Fachtagung: Verlagerung von Museumsgut im polnisch-deutschen Kulturraum als Folge des Zweiten Weltkriegs

Der Museumsverband Brandenburg lädt herzlich zur Internationalen Fachtagung “Displaced Collections. Verlagerung von Museumsgut im polnisch-deutschen Kulturraum als Folge des Zweiten Weltkriegs” vom 13.-14.10.2022 in Guben ein. Die Tagung widmet sich der Rekonstruktion von kriegsbedingten Verlagerungen oder Verlusten von Museumsgut in polnischen und deutschen Museen. Ausgehend von dem Rechercheprojekt „Verlustsache: Märkische Sammlungen“ will sie dazu beitragen, die Recherche nach Kriegsverlusten von Museen im deutsch-polnischen Kulturraum zu vernetzen. Die Tagung soll auch ermutigen, die Suche nach verschollenem Sammlungsgut nicht auf zugeben, sondern einschlägige Quellen zu sichern und zu veröffentlichen.

Das Programm zur Tagung findet sich unten im Beitrag. Für die Teilnahme wird vor Ort eine Tagungsgebühr in Höhe von 20 Euro erhoben.
 

Jetzt als virtuelle Ausstellung: „Modische Schwergewichte aus Namibia – Traditionelle Kleidung und Schmuck der Hererofrauen“

Seit dem 13.04.2022 präsentiert das Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) Hildesheim die neue virtuelle Ausstellung Modische Schwergewichte aus Namibia – Traditionelle Kleidung und Schmuck der Hererofrauen. Als „analoge“ Ausstellung war sie vom 11.02.2020 bis zum 31.01.2021 bereits im RPM zu sehen. Dank finanzieller Unterstützung durch das Verbundprojekt PAESE („Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen“) konnte jetzt eine virtuelle Fassung entstehen. Sabine Lang, Provenienzforscherin am RPM, schrieb das Drehbuch. Jenny Hoyer, Studentin der Visuellen Kommunikation an der Hochschule Hannover, machte daraus eine virtuelle Ausstellung im Stil eines Dokumentarfilms.

Die Umsetzung in ein virtuelles Format bot Raum für viele neue Extras. In Kurzvideos stellt die Kuratorin Sabine Lang einzelne Stücke eingehend vor und erzählt über deren Sammler. Zuschauer/innen erfahren außerdem, wie in einem aufwendigen Verfahren dünne Scheibchen aus Straußeneierschalen hergestellt werden, was es mit Kosmetik-Behältern aus Schildkrötenpanzern auf sich hat, wie schwer die Hererofrauen an mit Eisen besetzter Kleidung und Schmuck zu tragen hatten und warum sie die von Missionaren eingeführten leichten Baumwollkleider durchaus attraktiv fanden.

Weitere Themen sind die deutsche Kolonialzeit sowie die traditionelle materielle Kultur der Herero. Auch der Verlust dieses materiellen Erbes infolge des Deutsch-Namibischen Krieges 1904-1908 ist Thema der Ausstellung. Zur Sprache kommt außerdem, wie schwierig es oft ist, eine Kernaufgabe ethnologischer Provenienzforschung zu erfüllen, nämlich Licht auf die genauen Erwerbungsumstände in kolonialen Kontexten zu werfen.

Die virtuelle Ausstellung „Modische Schwergewichte aus Namibia“ ist auf dem YouTube-Kanal des RPM zu sehen.

Dauer: ca. 50 Minuten. Sprache: Deutsch mit englischen Untertiteln.

Stellenausschreibung “Die Sammlung Karl Braun und die Rolle des Amani Instituts während der deutschen Kolonialzeit in Tansania.”

Die Museen Stade suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine wissenschaftliche Fachkraft im Bereich Provenienzforschung in kolonialen Kontexten.

Gefördert vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste, realisieren die Museen Stade ab Mai 2022 ein Forschungsprojekt mit dem Titel:
“Die Sammlung Karl Braun und die Rolle des Amani Instituts während der deutschen Kolonialzeit in Tansania.”

Das auf 24 Monate ausgelegte Projekt widmet sich einem ausgewählten Sammlungsbestand der Museen Stade und arbeitet darüber hinaus die Netzwerke des Transfers ethnografischer Objekte im Kontext des Amani-Instituts während der deutschen Kolonialzeit in Tansania auf. Gleichzeitig ist die Geschichte des Instituts Gegenstand der Untersuchungen.

Neben den Forschungen in deutschen Archiven gibt es im Rahmen des Projekts eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen in Tansania, u.a. dem Amani Medical Research Centre.

Für das Projekt suchen wir eine Person mit ausgewiesenen Kenntnissen in der Provenienzforschung und sehr guten kommunikativen Fähigkeiten.

Sie erwartet ein hoch motiviertes Team, das darum bemüht ist, die Stader Museumslandschaft immer wieder unter der Berücksichtigung aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen neu zu gestalten. Wir bieten Ihnen die Chance, aktiv an diesem Prozess mitzuarbeiten.

Zu Ihren Aufgaben gehört insbesondere:
• Sichtung, Aufbereitung und Auswertung verschiedener Archivbestände
• Umfassende Recherche zum Amani Institut
• Katalogisierung der Sammlung Karl Braun
• Kommunikation mit den Partnerinstitutionen in Tansania
• Arbeitsbesuche und Workshops in Tansania und Deutschland
• Pflege der Projektwiki
• Publikation und Ausstellung der Projektergebnisse in enger Zusammenarbeit mit der Museumsleitung

Ihr Profil sollte folgende Anforderungen erfüllen:
• Abgeschlossenes Studium im Bereich Ethnologie, Postcolonial Studies, Geschichte, Social Anthropology oder Kulturwissenschaften
• Erfahrungen in der Provenienzforschung
• Erfahrungen im Bereich Datenbanken/Digitalisierung
• Sehr gute kommunikative Fähigkeiten
• Sehr gute Englischkenntnisse, im Idealfall Sprachkenntnisse in Kiswahili
• Ausgeprägte Teamfähigkeit, Belastbarkeit, Organisationstalent sowie ein überdurchschnittliches Maß an Eigeninitiative und Kreativität

Vertrag und Eingruppierung:
Die Stelle ist auf zwei Jahre befristet. Die Eingruppierung erfolgt in der Entgeltgruppe 13 Entgeltordnung (VKA) zum TVöD – abhängig von der Ausbildung und Berufserfahrung.

Bewerbung:

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann bewerben Sie sich! Wir sind gespannt auf motivierte, begeisterungsfähige Persönlichkeiten und freuen uns, Sie kennen zu lernen.

Für Rückfragen steht Ihnen der Direktor der Musen Stade Herr Dr. Möllers telefonisch unter 04141-79773-11 oder per Email unter zur Verfügung.

Bürostandort ist Stade, ggf. kann die Tätigkeit auch in Teilpräsenz ausgeführt werden.

Bitte senden Sie Ihre aussagekräftige Bewerbung mit den üblichen Unterlagen bis zum 10. April 2022 vorzugsweise per E-Mail an: .

Wenn Sie Ihre Bewerbung postalisch einreichen möchten, richten Sie diese bitte an:
Museen Stade
Wasser West 39
21682 Stade

CfP: “Glanz, Licht und Schatten – Provenienzforschung zu Silberbeständen”

Die Tagung wird im Rittersaal des Residenzschlosses Celle in Präsenz stattfinden, voraussichtlich aber auch hybrider Form angeboten.

Das Bomann-Museum erforscht aktuell im Rahmen eines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts die Herkunft seiner Sammlung an Silberobjekten, die zwischen dem Ende des 17. und der Mitte des 19. Jahrhunderts von Celler Meistern gefertigt wurden. Wie in einigen anderen norddeutschen Museen auch, entstand eine solche Sammlung von regionalem Silber erst ab den 1960er Jahren. Dies lag besonders daran, dass die Kenntnisse zu den Stadt- und Meistermarken, unter anderem durch die Forschungen von Wolfgang Scheffler, erst zu diesem Zeitpunkt erheblich erweitert wurden. So war die Celler Stadtmarke vorher in der Kunst- und Fachwelt noch unbekannt. Dennoch hatte das Celler Silber wegen seiner Qualität schon zur Zeit seiner Herstellung einen weit über Celle hinausgehenden Absatzmarkt gefunden und gelangte später auch in große Silbersammlungen.

Auch wenn der Erwerb der Silberobjekte durch das Bomann-Museum erst ab 1960 erfolgte, ist die Klärung ihrer Provenienz zwischen 1933 und 1945 im Sinne der Washingtoner Erklärung ebenso relevant. Silberobjekte waren sowohl als Gebrauchsgegenstände in den Haushalten jüdischer Familien vorhanden, als auch waren Stücke von hohem künstlerischem Wert in jüdischen Kunstsammlungen vertreten. Ab 1938 war kein freihändiger Verkauf dieser Silbergegenstände mehr möglich und durch die „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939 bestand ein Zwang, sämtliche Silbergegenstände abzuliefern. „Kunst- und Seltenheitssilber“ wurde dabei nicht eingeschmolzen, sondern zu geringen Preisen an die Bevölkerung, aber auch an Museen verkauft. Allerdings hatte der Entzug von Silber in jüdischem Eigentum, wie bei vielen Objekten auch, schon vor 1938 begonnen. Nicht selten musste es aufgrund der zunehmenden Repressalien schon zwangsweise veräußert werden.

Im Rahmen der Tagung sollen möglichst verschiedene Ansätze der bisherigen Forschungen zum Oberthema Silber vorgestellt und diskutiert werden. Willkommen sind daher Beiträge zur Provenienzforschung zu anderen musealen Silbersammlungen, zu Erwerbungen bei den Leihämtern in den Jahren 1939/40, zu Judaica, zu einschlägigen Kunsthandlungen und auch Einzelfallrecherchen oder allgemeine Impulse zur Provenienzforschung zu Silberobjekten.

Bitte senden Sie Ihre Vortragsidee in Form eines Abstracts (max. 3.000 Zeichen) bis zum 27. März an folgende Adresse:

 

Stellenanzeige Institut für Ethnologie und Ethnologische Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen: wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (w/m/d)


Einrichtung: Institut für Ethnologie und Ethnologische Sammlung (ID 15920)

Ansprechpartner: Dr. Michael Kraus

Besetzungsdatum: ab sofort

Veröffentlichungsdatum: 06.12.2021


Am Institut für Ethnologie und Ethnologische Sammlung der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt, gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, für die Dauer von zwölf Monaten eine Stelle als

wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (w/m/d)

mit 50% der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit (z.Zt. 19,9 Stunden/ Woche) zu besetzen. Die Entgeltzahlung erfolgt nach Entgeltgruppe 13 TV-L.

Projekt/Aufgabe
Die Stelle ist an der Ethnologischen Sammlung angesiedelt in Fortführung des niedersächsischen Provenienzforschungs-Verbunds PAESE (Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen). Arbeitsschwerpunkte sind:

  • Unterstützung der Arbeiten in der Ethnologischen Sammlung bei der Umsetzung der 3-Wege-Strategie des Bundes
  • Vorbereitung eines gemeinsamen DFG-Antrags im PAESE-Verbund (LIS/Digitalisierung)
  • Digitalisierungsarbeiten in der Ethnologischen Sammlung
  • Abstimmung gemeinsamer Planungen mit den anderen PAESE-Verbundpartnern

Qualifikationen

  • Studium der Ethnologie oder einer im Rahmen der Aufgabenstellung vergleichbaren Wissenschaft
  • Sicherheit im Umgang mit unterschiedlichen museumsbezogenen Datenbanksystemen sowie Erfahrungen in Fragen der Digitalisierung
  • Sicheres Auftreten, Befähigung zur eigenständigen Arbeit ebenso wie zur Teamarbeit
  • erwünscht sind regionale Kenntnisse zu Ozeanien und hierbei vor allem Kenntnisse zur materiellen Kultur
  • wünschenswert sind weiterhin Erfahrungen in der ethnologischen Museumsarbeit sowie bei der Erstellung wissenschaftlicher Anträge

Die Universität Göttingen strebt in den Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, eine Erhöhung des Frauenanteils an und fordert daher qualifizierte Frauen nachdrücklich zur Bewerbung auf. Sie versteht sich als familienfreundliche Hochschule und fördert die Vereinbarkeit von Wissenschaft/Beruf und Familie. Die Universität hat sich zum Ziel gesetzt, mehr schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Bewerbungen Schwerbehinderter erhalten bei gleicher Qualifikation den Vorzug.

Bei Fragen zur Stelle wenden Sie sich bitte an: Dr. Michael Kraus,

Ihre Bewerbung senden Sie mit den üblichen Unterlagen (CV, Motivationsschreiben, ggfs. Angaben zu bisherigen Erfahrungen im Rahmen des vorgegebenen Aufgabenprofils) bis spätestens 10.01.2022 bitte ausschließlich in digitaler Form an: Sekretariat des Instituts für Ethnologie und Ethnologische Sammlung, Frau Kristin Jansen,

Hinweis:
Wir weisen darauf hin, dass die Einreichung der Bewerbung eine datenschutzrechtliche Einwilligung in die Verarbeitung Ihrer Bewerberdaten durch uns darstellt. Näheres zur Rechtsgrundlage und Datenverwendung finden Sie im Hinweisblatt zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Stiftungsrat des Deutschen Zentrum Kulturgutverluste beschließt Neuerungen der Förderrichtlinien

07.12.2021

Der Stif­tungs­rat des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te hat auf sei­ner Sit­zung am 2. No­vem­ber 2021 Än­de­run­gen in der Richt­li­nie für die För­de­rung der Pro­ve­ni­enz­for­schung (NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut) be­schlos­sen.

Die Än­de­run­gen be­zie­hen sich auf die Dau­er der Lauf­zeit der vom Zen­trum ge­för­der­ten Pro­jek­te und die Hö­he der Fi­nan­zie­rung. Bis­lang war die För­de­rung ei­nes Pro­jekts nur für die Dau­er von 36 Mo­na­ten mög­lich. Künf­tig kann in be­son­de­ren, be­grün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len ei­ne För­de­rung bis zu 60 Mo­na­ten er­fol­gen.

Bis zu ei­ner För­der­sum­me von 350.000 Eu­ro – statt bis­her von 300.000 Eu­ro – ent­schei­det der Vor­stand der Stif­tung Deut­sches Zen­trum Kul­tur­ver­lus­te über die Zu­wen­dung. Soll­te die­se För­der­sum­me in be­grün­de­ten Fäl­len über­schrit­ten wer­den, trifft der Stif­tungs­rat die Ent­schei­dung .

Au­ßer­dem wird die För­de­rung von Pro­jek­ten zur Er­schlie­ßung, Ver­zeich­nung und Aus­wer­tung von Ar­chi­va­li­en und Do­ku­men­ten, die über den Ein­zel­fall hin­aus von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung sind, er­wei­tert. Bei­spiels­wei­se sind hier Re­tro­di­gi­ta­li­sie­run­gen von Ar­chi­va­li­en und Do­ku­men­ten so­wie die Ent­wick­lung di­gi­ta­ler In­fra­struk­tu­ren in be­son­de­ren, be­grün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len mög­lich, Ei­ne dau­er­haf­te Un­ter­hal­tung und Pfle­ge der di­gi­ta­len For­schungs­in­fra­struk­tur kann vom Zen­trum nicht über­nom­men wer­den, son­dern muss an­der­wei­tig ge­währ­leis­tet wer­den.

Die För­der­richt­li­nie tritt zum 1. De­zem­ber 2021 in der ge­än­der­ten Fas­sung in Kraft.

För­der­richt­li­nie “NS-Raub­gut”  (PDF, 270 KB)

Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ gestartet

Pressemitteilung der Deutschen Digitalen Bibliothek

Berlin, 30. November 2021

Die Deutsche Digitale Bibliothek hat heute das Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ unter der Domain ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de freigeschaltet. Damit ist Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten von 25 Piloteinrichtungen innerhalb der Deutschen Digitalen Bibliothek online verfügbar. Zunächst als Prototyp entwickelt, soll das Portal künftig zu einer umfassenden zentralen Veröffentlichungsplattform für Informationen über Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in deutschen Kultur- und Wissenseinrichtungen ausgebaut werden.

Zum Start steht das Portal in deutscher und englischer Sprache mit Informationen zu rund 8.000 Nachweisen zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zur Verfügung, wobei Beschreibungen in der Regel zunächst nur auf Deutsch vorliegen. In einem nächsten Schritt werden relevante Daten, die bereits jetzt in der Deutschen Digitalen Bibliothek enthalten sind, als „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ gekennzeichnet, damit sie künftig ebenfalls im Portal auffindbar sind. Perspektivisch soll das Portal in weiteren Sprachen angeboten sowie mit Daten von weiteren Kultur- und Wissenseinrichtungen bereitgestellt werden.

Die Entwicklung des neuen Portals geht auf die von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden im Oktober 2020 vereinbarte „3 Wege-Strategie zur Erfassung und digitalen Veröffentlichung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“ zurück. Ziel der „3 Wege-Strategie“ ist es, im Hinblick auf Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten größtmögliche Transparenz herzustellen. Die Aufbauphase des heute gestarteten Portals wird von der Bundesregierung aus dem Etat für Kultur und Medien finanziert.

Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters: „Größtmögliche Transparenz – das ist ein wichtiger Gradmesser für den verantwortungsvollen Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in unseren Museen und Einrichtungen. Sie ist der Maßstab für unsere Glaubwürdigkeit und die Grundlage für einen zukunftsgerichteten Austausch mit den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften über den weiteren Umgang mit diesen Objekten, der Rückgaben einschließt. Das neue Onlineportal der Deutschen Digitalen Bibliothek ist ein nächster wichtiger Schritt in diese Richtung, dem mit Unterstützung des Bundes weitere folgen werden.“

Die „3 Wege-Strategie“ wurde im Rahmen des 13. Kulturpolitischen Spitzengespräches am 14. Oktober 2020, an dem die Staatsministerin für Kultur und Medien, der Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation des Auswärtigen Amtes, die Kulturminister*innen, die Kultursenator*innen der Länder sowie Vertreter*innen der kommunalen Spitzenverbände teilnahmen, vereinbart.

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin und Vorsitzender der Kulturministerkonferenz: „Ich begrüße die politische Bereitschaft aller staatlichen Ebenen in Deutschland, sich zu einem transparenten Zugang zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zu bekennen. Das Portal wird die Transparenz über die Sammlungsbestände bundesweit ganz wesentlich befördern und eine wichtige Grundlage für den weiteren Dialog über Rückführungen mit den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften sein. Die Restitution geraubter Kulturgüter bleibt ein wichtiger Bestandteil der Auseinandersetzung mit unserem kolonialen Erbe.“

Dr. Andreas Görgen, Abteilungsleiter Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt: „Transparenz ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen gemeinsamen Dialog. Die Deutsche Digitale Bibliothek ist ein hervorragender Partner für diese Aufgabe. Sie erweitert den Kreis derjenigen, die die Voraussetzungen für Rückgaben schaffen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!“

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger, Sprecher des Vorstands der Deutschen Digitalen Bibliothek und Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: „Ich freue mich, dass der Deutschen Digitalen Bibliothek das Vertrauen für diese komplexe Aufgabe entgegengebracht wird. Mit ihrer umfangreichen Erfahrung im Zusammenführen von heterogenen Beständen aus unterschiedlichsten Kultureinrichtungen kann sie wichtige technische Voraussetzungen für einen transparenten Zugang zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten schaffen.“

 

Links und weitere Informationen – Portal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“:

Startseite: https://ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de

Hintergrund: https://ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/ueber-uns-ccc

Fragen und Antworten: https://ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/fragen-antworten

Zum Pressebereich der Deutschen Digitalen Bibliothek gelangen Sie hier.

 

Deutsche Digitale Bibliothek

Die Deutsche Digitale Bibliothek vernetzt die digitalen Bestände von Kultur- und Wissenseinrichtungen in Deutschland und macht sie zentral zugänglich. Sie bietet allen Menschen über das Internet freien Zugang zu digitalisierten Museumsobjekten, Büchern, Musikstücken, Denkmälern, Filmen, Urkunden und vielen anderen kulturellen Schätzen. Die Deutsche Digitale Bibliothek fungiert als Netzwerk, sie verlinkt und präsentiert die digitalen Angebote ihrer Partner und leistet einen Beitrag zur Demokratisierung von Wissen und Ressourcen.

Ihre Aufnahme in den Presseverteiler
Für die Aufnahme in den Presseverteiler der Deutschen Digitalen Bibliothek schicken Sie bitte eine Nachricht an

Onlinestellung des Repertoriums der Akteure des französischen Kunstmarkts während der deutschen Besatzung (1940-1945)

Vom 3. Dezember 2021 an stellt das Institut national d’histoire de l’art (INHA)
mehr als 150 biografische Artikel des unter der wissenschaftlichen Leitung von Ines
Rotermund-Reynard und Elisabeth Furtwängler erarbeiteten Repertoriums der
Akteure des französischen Kunstmarkts während der deutschen Besatzung 1940-
1945 (RAMA) online. Die Einträge sind im Rahmen eines deutsch-französischen
Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin
(TU Berlin) entstanden. Sie rekonstruieren den Werdegang von Personen,
veranschaulichen die vielschichtigen Netzwerke, in denen sie sich bewegten und
verweisen auf Werke, die durch ihre Hände gingen.

Die ProjketleiterInnen stellen die neue Datenbank anlässlich ihres Online-
Launchs am 3. Dezember 2021 um 18:30 Uhr am INHA in Paris vor.
Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und auf dem Youtubekanal des INHA abrufbar sein.
www.youtube.com/channel/UCvWtEiy6IYIJLQhIWloh …

Vgl. auch: Pressemitteilung_Onlinestellung_RAMA Communiqué_de_presse_Lancement_RAMA_20211115_Final; Communiqué_de_presse_Lancement_RAMA_20211115_Final

Neue Reihe „Working Paper Deutsches Zentrum Kulturgutverluste“ erscheint

10.11.2021

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ver­öf­fent­licht das ers­te Dos­sier in der neu­en Rei­he „Wor­king Pa­per Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te“.

Mit der Rei­he wer­den in lo­ser Fol­ge Tex­te zu ak­tu­el­len For­schungs­the­men on­line er­schei­nen. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem Dos­siers, Leit­fä­den, Re­cher­che­hil­fen, For­schungs­be­rich­te und Über­sich­ten aus al­len För­der­be­rei­chen und Hand­lungs­fel­dern der Stif­tung: zu NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut (sog. NS-Raub­gut), zu kriegs­be­dingt ver­brach­tem Kul­tur­gut (sog. Beu­te­gut), zu Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in SBZ/ DDR und zu Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten.

Die Wor­king Pa­per-Rei­he wird auf der in­ter­na­tio­na­len, epo­chen­über­grei­fen­den und in­ter­dis­zi­pli­nären On­line-Pu­bli­ka­ti­ons­platt­form per­spec­ti­via.net ver­öf­fent­licht. Die Platt­form wird be­trie­ben von der Max We­ber Stif­tung – Deut­sche Geis­tes­wis­sen­schaft­li­che In­sti­tu­te im Aus­land htt­ps://www.max­we­ber­stif­tung.de, mit der das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ei­ne Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung zur Ver­brei­tung wis­sen­schaft­li­cher Er­geb­nis­se und Ma­te­ria­li­en ge­mäß den Prin­zi­pi­en von Open Ac­cess und Open Science ge­schlos­sen hat.

Den Auf­takt der Pu­bli­ka­ti­ons­rei­he macht der His­to­ri­ker Dr. des. Lars Mül­ler mit „Re­turns of Cul­tu­ral Ar­te­facts and Hu­man Re­mains in a (Post)co­lo­ni­al Con­text: Map­ping Claims bet­ween the Mid-19th Cen­tu­ry and the 1970s” (Wor­king Pa­per Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te 1/2021) htt­ps://doi.org/10.25360/01-2021-00017 . Es kann auf per­spec­ti­via.net im Open Ac­cess, kos­ten­frei als pdf, her­un­ter­ge­la­den wer­den.

Das Pa­per er­scheint in Zu­sam­men­hang mit der Herbst­kon­fe­renz des Zen­trums, die vom 17. bis 19. No­vem­ber 2021 un­ter dem Ti­tel „The Long His­to­ry of Claims for the Re­turn of Cul­tu­ral He­ri­ta­ge from Co­lo­ni­al Con­texts“ on­line statt­fin­det und auf www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de im öf­fent­li­chen Li­ve­stream ver­folgt wer­den kann.

Patronengurt gehörte legendärem Anführer der Ovambanderu

Der im Städtischen Museum Braunschweig verwahrte Patronengurt ist authentisch und gehörte Kahimemua Nguvauva, dem legendären Anführer der namibischen Ovambanderu. Zu diesem Ergebnis  kam eine Delegation Experten der Gemeinschaft der Ovambanderu, die aus Namibia anreiste und den Gurt am gestrigen Dienstag, 2. November, eingehend untersuchte. Der Patronengurt, der Kahimemua Nguvauva 1896 vor dessen Exekution durch die deutschen Kolonialtruppen nach einem gescheiterten Aufstand der Ovambanderu  abgenommen worden war, kann nun – sollte der Rat der Stadt Braunschweig zustimmen – nach Namibia zurückgeführt werden. Er ist für die Gemeinschaft der Ovambanderu als spirituelles Identifikationssymbol von enormer Bedeutung und ein Schatz von nationaler Tragweite. Nguvauva wurde vom namibischen Staat offiziell zum Helden erklärt und symbolisch auf dem Heldenacker bei Windhoek begraben. In den Legenden der Ovambanderu werden ihm übermenschliche Eigenschaften zugeschrieben.

Historisch verbürgt ist, dass der aus Meerdorf bei Braunschweig stammende Kaufmann Gustav Voigts Kahimemua nach dessen Gefangennahme den Patronengurt abnahm und unter Eigentumsvorbehalt dem Städtischen Museum Braunschweig überließ. Allerdings verlor sich im Laufe der Zeit seine Spur. Im Bestandsverzeichnis von 1968 war der Gürtel nicht mehr enthalten. Aufzufinden war nur die alte Karteikarte, auf der das Objekt verzeichnet war. Schließlich entdeckte man an einem anderen Ort einen Patronengürtel. Neu entdeckte Fotografien aus Namibia legten nahe, dass es sich um den Gurt des Ovambanderu-Anführers handeln könnte. Weder ethnologische noch genetische Untersuchungen konnten die Herkunft jedoch eindeutig klären.

Eine mehrstündige Untersuchung des Gürtels durch die Expertenkommission aus Namibia brachte jetzt Gewissheit. Machart und Material belegen, dass das Stück nach einem Muster des Stammes der Nama auf dem Gebiet des heutigen Namibia im 19. Jahrhundert aus Rindleder angefertigt wurde. Viehfett und rotes Pflanzenpulver dienten als Weichmacher und gaben dem Gürtel die charakteristische Farbe, die Löcher wurden mit der Klaue eines Tieres gestochen.

Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse würdigte die Klärung der Herkunft des Patronengurts als wichtigen Schritt der Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit einerseits und als  Zeichen für eine zukünftige partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Braunschweig und der Gemeinschaft der Ovambanderu andererseits. Museumsdirektor Dr. Peter Joch sprach von einem historischen Moment. Beide Seiten betonten, der heutige Tag sei der Beginn eines vertieften Dialogs, der auf vielen Ebenen fortgeführt werden soll. In der Dauerausstellung des Städtischen Museums soll eine Vitrine eingerichtet werden, die von den Ovambanderu zu Themen ihrer Geschichte bestückt wird und die Kooperation mit einer Herkunftsgesellschaft dauerhaft dokumentiert.

Ziel des Museums ist es, einen Vertrag zwischen der Stadt Braunschweig, den Ovambanderu und den Erben Gustav Voigts‘ über die Rückgabe des Patronengurts zu schließen. Ein entsprechender Entwurf würde dem Rat zur Entscheidung vorgelegt. Die nächsten Schritte hängen davon ab, von wem ein Restitutionsanspruch erhoben wird. Dies könnten die Ovambanderu, die in Namibia lebenden Nachfahren Voigts‘ oder der namibische Staat sein.