Nur wer das Alte hinterfragt, kann Neues schaffen. Darum suchen wir Sie als Assistent:in (w/m/d) der Direktion für unser Stadt-Up Frankfurt! Bereit für eine Aufgabe für Herz und Verstand? Bewerben Sie sich jetzt und erweitern den Horizont von ganz Frankfurt!
Das Museum der Weltkulturen arbeitet an der Schnittstelle von Ethnologie und Kunst und fördert den transkulturellen Austausch. Das Museum beherbergt „cultural belongings“ sowie historische Fotografien aus afrikanischen Ländern, Südostasien, dem Pazifik und den Amerikas. Dieses kulturelle Erbe sucht es in Kooperationsprojekten mit den jeweiligen Urhebergesellschaften in neue Deutungs- und Aushandlungskontexte zu stellen sowie Provenienzfragen und Restitutionsanliegen zu klären. Es setzt sich derzeit intensiv mit seiner kolonialen Geschichte auseinander. Es versteht sich als Museum in Bewegung und in Beziehung, das Prozesse sichtbar macht, Verantwortung übernimmt und aktiv in die Stadtgesellschaft hineinwirkt.
Als Assistenz der Direktion übernehmen Sie eine verantwortungsvolle Schlüsselrolle im organisatorischen Tagesgeschäft sowie für die Kommunikation der Direktion im Haus und mit externen Partner:innen. Sie unterstützen die Direktion und das Leitungsteam bei der Steuerung der Institution und der Leitung einzelner wichtiger Projekte.
Weitere Informationen zur Stellenbeschreibung und Bewerbung finden Sie hier: 3202_0007_6906
Der Masterstudiengang „Provenienzforschung und Geschichte des Sammelns“ am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn startet im Wintersemester 2026/27 in eine neue Runde.
Provenienzforschung wird hier als epochenübergreifende, interdisziplinäre Kontextforschung verstanden, die die Vielschichtigkeit der Werte aufzeigt, die Kunst- und Kulturgütern in verschiedenen Gesellschaften, sozialen Konstellationen und auch von Individuen zugesprochen werden. Eng verbunden ist damit die Geschichte des privaten und institutionellen Sammelns, die einen weiteren Schwerpunkt des Studiengangs bildet. Die Lehrveranstaltungen nehmen unterschiedliche Epochen und europäische wie auch außereuropäische Regionen in den Blick.
Studierende können ihre Kenntnisse vertiefen und sich auf eine Laufbahn in der Kunstwelt vorbereiten. Die Bewerbung ist bis zum 15. September 2026 möglich!
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg stellt wieder Fördermittel für Projekte zur Provenienzforschung in den Bereichen „NS-Raubgut“ und „Koloniale Kontexte“ und „SBZ/DDR“ zur Verfügung.
Die nächste Antragsfrist für eine langfristige Förderung endet am 1. Oktober 2026. Einzelfallbezogenen, kurzfristigen Forschungsbedarf fördert das Zentrum in allen Bereichen ohne Frist ganzjährig.
Forschungsbereich „NS-Raubgut“
Im Forschungsbereich „NS-Raubgut“ sind neben öffentlichen Einrichtungen auch privat getragene Einrichtungen (z.B. Museen, Archive, Vereine, Unternehmen) und Privatpersonen in Deutschland antragsberechtigt. Das Zentrum fördert systematische Bestandsprüfungen und Grundlagenforschung zum historischen Kontext des NS-Kulturgutraubs sowie die Erschließung von Archivbeständen und die Rekonstruktion von privaten Sammlungen, die während der NS-Herrschaft verfolgungsbedingt entzogen, aufgeteilt oder zerstört wurden.
Auch die Provenienzklärung privater Sammlungen ist förderfähig, sofern ein Verdacht auf NS-verfolgungsbedingten Entzug besteht.
Seit Januar 2019 fördert das Zentrum zudem auch Projekte, die dazu dienen, die Erben von Objekten aus verfolgungsbedingt entzogenen Sammlungen, zu denen bereits Provenienzforschung stattgefunden hat, zu ermitteln. Ziel von Anträgen mit diesem Förderschwerpunkt soll es sein, mit den Erben eine gerechte und faire Lösung im Sinne der Washingtoner Prinzipien von 1998 und der Gemeinsamen Erklärung von 1999 herbeizuführen.
Bei inhaltlichen und formalen Fragen berät das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gerne persönlich. Bitte beachten Sie, dass eine Beratung nur bis zum 15. August 2026 in Anspruch genommen werden kann und für privat getragene Einrichtungen und Privatpersonen verpflichtend ist. Wenden Sie sich hierzu bitte an:
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste Humboldtstraße 12 39112 Magdeburg
Das Zentrum fördert seit Beginn des Jahres 2019 langfristige und kurzfristige Projekte zu Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten.
Antragsberechtigt sind Institutionen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft und private Einrichtungen, die nach § 59 in Verbindung mit § 52 Abgabenordnung als gemeinnützig anerkannt sind. Die antragstellende Institution muss ihren Sitz in Deutschland haben und Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten sammeln, bewahren oder dazu forschen. Dazu zählen Museen, Universitäten und andere Forschungseinrichtungen.
Das Zentrum fördert einerseits die konkrete Erforschung von Objekten, Konvoluten und größeren Beständen, andererseits aber auch Grundlagenforschung und Forschung zum historischen Kontext, wenn es sich um Fragestellungen handelt, die über einzelne Objekte hinaus von grundsätzlicher Bedeutung für die Provenienzforschung sind. Dabei werden nicht nur Einzel-, sondern auch Verbundprojekte gefördert. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften und -ländern, die über Kooperationen in die Projekte einbezogen werden können. Zudem sind auch Projekte möglich, die sich mit der Erschließung, Verzeichnung und Auswertung von Archivalien und Dokumenten beschäftigen.
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste berät Sie gerne persönlich zu inhaltlichen und formalen Fragen. Bitte beachten Sie, dass eine Beratung verpflichtend ist, aber nur bis zum 1. September 2026 in Anspruch genommen werden kann. Wenden Sie sich daher bitte möglichst frühzeitig an:
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Außenstelle Seydelstraße 18 10117 Berlin
Das Zentrum fördert seit Beginn des Jahres 2026 langfristige und kurzfristige Projekte aus dem Bereich SBZ/DDR. Zuvor wurden bereits seit 2017 Projekte der Grundlagenforschung gefördert.
Antragsberechtigt sind Kulturgut sammelnde oder bewahrende Einrichtungen in öffentlich-rechtlicher oder privatrechtlicher Trägerschaft (insbesondere Museen, Archive und Bibliotheken), Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie sonstige Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen und privaten Rechts mit Hauptsitz in Deutschland.
Gegenstand der Förderung sind Projekte zur Erforschung der Provenienz von Kulturgut, bei dem ein Entzug oder Abhandenkommen im Zusammenhang mit Verfolgungs- und Willkürmaßnahmen in der SBZ/DDR feststeht oder vermutet wird. Gefördert werden insbesondere die systematische Untersuchung von Sammlungen und Beständen einschließlich Einzelrecherchen und sowie deren nachhaltige Dokumentation, Projekte der Grundlagenforschung zum historischen Kontext des Kulturgutentzugs in der SBZ/DDR mit über den Einzelfall hinausgehender Bedeutung sowie sogenannte Erstchecks zur Prüfung von Verdachtsmomenten in Kulturgut sammelnden oder bewahrenden Einrichtungen, die selbst keine Provenienzforschung durchführen können.
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste berät Sie gerne persönlich zu inhaltlichen und formalen Fragen Ihres Vorhabens. Bitte beachten Sie, dass die Projektberatung vor der Antragstellung verpflichtend ist und nur bis einschließlich 1. September 2026 in Anspruch genommen werden kann. Wenden Sie sich hierzu bitte an:
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste Humboldtstraße 12 39112 Magdeburg
As part of my postgraduate studies at MUSEALOG, I am conducting research into objects originating from the M-Aktion. In May and July 1943, furniture ‘from Holland’ was put up for sale at Bensersiel harbour and purchased by the local population.
Now a new generation ‚re-discovers‘ these objects in their living rooms or kitchens and offers them to the museum. What is the best approach here?
Die Schenkung bzw. der Verkauf von zwei Likörgläsern und zwei Tassen an das Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg im Jahr 1936 resultierten, so das Ergebnis eingehender Provenienzrecherchen, aus einer NS-verfolgungsbedingten Zwangslage. Das Landesmuseum hat daher die vier Objekte an die Nachfahren der einstigen Eigentümer restituiert.
Ein problematisches Geschenk: Im Jahr 1936 gelangten zwei Likörgläser und eine Tasse mit Blumendekor als Schenkung der damals 63-jährigen Oldenburgerin Henny Insel in die Sammlung des Landesmuseums. Kaum zwei Wochen später verkaufte sie dem Museum noch eine Tasse mit Untertasse aus Porzellan. Intensive Provenienzrecherchen haben ergeben, dass die Umstände, unter denen die Objekte in den Besitz des Landesmuseums übergingen, in unmittelbarem Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Verfolgung der Familie Siegfried und Henny Insel stehen.
Der Umzug der Familie Insel von Oldenburg nach Hannover, der nur etwa zwei Wochen nach Schenkung bzw. Verkauf der Objekte an das Landesmuseum stattgefunden hat, und schließlich die Emigration nach Amsterdam erfolgten vor einem NS-verfolgungsbedingten Hintergrund. Der Umzug in eine deutlich kleinere und günstigere Wohnung, der Verkauf des Elternhauses von Siegfried Insel weit unter Preis und die notgedrungene Reduzierung des Hausstandes waren unmittelbare Folgen der Diskriminierung und Entrechtung des Ehepaars Insel. Der ungewöhnlich niedrige Verkaufspreis von 5 Reichsmark für die erworbene Tasse verdeutlicht die Notsituation der Insels.
Nach ihrer Verhaftung und Internierung wurden Siegfried und Henny Insel im Mai 1943 vom niederländischen Durchgangslager Westerbork in das Vernichtungslager Sobibór in Polen deportiert und dort ermordet. Ihre Kinder Grete und Hermann Insel wurden 1942 in Auschwitz-Birkenau ermordet.
„Die Tatsache, dass Schenkungen nicht notwendigerweise mit einer selbstbestimmten Entscheidung des Gebenden einhergehen, ist insbesondere für die Provenienzforschung nicht neu“, konstatiert Prof. Dr. Marcus Kenzler, Provenienzforscher am Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg. Gemäß der Washingtoner Erklärung vom 3. Dezember 1998 war das Landesmuseum bestrebt, eine „gerechte und faire Lösung“ zu finden und die Objekte aus dem Besitz der Familie Insel zu restituieren.
Im Zuge ausführlicher genealogischer Nachforschungen konnte ermittelt werden, dass aus der Verbindung von Siegfried und Henny Insel keine noch lebenden, erbberechtigten Nachfolger:innen hervorgegangen sind. Siegfried Insel hatte jedoch fünf Brüder und drei Schwestern, deren Nachfahren sich zu einer Erbengemeinschaft zusammengetan haben.
Diese Erbengemeinschaft teilte die vier Objekte untereinander auf und entschied wie folgt: Während ein in den USA lebender Erbe auf eine Rückgabe der zwei Gläser verzichtete und sie dem Landesmuseum als Schenkung überließ, nahm ein in Israel lebender Erbe das Restitutionsangebot für die zwei Tassen an. „Wir freuen uns, dass die beiden Tassen nun an einen Nachfahren der einstigen Eigentümer übergeben werden konnten und auch darüber, dass zwei Gläser der kulturgeschichtlichen Sammlung des Hauses als Schenkung erhalten bleiben“, so Dr. Anna Heinze, Direktorin (m.d.W.d.A.b.) des Landesmuseums Kunst & Kultur Oldenburg.
Nähere Informationen sind auch der Pressemitteilung zu entnehmen. Pressebilder in druckfähiger Auflösung stehen im Pressebereich auf der Museumswebsite zum Download bereit.
Zum 25-jährigen Bestehen der Washingtoner Prinzipien lädt das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste herzlich zu einer Festveranstaltung am Donnerstag, 7. Dezember, um 18 Uhr in den Humboldt-Saal der Staatsbibliothek Berlin, Haus Unter den Linden. Die Veranstaltung unter dem Titel „Gerecht, fair – aktuell? 25 Jahre Washingtoner Prinzipien“ soll die „Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden“ würdigen, mit denen sich mehr als 40 Staaten und 13 nichtstaatliche Organisationen verpflichteten, NS-verfolgungsbedingt entzogene Kunstwerke zu identifizieren und gerechte und faire Lösungen mit den ursprünglichen Eigentümer:innen oder ihren Nachfahr:innen zu finden.
Die Washingtoner Prinzipien haben entscheidend zur Entwicklung der Provenienzforschung in Deutschland beigetragen, die seit 2015 vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird: Die Aufarbeitung des NS-Kulturgutentzugs leistet heute einen wesentlichen Beitrag dazu, den Raub an der jüdischen Bevölkerung wenigstens ansatzweise wiedergutzumachen und das Gedenken an das Menschheitsverbrechen des Holocaust wachzuhalten. Doch die Prinzipien aus dem Jahr 1998 sollen auch kritisch auf ihre Aktualität befragt werden: Haben sie heute dieselbe Relevanz wie einst? Reicht ein solches „Soft Law“ noch aus? Welche Ansprüche haben wir heute an „gerechte und faire“ Lösungen und wie können wir sie einlösen?
Im Anschluss lädt das Zentrum zu einem Stehempfang in den Fontane-Saal der Staatsbibliothek.
Der Abend wird aufgezeichnet und nachträglich auf dem YouTube-Kanal des Zentrums und seiner Website kulturgutverluste.de als Video veröffentlicht.
Aus Gründen der Raumkapazität bitten wir um eine verbindliche Anmeldung bis 22. November unter oder Telefon +49 (0) 391 727 763-23. Der Eintritt ist kostenfrei.
Programm:
Begrüßung
Achim Bonte
Generaldirektor Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Grußwort
Claudia Roth
Staatsministerin für Kultur und Medien
Grußwort
Wesley Fisher
Director of Research, Claims Conference
Einführung
Gilbert Lupfer
Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste
Literarischer Impuls
Rafael Cardoso
Nachfahre von Hugo Simon, dessen Sammlung im Rahmen eines vom Zentrum geförderten Projekts rekonstruiert wird
Podiumsdiskussion
Isabel Pfeiffer-Poensgen
Geschäftsführerin der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Ministerin für Kultur und Wissenschaft NRW a.D, ehem. Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder
Léontine Meijer-van Mensch
Direktorin der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen (SES) innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Stefan Koldehoff
Autor und Journalist, Chefreporter Kultur, Deutschlandradio
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste ruft dazu auf, für die Jahrestagung 2024 am 18. und 19. April 2024 in der Universitätsbibliothek Leipzig Vortragsideen bis zum 18. Juni 2023 einzureichen.
Bedeutung und Rolle von Fotografien als zentrale Quellen und gleichzeitig als materielle Gegenstände der Provenienzforschung sind ein aktuelles und brisantes, aber bisher noch relativ selten behandeltes Thema. In Fachkreisen der Provenienzforschung wird die Aussagekraft und Qualität schriftlicher Quellen und Archivalien intensiv diskutiert. Die quellenkritische Haltung gegenüber fotografischen Dokumenten ist hingegen noch weniger stark entwickelt.
Darüber hinaus gibt es über den Umgang mit Fotografien, die sensible Objekte oder Situationen abbilden, noch Bedarf an offenem Austausch, der die verschiedenen Felder der Provenienzforschung einbezieht.
Auch die großen Chancen, aber ebenso großen Herausforderungen und Gefahren, die die digitale Bearbeitung und Manipulation von Fotografien oder deren automatisierte Verarbeitung und Analyse mit sich bringen, verlangen nach einer kritischen Auseinandersetzung in der Provenienzforschung. Hierzu könnte der aktuelle Diskussionsstand aus den Bild- und Medienwissenschaften durch die Provenienzforschung noch stärker rezipiert werden.
Themen aus diesem hier nur kurz skizzierten, breiten Spektrum sollen auf der Jahreskonferenz 2024 des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste diskutiert werden. Sie wird am 18. und 19. April 2024 in der Universitätsbibliothek Leipzig in Präsenz stattfinden. Wir laden Provenienzforscher:innen, Mitarbeiter:innen aus Museen und Gedenkstätten, Kultur- und Bildwissenschaftler:innen, Ethnolog:innen, Historiker:innen, Fotohistoriker:innen und andere Interessierte ein, uns Beiträge für diese Konferenz vorzuschlagen.
Dabei sind beispielsweise, aber nicht ausschließlich, folgende Fragestellungen von besonderem Interesse:
Wie werden Fotografien als Quelle der Provenienzforschung genutzt und hinterfragt?
Wie kann der quellenkritische, ihre „Parteilichkeit“ reflektierende Umgang mit Fotografien aussehen?
Welche besondere Methodik verlangen (entzogene oder unter Zwang veräußerte) Fotosammlungen als Gegenstand der Provenienzrecherche?
Gibt es Unterschiede in der Haltung zu Fotografien in den unterschiedlichen Entzugs- und Verlustkontexten, mit denen sich Provenienzforschung befasst?
Wie sieht ein angemessener Umgang mit Fotografien als sensiblen Objekten bzw. Fotografien als Abbildung sensibler Objekte und Themen in der Provenienzforschung aus?
Wie kann ein Gleichgewicht gefunden werden zwischen den potentiell konkurrierenden Forderungen nach Transparenz einerseits und Sensibilität andererseits?
Stellen analoge oder digitale Veränderungen von Fotografien oder fotografische Inszenierungen eine Gefahr für die Erkenntnis in der Provenienzforschung dar?
Kann auf die Aussage von Fotografien angesichts nahezu unbegrenzter digitaler Manipulationsmöglichkeiten überhaupt noch vertraut werden?
Wie können Methoden digitaler Bildanalyse und andere neue Techniken genutzt werden, um fotografische Quellen für die Provenienzforschung zu erschließen?
Die Konferenzsprache ist deutsch, es sind jedoch auch englischsprachige Beiträge willkommen.
Bitte reichen Sie Ihre Vortragsidee (im Umfang von max. 400 Wörtern) sowie Ihre Kurzvita (max. 250 Wörter) bis zum 18. Juni 2023 ein unter conference@kulturgutverluste.de.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte ebenfalls an diese Mailadresse.
Das Museum Natur und Mensch Freiburg hat ein Album zur Ozeaniensammlung Eugen und Antonie Brandeis in der Online-Sammlung der Städtischen Museen veröffentlicht. Zwei Schenkungen des Ehepaars aus den Jahren 1900/1901 bilden einen der bedeutendsten Bestände der ethnologischen Ozeaniensammlung des Museums. Die Provenienz dieser Sammlung und die Geschichte des Sammlerpaars wurden 2020 bis 2022 in einem vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanzierten Projekt erforscht.
In der ethnologischen Sammlung des Museums Natur und Mensch befinden sich etwa 2600 Objekte aus Ozeanien, die Mehrzahl davon stammt aus den ehemaligen deutschen Kolonialgebieten. Ein bedeutender Teil hiervon stammt aus zwei Schenkungen, die der kaiserliche Landeshauptmann der Marshallinseln, Eugen Brandeis, in den Jahren 1900/1901 dem damaligen Museum für Natur- und Völkerkunde zukommen ließ. Obwohl seine Ehefrau Antonie Brandeis für das Sammeln der rund 300 Objekte verantwortlich war, ging Eugen Brandeis in die Annalen der Stadt als ihr Stifter ein.
Der Fokus des Forschungsprojekts lag nicht nur auf der Erforschung der kolonialzeitlichen Provenienz der Brandeis-Sammlung, sondern auch auf der Rekonstruktion der Biografie und der Sammeltätigkeit von Antonie Brandeis. Daneben war ein erklärtes Ziel des Projekts, Vertreter:innen der Herkunftsgesellschaften in den Forschungsprozess miteinzubeziehen. Das Online-Album orientiert sich in seinen Schwerpunktsetzungen daher auch an Wünschen, Interessen und Fragestellungen, die von Kooperationspartner:innen von den Marshallinseln an die Ethnologische Sammlung herangetragen wurden.
CALL FOR PAPERS
Koloniale Kontexte in Bibliotheken
Workshop organisiert von der dbv-Kommission Provenienzforschung und Provenienzerschließung und dem Projekt IN_CONTEXT in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste
an der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz 6. bis 7. November 2023
Bereits im Jahr 2021 publizierte der Deutsche Museumsbund den Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, der sich innerhalb kürzester Zeit zum Referenzdokument für Museen im Umgang mit kolonialen Sammlungen entwickelte. Der Deutsche Museumsbund griff damit eine langjährige Diskussion in Gesellschaft und Kulturerbe-Institutionen auf und beförderte die Etablierung der postkolonialen Provenienzforschung in Museen. Bibliotheken spielen in der aktuellen Debatte derzeit kaum eine Rolle, obwohl mit der Bezeichnung „Museen und Sammlungen“ in den meisten offiziellen Dokumenten auch Sammlungen in Bibliotheken inkludiert sind. Explizit wird dies beispielsweise im Eckpunktepapier zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten von Bund und Ländern benannt. Auch der Deutsche Kulturrat weist in diesem Kontext bereits auf Bibliotheken hin. Die dbv-Kommission Provenienzforschung und Provenienzerschließung und das Projekt IN_CONTEXT der Staatsbibliothek zu Berlin nehmen dies als Anlass, um in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste den Umgang mit Beständen aus kolonialen Kontexten in Bibliotheken in den Blick zu nehmen.
Ziel des Workshops ist es, zu diesem Themenfeld Akteure aus Bibliotheken, Interessenverbänden und der Forschung zusammen zu bringen, bereits als einschlägig bekannte Sammlungen vorzustellen und Vorarbeiten für einen Leitfaden zum Umgang mit kolonialen Beständen in Bibliotheken zu leisten. Entsprechend wird der Workshop aus Kurzvorträgen (ca. 15 min) sowie aus Diskussionsrunden zusammengesetzt, um so eine Debatte über Bestände zu kolonialen Kontexten in deutschsprachigen Bibliotheken zu initiieren.
Der Workshop fokussiert auf zwei Themenfelder: Bestände aus kolonialen Kontexten in Bibliotheken (vor allem Bestände aus Unrechtskontexten, wie Plünderungen etc.) sowie Bestände mit Bezug zum Kolonialismus (insbesondere sog. Rezeptionsliteratur). „Koloniale Kontexte“ werden hier – entsprechend der Definition des Deutschen Museumsbundes − breit verstanden und umfassen nicht nur Handeln in direkten bzw. so genannten formalen Kolonialherrschaften. Der Workshop ist daher nicht auf eine Region oder eine historische Phase fokussiert.
Hieran anschließend öffnet sich ein breites Feld an Themen:
– Geschichte des Sammelns und des Sammlungsaufbaus und Reflexionen über bibliothekarische Spezifika
– Praktiken kolonialen Sammelns (in Afrika, Nord-, Mittel und Südamerika, Asien, MENA-Region, Pazifikregion)
– Bestände aus kolonialen Unrechtskontexten, wie der Plünderung von Magdala (1868) oder dem sog. Boxerkrieg (1901) etc.
– Bibliothekarische Provenienzforschung, Restitutionsforderungen an Bibliotheken, Dialog mit Herkunftsgesellschaften
– Umgang mit verschiedenen Beständen: 1) sog. Rezeptionsliteratur, wie Reiseberichte, fiktionale Literatur, kolonialnostalgische oder -revisionistische Literatur etc., 2) Sonderbestände, wie Karten, Nachlässe, Fotobestände, Zeitungen etc., 3) „koloniales Wissen“ aus der Zeit des Kolonialismus, wie Beiträge aus Ethnologie, Sprachwissenschaft, Kartographie etc., 4) Bestände aus kolonialen Kontexten, wie Plünderungen, Kriegen etc.
– Umgang mit Beständen aus kolonialen Kontexten in digitalen Sammlungen oder anderen Repositorien bzw. Umgang mit Metadaten (Disclaimer, Provenienzangaben etc.)
– Diskussionsstand zum Selbstverständnis und zur Transparenz in den jeweiligen Bibliotheken
Vorschläge für Beiträge zu diesen Themen sind herzlich willkommen. Bitte schicken Sie ein Abstract (max. 2000 Zeichen, inkl. Leerzeichen) und einen kurzen CV unter Angabe der institutionellen Anbindung bis zum 15. Juni 2023 (in einer Datei) an . Die Auswahl der Beitragenden erfolgt bis Ende Juni 2023. Reisekosten und eine Übernachtung entsprechend dem Bundesreisekostengesetz können im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets übernommen werden. Die Workshopsprache ist deutsch. Abhängig von den Zwischenergebnissen ist für 2024 eine Konferenz mit internationaler Ausrichtung geplant.
Die Diskussionsbeiträge sollen 2024 online veröffentlicht werden.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Verantwortlich:
Michaela Scheibe, Abteilung Handschriften und Historische Drucke, Staatsbibliothek zu Berlin
Larissa Schmid, Benutzungsabteilung, Staatsbibliothek zu Berlin
Organisation: Regine Dehnel, Lars Müller, Friederike Willasch
Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste ruft dazu auf, für die Jahrestagung 2024 am 18. und 19. April 2024 in der Universitätsbibliothek Leipzig Vortragsideen bis zum 18. Juni 2023 einzureichen.
Bedeutung und Rolle von Fotografien als zentrale Quellen und gleichzeitig als materielle Gegenstände der Provenienzforschung sind ein aktuelles und brisantes, aber bisher noch relativ selten behandeltes Thema. In Fachkreisen der Provenienzforschung wird die Aussagekraft und Qualität schriftlicher Quellen und Archivalien intensiv diskutiert. Die quellenkritische Haltung gegenüber fotografischen Dokumenten ist hingegen noch weniger stark entwickelt.
Darüber hinaus gibt es über den Umgang mit Fotografien, die sensible Objekte oder Situationen abbilden, noch Bedarf an offenem Austausch, der die verschiedenen Felder der Provenienzforschung einbezieht.
Auch die großen Chancen, aber ebenso großen Herausforderungen und Gefahren, die die digitale Bearbeitung und Manipulation von Fotografien oder deren automatisierte Verarbeitung und Analyse mit sich bringen, verlangen nach einer kritischen Auseinandersetzung in der Provenienzforschung. Hierzu könnte der aktuelle Diskussionsstand aus den Bild- und Medienwissenschaften durch die Provenienzforschung noch stärker rezipiert werden.
Themen aus diesem hier nur kurz skizzierten, breiten Spektrum sollen auf der Jahreskonferenz 2024 des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste diskutiert werden. Sie wird am 18. und 19. April 2024 in der Universitätsbibliothek Leipzig in Präsenz stattfinden. Wir laden Provenienzforscher:innen, Mitarbeiter:innen aus Museen und Gedenkstätten, Kultur- und Bildwissenschaftler:innen, Ethnolog:innen, Historiker:innen, Fotohistoriker:innen und andere Interessierte ein, uns Beiträge für diese Konferenz vorzuschlagen.
Dabei sind beispielsweise, aber nicht ausschließlich, folgende Fragestellungen von besonderem Interesse:
Wie werden Fotografien als Quelle der Provenienzforschung genutzt und hinterfragt?
Wie kann der quellenkritische, ihre „Parteilichkeit“ reflektierende Umgang mit Fotografien aussehen?
Welche besondere Methodik verlangen (entzogene oder unter Zwang veräußerte) Fotosammlungen als Gegenstand der Provenienzrecherche?
Gibt es Unterschiede in der Haltung zu Fotografien in den unterschiedlichen Entzugs- und Verlustkontexten, mit denen sich Provenienzforschung befasst?
Wie sieht ein angemessener Umgang mit Fotografien als sensiblen Objekten bzw. Fotografien als Abbildung sensibler Objekte und Themen in der Provenienzforschung aus?
Wie kann ein Gleichgewicht gefunden werden zwischen den potentiell konkurrierenden Forderungen nach Transparenz einerseits und Sensibilität andererseits?
Stellen analoge oder digitale Veränderungen von Fotografien oder fotografische Inszenierungen eine Gefahr für die Erkenntnis in der Provenienzforschung dar?
Kann auf die Aussage von Fotografien angesichts nahezu unbegrenzter digitaler Manipulationsmöglichkeiten überhaupt noch vertraut werden?
Wie können Methoden digitaler Bildanalyse und andere neue Techniken genutzt werden, um fotografische Quellen für die Provenienzforschung zu erschließen?
Die Konferenzsprache ist deutsch, es sind jedoch auch englischsprachige Beiträge willkommen.
Bitte reichen Sie Ihre Vortragsidee (im Umfang von max. 400 Wörtern) sowie Ihre Kurzvita (max. 250 Wörter) bis zum 18. Juni 2023 ein unter conference@kulturgutverluste.de.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte ebenfalls an diese Mailadresse.