Hannover, 09./10.06.2026 // Unter dem Titel „Pasang Surut“ fand vom 9. bis 10. Juni eine internationale Konferenz im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover statt, auf der die Ergebnisse des von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste geförderten Verbundprojekts zur Erforschung kolonialzeitlicher Sammlungen aus Indonesien in Niedersachsen präsentiert und diskutiert wurden. Auf Einladung des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen und des Museumsverbands für Niedersachsen und Bremen e. V. kamen mehr als 45 deutsche, indonesische und niederländische Wissenschaftler:innen und Politiker:innen zusammen, um über die deutsch-niederländisch-indonesische Verflechtungsgeschichte in den Dialog zu treten.
Der indonesische Ausdruck „Pasang Surut“ bedeutet „Ebbe und Flut“. Für die indonesischen Bestände aus kolonialen Kontexten soll damit auf die Bewegungen der Sammlungen und den Austausch von Menschen, Wissen, Ideen und Objekten über Kontinente, Ozeane und Grenzen hinweg verwiesen werden. Diese Zirkulation prägte die Entstehung kolonialer Sammlungen im langen 19. Jahrhundert auch in Niedersachsen. Die Provenienzforschung zu diesen Beständen bietet das Potential neue Wege der Transparenz zu eröffnen, mit indonesischen und niederländischen Expert:innen in einen Dialog zu treten und Partnerschaften zu etablieren.
Genau hier setzte die Konferenz im Rahmen des Forschungsprojekts „Koloniale Sammlungen aus Indonesien in Niedersachsen: Eine deutsch-niederländisch-indonesische Verflechtungsgeschichte“ (https://kulturgutverluste.de/projekte/kolonialzeitliche-sammlungen-aus-indonesien-niedersachsen-eine-deutsch-niederlaendisch) an, welche von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste finanziert und vom Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e. V. (MVNB) in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für Provenienzforschung in Niedersachsen initiiert und koordiniert wird. Das Projekt untersucht Bestände aus der Kolonialzeit in acht Museen und Sammlungen in Niedersachsen, die etwa 1.450 ethnografische und 300 naturhistorische Objekte sowie menschliche Überreste umfassen.
In seinem Grußwort unterstrich der stellvertretende Botschafter der indonesischen Vertretung in Berlin, Herr Fajar Wirawan Harijo, die Bedeutung der Aufarbeitung der indonesisch-deutschen kolonialen Vergangenheit. Der Kulturattaché der indonesischen Botschaft
Die internationale Konferenz „Pasang Surut“ versammelte Wissenschafts- und Sammlungsexpert:innen sowie relevante Akteur:innen aus der Kulturpolitik aus Indonesien, Deutschland und den Niederlanden, um das transformative Potenzial der postkolonialen Provenienzforschung als Beitrag zu Prozessen der Wiederannäherung und Dekolonialisierung miteinander auszuloten.
In einer Zeit, in der die Provenienzforschung zu einem zentralen Bestandteil der Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe geworden ist, ging die Konferenz auch der Frage nach, wie Forschungsmethoden kritisch reflektiert und neu ausgerichtet werden können.
Gruppenfoto, © Kerstin Schmidt, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover.
