AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften zurückgegeben.

Es handelt sich um Werke, die Anfang der 1980er Jahre im antiquarischen Buchhandel erworben wurden: Albert Schramms „Deutschlands Verlagsbuchhandel“ (Leipzig 1925), „Hundert Jahre Buchverlag“ (Düsseldorf 1921) und Anton Mengers „Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus“ (Berlin 1871). Aufgrund ihrer Provenienzmerkmale wie Stempel und Notizen konnten sie als Bestandteile der ehemaligen Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek bei der Arbeiterkammer in Wien identifiziert werden.

„Es ist eine symbolische Wiedergutmachung einer von den Nazis geplanten kulturellen Auslöschung“, sagt Ute Wödl, Leiterin der AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften. Die Bibliothek der Arbeiterkammer war ein frühes Ziel der Nazis und symbolisierte einen Angriff auf die kulturelle Identität der Arbeitnehmerbewegung. Nach der NS-Herrschaft waren von den ursprünglich 160.000 Büchern nur noch etwa 35.000 auffindbar, da ein Großteil des Bestands zerstört oder an unbekannte Orte verteilt wurde.

Das Projekt „NS-Raubgut unter den antiquarischen Erwerbungen der HAB seit 1969“ wurde vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert. Die Bibliothek setzt die Bemühungen in diesem Forschungsbereich durch das Nachfolgeprojekt „NS-Raubgut unter den Zugängen der Herzog August Bibliothek 1933–1969“ fort.

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: Jetzt Projekte im Bereich NS-Raubgut beantragen!

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg stellt wieder Fördermittel für Forschungsprojekte zur Provenienzforschung im Bereich „NS-Raubgut“ zur Verfügung. Die nächste Antragsfrist für eine langfristige Förderung in diesem Feld endet am 1. April 2024. Einzelfallbezogenen, kurzfristigen Forschungsbedarf fördert das Zentrum ohne Frist ganzjährig.

Im Forschungsbereich „NS-Raubgut“ sind neben öffentlichen Einrichtungen auch privat getragene Einrichtungen (z.B. Museen, Archive, Vereine, Unternehmen) und Privatpersonen in Deutschland antragsberechtigt. Das Zentrum fördert systematische Bestandsprüfungen und Grundlagenforschung zum historischen Kontext des NS-Kulturgutraubs sowie die Erschließung von Archivbeständen und die Rekonstruktion von privaten Sammlungen, die während der NS-Herrschaft verfolgungsbedingt entzogen, aufgeteilt oder zerstört wurden.

Auch die Provenienzklärung privater Sammlungen ist förderfähig, sofern ein Verdacht auf NS-verfolgungsbedingten Entzug besteht.

Seit Januar 2019 fördert das Zentrum zudem auch Projekte, die dazu dienen, die Erben von Objekten aus verfolgungsbedingt entzogenen Sammlungen, zu denen bereits Provenienzforschung stattgefunden hat, zu ermitteln. Ziel von Anträgen mit diesem Förderschwerpunkt soll es sein, mit den Erben eine gerechte und faire Lösung im Sinne der Washingtoner Prinzipien von 1998 und der Gemeinsamen Erklärung von 1999 herbeizuführen.

Weitere Informationen zum Förderbereich „NS-Raubgut“ sowie das aktuelle Antragsformular für öffentliche Instiutionen sowie für private Institutionen und Privatpersonen finden Sie hier.

Bei inhaltlichen und formalen Fragen berät das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gerne persönlich. Bitte beachten Sie, dass eine Beratung nur bis zum 1. März 2024 in Anspruch genommen werden kann. Wenden Sie sich hierzu bitte an:

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Cathleen Tasler
Projektberatung („NS-Raubgut“ – öffentliche Einrichtungen)
Humboldtstraße 12
39112 Magdeburg
Telefon: +49 (0) 391 727 763 21
E-Mail: 

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Sandra Leinert
Projektberatung („NS-Raubgut“ – private Einrichtungen und Privatpersonen)
Humboldtstraße 12
39112 Magdeburg
Telefon: +49 (0) 391 727 763 31
E-Mail: 

Anneke de Rudder erhält Obermayer Award 2024

Anneke de Rudder erhält den Obermayer Award 2024 für ihre Arbeit als Provenienzforscherin im Bereich NS-Raubgut. Sie ist derzeit tätig an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und forscht seit vielen Jahren umfassend zum Leben von Jüdinnen und Juden u.a. in Lüneburg. Ihr Fokus liegt auf der Rückgabe von NS-Raubgut an die rechtmäßigen Erbinnen und Erben von NS-Verfolgten. Anneke de Rudder hat beispielsweise im Auftrag des Museum Lüneburg fast 60 Erben eines einst prominenten jüdischen Bürgers von Lüneburg, Marcus Heinemann, ermittelt und zusammen mit einer Nachfahrin eine Restitutionsfeier organisiert, an der mehrere Dutzend Nachfahren teilnahmen. Darüber hinaus arbeitet sie am Aufbau einer digitalen Datenbank mit Namen, Daten, Geschichten und Fotos zu Lüneburgs jüdischen Familien, die Nachkommen, Bürger:innen und Forscher:innen weltweit zur Verfügung steht.

Die Provenienzforscherin arbeitet derzeit in einem vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekt in den Sondersammlungen der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg.

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gratuliert Anneke de Rudder herzlich zur Auszeichnung. Die Zeremonie findet am 29. Januar um 18:30 Uhr auf Einladung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Kai Wegner, und der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, im Roten Rathaus statt. Verfolgen Sie die Awards im Livestream hier: https://widenthecircle.org/de/obermayer-awards/watch

Die Obermayer Awards, organisiert und verwaltet durch Widen the Circle, werden deutschen Personen und Gruppen verliehen, die aufgezeigt haben, welch wichtige Rolle die jüdische Bevölkerung vor der Zeit des Nationalsozialismus über Hunderte von Jahren für die deutsche Gesellschaft spielte. Ausgezeichnet wird darüber hinaus das Engagement von Menschen, die sich ausgehend von den Lehren aus der Geschichte der Bekämpfung von Vorurteilen und Rassismus (einschließlich Antisemitismus) widmen und die Verständigung zwischen verschiedenen Gruppen fördern, um dem Aufkommen und der zunehmenden Verbreitung von Vorurteilen etwas entgegenzusetzen. Der renommierte Preis wird seit mehr als zwei Jahrzehnten verliehen.

Beirat „Dekolonisierendes Erinnerungskonzept“ nimmt Arbeit auf

Der von der Landeshauptstadt Hannover ins Leben gerufene Beirat „Dekolonisierendes Erinnerungskonzept“ hat mit seiner konstituierenden Sitzung am 19. Januar 2024 seine Arbeit aufgenommen. Der Beirat soll die Verbindungen der Stadt Hannover zur Kolonialgeschichte und deren bis heute reichende Auswirkungen aufarbeiten, deren Zeichen in der Stadt hinterfragen und Handlungsempfehlungen benennen.

Oberbürgermeister Belit Onay betrachtet die Einsetzung des Beirates als Meilenstein: „Ein dekolonisierendes Erinnerungskonzept ist nicht nur für die BPoC-Community (Black and People of Color) in unserer Stadt bedeutend, es ist auch zentral für eine demokratische Gesellschaft, in der gleichberechtigte Teilhabe und Vielfalt hohe Bedeutung haben.“
 
Der Beirat, der mehrfach im Jahr zu Präsenzsitzungen in Hannover zusammenkommen soll, vereint lokale und überregionale Expertise. Die Mitglieder haben Kompetenzen im Bereich der Geschichte des Kolonialismus und seiner Folgen, der Provenienzforschung sowie der dekolonisierenden Erinnerungskultur, aber auch in den Handlungsfeldern Rassismus, Empowerment und Teilhabe. Von zentraler Bedeutung ist die vorgesehene Einbindung von Menschen der Zivilgesellschaft, die sich intensiv für das Thema engagieren.
 

Gesellschaftliche Folgen der Zeit des Kolonialismus

Neben historischen Fragestellungen und dem Umgang mit den Spuren des Kolonialismus im Stadtbild wird der Beirat auch die heute noch spürbaren gesellschaftlichen Folgen der Zeit des Kolonialismus thematisieren.

Es gilt, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass viele Lebensbereiche noch heute Bezüge zum Kolonialismus aufweisen. Der verbreitete Alltagsrassismus ist dafür ein zentraler Beleg. Aber auch weltweite Wirtschafts- und Handelsstrukturen, Schwerpunktsetzungen in Politik und Medien oder die unterschiedliche Betroffenheit der Weltregionen von den Folgen der Klimakatastrophe sind dafür Beispiele.

Zentrale gegenwärtige politische Probleme sind nur dann umfassend zu verstehen und zu bearbeiten, wenn man die Geschichte des Kolonialismus und ihre nachhaltigen Folgen kennt.

Beschäftigung mit dem kolonialen Erbe

Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf hebt die Bedeutung des nun begonnenen Prozesses hervor: „Eine plurale und diverse Stadt muss sich intensiv mit ihrem kolonialen Erbe beschäftigen, das bis heute prägend wirkt. Der Beirat wird uns in dieser Hinsicht wichtige Impulse geben.“

Die Städtische Erinnerungskultur wird die Arbeit des Beirats begleiten. Die konstituierende Sitzung wurde von Brenda Davina als wissenschaftliche Koordinatorin „Koloniales Erbe“ vorbereitet.

Die Kultur- und Bildungswissenschaftlerin Brenda Davina verfügt über langjährige und vielfältige Erfahrung in der Bildungsarbeit sowie der ehrenamtlichen Arbeit in den Vereinen Afrosources und Future of Ghana Germany.

Die Mitglieder des Beirats „Dekolonisierendes Erinnerungskonzept“:

Lokale Vertreter*innen:

1. Tchadarou Abdoul
(Generation Postmigration, Jugendsprecher des Zentralrats afrikanischer Gemeinden in Deutschland e.V., Mitwirkung beim Lokalen Integrationsplan der Landeshauptstadt Hannover)

2. Dr. Claudia Andratschke
(Leitung Provenienzforschung am Landesmuseum Hannover, Koordinatorin Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen)

3. Leyla Ercan
(Agentin für Diversität, Nds. Staatstheater Hannover)

4. Golschan Ahmad Haschemi
(freiberufliche Kulturwissenschaftlerin, Schwerpunkte: Queer-Feminismus, (Anti-)Rassismus, Postkolonialismus und Empowerment)

5. Prof. Dr. Brigitte Reinwald
(Uni Hannover: Centre for Atlantic and Global Studies, Afrikanische Geschichte)

6. PD Dr. Ulrike Schmieder
(Uni Hannover: Centre for Atlantic and Global Studies; Erinnerungen an Sklavenhandel und Sklaverei, insbes. Lateinamerika/Karibik)

7. Hannah Indirah Terhorst
(Bildungswissenschaftlerin, Kargah)

8. Innawa Bouba
(Politikwissenschaftlerin, Colors of Climate, Klimagerechtigkeitsbewegung und koloniale Kontinuitäten)

9. Bakari Tangara
(ADV-Nord e.V.)

Überregionale Vertreter*innen:

10. Nadine Golly
(Sozialwissenschaftlerin, Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, Mitbegründerin von KARFI – Schwarzes Kollektiv für Empowerment und rassismuskritische Bildung)

11. Tahir Della (Decolonize Berlin, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, begleitet Dekolonisierungsprozess in Berlin)

12. Dr. Noa K. Ha
(wiss. Leiterin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung, Berlin, Schwerpunkte: Post- und dekoloniale Stadtforschung/Erinnerungskultur, Asiatische Diaspora, Intersektionale, feministische, postkoloniale und dekoloniale Theorie)

13. Mable Preach
(Regisseurin, Choreografin, Kuratorin; Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Hannover)

Teilnehmende Verwaltung (beratend ohne Stimmrecht):

1. Kulturdezernentin

2. Fachbereichsleitung Kultur

3. Direktion ZeitZentrum Zivilgesellschaft

4. Koordinierende Wissenschaftliche Stelle

5. Antidiskriminierungsstelle der Stadt

6. Verwaltungsstelle

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Austausch über Kulturgüter aus Kamerun

(lifePR) (Hannover

Am 19. Januar 2024 empfing das Landesmuseum Hannover Besuch aus Kamerun: Acht Mitglieder des interministeriellen Komitees für die Rückführung illegal ausgeführter Kulturgüter sowie ausgewählte Vertreter*innen traditioneller Königshäuser besuchten die ethnologische Sammlung des Hauses. Ziel des Treffens war ein persönlicher Austausch über mögliche Wege zur Rückgabe von Kulturgütern sowie künftige Zusammenarbeit.

Mit rund 40.000 Objekten befinden sich die größten Sammlungen kamerunischer Kulturgüter in deutschen Museen, etwa 1.500 von ihnen verwahrt das Landesmuseum Hannover. Viele stammen aus der Kolonialzeit, als Kamerun zum Deutschen Reich gehörte.

Der Besuch der Ausstellungen im WeltenMuseum und der ethnologischen Depots des Hauses sind Bestandteil der nationalen Delegationsreise im Anschluss an ein zweitägiges Dialogtreffen im Lindenmuseum in Stuttgart. Dort kamen Vertreter*innen elf deutscher Museen der Weltkulturen mit der Delegation des kamerunischen Komitees zusammen, um einen gemeinsamen Austausch über koloniales Erbe und Restitution zu begründen. Der Dialog ist ein wichtiger Bestandteil der Auseinandersetzung mit deutschen
Sammlungsbeständen aus kolonialen Kontexten.

 
Weitere Informationen finden Sie hier.
 
 

Umfrage zu menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten in Museums- und Universitätssammlungen in Deutschland

Eine deutschlandweite Umfrage bietet erstmals eine Übersicht über menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten in Museen und universitären Sammlungen. Durchgeführt wurde die Umfrage von der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland (Kontaktstelle) im Auftrag von Bund, Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden.

Weitere Informationen und die Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.

Neuer Band zu „Fotografien“ erschienen

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat eine neue Ausgabe des Periodikums „Provenienz & Forschung” veröffentlicht: Im Vorgriff der Frühjahrskonferenz 2024 des Zentrums zu „Fotografie und Provenienzforschung“ geht es im aktuellen Band der Reihe um das Thema „Fotografien“.

Die Forschung zu Fotografie ist in den Kulturwissenschaften längst etabliert. Für die Provenienzforschung hingegen ist das Potenzial dieses Mediums noch nicht voll ausgelotet. Dieses Heft widmet sich den praktischen Herausforderungen bei der Arbeit mit Fotografien in der Provenienzforschung ebenso wie dem Charakter von Lichtbildern als sensiblen Objekten. Es stellt Fotos als wertvolle Quellen dar – aber auch als Opfer von Raub und Entzug.

Der gedruckte Band kann beim Sandstein Verlag Dresden bestellt werden (Printausgabe) und als elektronische Ausgabe auf perspectivia.net unter der DOI 10.25360/01-2023-00043 im Open Access heruntergeladen werden.

Die Frühjahrskonferenz findet am 18. und 19. April 2024 in der Universitätsbibliothek Leipzig statt. Informationen zu Programm und Anmeldung finden Sie demnächst auf dieser Website.

Das Periodikum „Provenienz & Forschung“ erscheint einmal jährlich zu einem Thema aus der Provenienzforschung und informiert dabei unter anderem über aktuelle Ergebnisse aus den vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekten. Das Heft wendet sich an eine interessierte Öffentlichkeit aus Medien und Politik, an Fachleute aus Archiven, Bibliotheken und Museen sowie an Forschungseinrichtungen und den Kunsthandel.