Stellenanzeige Institut für Ethnologie und Ethnologische Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen: wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (w/m/d)


Einrichtung: Institut für Ethnologie und Ethnologische Sammlung (ID 15920)

Ansprechpartner: Dr. Michael Kraus

Besetzungsdatum: ab sofort

Veröffentlichungsdatum: 06.12.2021


Am Institut für Ethnologie und Ethnologische Sammlung der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt, gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, für die Dauer von zwölf Monaten eine Stelle als

wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (w/m/d)

mit 50% der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit (z.Zt. 19,9 Stunden/ Woche) zu besetzen. Die Entgeltzahlung erfolgt nach Entgeltgruppe 13 TV-L.

Projekt/Aufgabe
Die Stelle ist an der Ethnologischen Sammlung angesiedelt in Fortführung des niedersächsischen Provenienzforschungs-Verbunds PAESE (Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen). Arbeitsschwerpunkte sind:

  • Unterstützung der Arbeiten in der Ethnologischen Sammlung bei der Umsetzung der 3-Wege-Strategie des Bundes
  • Vorbereitung eines gemeinsamen DFG-Antrags im PAESE-Verbund (LIS/Digitalisierung)
  • Digitalisierungsarbeiten in der Ethnologischen Sammlung
  • Abstimmung gemeinsamer Planungen mit den anderen PAESE-Verbundpartnern

Qualifikationen

  • Studium der Ethnologie oder einer im Rahmen der Aufgabenstellung vergleichbaren Wissenschaft
  • Sicherheit im Umgang mit unterschiedlichen museumsbezogenen Datenbanksystemen sowie Erfahrungen in Fragen der Digitalisierung
  • Sicheres Auftreten, Befähigung zur eigenständigen Arbeit ebenso wie zur Teamarbeit
  • erwünscht sind regionale Kenntnisse zu Ozeanien und hierbei vor allem Kenntnisse zur materiellen Kultur
  • wünschenswert sind weiterhin Erfahrungen in der ethnologischen Museumsarbeit sowie bei der Erstellung wissenschaftlicher Anträge

Die Universität Göttingen strebt in den Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, eine Erhöhung des Frauenanteils an und fordert daher qualifizierte Frauen nachdrücklich zur Bewerbung auf. Sie versteht sich als familienfreundliche Hochschule und fördert die Vereinbarkeit von Wissenschaft/Beruf und Familie. Die Universität hat sich zum Ziel gesetzt, mehr schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Bewerbungen Schwerbehinderter erhalten bei gleicher Qualifikation den Vorzug.

Bei Fragen zur Stelle wenden Sie sich bitte an: Dr. Michael Kraus,

Ihre Bewerbung senden Sie mit den üblichen Unterlagen (CV, Motivationsschreiben, ggfs. Angaben zu bisherigen Erfahrungen im Rahmen des vorgegebenen Aufgabenprofils) bis spätestens 10.01.2022 bitte ausschließlich in digitaler Form an: Sekretariat des Instituts für Ethnologie und Ethnologische Sammlung, Frau Kristin Jansen,

Hinweis:
Wir weisen darauf hin, dass die Einreichung der Bewerbung eine datenschutzrechtliche Einwilligung in die Verarbeitung Ihrer Bewerberdaten durch uns darstellt. Näheres zur Rechtsgrundlage und Datenverwendung finden Sie im Hinweisblatt zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Stiftungsrat des Deutschen Zentrum Kulturgutverluste beschließt Neuerungen der Förderrichtlinien

07.12.2021

Der Stif­tungs­rat des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te hat auf sei­ner Sit­zung am 2. No­vem­ber 2021 Än­de­run­gen in der Richt­li­nie für die För­de­rung der Pro­ve­ni­enz­for­schung (NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut) be­schlos­sen.

Die Än­de­run­gen be­zie­hen sich auf die Dau­er der Lauf­zeit der vom Zen­trum ge­för­der­ten Pro­jek­te und die Hö­he der Fi­nan­zie­rung. Bis­lang war die För­de­rung ei­nes Pro­jekts nur für die Dau­er von 36 Mo­na­ten mög­lich. Künf­tig kann in be­son­de­ren, be­grün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len ei­ne För­de­rung bis zu 60 Mo­na­ten er­fol­gen.

Bis zu ei­ner För­der­sum­me von 350.000 Eu­ro – statt bis­her von 300.000 Eu­ro – ent­schei­det der Vor­stand der Stif­tung Deut­sches Zen­trum Kul­tur­ver­lus­te über die Zu­wen­dung. Soll­te die­se För­der­sum­me in be­grün­de­ten Fäl­len über­schrit­ten wer­den, trifft der Stif­tungs­rat die Ent­schei­dung .

Au­ßer­dem wird die För­de­rung von Pro­jek­ten zur Er­schlie­ßung, Ver­zeich­nung und Aus­wer­tung von Ar­chi­va­li­en und Do­ku­men­ten, die über den Ein­zel­fall hin­aus von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung sind, er­wei­tert. Bei­spiels­wei­se sind hier Re­tro­di­gi­ta­li­sie­run­gen von Ar­chi­va­li­en und Do­ku­men­ten so­wie die Ent­wick­lung di­gi­ta­ler In­fra­struk­tu­ren in be­son­de­ren, be­grün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len mög­lich, Ei­ne dau­er­haf­te Un­ter­hal­tung und Pfle­ge der di­gi­ta­len For­schungs­in­fra­struk­tur kann vom Zen­trum nicht über­nom­men wer­den, son­dern muss an­der­wei­tig ge­währ­leis­tet wer­den.

Die För­der­richt­li­nie tritt zum 1. De­zem­ber 2021 in der ge­än­der­ten Fas­sung in Kraft.

För­der­richt­li­nie “NS-Raub­gut”  (PDF, 270 KB)

Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ gestartet

Pressemitteilung der Deutschen Digitalen Bibliothek

Berlin, 30. November 2021

Die Deutsche Digitale Bibliothek hat heute das Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ unter der Domain ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de freigeschaltet. Damit ist Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten von 25 Piloteinrichtungen innerhalb der Deutschen Digitalen Bibliothek online verfügbar. Zunächst als Prototyp entwickelt, soll das Portal künftig zu einer umfassenden zentralen Veröffentlichungsplattform für Informationen über Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in deutschen Kultur- und Wissenseinrichtungen ausgebaut werden.

Zum Start steht das Portal in deutscher und englischer Sprache mit Informationen zu rund 8.000 Nachweisen zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zur Verfügung, wobei Beschreibungen in der Regel zunächst nur auf Deutsch vorliegen. In einem nächsten Schritt werden relevante Daten, die bereits jetzt in der Deutschen Digitalen Bibliothek enthalten sind, als „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ gekennzeichnet, damit sie künftig ebenfalls im Portal auffindbar sind. Perspektivisch soll das Portal in weiteren Sprachen angeboten sowie mit Daten von weiteren Kultur- und Wissenseinrichtungen bereitgestellt werden.

Die Entwicklung des neuen Portals geht auf die von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden im Oktober 2020 vereinbarte „3 Wege-Strategie zur Erfassung und digitalen Veröffentlichung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“ zurück. Ziel der „3 Wege-Strategie“ ist es, im Hinblick auf Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten größtmögliche Transparenz herzustellen. Die Aufbauphase des heute gestarteten Portals wird von der Bundesregierung aus dem Etat für Kultur und Medien finanziert.

Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters: „Größtmögliche Transparenz – das ist ein wichtiger Gradmesser für den verantwortungsvollen Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in unseren Museen und Einrichtungen. Sie ist der Maßstab für unsere Glaubwürdigkeit und die Grundlage für einen zukunftsgerichteten Austausch mit den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften über den weiteren Umgang mit diesen Objekten, der Rückgaben einschließt. Das neue Onlineportal der Deutschen Digitalen Bibliothek ist ein nächster wichtiger Schritt in diese Richtung, dem mit Unterstützung des Bundes weitere folgen werden.“

Die „3 Wege-Strategie“ wurde im Rahmen des 13. Kulturpolitischen Spitzengespräches am 14. Oktober 2020, an dem die Staatsministerin für Kultur und Medien, der Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation des Auswärtigen Amtes, die Kulturminister*innen, die Kultursenator*innen der Länder sowie Vertreter*innen der kommunalen Spitzenverbände teilnahmen, vereinbart.

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin und Vorsitzender der Kulturministerkonferenz: „Ich begrüße die politische Bereitschaft aller staatlichen Ebenen in Deutschland, sich zu einem transparenten Zugang zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zu bekennen. Das Portal wird die Transparenz über die Sammlungsbestände bundesweit ganz wesentlich befördern und eine wichtige Grundlage für den weiteren Dialog über Rückführungen mit den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften sein. Die Restitution geraubter Kulturgüter bleibt ein wichtiger Bestandteil der Auseinandersetzung mit unserem kolonialen Erbe.“

Dr. Andreas Görgen, Abteilungsleiter Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt: „Transparenz ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen gemeinsamen Dialog. Die Deutsche Digitale Bibliothek ist ein hervorragender Partner für diese Aufgabe. Sie erweitert den Kreis derjenigen, die die Voraussetzungen für Rückgaben schaffen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!“

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger, Sprecher des Vorstands der Deutschen Digitalen Bibliothek und Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: „Ich freue mich, dass der Deutschen Digitalen Bibliothek das Vertrauen für diese komplexe Aufgabe entgegengebracht wird. Mit ihrer umfangreichen Erfahrung im Zusammenführen von heterogenen Beständen aus unterschiedlichsten Kultureinrichtungen kann sie wichtige technische Voraussetzungen für einen transparenten Zugang zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten schaffen.“

 

Links und weitere Informationen – Portal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“:

Startseite: https://ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de

Hintergrund: https://ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/ueber-uns-ccc

Fragen und Antworten: https://ccc.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/fragen-antworten

Zum Pressebereich der Deutschen Digitalen Bibliothek gelangen Sie hier.

 

Deutsche Digitale Bibliothek

Die Deutsche Digitale Bibliothek vernetzt die digitalen Bestände von Kultur- und Wissenseinrichtungen in Deutschland und macht sie zentral zugänglich. Sie bietet allen Menschen über das Internet freien Zugang zu digitalisierten Museumsobjekten, Büchern, Musikstücken, Denkmälern, Filmen, Urkunden und vielen anderen kulturellen Schätzen. Die Deutsche Digitale Bibliothek fungiert als Netzwerk, sie verlinkt und präsentiert die digitalen Angebote ihrer Partner und leistet einen Beitrag zur Demokratisierung von Wissen und Ressourcen.

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Onlinestellung des Repertoriums der Akteure des französischen Kunstmarkts während der deutschen Besatzung (1940-1945)

Vom 3. Dezember 2021 an stellt das Institut national d’histoire de l’art (INHA)
mehr als 150 biografische Artikel des unter der wissenschaftlichen Leitung von Ines
Rotermund-Reynard und Elisabeth Furtwängler erarbeiteten Repertoriums der
Akteure des französischen Kunstmarkts während der deutschen Besatzung 1940-
1945 (RAMA) online. Die Einträge sind im Rahmen eines deutsch-französischen
Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin
(TU Berlin) entstanden. Sie rekonstruieren den Werdegang von Personen,
veranschaulichen die vielschichtigen Netzwerke, in denen sie sich bewegten und
verweisen auf Werke, die durch ihre Hände gingen.

Die ProjketleiterInnen stellen die neue Datenbank anlässlich ihres Online-
Launchs am 3. Dezember 2021 um 18:30 Uhr am INHA in Paris vor.
Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und auf dem Youtubekanal des INHA abrufbar sein.
www.youtube.com/channel/UCvWtEiy6IYIJLQhIWloh …

Vgl. auch: Pressemitteilung_Onlinestellung_RAMA Communiqué_de_presse_Lancement_RAMA_20211115_Final; Communiqué_de_presse_Lancement_RAMA_20211115_Final

Neue Reihe „Working Paper Deutsches Zentrum Kulturgutverluste“ erscheint

10.11.2021

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ver­öf­fent­licht das ers­te Dos­sier in der neu­en Rei­he „Wor­king Pa­per Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te“.

Mit der Rei­he wer­den in lo­ser Fol­ge Tex­te zu ak­tu­el­len For­schungs­the­men on­line er­schei­nen. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem Dos­siers, Leit­fä­den, Re­cher­che­hil­fen, For­schungs­be­rich­te und Über­sich­ten aus al­len För­der­be­rei­chen und Hand­lungs­fel­dern der Stif­tung: zu NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut (sog. NS-Raub­gut), zu kriegs­be­dingt ver­brach­tem Kul­tur­gut (sog. Beu­te­gut), zu Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in SBZ/ DDR und zu Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten.

Die Wor­king Pa­per-Rei­he wird auf der in­ter­na­tio­na­len, epo­chen­über­grei­fen­den und in­ter­dis­zi­pli­nären On­line-Pu­bli­ka­ti­ons­platt­form per­spec­ti­via.net ver­öf­fent­licht. Die Platt­form wird be­trie­ben von der Max We­ber Stif­tung – Deut­sche Geis­tes­wis­sen­schaft­li­che In­sti­tu­te im Aus­land htt­ps://www.max­we­ber­stif­tung.de, mit der das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ei­ne Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung zur Ver­brei­tung wis­sen­schaft­li­cher Er­geb­nis­se und Ma­te­ria­li­en ge­mäß den Prin­zi­pi­en von Open Ac­cess und Open Science ge­schlos­sen hat.

Den Auf­takt der Pu­bli­ka­ti­ons­rei­he macht der His­to­ri­ker Dr. des. Lars Mül­ler mit „Re­turns of Cul­tu­ral Ar­te­facts and Hu­man Re­mains in a (Post)co­lo­ni­al Con­text: Map­ping Claims bet­ween the Mid-19th Cen­tu­ry and the 1970s” (Wor­king Pa­per Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te 1/2021) htt­ps://doi.org/10.25360/01-2021-00017 . Es kann auf per­spec­ti­via.net im Open Ac­cess, kos­ten­frei als pdf, her­un­ter­ge­la­den wer­den.

Das Pa­per er­scheint in Zu­sam­men­hang mit der Herbst­kon­fe­renz des Zen­trums, die vom 17. bis 19. No­vem­ber 2021 un­ter dem Ti­tel „The Long His­to­ry of Claims for the Re­turn of Cul­tu­ral He­ri­ta­ge from Co­lo­ni­al Con­texts“ on­line statt­fin­det und auf www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de im öf­fent­li­chen Li­ve­stream ver­folgt wer­den kann.

Patronengurt gehörte legendärem Anführer der Ovambanderu

Der im Städtischen Museum Braunschweig verwahrte Patronengurt ist authentisch und gehörte Kahimemua Nguvauva, dem legendären Anführer der namibischen Ovambanderu. Zu diesem Ergebnis  kam eine Delegation Experten der Gemeinschaft der Ovambanderu, die aus Namibia anreiste und den Gurt am gestrigen Dienstag, 2. November, eingehend untersuchte. Der Patronengurt, der Kahimemua Nguvauva 1896 vor dessen Exekution durch die deutschen Kolonialtruppen nach einem gescheiterten Aufstand der Ovambanderu  abgenommen worden war, kann nun – sollte der Rat der Stadt Braunschweig zustimmen – nach Namibia zurückgeführt werden. Er ist für die Gemeinschaft der Ovambanderu als spirituelles Identifikationssymbol von enormer Bedeutung und ein Schatz von nationaler Tragweite. Nguvauva wurde vom namibischen Staat offiziell zum Helden erklärt und symbolisch auf dem Heldenacker bei Windhoek begraben. In den Legenden der Ovambanderu werden ihm übermenschliche Eigenschaften zugeschrieben.

Historisch verbürgt ist, dass der aus Meerdorf bei Braunschweig stammende Kaufmann Gustav Voigts Kahimemua nach dessen Gefangennahme den Patronengurt abnahm und unter Eigentumsvorbehalt dem Städtischen Museum Braunschweig überließ. Allerdings verlor sich im Laufe der Zeit seine Spur. Im Bestandsverzeichnis von 1968 war der Gürtel nicht mehr enthalten. Aufzufinden war nur die alte Karteikarte, auf der das Objekt verzeichnet war. Schließlich entdeckte man an einem anderen Ort einen Patronengürtel. Neu entdeckte Fotografien aus Namibia legten nahe, dass es sich um den Gurt des Ovambanderu-Anführers handeln könnte. Weder ethnologische noch genetische Untersuchungen konnten die Herkunft jedoch eindeutig klären.

Eine mehrstündige Untersuchung des Gürtels durch die Expertenkommission aus Namibia brachte jetzt Gewissheit. Machart und Material belegen, dass das Stück nach einem Muster des Stammes der Nama auf dem Gebiet des heutigen Namibia im 19. Jahrhundert aus Rindleder angefertigt wurde. Viehfett und rotes Pflanzenpulver dienten als Weichmacher und gaben dem Gürtel die charakteristische Farbe, die Löcher wurden mit der Klaue eines Tieres gestochen.

Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse würdigte die Klärung der Herkunft des Patronengurts als wichtigen Schritt der Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit einerseits und als  Zeichen für eine zukünftige partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Braunschweig und der Gemeinschaft der Ovambanderu andererseits. Museumsdirektor Dr. Peter Joch sprach von einem historischen Moment. Beide Seiten betonten, der heutige Tag sei der Beginn eines vertieften Dialogs, der auf vielen Ebenen fortgeführt werden soll. In der Dauerausstellung des Städtischen Museums soll eine Vitrine eingerichtet werden, die von den Ovambanderu zu Themen ihrer Geschichte bestückt wird und die Kooperation mit einer Herkunftsgesellschaft dauerhaft dokumentiert.

Ziel des Museums ist es, einen Vertrag zwischen der Stadt Braunschweig, den Ovambanderu und den Erben Gustav Voigts‘ über die Rückgabe des Patronengurts zu schließen. Ein entsprechender Entwurf würde dem Rat zur Entscheidung vorgelegt. Die nächsten Schritte hängen davon ab, von wem ein Restitutionsanspruch erhoben wird. Dies könnten die Ovambanderu, die in Namibia lebenden Nachfahren Voigts‘ oder der namibische Staat sein. 

Jetzt registrieren: Digitale Herbstkonferenz des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste vom 17. bis 19. November 2021

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste lädt zur diesjährigen Herbstkonferenz. Thema der digitalen Tagung im November 2021 ist die oftmals vergessene Vorgeschichte zur aktuellen Diskussion um die Rückgabe von Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Die Konferenz untersucht die lange Geschichte des Protests gegen kolonialen Raub und der Forderungen nach Rückführung des kulturellen Erbes.

Die aktuelle Debatte um die Restitution von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten mag vergleichsweise neu erscheinen – doch Proteste gegen Entzug und Raub von Kulturgütern und menschlichen Überresten gab es bereits seit Beginn der kolonialen Expansion. Schon vor mehr als 100 Jahren haben Personen, Gruppen oder Staaten ihr Erbe vehement verteidigt und manchmal auch erfolgreich zurückgefordert. Wissenschaftler:innen aus dem Globalen Süden und Norden, Expert:innen aus Äthiopien und den Niederlanden, aus Deutschland und Ghana, Kolumbien oder den USA beleuchten solche historischen Rückgaben, erörtern Fallbeispiele, analysieren wichtige historische Momente und Dynamiken, fragen aber auch nach Motivlagen: Denn bedeutet Restitution wirklich immer Dekolonisation? Und was können wir aus der Geschichte von Protesten und Rückforderungen lernen?

Die Konferenz „The Long History of Claims for the Return of Cultural Heritage from Colonial Contexts“ wird vom 17. bis 19. November 2021 als virtuelle Konferenz und in Kooperation mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie dem Research Center for Material Culture of the National Museum of World Cultures, the Netherlands veranstaltet.

Bitte registrieren Sie sich bis zum 16.11.2021 unter https://history-of-restitution.com. Dort finden Sie auch das vorläufige Tagungsprogramm. Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei.

Die aktive Teilnehmer:innenzahl ist begrenzt, deshalb wird die Veranstaltung zusätzlich per Livestream auf dem YouTube-Kanal des Zentrums unter www.kulturgutverluste.de übertragen und ist so öffentlich und ohne Voranmeldung zugänglich. Im Nachgang der Konferenz werden die Tagungsbeiträge als Veranstaltungsdokumentation auch weiterhin zur Verfügung stehen. Überdies wird sich der vierte Band der wissenschaftlichen Schriftenreihe „Provenire“ des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste dieser Tagung widmen.

Bitte beachten Sie: Aufgrund der internationalen Ausrichtung wird die Konferenzsprache Englisch sein, deutsche Beiträge werden übersetzt.

Für alle organisatorischen Fragen steht Ihnen Stefanie Kobow, Ansprechpartnerin für Veranstaltungen beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, unter +49 391/727 763-23 und  zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

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In November, the German Lost Art Foundation will hold its annual autumn conference. This year, the event will be dedicated to the often forgotten history preceding the current debate on the return of cultural goods and collections from colonial contexts. The conference examines the long history of resistance against colonial looting and of demands for the return of cultural heritage.

The current debate on how to engage with collections from colonial contexts may appear comparatively novel – but protests against the removal and theft of cultural property and human remains have already existed since the beginning of colonial expansion. Already more than 100 years ago, individuals, groups, and states defended their heritage and sometimes successfully reclaimed it. Researchers from the Global South and North, experts from Ethiopia and the Netherlands, Germany, Ghana, Colombia or the USA examine such historical returns, discuss case studies, analyse important historical moments and dynamics, but also ask about motivations: Does restitution really always mean decolonisation? And what can we learn from the history of protests and restitution? 

The conference, “The Long History of Claims for the Return of Cultural Heritage from Colonial Contexts” will be held online on November 17-19, 2021 in cooperation with the Stiftung Preußischer Kulturbesitz and the Research Center for Material Culture of the National Museum of World Cultures, the Netherlands.

Please register until November 16 via https://history-of-restitution.com. Here you can also access the preliminary conference programme. Participation is free of charge.

While the number of active attendants had to be limited, the conference will also be broadcast without registration via livestream on YouTube and www.kulturgutverluste.de. After the conference, an audio-visual event documentation including all presentations will be made available. Furthermore, the fourth volume of the Foundation’s publication series “Provenire” will be dedicated to the conference.

Please note: the conference language will be English; German contributions will be translated.

We would be delighted to welcome you as a participant. If you have any questions, please contact Stefanie Kobow on +49 391/727 763-23 or at 

We look forward to welcoming you!

Band 2 der “Veröffentlichungen des Netzwerks Provenienzforschung” erschienen: “Den Sammlern auf der Spur. Provenienzforschung zu kolonialen Kontexten am Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim 2017/18”.

Soeben ist Band 2 der Veröffentlichungen des Netzwerks Provenienzforschung von Sabine Lang und Andrea Nicklisch erschienen:

“Den Sammlern auf der Spur. Provenienzforschung zu kolonialen Kontexten am Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim 2017/18” behandelt Herkunft und Erwerbungsumstände von ethnografischen Objekten, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert im Rahmen der sog. “Dubletten”-Abgaben aus den Beständen des ehemaligen Königlichen Museums für Völkerkunde Berlin nach Hildesheim gelangten.

Der Band ist online sowie als book on demand hier verfügbar: https://books.ub.uni-heidelberg.de/arthistoricum/catalog/book/742

 

SKD veröffentlichen Projektergebnisse zur Rekonstruktion der Porzellansammlung Gustav von Klemperers

03.09.2021

Die Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den ha­ben die Pro­jek­t­er­geb­nis­se zur Re­kon­struk­ti­on der Por­zel­lan­samm­lung des Dresd­ner Ban­kiers Gu­stav von Klem­pe­rer nach zwei Jah­ren Pro­jekt­lauf­zeit auf ei­ner ei­ge­nen Web­si­te on­line ver­öf­fent­licht.

Das vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­te Pro­jekt wid­me­te sich die­ser kost­ba­ren und um­fang­rei­chen Kol­lek­ti­on, de­ren Schick­sal ex­em­pla­risch für das zahl­rei­cher jü­di­scher Samm­lun­gen in der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus steht und eng mit der In­sti­tu­ti­ons­ge­schich­te der Por­zel­lan­samm­lung der Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den ver­knüpft ist. Zen­tra­les Ziel des Pro­jek­tes war es, die Ver­lust­we­ge der Por­zel­la­ne stück­genau zu er­mit­teln und sämt­li­che Ver­lus­te in der Lost Art-Da­ten­bank zu pu­bli­zie­ren.

Auf der Web­si­te galt es eben­so, das Ver­fol­gungs­schick­sal der Fa­mi­lie von Klem­pe­rer so­wie die Ge­schich­te der Fa­mi­lie und ih­re Be­deu­tung für die Stadt Dres­den dar­zu­stel­len. Wis­sen­schaft­ler:in­nen und Mit­glie­der der Fa­mi­lie von Klem­pe­rer be­rei­chern die Pro­jek­t­er­geb­nis­se un­ter an­de­rem mit Auf­sät­zen, Fil­men und Fo­tos.

Der an­ge­se­he­ne Dresd­ner Ban­kier Gu­stav von Klem­pe­rer (Ed­ler von Kle­menau) und sei­ne Frau Char­lot­te be­sa­ßen mit mehr als 900 Ob­jek­ten die wohl um­fang­reichs­te und be­deu­tends­te Pri­vat­samm­lung Meis­se­ner Por­zel­lans des 18. Jahr­hun­derts in Deutsch­land.

Al­le In­for­ma­tio­nen und Er­geb­nis­se fin­den Sie auf Deutsch und Eng­lisch ver­öf­fent­licht un­ter www.skd.mu­se­um/gu­stav-von-klem­pe­rer

 

Stellenanzeige Wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in zur Schaffung der Online Plattform Digital Benin

Die Stiftung Museum am Rothenbaum sucht zum 1. Oktober 2021 für ein Jahr eine/einen Wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in zur Schaffung der Online Plattform Digital Benin

Das Museum am Rothenbaum fördert die Wertschätzung für Kulturen und Künste der Welt. Es befasst sich mit gesellschaftlichen Debatten der Gegenwart, in denen Themen wie koloniales Erbe, das Zusammenleben in einer globalisierten Gesellschaft und eine Öffnung der Museen für breitere Besucher*innenschichten eine zentrale Rolle spielen. Als Museum mit weltumspannenden Sammlungen und Wissensarchiven entwickelt es sich derzeit zu einem innovativen Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Forschungszentrum der Verflechtungsgeschichten und transkulturellen Kreativität.

Im Rahmen des durch die Ernst von Siemens Kunststiftung finanzierten Projektes Digital Benin. Zusammenführung der königlichen Kunstschätze eröffnete das MARKK ein internationales Projektbüro zur digitalen Zusammenführung der weltweit zerstreuten Kunstwerke aus dem ehemaligen Königreich Benin. Als beispielloses Wissensforum wird Digital Benin Objektdaten und zugehöriges Dokumentationsmaterial aus Sammlungen weltweit bündeln und somit den seit langem geforderten Überblick zu den im 19. Jh. geplünderten Hofkunstwerken ermöglichen. Ziel ist ein fundierter und nachhaltiger Bestandskatalog über Geschichte, kulturelle Bedeutung und Provenienz der Werke. Das Projekt deutscher, nigerianischer, europäischer und amerikanischer Expert*innen wird mit von der Ernst von Siemens Kunststiftung finanziert. Der Launch der Website Ende 2022 geplant.

Zu den Aufgaben gehören:
• Recherche und Beiträge zu Benin Objekt-, Archiv- und Datenbeständen von Institutionen weltweit
• Kommunikation mit den beteiligten Museen und Institutionen
• Enge Zusammenarbeit mit den nigerianischen Projektmitarbeiter*innen und Unterstützung in der Aufbereitung ihrer Forschungsergebnisse und Erhebungen für die digitale Präsentation
• Bereitschaft zu Reisetätigkeit nach Nigeria
• Aufbereitung u der eingeholten Daten; selbstständige Dateneingabe in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Programmierteam und der Projektleitung zur Vorbereitung der Online-Stellung.

Anforderungen:
• Abgeschlossenes Hochschulstudium (vorzugsweise Promotion ) in Sozial- und Kulturanthropologie (Ethnologie), globale Kunstgeschichte, Globalgeschichte, oder Afrikawissenschaften. Idealerweise mit Forschungserfahrung zu Kunst/Kultur/Geschichte des Königreichs Benin.
• Erfahrung in der Arbeit mit Datenbanken.
• Erfahrung in Objekt- und Archivrecherche
• Erfahrung in wissenschaftlicher Projektarbeit
• Interesse für Digital Humanities und Erfahrung in digitaler Kommunikation. Vertrautheit mit Prozessen digitaler Erschließung von Sammlungen, ausgehend von multiplen Nutzerperspektiven
• Sicherer Umgang mit den gängigen Office-Anwendungen; Email- und Onlinekommunikation
• Ausgesprochene Kommunikations- und Teamfähigkeit
• Ausgezeichnete Englischkenntnisse in Wort und Schrift

Wir bieten:
• Eine Vergütung nach EG 13 TV-AVH
• Eine abwechslungsreiche und zukunftsweisende Mitwirkung an einem modellhaften Digital Humanities Projekt. Tätigkeit in einem sich diversifizierenden Team während eines besonderen Moments der Neupositionierung und Umgestaltung des Hauses
• einen Zuschuss zur HVV-Profi-Card

Das Museum am Rothenbaum begrüßt Bewerbungen von Menschen aller Nationalitäten, von People of Color sowie von Bewerber*innen mit Flucht- oder familiärer
Migrationsgeschichte. Schwerbehinderte Bewerber*innen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt (der Einsatzort ist nur eingeschränkt barrierefrei).

Ihre schriftliche Bewerbung mit Anschreiben und Lebenslauf senden Sie bitte bis zum 2.08.2021 per Email als single-PDF an (bitte beachten Sie die mögliche maximale Datenmenge von 20 MB) oder postalisch an das Museum am Rothenbaum, z. H. Frau Lapidus, Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg.
Für Rückfragen steht Ihnen Barbara Plankensteiner zur Verfügung Tel. 040 428879-501

Wir weisen darauf hin, dass wir Bewerbungsunterlagen nicht zurücksenden. Falls Sie dies möchten, legen Sie bitte einen frankierten und adressierten Rückumschlag bei