Uni Bonn vergibt Promotionsstipendium im Bereich Provenienzforschung

10.09.2020

Die For­schungs­stel­le Pro­ve­ni­enz­for­schung, Kunst- und Kul­tur­gut­schutz­recht an der Uni­ver­si­tät Bonn ver­gibt zum 1. De­zem­ber 2020 ein Pro­mo­ti­onss­ti­pen­di­um im Be­reich Pro­ve­ni­enz­for­schung.

Das Pro­mo­ti­ons­vor­ha­ben soll­te in der Pro­ve­ni­enz­for­schung oder in an­gren­zen­den The­men­be­rei­chen wie For­schun­gen zum Kunst- und Kul­tur­gü­ter­markt oder zur Ge­schich­te des Sam­melns an­ge­sie­delt sein und ei­nen en­gen the­ma­ti­schen Be­zug zum Bun­des­land Nord­rhein-West­fa­len bein­hal­ten.

Das Sti­pen­di­um in Hö­he von 1.400,- € mo­nat­lich steht für ins­ge­samt 3 Jah­re zur Ver­fü­gung und wird vom Mi­nis­te­ri­um für Kul­tur und Wis­sen­schaft des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len ge­för­dert.

Vor­aus­set­zung für die Be­wer­bung ist ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um (Ma­gis­ter, Mas­ter), zum Bei­spiel in den Fä­chern Kunst­ge­schich­te, Ge­schich­te oder Eth­no­lo­gie.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen

Kolloquium Provenienzforschung: Vortrag von Michael Franz – 2000 – 2020: 20 Jahre Lost Art im Spannungsfeld zwischen Recht und Ethik

Anfang: 21.09.2020
Ort: ausschließlich online
Veranstalter: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Kooperation mit CARMAH (Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage)

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt in Ko­ope­ra­ti­on mit CAR­MAH (Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge) zur Ver­an­stal­tungs­rei­he „Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung“ des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te ein. Am Mon­tag, dem 21. Sep­tem­ber 2020, um 18 Uhr hält Mi­cha­el Franz (Lei­ter Fach­be­reich Grund­satz und Ver­wal­tung, Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te) ei­nen Vor­trag zum The­ma: „2000 – 2020: 20 Jah­re Lost Art im Span­nungs­feld zwi­schen Recht und Ethik“.

Vor­trags­ab­stract: In Um­set­zung der „Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en“ von 1998 und der „Ge­mein­sa­men Er­klä­rung“ von 1999 wur­de vor 20 Jah­ren die Lost Art – Da­ten­bank on­line ge­schal­tet. Der Vor­trag in­for­miert auch an­hand prak­ti­scher Bei­spie­le über das Span­nungs­feld zwi­schen Recht und Ethik, in dem sich Lost Art seit­dem be­wegt. Da­bei wird un­ter an­de­rem deut­lich, dass sich Lost Art in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren ste­tig wei­ter ent­wi­ckelt hat, um kon­ti­nu­ier­lich Do­ku­men­ta­ti­on und in­ter­na­tio­na­le Trans­pa­renz zu rea­li­sie­ren.

Die Ver­an­stal­tung fin­det auf­grund der Co­ro­na-Pan­de­mie als Vi­deo­kon­fe­renz statt. Die Teil­nah­me an der Ver­an­stal­tung ist kos­ten­frei. Auf­grund der be­grenz­ten Ka­pa­zi­tät ist die Teil­nah­me je­doch nur nach vor­he­ri­ger An­mel­dung bis zum 18.09.2020 mög­lich.
Nach er­folg­ter An­mel­dung er­hal­ten die Teil­neh­mer am Tag der Ver­an­stal­tung die Zu­gangs­da­ten zur Kon­fe­renz, wel­che mit dem An­bie­ter WebEx durch­ge­führt wird.

An­mel­dun­gen an:

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Jo­se­fi­ne Han­nig
Ver­an­stal­tun­gen
Hum­boldt­stra­ße 12
39112 Mag­de­burg
Te­le­fon+49 (0) 391 727 763 23
Te­le­fax+49 (0)391 727 763 6
E-Mailjo­se­fi­ne.han­nig@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen kön­nen dem bei­ge­füg­ten Flyer ent­nom­men wer­den.

 

Leitfaden zur Provenienzforschung liegt jetzt auch in englischer Sprache vor

01.09.2020

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat 2019 ge­mein­sam mit fünf Part­nern ei­nen Leit­fa­den zur Pro­ve­ni­enz­for­schung für Kul­tur­gut ver­öf­fent­licht, das wäh­rend der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­de. Die­ser liegt nun auch in eng­li­scher Über­set­zung vor.

Der ers­te Leit­fa­den Pro­ve­ni­enz­for­schung zur Iden­ti­fi­zie­rung von NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut ist als pra­xis­ori­en­tier­ter Werk­zeug­kas­ten für Mit­ar­bei­ter:in­nen von Mu­se­en, Bi­blio­the­ken und Ar­chi­ven, für den Kunst- und An­ti­qua­ri­ats­han­del und auch für pri­va­te Samm­lun­gen kon­zi­piert und kon­zen­triert sich auf die Re­cher­che in Deutsch­land. Wer Zwei­fel an der Pro­ve­ni­enz von Kul­tur­gü­tern in ei­ge­nen Be­stän­den hat – egal, ob Ge­mäl­de, Skulp­tur, Buch, Mün­ze, Por­zel­lan, Gra­fik oder Sil­ber­be­steck – fin­det im Leit­fa­den das nö­ti­ge In­stru­men­ta­ri­um: prak­ti­sche Hin­wei­se, Fall­bei­spie­le so­wie al­le wich­ti­gen Adres­sen, Quel­len und In­ter­net­zu­gän­ge.

Die Pu­bli­ka­ti­on ist in sechs Ka­pi­tel un­ter­glie­dert: Die Span­ne der The­men reicht vom his­to­ri­schen Kon­text über Her­an­ge­hens­wei­sen, Pla­nung und Me­tho­dik von Pro­ve­ni­enz­for­schung bis zur Er­mitt­lung von An­spruchs­be­rech­tig­ten. Der Leit­fa­den ver­mit­telt po­li­ti­sche, recht­li­che und ethi­sche Grund­la­gen, gibt aber auch In­for­ma­tio­nen zu In­sti­tu­tio­nen und Ver­net­zung in­ner­halb der Pro­ve­ni­enz­for­schung.

Der Leit­fa­den ist ein Ge­mein­schafts­werk, das – ne­ben dem Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te – fünf wei­te­re Part­ner er­ar­bei­tet ha­ben:

·         Ar­beits­kreis Pro­ve­ni­enz­for­schung e. V.,

·         Ar­beits­kreis Pro­ve­ni­enz­for­schung und Re­sti­tu­ti­on – Bi­blio­the­ken,

·         Deut­scher Bi­blio­theks­ver­band e. V.,

·         Deut­scher Mu­se­ums­bund e. V.,

·         ICOM Deutsch­land e. V.

Die Au­tor:in­nen des Ban­des ha­ben an der wis­sen­schaft­li­chen, me­tho­di­schen und prak­ti­schen Ent­wick­lung des Fel­des in den letz­ten Jah­ren ent­schei­den­den An­teil ge­habt.

Der Leit­fa­den kann auf der Sei­te www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de/leit­fa­den her­un­ter­ge­la­den wer­den, die eng­li­sche Ver­si­on hier: www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de/ma­nu­al

Bis 11. September: Bewerbung für Masterstudiengang “Provenienzforschung und Geschichte des Sammelns”

19.08.2020

Die zwei­te Be­wer­bungs­pha­se für den Mas­ter­stu­dien­gang “Pro­ve­ni­enz­for­schung und Ge­schich­te des Sam­melns” an der Uni­ver­si­tät Bonn hat be­gon­nen: Noch bis zum 11. Sep­tem­ber 2020 kön­nen sich In­ter­es­sier­te für das Win­ter­se­mes­ter 2020/21 be­wer­ben.

Der Mas­ter­stu­dien­gang hat sich zum Ziel ge­setzt, Stu­die­ren­de für die­sen dy­na­mi­schen For­schungs­be­reich zu qua­li­fi­zie­ren. Pro­ve­ni­enz­for­schung wird hier als epo­chen­über­grei­fen­de, trans­dis­zi­pli­näre Kon­text­for­schung ver­stan­den, die die Viel­schich­tig­keit der Wer­te auf­zeigt, die Kunst und Kul­tur­gü­tern in ver­schie­de­nen Ge­sell­schaf­ten, so­zia­len Kon­stel­la­tio­nen und auch von In­di­vi­du­en zu­ge­spro­chen wer­den. Eng ver­bun­den ist da­mit die Ge­schich­te des pri­va­ten und in­sti­tu­tio­nel­len Sam­melns, die ei­nen wei­te­ren Schwer­punkt des Stu­dien­gangs bil­det. Die Lehr­ver­an­stal­tun­gen neh­men al­le Epo­chen und eu­ro­päi­sche wie auch au­ßer­eu­ro­päi­sche Re­gio­nen in den Blick.

Der Pflicht­be­reich des Stu­dien­gangs setzt sich aus Mo­du­len im Be­reich Kunst­ge­schich­te und im Be­reich Rechts­wis­sen­schaf­ten zu­sam­men. Zen­tral für den Stu­dien­gang ist das Mo­dul »Pro­ve­ni­enz­for­schung in der Pra­xis«, das ei­ne mehr­tä­gi­ge Ex­kur­si­on, die Mög­lich­keit für ein mehr­wö­chi­ges Prak­ti­kum so­wie ei­ne prak­ti­sche Übung in Ko­ope­ra­ti­on mit Part­ner­in­sti­tu­tio­nen um­fasst. Zu­gangs­vor­aus­set­zung ist ein ers­ter be­rufs­qua­li­fi­zie­ren­der Hoch­schul­ab­schluss in Kunst­ge­schich­te oder in ei­nem ver­wand­ten Fach mit min­des­tens 60 Leis­tungs­punk­ten im Fach Kunst­ge­schich­te.

Der im Fach Kunst­ge­schich­te an­ge­sie­del­te Stu­dien­gang wird von der im Jahr 2018 ein­ge­rich­te­ten trans­dis­zi­pli­nären For­schungs­stel­le Pro­ve­ni­enz­for­schung, Kunst- und Kul­tur­gut­schutz­recht an­ge­bo­ten. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ar­bei­tet eng mit die­sem Kom­pe­tenz­zen­trum der Uni­ver­si­tät Bonn zu­sam­men.

Mas­ter “Pro­ve­ni­enz­for­schung und Ge­schich­te des Sam­melns”

Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland startet

Die bei der Kulturstiftung der Länder angesiedelte Kontaktstelle ist die neue zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland.


Dazu Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder und Leiter der Kontaktstelle: „Mit der Einrichtung der Kontaktstelle haben Bund, Länder und Kommunen eine wichtige Voraussetzung für den partnerschaftlichen Dialog mit Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften über den verantwortungsvollen Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten geschaffen. Dies stellt die Entschlossenheit aller Beteiligten bei der gemeinsamen Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte als Teil unserer gesellschaftlichen Erinnerungskultur unter Beweis.“


Die Kontaktstelle richtet sich insbesondere an Personen und Institutionen aus den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften. Als erste Anlaufstelle soll sie den Zugang zu Informationen über Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland eröffnen. Zudem soll sie Beratung auch für Einrichtungen in Deutschland anbieten und die relevanten Akteure miteinander vernetzen.


Die Kulturstiftung der Länder ist administrativer und organisatorischer Träger der Kontaktstelle. Verbundpartner sind das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanzierte Deutsche Zentrum Kulturgutverluste, die vom Auswärtigen Amt finanzierte Agentur für Internationale Museumskooperation (bis zu deren Errichtung zunächst das Auswärtige Amt) sowie die kommunalen Spitzenverbände.


Als zentrales Steuerungs- und Aufsichtsgremium legt die Bund-Länder AG „Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ die inhaltlichen Schwerpunkte und strategischen Ziele der Kontaktstelle fest. In dieser Bund-Länder AG arbeiten die Länder, das Auswärtige Amt, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die kommunalen Spitzenverbände, der Deutsche Museumsbund sowie das Deutsche Nationalkomitee des Internationalen Museumsrates ICOM zusammen.


Die Errichtung der Kontaktstelle geht zurück auf einen Beschluss von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden: Am 13. März 2019 hatten sich die Staatsministerin für Kultur und Medien, die Staatsministerin im Auswärtigen Amt für internationale Kulturpolitik, die Kulturministerinnen und Kulturminister der Länder und die kommunalen Spitzenverbände auf „Erste Eckpunkte zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ verständigt.


Die gemeinsam getragene Kontaktstelle ist zunächst als Pilotprojekt angelegt. Sie ist mit drei Personalstellen ausgestattet und wird mit insgesamt 1,185 Millionen Euro über drei Jahre zur einen Hälfte von den Ländern und zur anderen Hälfte von dem Auswärtigen Amt sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert.

Weitere Informationen zur Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland: https://www.kulturstiftung.de/kontaktstelle-sammlungsgut-aus-kolonialen-kontexten/


Die Webseite der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten finden Sie unter www.cp3c.de


Die Kulturstiftung der Länder entwickelt, fördert und begleitet im Auftrag der 16 deutschen Länder Initiativen und Projekte in den Bereichen Kunst und Kultur, die für ganz Deutschland bedeutsam sind und im Zusammenwirken mehrerer Partner umgesetzt werden. Die Kulturstiftung der Länder stellt die gesellschaftliche Bedeutung von Kultur in den Vordergrund. Dabei versteht sie unter Kultur die Gesamtheit der kulturellen Ausdrucksformen – materiell und immateriell –, die Menschen in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt hervorbringen, um Ideen und Werte auszudrücken und ihren Platz in dieser Welt zu bestimmen. Die Kulturstiftung der Länder will die kulturelle Teilhabe möglichst vieler Menschen erhöhen. Zu ihren wichtigsten Aufgaben zählen die Erwerbung, der Erhalt, die Dokumentation und die Präsentation und Vermittlung von Kulturgut. Sie wollen mehr erfahren? Besuchen Sie uns auf www.kulturstiftung.de und auf den sozialen Medien: Twitter @LaenderKultur, Facebook „Kulturstiftung der Länder“, Instagram @kulturstiftungderlaender und YouTube „Kulturstiftung der Länder“. Die Podcasts der Kulturstiftung der Länder finden Sie auf Spotify und iTunes.


Hans-Georg Moek, Leiter Kommunikation
Tel +49 (0)30 / 89 36 35 29,
Kulturstiftung der Länder
Lützowplatz 9, 10785 Berlin
www.kulturstiftung.de

CfP: Die Museen und der französische Kunstmarkt

Digitale Konferenz: „Die Museen und der französische Kunstmarkt während der deutschen Besatzung“

Während des Zweiten Weltkriegs deckte sich nicht nur die NS-Elite wie Hitler, Göring oder Ribbentrop im besetzten Paris mit Kunst für ihre Sammlungen ein, sondern auch viele Museen tätigten hier Erwerbungen. Denn dank des vorteilhaften Wechselkurses und eines großen Angebots qualitätsvoller, zum Teil aus beschlagnahmtem jüdischem Besitz stammender Objekte, bot der dortige Markt außergewöhnlich günstige Bedingungen, von denen auch sie profitieren wollten. So wählten viele Museumsdirektoren und Sammlungsleiter direkt vor Ort Kunstwerke zum Ankauf aus oder erwarben sie indirekt über deutsche Kunsthändler. Teilweise agierten dafür mehrere Museen einer Stadt oder Region gemeinsam. Die Museen zählen damit zu den wichtigsten Akteuren auf dem Pariser Kunstmarkt und trugen maßgeblich zu dessen Dynamisierung während der Besatzung bei.

Nach dem Krieg erwirkte die französische Regierung mit dem Verweis auf die “London Declaration“ von 1943, die alle Eigentumsübertragungen an Deutsche während der Besatzung für ungültig erklärte, die Rückgabe dieser Erwerbungen. So gelangte ein Großteil der Kunstwerke wieder nach Frankreich, wo sich viele davon heute im sogenannten MNR-Bestand (Musées Nationaux Récupération) in Nationalmuseen befinden. Seit einigen Jahren werden die Provenienzen dieser lange Zeit vergessenen Werke erforscht, wodurch zahlreiche von ihnen inzwischen restituiert werden konnten. Doch auch in deutschen Museen befinden sich noch einzelne Objekte, die während des Krieges auf dem Pariser Kunstmarkt angekauft wurden oder nach dem Krieg über Umwege in ihre Sammlungen gelangten und deren Provenienzen sich im Rahmen von Einzeluntersuchungen oftmals nicht genau rekonstruieren lassen. Eine offene Frage der Forschung ist zudem, welche Objekte die französischen Museen selbst während der Besatzung angekauft haben und woher diese stammen.

Ziel des Workshops ist es, die in den letzten Jahren im Rahmen der Provenienzforschung an deutschen, österreichischen, schweizer und französischen Museen sowie in sammlungs- und personengeschichtlichen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse zu Erwerbungen im besetzten Frankreich systematisch und transnational zusammenzutragen. So sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Aktivitäten von Museen auf dem Pariser Kunstmarkt während der Okkupation vergleichend betrachtet werden, um die Erwerbungsstrategien und Marktmechanismen besser verstehen zu können. Neben den Umständen, unter denen diese Translokationen stattfanden, gilt es ebenso, den Umgang mit diesen Objekten nach dem Zweiten Weltkrieg in den verschiedenen Ländern und die damit verbundenen Diskurse zu beleuchten.

Beiträge können u.a. folgende Themen behandeln:

– Ankaufs- und Sammlungsstrategien von Museen
– Überschneidung von Kunstraub und Kunsthandel
– Kunstmarktentwicklung während der Besatzungszeit und die Rolle der deutschen Besatzungsbehörde für dessen Regulierung
– Finanzierung, Genehmigung und Transport der Ankäufe
– Deutsche und französische Akteure (Händler, Museumsdirektoren, Funktionäre) und ihre Netzwerke auf dem Pariser Kunstmarkt
– Umgang mit den Erwerbungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg

Ursprünglich als Veranstaltung in Berlin geplant, wird die Konferenz als Reaktion auf die Corona-Epidemie am 8./9. Oktober 2020 nun digital stattfinden. Ein angepasstes Konzept ist unter Berücksichtigung der aktuellen Erfahrungen des virtuellen Arbeitsumfeldes in Vorbereitung und wird den TeilnehmerInnen rechtzeitig bekanntgegeben. Wir sehen in diesem neuen digitalen Format auch eine Chance, die Beiträge einem größeren Publikum zugänglich zu machen, und gemeinsam aus der Krise heraus neue innovative Wege für den länderübergreifenden Wissenschaftsaustausch zu entwickeln. Eine spätere Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.

Wir bitten um die Einsendung von Beitragsvorschlägen für 20-minütige Vorträge in einem Umfang von 300 Worten sowie einem kurzen Lebenslauf bis zum 30. Juni 2020 an und . Die Exposés können auf Deutsch, Englisch oder Französisch eingereicht werden.

CfP: Möglichkeiten, Herausforderungen und Konsequenzen der Digitalisierung von Museumssammlungen

Digitale Sammlungen sind inzwischen weit verbreitet. Zahlreiche Museen haben einen Großteil ihrer Objekte digitalisiert oder sind dabei, dies zu tun; spezielle Förderformate v. a. des BMBF haben universitäre Institute ermutigt, Sammlungen zu digitalisieren. Allerdings stellen Fragen der Bewertung dieses Prozesses wie auch die praktische Umsetzung Museen und universitäre Institute weiterhin vor Herausforderungen, die von der dafür erforderlichen zusätzlichen Arbeitsleistung über die Nutzungsdauer von Digitalisaten, der nachhaltigen Nutzung von Onlineportalen bis hin zu rechtlichen Aspekten und solchen der epistemologischen Konsequenzen reichen.
Ethnologische Museen und Universitätsinstitute mit ethnologischen Sammlungen stehen dabei vor ganz besonderen Erwartungshaltungen unterschiedlichster Akteure. Da diese Sammlungen oftmals in kolonialen Kontexten entstanden sind, werden sie heute zunehmend in Restitutionsdebatten eingebunden. Bieten Digitalisierungen neue Optionen der Rückkehr von Objekten an den Ort und in den Zusammenhang ihrer Entstehung, bei denen die ‚Originale‘ noch nicht einmal das Depot oder den Ausstellungsraum verlassen müssten? Entspricht eine solche Praxis der postkolonialen Agenda ethnologischer Museen und Sammlungen? Wie verhalten sich Aspekte der Materialität und Immaterialität digitaler Objekte zu Forderungen nach Zugriffsmöglichkeit der Urheber? Bieten weltweite Zugänglichkeit und das Aufbrechen visueller Ökonomien neue Chancen für eine Dezentralisierung und Zirkulation von Sammlungen? Oder zementieren im globalen Norden standardisierte Daten(bank)formate (neo-)koloniale Strukturen im Museum? Welche Rolle spielen online zugängliche ethnologische Sammlungen in der Provenienzforschung? Wie werden Fragen der Aura, der Unikate und des didaktischen Potentials im Licht der neuen Möglichkeiten beurteilt?

Die AG Museum und die AG Materielle Kultur stellen diese Fragen ins Zentrum der Tagung, die am 10. und 11. September in Köln und Bonn stattfinden wird.

Wir freuen uns auf Beiträge, die sich mit der Digitalisierung ethnologischer Museums- und universitärer Sammlungen auseinandersetzen und ihre Chancen und Probleme analysieren. Insbesondere sollen Aspekte der Digitalisierung (Materialität/Immaterialität, Original/Kopie, Musealisierung als Fetischisierung, technische Probleme, Handlungspraktiken und Transformationen in den Institutionen, Kontinuität von Projekten, Messung ihres Nutzens) und der Besonderheiten ethnologischer Sammlungen (Heterogenität der ‚Objekte‘; Berücksichtigung postkolonialer Agenden, Taxonomien und ‚secret/sacred‘ Bestände; digital return/repatriation, digital gap) sowie möglicherweise die Frage nach einem Code of Ethics für die Digitalisierung diskutiert werden.

Volontariat Provenienzforschung (m/w/d) am RJM Köln

Am Rautenstrauch-Joest-Museum, einem Museum der Stadt Köln, ist ab dem 1.7.2020 die Stelle einer/eines Volontärin beziehungsweise Volontärs (m/w/d) befristet auf zwei Jahre zu besetzen.

Das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) nimmt in Nordrhein-Westfalen bis heute eine Sonderstellung ein: Als einzige öffentliche Institution seiner Art
widmet es sich seit nunmehr über einhundert Jahren mit einem breit gefächertem Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm der Vermittlung von Aspekten außereuropäischer Geschichte, Kultur und Kunst.

Das Volontariat ist in das innovative Förderprogramm „Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW“ eingebettet, mit dem das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen seit diesem Jahr Kunst- und Kulturmuseen in ihren Kernaufgaben – dem Sammeln, Bewahren und Erforschen – unterstützt. Zu diesem Zweck stärkt das Programm einerseits das individuelle Profil der beteiligten Museen und unterstützt andererseits die wissenschaftliche Ausbildung junger Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern am Museum sowie ihre Vernetzung innerhalb der ‚scientific community‘.
Ein wissenschaftliches Begleitprogramm, organisiert und realisiert durch die Projektleitung und -koordination am Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, ermöglicht den Volontärinnen und Volontären den Austausch untereinander sowie die aktive Teilnahme an aktuellen Museums- und Forschungsdiskursen. Die Teilnahme daran wird ausdrücklich erwünscht und unterstützt.

DAS AUFGABENGEBIET UMFASST IM WESENTLICHEN:
– Eigenständige Forschungsarbeit zur Überprüfung und Ergänzung des
bisherigen Kenntnisstands zu Sammlungsprovenienzen und -geschichte im
RJM
– Aufbereitung der erarbeiteten Forschungsergebnisse und Eingabe in die
Datenbank
– Entwicklung und schriftliche Ausarbeitung eines Konzepts zur
systematischen Erschließung der Provenienzen des Gesamtbestandes mit
Empfehlungen für die nächsten Schritte (Priorisierung für Tiefenforschung,
Kooperation mit Herkunftsgesellschaften, Austausch mit anderen Museen,
hausinternes Vermittlungskonzept) im Austausch mit der Direktion und der
Koordinatorin für Provenienzforschung

WIR ERWARTEN VON IHNEN:
Vorausgesetzt wird (Muss-Kriterium):
Ein abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium (Magister, Master oder gleichwertig) der Kultur- und Sozialanthropologie (Ethnologie), Geschichte, Kunstgeschichte oder einem anderen für den Forschungskontext relevanten Fach

Darüber sollten Sie verfügen:
– Erfahrungen und Vorkenntnisse in der Archivrecherche,
Quellenerschließung und Quellendokumentation
– Kenntnisse aktueller Debatten zu Provenienzforschung und
Dekolonisierung ethnologischer Sammlungen
– Sicherer Umgang mit den gängigen MS Office-Anwendungen
– Sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift sowie gute Englischkenntnisse, Kenntnisse einer weiteren für die Forschungsarbeit relevanten Sprache (Französisch, Spanisch oder Arabisch)
– Kenntnisse im oder Bereitschaft zum Lesen alter Handschriften
– Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und strukturierte Arbeitsweise

WIR BIETEN IHNEN:
– Einen Arbeitsort, an dem postkoloniale Theorieperspektiven und
dekolonisierende, zeitgenössische Museumspraktiken erwünscht sind
– Eine Tätigkeit in einem zentralen Forschungsfeld für die Neupositionierung ethnologischer Museen

Die Vergütung entspricht 50 % der Entgeltgruppe 13 TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst). Die Eingruppierung erfolgt gemäß den tariflichen
Regelungen befristet auf 2 Jahre.
Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 39 Stunden.

IHRE BEWERBUNG:
Weitere Auskunft erteilt: Dr. Oliver Lueb, wissenschaftlicher Leiter und stellvertretender Direktor, Telefon 0221 / 221-31303

Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen (neben dem Anschreiben und Lebenslauf, Abitur- und Hochschulzeugnis, alle Zeugnisse über Ihren beruflichen Werdegang) senden Sie bitte bis zum 15.06.2020 an:
Rautenstrauch-Joest-Museum
Frau Nicole Golombek
Leonhard-Tietz-Str. 10, 50676 Köln

Die Stadt Köln fördert die Gleichstellung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und begrüßt deshalb Bewerbungen von allen Personen, unabhängig von deren ethnischer, kultureller oder sozialer Herkunft, Alter, Religion, Weltanschauung, Behinderung oder sexueller Identität.
Die Stadt Köln hat sich selbst verpflichtet, den Anteil von Frauen in Leitungsfunktionen und unterrepräsentierten Berufsbereichen zu erhöhen. Frauen sind deshalb ausdrücklich angesprochen und gebeten, sich zu bewerben.
Zudem sollen sich die individuellen Arbeitszeitwünsche von Männern und Frauen mit Familienpflichten in allen Ebenen wiederfinden.
Die Stadt Köln ist Trägerin des Prädikats TOTAL E-QUALITY – Engagement für Chancengleichheit von Frauen und Männern sowie des Zusatzprädikats DIVERSITY. Schwerbehinderte und gleichgestellte Bewerberinnen und Bewerber werden bei gleicher Eignung besonders berücksichtigt.

Die vollständige Stellenausschreibung als pdf finden Sie hier: RJM_Volontariat_Provenienzforschung

Gilbert Lupfer wird neuer hauptamtlicher Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste

15.05.2020

Der Kunst­his­to­ri­ker Prof. Dr. Gil­bert Lup­fer wird zum 15. Mai 2020 haupt­amt­li­cher Vor­stand des Deut-schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te. Er löst da­mit auf Be­schluss des Stif­tungs­rats Rü­di­ger Hüt­te ab, der sei­ne Amts­zeit ver­ein­ba­rungs­ge­mäß nach fünf Jah­ren be­en­det. Gil­bert Lup­fer, der zu­vor be­reits eh­ren­amt­li­cher wis­sen­schaft­li­cher Vor­stand der Stif­tung ge­we­sen war, ist da­mit nun al­lei­ni­ger Vor­stand.

Pres­se­mit­tei­lung (PDF, 116 KB)

Full-time Research and Data Engineer for the creation of the Digital Benin online platform

The Museum am Rothenbaum (foundation under public law)is hiring a Full-time Research and Data Engineer for the creation of the Digital Benin online platform for the duration of two years at the earliest possible date

The Museum am Rothenbaum promotes the appreciation of world cultures and arts. It is concerned with contemporary social debates centred on issues such as colonial heritage, living together in a globalised society and opening museums to a broader public. As a museum with world-encompassing collections and related archives, it is currently developing an innovative programme of exhibitions and events and focussing its research on the intertwined histories and the transcultural forms of creativity represented by the collections.

Within the framework of the project Digital Benin. Reconnecting Royal Art Treasures, financed by the Ernst von Siemens Kunststiftung, the MARKK is opening an international project office to bring together digitally information about the globally scatteredworks of art from the former Kingdom of Benin. As an unparalleled forum of knowledge about these pieces, Digital Benin will, within the next two years, associate object data with diverse forms of documentation from collections worldwide, thus providing the long-sought overview of the court artworks looted in the 19th century. The aim is to create a thorough and sustainable inventory catalogue of the history, cultural significance and provenance of the works. The project lead by German, Nigerian, European and American experts is financed by the Ernst von Siemens Kunststiftung. The launch of the website is planned for 2022.

Responsibilities and tasks include:

  • Overall coordination of the digital project in close cooperation with the Digital Humanities Team and the leading core team of the project as well as the MARKK
  • Researching and obtaining data on Benin’s object, archive and photographic holdings of institutions worldwide and maintaining the corresponding communication
  • Close cooperation with the Nigerian project staff and support in theprocessing of their research results and surveys, including working trips to Nigeria
  • Preparation and standardisation of the data collected, coordination, possible entry into the database in close consultation and cooperation with the technical data developer to prepare the online publication.
  • Supervision/administration of the project budgetRequirements:
  • University degree (preferably doctorate) in social and cultural anthropology (ethnology), global art history, global history, or African studies. Ideally with research experience on art/culture/history of the Kingdom of Benin.
  • Experience in working with databases
  • Experience in object and archive research
  • Working experience in research projects
  • Interest in Digital Humanitiesand experience in digital communication. Familiarity with processes of digital cataloguing of collections, starting from multiple user perspectives
  • Confident handling of common office applications; knowledge of technical concepts such as markup, JSON,etc. desirable
  • Excellent communication and teamwork skills
  • Excellent written and spoken English and German language skills

We are offering:

  • A salary in accordance with EG 13 TV-AVH (Hamburg city’s remuneration plan)
  • A varied and future oriented participation in an exemplaryDigital Humanities project. Work in a diverse team during a crucial period of restructuring and repositioning of the museum.
  • a contribution to the HVV-Profi-Card

The Museum am Rothenbaum welcomes applications from people of all nationalities, from People of Color and applicants with a refugee or family migration history. Applicants with disability will be given priority if they are equally suitable (the location is only partially accessible).

Please send your written application with cover letter and curriculum vitae as a single PDF file by email to (please note the possible maximum data size of 20 MB) or by post to the Museum am Rothenbaum, attn. Ms. Lapidus, Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg, Germany, until 24.06.2020.

If you have any questions, please contact the director Prof.Dr. Barbara Plankensteiner, Tel. 040 428879-501

We would like to point out that we do not return application documents. If you wish to receive them back, please enclose a stamped and self-addressed envelope.