“Tag der offenen Tür” und Kolloquium Provenienzforschung entfallen

13.03.2020

Auf­grund der ak­tu­el­len Um­stän­de im Zu­sam­men­hang mit dem CO­VID-19-Vi­rus sind die bei­den kom­men­den Ver­an­stal­tun­gen des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te vor­sorg­lich ab­ge­sagt. Das Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung mit dem Vor­trag von Na­di­ne Bau­er am 23. März im In­sti­tut für Eu­ro­päi­sche Eth­no­lo­gie an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin kann lei­der nicht statt­fin­den. Auch der ge­plan­te „Tag der of­fe­nen Tür“ zum Tag der Pro­ve­ni­enz­for­schung am 8. April im Sitz der Stif­tung in Mag­de­burg ent­fällt. Ob und wann die Ver­an­stal­tun­gen nach­ge­holt wer­den kön­nen, steht der­zeit noch nicht fest. Wir bit­ten um Ver­ständ­nis.

„Auf der Suche nach Kulturgutverlusten“ in den Stasi-Unterlagen

10.03.2020

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ver­öf­fent­licht in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Bun­des­be­auf­trag­ten für die Sta­si-Un­ter­la­gen ein neu­es Re­cher­che­mit­tel zur Pro­ve­ni­enz­for­schung

Wert­vol­le Kunst­wer­ke wur­den ih­ren ur­sprüng­li­chen Be­sit­ze­rin­nen und Be­sit­zern nicht nur wäh­rend der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ent­zo­gen, son­dern auch in der so­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne (SBZ) und der DDR. Erst­mals ha­ben sich jetzt das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te und der Bun­des­be­auf­trag­te für die Sta­si-Un­ter­la­gen (BStU) in ei­nem ge­mein­sa­men For­schungs­pro­jekt auf Spu­ren­su­che nach Be­le­gen für sol­che Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen und -trans­fers in den Sta­si-Ak­ten ge­macht.

Ziel der Ko­ope­ra­ti­on war es, ei­nen ver­läss­li­chen Zu­gang zu den ent­spre­chen­den Ak­ten­be­stän­den des Mi­nis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit (MfS) zu er­mög­li­chen und so wei­ter­ge­hen­der For­schung die Tü­ren zu öff­nen. Das 110 Sei­ten um­fas­sen­de In­ven­tar der Au­to­ren Ralf Blum, Hel­ge Hei­de­mey­er und Ar­no Pol­zin be­schreibt Zu­gangs­we­ge zu den Be­stän­den, die vom MfS bis 1990 be­reits ar­chi­viert wa­ren. Es lis­tet über 450 Do­ku­men­te auf, die bei die­ser Spu­ren­su­che ge­sich­tet wur­den und ord­net ih­re Aus­sa­ge­kraft ein. Da­mit er­mög­licht es ei­nen ers­ten Zu­gang zu zahl­rei­chen Ent­zugs­vor­gän­gen in der SBZ und DDR.

Er­gänzt wird das In­ven­tar durch ein über 550 Sei­ten star­kes wei­te­res Ver­zeich­nis, ei­ne Samm­lung von an­nä­hernd 2.000 zu­sätz­li­chen Ar­chivsi­gna­tu­ren, die Hin­wei­se auf mög­li­che Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen ge­ben kön­nen. Sie ent­stam­men der Re­cher­che in Un­ter­la­gen, die die BStU-Ar­chi­va­re nach dem En­de der Sta­si er­schlos­sen und ar­chi­viert ha­ben und die in der BStU-in­ter­nen Da­ten­bank SAE do­ku­men­tiert sind. Da­mit wird ein um­fas­sen­de­res Bild der Quel­len­la­ge er­mög­licht. Das zu­sätz­li­che Ver­zeich­nis ist beim Dow­n­load des Spe­zialin­ven­tars auf der Web­si­te des BStU au­to­ma­tisch da­bei. In der ge­druck­ten Ver­si­on ist das Spe­zialin­ven­tar oh­ne Ver­zeich­nis er­hält­lich.

Ralf Blum, Hel­ge Hei­de­mey­er und Ar­no Pol­zin: Auf der Su­che nach Kul­tur­gut­ver­lus­ten. Ein Spe­zialin­ven­tar zu den Sta­si-Un­ter­la­gen (2 Eu­ro, 110 Sei­ten plus 556 Sei­ten Do­ku­men­ten­ver­zeich­nis) gibt es ab so­fort un­ter www.bstu.de/kul­tur­gut­ver­lus­te als Dow­n­load und zum Be­stel­len.

Das Buch wird am Frei­tag, 13. März, um 19 Uhr im Rah­men ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on mit Ar­no Pol­zin, Ralf Blum und Uwe Hart­mann in der Ge­denk­stät­te Mu­se­um in der „Run­den Ecke“ in Leip­zig vor­ge­stellt.

Ostfriesische Landschaft Aurich meldet verdächtige Objekte bei „Lost Art“

17.02.2020

Die Ost­frie­si­sche Land­schaft Au­rich hat zwölf Ob­jek­te, bei de­nen ein Ver­dacht auf NS-Raub­gut be­steht oder die­ser nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, in der vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­nen und öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Da­ten­bank Lost Art ge­mel­det.

Die Stücke – Mö­bel und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de – sind in­ner­halb ei­nes so­ge­nann­ten „Erst­check-Pro­jekts“ in drei Kul­turein­rich­tun­gen Ost­fries­lands ge­fun­den wor­den: dem Hei­mat­mu­se­um Leer, dem Hei­mat­mu­se­um Rhei­der­land in Wee­ner und der Ost­frie­si­schen Land­schaft Au­rich selbst.

Ziel war es fest­zu­stel­len, ob ein Ver­dacht auf NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut („NS-Raub-gut“) in den je­wei­li­gen Samm­lungs­be­stän­den vor­liegt. Da­für wur­den ne­ben den Ob­jek­ten und ih­ren even­tu­el­len Pro­ve­ni­enz­hin­wei­sen die Ak­ten und wei­te­re Da­ten­be­stän­de der drei be­tei­lig­ten Häu­ser wie Ein­gangs­bü­cher, In­vent­ar­kar­tei­en, EDV-In­ven­ta­ri­sie­run­gen oder an­de­re In­ven­tar­lis­ten und Schrift­ver­kehr ge­sich­tet. Hin­zu ka­men Ak­ten­be­stän­de des Nie­der­säch­si­schen Lan­des­ar­chivs an sei­nen Stand­orten Au­rich und Han­no­ver so­wie des Stadt­ar­chivs Leer.

Die Da­ten­bank dient der Er­fas­sung von Kul­tur­gü­tern, die ih­ren Ei­gen­tü­mern NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen oder in­fol­ge der Er­eig­nis­se des Zwei­ten Welt­kriegs ver­bracht oder ver­la­gert wur­den. Eben­so auf­ge­nom­men wer­den Kul­tur­gü­ter, bei de­nen ei­ne sol­che Ver­lust­ge­schich­te nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Die Da­ten­bank ent­hält ak­tu­ell ca. 166.000 de­tail­liert be­schrie­be­ne und meh­re­re Mil­lio­nen sum­ma­risch er­fass­te Ob­jek­te in Form von Such- und Fund­mel­dun­gen von mehr als 1.950 in- und aus­län­di­schen Ein­rich­tun­gen und Per­so­nen.

Zur Fund­mel­dung der Ost­frie­si­schen Land­schaft Au­rich

Pro­jekt­be­schrei­bung

Web­si­te der Ost­frie­si­schen Land­schaft Au­rich

Eine Million Euro für Provenienzforschung an Schädelsammlungen der Universität Göttingen

Die Debatte über den verantwortungsvollen Umgang mit menschlichen Überresten aus (vor-)kolonialen Zeiten hat nach den Museen auch die akademischen Sammlungen erreicht. Hier hat eine Auseinandersetzung mit der Herkunft der Bestände und ihrem Einsatz in Forschung und Lehre bislang kaum stattgefunden. Das möchte nun ein international und interdisziplinär ausgerichtetes Forschungsvorhaben an der Universität Göttingen nachholen. Es wird von der VolkswagenStiftung mit 980.000 Euro über eine Laufzeit von drei Jahren gefördert.

Die Universität Göttingen besitzt zwei bedeutende Sammlungen menschlicher Überreste aus (vor-)kolonialen Zeiten: Zum einen die “Sammlung Anthropologie” mit etwa eintausend Schädeln und Schädelfragmenten aus Europa und Übersee. Zum anderen die “Blumenbachsche Schädelsammlung” aus dem 19. Jahrhundert mit 840 Schädeln und Abgüssen, davon etwa 200 mit außereuropäischer Provenienz. Beide Sammlungen dienen bis heute als Arbeitsobjekte für Lehre und Forschung.

Was bisher für beide Bestände ungeklärt ist: Wer waren die frühen Schädelsammler? Wo, wann und wie genau gelangten die Schädel in ihren Besitz – und auf welchen Wegen nach Göttingen? Die Klärung dieser Herkunftsfragen bilden den ersten Baustein in dem Forschungsprojekt “Sensible Provenienzen – Menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten in den Sammlungen der Universität Göttingen”, für das die VolkswagenStiftung 980.000 Euro an die Zentrale Kustodie der Universität Göttingen bewilligt hat.

Im Mittelpunkt des zweiten Bausteins in dem Vorhaben stehen Fragen nach geografischer Herkunft, Geschlecht und Sterbealter, Krankheiten und Todesumständen. Zudem erhoffen sich die Forschenden Aufschluss über Bergungs- und Sammlungsumstände. Am Ende des Forschungsprozesses soll mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Herkunftsländern entschieden werden, ob die Gebeine rückgeführt werden oder in den Sammlungen für weitere Forschungszwecke verbleiben können.

Der dritte Projektbaustein zielt im Sinne einer Begleitforschung auf die Arbeitspraktiken in Forschung und Lehre: Wie lässt sich Provenienzforschung in diesem besonders sensiblen Feld der Anthropologie verantwortungsvoll gestalten? Welche Untersuchungsmethoden sind möglich und notwendig? Und welche Auswirkungen haben die Befunde der Forschungsgruppe auf Lagerung, öffentliche Präsentation und etwaige Rückgabe der Objekte sowie auf die Praxis von Forschung und Lehre? 

“Mit unserer Förderung können wir einen wichtigen Impuls in einem sehr aktuellen Themenfeld geben. Das Forschungsprojekt kann dazu beitragen, Standards in diesem Bereich zu setzen, die in vielen weiteren Fällen zur Anwendung kommen können”, erklärt Dr. Adelheid Wessler, die für das Projekt zuständige Mitarbeiterin der VolkswagenStiftung.

Als Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um diese Förderung der VolkswagenStiftung steht Medienvertreterinnen und -vertretern Dr. Adelheid Wessler gerne zur Verfügung:

Dr. Adelheid Wessler
Tel.: +49 511 8381 282
E-Mail:

Für Fragen, die das Forschungsprojekt, dessen Inhalte und Abläufe betreffen, wenden Sie sich bitte an der Universität Göttingen an:

Dr. Marie Luisa Allemeyer
Georg-August-Universität Göttingen
Zentrale Kustodie
Weender Landstraße 2
37073 Göttingen
Tel.: +49 551 39 26690
E-Mail:
Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/521325.html

Intensiver Austausch: Israelischer Gesandter Sagui besucht die Stiftung

15.01.2020

Der Ge­sand­te der Bot­schaft des Staa­tes Is­rael in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Aaron Sa­gui, hat am 14. Ja­nu­ar das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­sucht, um sich ein Bild von der Ar­beit und der Struk­tur der Stif­tung zu ma­chen. Großes In­ter­es­se zeig­te er an der Ein­rich­tung des neu­en Help Desks in Ber­lin, der seit 1. Ja­nu­ar ins­be­son­de­re jü­di­schen Op­fern des NS-Kul­tur­gu­traubs und ih­ren Nach­fah­ren Be­ra­tung und Hil­fe­stel­lung bie­tet.

Au­ßer­dem wur­de über den wei­te­ren Dia­log des Zen­trums und die Zu­sam­men­ar­beit mit is­rae­li­schen Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen ge­spro­chen. Ein wei­te­res The­ma war die vom Zen­trum be­trie­be­ne Lost Art-Da­ten­bank. Der Ge­sand­te wür­dig­te die Be­deu­tung der Da­ten­bank und die Ar­beit der Stif­tung ins­ge­samt und gab der Be­reit­schaft sei­tens der Bot­schaft Aus­druck, das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in sei­ner wei­te­ren Ar­beit nach Kräf­ten zu un­ter­stüt­zen.

Aaron Sa­gui ist seit dem Jahr 2000 als Di­plo­mat im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um des Staa­tes Is­rael tä­tig. Seit Au­gust 2019 ist er Ge­sand­ter der Bot­schaft des Staa­tes Is­rael in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Netzwerk der europäischen Restitutionskommissionen veröffentlicht 5. Newsletter

14.01.2020

Das zu Be­ginn des Jah­res ge­grün­de­te Netz­werk der fünf Kom­mis­sio­nen, die sich in Eu­ro­pa mit der Er­for­schung und Rück­ga­be von NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut be­fas­sen, hat sei­nen fünf­ten Newslet­ter (PDF, 3 MB) her­aus­ge­ge­ben.

Das Netz­werk be­steht aus der Be­ra­ten­den Kom­mis­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­guts, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz (Deutsch­land), der Com­mis­si­on pour l’in­dem­ni­sa­ti­on des vic­ti­mes de spo­lia­ti­ons (Frank­reich), dem Spo­lia­ti­on Ad­vi­so­ry Pa­nel (Groß­bri­tan­ni­en), der Re­sti­tu­tie­com­mis­sie (Nie­der­lan­de) und der Kom­mis­si­on für Pro­ve­ni­enz­for­schung (Ös­ter­reich).

Die Ko­ope­ra­ti­on wur­de auf der In­ter­na­tio­na­len Kon­fe­renz in Lon­don im Sep­tem­ber 2017 be­schlos­sen. Ein Jahr spä­ter setz­ten die fünf Kom­mis­sio­nen die­se Idee um und leg­ten die Be­din­gun­gen ih­rer Ko­ope­ra­ti­on im Rah­men ih­rer je­wei­li­gen po­li­ti­schen Man­da­te und Struk­tu­ren fest.

Al­le Newslet­ter des Netz­wer­kes auf ei­nen Blick

Leuphana Universität etabliert Provenienzforschung

An der Leuphana Universität ist der bundesweit erste dauerhafte Lehrstuhl für Provenienzforschung eingerichtet worden. Das hat die Hochschule am Montag in Lüneburg mitgeteilt. Die Professur hat demnach die international renommierte Forscherin Lynn Rother inne, die zuvor am Museum of Modern Art (MoMA) in New York arbeitete. Die Kunsthistorikerin leitete dort die Provenienzforschung. Diese beschäftigt sich mit der Herkunft von Kunstwerken, die sowohl die Überprüfung ihrer Echtheit als auch ihre Geschichte – etwa als koloniale oder NS-Raubkunst – umfasst.

Forschung soll neues Fachgebiet formen

Rother will an der Leuphana mit computergestützten Methoden die Herkunft moderner europäischer Gemälde in Museen in den USA erforschen, hieß es weiter. Dabei interessiere sie besonders, welche Rolle politische Konflikte und transatlantische Kunstmarkttransaktionen auf die Verbreitung zeitgenössischer Kunst während des 20. Jahrhunderts gespielt haben. Ihr Forschungsprogramm solle als Modell für ein neues Fachgebiet dienen. “In Zeiten sich rasant wandelnder Methoden in den digitalen Geisteswissenschaften möchte ich den Einsatz von Data Science für das politisch und moralisch wichtige Gebiet der Provenienzforschung voranbringen”, sagte Rother.

Stiftung fördert Rothers Professur

Rother hat in Leipzig und Dresden Kunstgeschichte, Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften studiert und in Berlin promoviert. Nach Leuphana-Angaben arbeitete sie unter anderem an den Staatlichen Museen zu Berlin und für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bevor sie ans MoMA wechselte. An der Leuphana Universität übernimmt sie den Angaben zufolge eine Lichtenberg-Professur. Diese wird von der Volkswagen-Stiftung gefördert. Die Stiftung vergebe die nach dem Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg benannten Professuren mit dem Ziel, herausragende Forscher zu gewinnen und innovative Forschungsrichtungen zu etablieren.

Stellenausschreibung Deutsches Ledermuseum Offenbach: Wissenschaftliche*n Mitarbeiter*in (m/w/d), Schwerpunkt: Ethnologie und Sozial- und Kulturantrophologie

Im DLM Deutschen Ledermuseum in Offenbach am Main – Anstalt des öffentlichen Rechts – ist zum Jahresbeginn 2020 eine Stelle als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in mit dem Schwerpunkt in der Ethnologie oder Kultur- und Sozialantrophologie in Vollzeit zu besetzen.
Das DLM wurde 1917 von dem Architekten Hugo Eberhardt in der einst florierenden Lederstadt Offenbach am Main als historische Vorbildsammlung für die Ausbildung junger Designer*innen, Handwerker*innen und Lederwarenproduzent*innen gegründet. Heute umfasst die Sammlung, aus sechs Jahrtausenden und von fünf Kontinenten, mehr als 30.000 Objekte aus den Bereichen Angewandte Kunst, Ethnologie sowie des Deutschen Schuhmuseums. Damit ist das DLM weltweit das einzige Museum, das ausschließlich alles rund um das Material Leder und artverwandte Materialien sammelt und präsentiert.

Die Ausschreibung richtet sich an Personen mit Berufserfahrung und dem Interesse die vielseitige Sammlung, die Objekte aus Amerika, Afrika, Asien und der Polarregion umfasst, wissenschaftlich zu bearbeiten und aufzubereiten.

Das Museum befindet sich derzeit in der Phase der Umstrukturierung und Neuausrichtung. Es ist geplant auch mit der ethnologischen Sammlung, die in ihrer jetzigen Präsentation weitestgehend aus den 1970er-/1980er-Jahren stammt, unter einem zeitgemäßen Ansatz umzugehen. In den nächsten Jahren beabsichtigen wir die Sammlung in Form von Wechselausstellungen und unter spezifischen Fragestellungen für das Publikum neu erfahrbar zu machen.

Wir wünschen uns für diese besondere Aufgabe eine*n motivierte*n und engagierte*n Mitarbeiter*in. Erfahrungen in der Provenienzforschung zu ethnografischen Sammlungen aus kolonialen Kontexten werden erwartet.

Ihre Aufgabenschwerpunkte
– wissenschaftliche Bearbeitung und Betreuung der ethnologischen Sammlungsbestände des DLM, insbesondere der Objektbestände aus der Abteilung ‚Afrika‘
– Mitarbeit bei der Konzeption und Umsetzung von Ausstellungsprojekten, Publikationen und Veranstaltungen
– Dokumentation und Katalogisierung der Sammlungsbestände in Zusammenarbeit mit der restauratorischen Abteilung
– Mitwirken bei der Beantwortung von objektbezogenen Anfragen
– Mitwirken bei der Weiterentwicklung der Neuausrichtung des DLM

Ihr Profil
– ein abgeschlossenes Studium der Ethnologie, Sozial- und Kulturantrophologie, Afrika- oder Nordamerikawissenschaften oder eine nachzuweisende gleichwertige Qualifikation eines verwandten Fachs mit Interesse an materieller Kultur
– durch mehrjährige Tätigkeit und/oder ein wissenschaftliches Museumsvolontariat erworbene Berufserfahrung im Ausstellungs- und Museumsbetrieb
– Erfahrungen in der Provenienzforschung zu ethnologischen Sammlungen
– sehr gute Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift und versierter Umgang im Erstellen und Bearbeiten von Texten
– sehr gute Englischkenntnisse
– Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit Museumsdokumentationssystemen und Datenbanken
– sicherer Umgang mit EDV-Programmen, insbesondere MS-Office
Wünschenswert sind
– Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein
– ausgeprägte Organisationsfähigkeit
– strukturierte, verantwortungsvolle und selbstständige Arbeitsweise
– absolute Zuverlässigkeit
– ausgeprägtes Kommunikationsvermögen mit dem Willen und Interesse zur Arbeit in einem kleinen Team
– Engagement und hohe Flexibilität

Wir bieten
– eine Vollzeitstelle zunächst auf 2 Jahre befristet
– die Vergütung erfolgt im Rahmen der Qualifikation nach den tarifrechtlichen Voraussetzungen des TVöD
– betriebliche Zusatzversorgung zur Alterssicherung im Tarifbereich
– Möglichkeit des Mitwirkens bei der Gestaltung der Museumsneuausrichtung
– eine vielseitige, interessante Tätigkeit in einem kleinen Team

Das DLM fördert die berufliche Gleichstellung von Menschen jeglichen Geschlechts und begrüßt entsprechende Bewerbungen. Schwerbehinderte Menschen werden bei gleicher Eignung und Qualifikation bevorzugt. Die Bewerbung von Menschen mit Migrationshintergrund, die die Voraussetzung der Stellenausschreibung erfüllen, ist ausdrücklich erwünscht.

Sind Sie interessiert?

Ihre aussagekräftige Bewerbung – gerne online – senden Sie bitte bis zum 7. Februar 2020 an das Deutsche Ledermuseum. Bewerbungs- und Reisekosten können leider nicht erstattet werden.

Anschrift:
DLM Deutsches Ledermuseum
Direktorin Dr. Inez Florschütz
Frankfurter Str. 86
63067 Offenbach am Main

Ihre Daten werden ausschließlich zur Bearbeitung Ihrer Bewerbung innerhalb des DLM Deutschen Ledermuseums verwendet und entsprechend den gesetzlichen Vorschriften streng vertraulich behandelt.

Projekt zur Schädelsammlung im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg beginnt

12.12.2019

Das Lan­des­mu­se­um Na­tur und Mensch Ol­den­burg (LM­NM) hat mit Un­ter­stüt­zung des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te ein zwei Jah­re an­dau­ern­des Pro­jekt be­gon­nen, in dem 30 mensch­li­che Schä­del sys­te­ma­tisch und in­ter­dis­zi­pli­när auf ih­re Pro­ve­ni­enz un­ter­sucht wer­den.

Die mensch­li­chen Über­res­te stam­men größ­ten­teils aus Ex­pe­di­tio­nen, die im 19. Jahr­hun­dert statt­fan­den. Ih­re Un­ter­su­chung soll an­thro­po­lo­gi­sche Da­ten, wie Al­ter, Ge­schlecht, To­des­zeit­punkt und -ur­sa­che so­wie Zei­chen von Ge­walt­ein­wir­kung er­fas­sen und his­to­ri­sche Fra­gen nach Samm­lern, Ein­lie­fe­rern, Ge­bern, Ver­käu­fern und den je­wei­li­gen Er­werb­sum­stän­den klä­ren.

DAS LM­NM steht be­reits in Kon­takt zu meh­re­ren Ver­tre­tern von Her­kunfts­ge­sell­schaf­ten, dar­un­ter Pa­pua-Neu­gui­nea, Ka­me­run und Aus­tra­li­en.

„Das Pro­jekt des LM­NM ist für den Be­reich Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten vor­bild­lich: Nicht nur ver­eint es an­thro­po­lo­gi­sche und his­to­ri­sche Pro­ve­ni­enz­for­schung, son­dern hat be­reits jetzt die Zu­sam­men­ar­beit mit den je­wei­li­gen Her­kunfts­ge­sell­schaf­ten be­gon­nen. Das LM­NM ist da­mit ein Leucht­turm, ge­ra­de auch für klei­ne­re lo­ka­le und re­gio­na­le Mu­se­en“, sagt der wis­sen­schaft­li­che Vor­stand Prof. Dr. Gil­bert Lup­fer.

Erst­mals hat der Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg auf Emp­feh­lung sei­nes neun­köp­fi­gen För­der­bei­rats im Jahr 2019 sie­ben For­schungs­an­trä­gen – dar­un­ter auch der An­trag des LM­NM – aus dem Be­reich „Ko­lo­nia­le Kon­tex­te“ zu­ge­stimmt.

Lan­des­mu­se­um Na­tur und Mensch Ol­den­burg

 

Stellenausschreibung Historiker / Historikerin in der Geschäftsstelle der Beratenden Kommission

Bei der Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz, ist kurzfristig die Stelle

eines Historikers / einer Historikerin in der Geschäftsstelle der Beratenden Kommission (m/w/d)

zu besetzen. Tätigkeitsort ist Berlin.

Die Beratende Kommission wurde 2003 aufgrund einer Absprache zwischen der Bundesregierung, den Bundesländern und den kommunalen Spitzenverbänden eingerichtet. Die Grundlage ihrer Tätigkeit sind die „Grundsätze“ der Washingtoner Konferenz von 1998 und die „Gemeinsame Erklärung“ der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur „Auffindung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts“ von 1999. Die Kommission kann bei Streitigkeiten über die Rückgabe von Kulturgütern angerufen werden, die während der Herrschaft des Nationalsozialismus vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945 ihren Eigentümern, insbesondere jüdischen Opfern des NS-Terrors, verfolgungsbedingt entzogen wurden (sog. „NS-Raubgut“). Sie kann zur Beilegung des Streits Empfehlungen aussprechen. Die Geschäftsstelle der Kommission untersteht direkt dem/der Kommissionsvorsitzenden und ist organisatorisch beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste angesiedelt. Weitere Informationen zur Kommission finden Sie unter www.kulturgutverluste.de.

Das Aufgabengebiet umfasst insbesondere:
• Verfassen von Sachstandsberichten zu den Kommissionsfällen in Abstimmung mit dem/der Berichterstatter/in einschl. entsprechender Recherchen
• Unterstützung der Kommissionsmitglieder bei der Erarbeitung von Empfehlungsentwürfen
• Ermittlung von Literatur und anderen Quellen zu Fällen der Kommission
• organisatorische Vor- und Nachbereitung von Kommissionssitzungen und anderen internen und externen Terminen – einschließlich Recherche und Zusammenstellung relevanter Informationen
• Protokollierung der Kommissionssitzungen
• Transparente Aufbereitung und Dokumentation der Arbeitsergebnisse der Kommissionsarbeit
• Vertretung des/der Leiters/in der Geschäftsstelle

Anforderungsprofil:
• Abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium der Geschichte bzw. Kunstgeschichte und wissenschaftliche Veröffentlichungen auf diesem Gebiet
• Berufserfahrung im Themenfeld NS-Raubgut erwünscht
• Vertiefte Kenntnisse zu den Themen Holocaust und dessen Aufarbeitung, NS-Kulturgutraub und Restitutionspraxis erwünscht
• Erfahrungen in der Provenienzforschung und -recherche erwünscht
• Erfahrungen in der Gremienarbeit sind von Vorteil
• Organisationsvermögen verbunden mit sehr guten kommunikativen Fähigkeiten
• Eigeninitiative und Selbständigkeit
• Verhandlungssichere Kenntnisse der englischen Sprache in Wort und Schrift

Wir bieten:
• Arbeit in einem interessanten und politisch sensiblen Aufgabengebiet
• Vergütung nach E 13 TVöD (Bund), sofern die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind

Die Stelle ist Teilzeit-geeignet.

Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei gleicher fachlicher Eignung bevorzugt berücksichtigt. Die Beratende Kommission und die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste gewährleisten die berufliche Gleichstellung aller Geschlechter.

Bitte senden Sie Ihre vollständigen und aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, Beurteilungen) unter Angabe der Kennziffer 2019-6 bis zum 31.12.2019 ausschließlich elektronisch (PDF-Datei) an den Vorsitzenden der Beratenden Kommission, c/o Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: .

Für inhaltliche Auskünfte zur Stellenausschreibung steht Ihnen Frau Gerdewischke (; Tel.: 0391 / 727 763 19) gerne zur Verfügung.

Ihre Bewerbungsunterlagen werden nach Ablauf von drei Monaten nach Beendigung des Bewerbungsverfahrens vernichtet. Die Erstattung von Reisekosten aus Anlass von Vorstellungsgesprächen ist grundsätzlich nicht möglich.

Die Besetzung der Stelle steht unter dem Vorbehalt ihrer Berücksichtigung beim Inkrafttreten des Bundeshaushaltsgesetzes 2020.