NS-Raubgut unter den Erwerbungen der Herzog August Bibliothek

Nach fünf Jahren ist die systematische Überprüfung der Bestände der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel (HAB) auf mögliche NS-Raubgut-Sachverhalte abgeschlossen. In den letzten Monaten der zweiten Projektphase konnten drei weitere als NS-Raubgut identifizierte Bücher restituiert werden. Auch nach Ende des Projekts bleibt die NS-Provenienzforschung ein fortlaufender Auftrag der Herzog August Bibliothek. 

Mit zwei vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekten folgte die HAB den internationalen und nationalen Vereinbarungen zur Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut. In einer ersten Projektphase (2020-2022) prüfte die HAB ihre antiquarischen Zugänge seit 1969. Die zweite Projektphase (seit 2022) konzentrierte sich auf die Auswertung der Zugangsbücher aus der NS-Zeit und den unmittelbaren Nachkriegsjahren. 

Ergebnisse und Restitutionen

Die Überprüfung der antiquarischen Zugänge im Hauptbestand ist abgeschlossen. Darüber hinaus  wurden zwei Sondersammlungen untersucht. Diese Recherchen führten insgesamt zur Restitution von 20 Bänden. Zuletzt wurden drei Bücher an die Erbberechtigten nach Rudolf Mosse und Richard Spanjer-Herford restituiert. Der Band „Schule und Jugendkultur“ von Gustav Wyneken (Jena 1913) aus dem Eigentum des Braunschweiger Arztes Richard Spanjer-Herford (1888–1964) kam 1955 in den Bestand der HAB und wurde im Oktober 2025 an die Erbberechtigten restituiert. Von den Nationalsozialisten als jüdisch verfolgt, war Spanjer-Herford nach 1933 zunehmenden Repressionen ausgesetzt. 1938 wurde ihm die Approbation entzogen. Im selben Jahr floh er mit seiner Frau Caecilie und den drei Kindern nach Palästina. Er verstarb 1964 in Israel. 

Zwei literaturwissenschaftliche Werke über Friedrich Hölderlin aus dem Eigentum des Verlegers Rudolf Mosse wurden an die Erb:innen seiner Adoptivtochter Felicia Lachmann-Mosse restituiert: „Friedrich Hölderlin in seinen Beziehungen zu Homburg vor der Höhe“ von Ernst Kelchner (Homburg, 1883) und „Die Jugenddichtung Friedrich Hölderlins“ von Rudolf Grosch (Berlin, 1899). Die Familie Mosse war sowohl politisch als auch als jüdisch verfolgt und floh bereits 1933 aus dem Deutschen Reich. Die beiden Bände waren nachweislich Teil ihrer 1934 im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung und „Arisierung“ liquidierten Bibliothek und wurden im Dezember 2025 restituiert.

Dokumentation und Ausblick

Alle Rechercheergebnisse wurden kontinuierlich im Bibliothekskatalog der Herzog August Bibliothek sowie im Rahmen des Verbundkatalogs K10plus dokumentiert. Als NS-Raubgut identifizierte Objekte oder solche, bei denen sich ein fundierter NS-Raubgut-Verdacht nicht sicher ausschließen ließ, wurden im Bibliothekskatalog gesondert gekennzeichnet und an die Lost Art-Datenbank gemeldet. Weitere Informationen bieten unter anderem das ProvenienzWiki des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds und die Forschungsdatenbank Proveana des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. Nach erfolgter Restitution und in Abstimmung mit den Rechtsnachfolger:innen wurden Einzelfalldossiers zu den betroffenen Bänden und Provenienzen im Forschungsdatenrepositorium der Herzog August Bibliothek publiziert.

Mit dem Abschluss des Projekts endet die NS-Provenienzforschung an der Herzog August Bibliothek nicht: Die Prüfung der Besitzgeschichte antiquarischer Erwerbungen ist dauerhaft in der Erwerbungspraxis verankert und erfolgt sowohl vor dem Ankauf als auch vor der Inventarisierung und Einarbeitung in den Bestand. Die Ergebnisse der beiden Projektphasen unterstreichen die Notwendigkeit dieses Vorgehens.

Zu den geförderten Projekten:
NS-Raubgut unter den antiquarischen Erwerbungen der Herzog August Bibliothek seit 1969 (Oktober 2020 bis November 2022)
NS-Raubgut unter den Zugängen der Herzog August Bibliothek 1933–1969 (Dezember 2022 bis Dezember 2025)

Call for Papers Fachtagung Provenienzforschung Technisches Kulturgut 14.–15.10.2026 am Deutschen Optischen Museum in Jena

Call-for-Papers: Fachtagung zur Provenienzforschung im Bereich Technisches Kulturgut

Vom 14. bis 15. Oktober 2026 findet die 5. Fachtagung Provenienzforschung Technisches Kulturgut „Handeln, Sammeln und Wissenstransfer. Wissenschaftliche Instrumente und Zeitmessgeräte“ als hybride Veranstaltung am Deutschen Optischen Museum in Jena statt. Beiträge und Forschungsfälle zu Objekten aus Gewalt-, Entzugs- und Sammelkontexten des europäischen Kolonialismus, NS-Unrechts- und -Entzugskontexte, Kulturgutentzug in der SBZ und der DDR sowie Kriegs- und Verlagerungskontexten werden bevorzugt betrachtet. Den Referentinnen und Referenten stehen je 20 Minuten Rede- und 10 Minuten Diskussionszeit zur Verfügung. Senden Sie Ihr Exposé (max. 300 Wörter) sowie Ihre Kurzvita (max. 250 Wörter) an Dr. des. Ron Hellfritzsch, E-Mail:  , oder an Dr. Sören Groß, Mail:   .

Einreichungsfrist: 18. Mai 2026

Link: https://deutsches-optisches-museum.de/neuigkeiten/call-for-papers-fachtagung-provenienzforschung-technisches-kulturgut-2026

Die Beiträge der Tagung werden in Band 5 der Sammelbandreihe “Technisches Kulturgut” veröffentlicht (Leseprobe).

Weitere Informationen finden Sie ebenfalls hier: CfP_Tagung_Technisches_Kulturgut_DOM_2026__Deutsch

„Nachgefragt – Unrecht gesammelt?“

Woher kommen eigentlich die Objekte, die Museen ausstellen? Wem haben diese Dinge einmal gehört? Wie sind sie ins Museum gelangt?  Diesen Fragen widmet sich die Sonderausstellung. ‚Nachgefragt‘. Die Ausstellung beschäftigt sich mit Fragen der Provenienzforschung, also der Herkunftsgeschichte von Objekten in Museen und Sammlungen Südniedersachsens.

Ein Kleiderbügel, eine Brille, ein ausgestopfter Vogel. ‚Nachgefragt‘ zeigt viele alltägliche Gegenstände, die auf den ersten Blick unscheinbar und im musealen Kontext zunächst deplatziert wirken. Doch hinter diesen alltäglichen Dingen verbergen sich bewegende Schicksale. Sie gehörten Menschen, denen sie während des Nationalsozialismus unrechtmäßig entzogen wurden – weil sie Jüdinnen und Juden, Freimaurer, Mitglieder der Arbeiterbewegung oder Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren. Manche Objekte gelangten als sogenanntes „Feindmaterial“ direkt in Museumssammlungen, andere über verschlungene Wege, Auktionen oder Nachlässe.

Auch sogenannte Human Remains, menschliche Überreste, aus den ehemaligen deutschen Kolonien und ethnologische Objekte, die über Tierfänger und Händler bis weit ins 20. Jahrhundert nach Südniedersachsen gelangten sind Teil der Ausstellung. Viele dieser Dinge sind aus heutiger Perspektive unrechtmäßig in Museen gelangt.

Besonderes Augenmerk liegt auf den Menschen hinter den im Forum Wissen präsentierten Objekten: ihren Biografien, ihre Verluste und ihre Erinnerungen. Illustrationen der Kasseler Künstlerin Melanie Lüdtke eröffnen neue Perspektiven zu den Personen, denen die gezeigten Dinge gehört haben und von denen oft nur wenige Spuren geblieben sind.

Wie können wir heute verantwortungsvoll mit diesen Objekten in musealen Sammlungen umgehen? Wie kontextualisieren Forscher*innen diese Spuren? Welche Wege gibt es, Verantwortung für das begangene Unrecht früherer Generationen zu übernehmen – etwa durch die Rückgabe menschlicher Überreste an ihre Ursprungsgesellschaften oder die Aufarbeitung kolonialer und nationalsozialistischer Sammlungsgeschichten? Die aktuelle Sonderausstellung möchte dazu anregen, sich diesen Fragen zu widmen.

Provenienzforschung vermitteln

Die Sonderausstellung basiert auf dem zweijährigen Forschungs- und Vermittlungsprojekts „Nachgefragt – Provenienzforschung vermitteln“, das in Südniedersachsen stattgefunden hat. Aufbauend auf den Arbeiten von Dr. Christian Riemenschneider zur Herkunftsgeschichte unrechtmäßig entzogener Kulturgüter untersuchte das Projekt, wie Provenienzforschung ansprechend und gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort vermittelt werden kann.

Neun Museen aus Südniedersachsen beteiligen sich daran. In Workshops und Pop-up-Aktionen wurden Objekte, ihre Geschichten und die Fragen der Menschen vor Ort zusammengebracht. Die daraus entstandenen Ideen und Perspektiven bilden die Grundlage für die Ausstellung im Forum Wissen.

Rahmenprogramm

[Ausstellungseröffnung 11. Dezember 2025]
Donnerstag, 11. Dezember 2025, 18.30 Uhr | Vestibül Forum Wissen

Zur Eröffnung führt Dr. Peter Götz von Olenhusen, Vorstandvorsitzender Landschaftsverband Südniedersachsen in das der Ausstellung zugrunde liegende Forschungsprojekt ein. Dr. Sandra Potsch, Leiterin des Wissensmuseums im Forum Wissen und der Zentralen Kustodie und Juliane Gehler, Kuratorin der Ausstellung, sprechen über die Entstehung der Ausstellung im Forum Wissen. Anschließend besteht die Möglichkeit die Ausstellung anzusehen. Anschließend gibt es Getränke und Snacks in unserem Museumscafé Liesels X Forum.

[Buchpräsentation und Gespräch | „Zeugen des Kolonialismus“ – Objekte aus Deutsch-Neuguinea]
Mittwoch, 18. Februar 2026, 17:00 – 18:00 Uhr

[Öffentliche Führungen]
Jeden zweiten Sonntag 14:00-15:00 Uhr – Infos dazu finden Sie in unserem Veranstaltungskalender!

Kuratorinnen-Rundgang mit Juliane Gehler
Do. 18. Januar 2026 // 14-15 Uhr 
Do. 15. Februar 2026 // 14-15 Uhr 
So. 15. März 2026 // 14-15 Uhr 
So. 12. April 2026 // 14-15 Uhr 

→ Hier informieren wir Sie rechtzeitig zu allen Veranstaltungen. Es werden laufend Termine ergänzt.

Siehe hierzu auch den NDR-Beitrag vom 16.12.2025: https://www.ardmediathek.de/video/hallo-niedersachsen/raubgut-ausstellung-macht-menschliche-schicksale-sichtbar/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9iNzBhOGVjNS1lMDg2LTQ4NjEtOTc2MC1lMmYyZmEyMGU5MDU

Podcast “Wissen to Listen” des Forum Wissen

Christian Riemenschneider ist Provenienzforscher. Er hat über mehrere Jahre zur Herkunft von Museumsdingen geforscht. Die Objekte sind alltäglich – ein Kleiderbügel, eine Brille, eine Wäscheklammer. Doch verbergen sich dahinter bewegende Schicksale. Denn sie gehörten Menschen, denen sie während des Nationalsozialismus unrechtmäßig weggenommen wurden – weil sie Jüdinnen und Juden, Freimaurer oder Zwangsarbeiter waren. Christian Riemenschneider spricht über die manchmal mühevolle Detektivarbeit beim Entziffern alter Handschriften und darüber, welchen Herausforderungen Provenienzforscher gegenüberstehen. Hintergrund ist die aktuelle Sonderausstellung “Nachgefragt: Unrecht gesammelt?” im Forum Wissen, dem Wissensmuseum der Universität Göttingen.

Der Podcast findet sich unter folgendem Link: https://www.forum-wissen.de/podcast-und-mehr/

Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut gestartet

Die neu eingerichtete Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut hat heute, am 1. Dezember 2025, ihre Arbeit aufgenommen. Sie entscheidet künftig in strittigen Fällen über die Rückgabe von Kulturgütern, die Menschen infolge der Verfolgung durch die NS-Herrschaft – insbesondere aus jüdischem Besitz – entzogen wurden.

Für die Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut ist die neue Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut ein wichtiger Schritt zu entscheidenden Verbesserungen: Durch die einseitige Anrufbarkeit der Schiedsgerichtsbarkeit haben Opfer des NS-Kulturgutraubs oder ihre Rechtsnachfolgerinnen und Rechtsnachfolger ab sofort einen erleichterten Zugang zu Schiedsverfahren, insbesondere für Kulturgut im Besitz öffentlicher Hand. Die Schiedsgerichte fällen verbindliche Schiedssprüche auf Grundlage eines Bewertungsrahmens mit Beweiserleichterungen und Vermutungsregeln. Mehr als 80 Jahre nach Kriegsende wird dies den heute noch offenen Fällen besser gerecht.

Für Verfahren der Schiedsgerichtbarkeit NS-Raubgut stehen 36 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter zur Verfügung. Mit Elisabeth Steiner, vormalig Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sowie Peter Müller, Ministerpräsident a. D. und Richter am Bundesverfassungsgericht a. D., ist das Präsidium der Schiedsgerichtsbarkeit als Doppelspitze besetzt. Die Schiedsstelle mit Sitz in Berlin unterstützt die Verfahren, ähnlich wie eine Geschäftsstelle, nach den Regeln einer Geschäftsordnung.

Mit der Einführung der Schiedsgerichtsbarkeit wird ein zentrales Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag zur Verbesserung der Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut umgesetzt. Der Koalitionsvertrag sieht zudem die Schaffung eines Restitutionsgesetzes und die Intensivierung der Provenienzforschung vor. Die Schiedsgerichtsbarkeit tritt an die Stelle der bisherigen Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz.

Um die Rückgabe von NS-Raubgut in Deutschland zu verbessern, verständigten sich Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände 2024 auf eine Reform der Beratenden Kommission und die Weiterentwicklung zur Schiedsgerichtsbarkeit. Der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie die Claims Conference waren in den Reformprozess eingebunden.

Zur vollständigen Pressemitteilung: https://kulturstaatsminister.de/presse/schiedsgerichtsbarkeit

Nähere Informationen zur Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut finden Sie unter www.schiedsgerichtsbarkeit-ns-raubgut.de

Bei Fragen zu Verfahren der Schiedsgerichtsbarkeit steht die Schiedsstelle unter  zur Verfügung.

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste ist als Rechtsträger administrativ für die Schiedsstelle zuständig, die inhaltliche Arbeit der Schiedsgerichtsbarkeit erfolgt jedoch unabhängig.

Neue Publikation: „Provenienz & Forschung“ 2025

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat eine neue Ausgabe des Periodikums „Provenienz & Forschung” veröffentlicht. Der jetzt erschienene Band trägt den Titel „Gespaltene Biografien“:

Das Ende des Zweiten Weltkriegs war ein Neubeginn für alle, die Krieg und Verfolgung erlebt hatten. Doch trotz der „Stunde Null“ konnten Funktionsträger des NS-Staats ihre Karrieren nach 1945 oft weiterführen – Museen und Kunsthandel bilden keine Ausnahme. Dieser Band beleuchtet Biografien, die auf verschiedene Weise „gespalten“ sind. Vor allem geht es um Menschen, die ins NS-System verstrickt waren und doch die Kunstwelt der Nachkriegszeit prägten. Lebensläufe, die nahelegen, dass Kontinuität eher die Regel als die Ausnahme war.

Der gedruckte Band kann beim Sandstein Verlag Dresden bestellt werden (Printausgabe) und demnächst auch als elektronische Ausgabe auf perspectivia.net unter der DOI 10.25360/01-2025-00067 im Open Access heruntergeladen werden.

Das Periodikum „Provenienz & Forschung“ erscheint einmal jährlich zu einem Thema aus der Provenienzforschung und informiert dabei unter anderem über aktuelle Ergebnisse aus den vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekten. Das Heft wendet sich an eine interessierte Öffentlichkeit aus Medien und Politik, an Fachleute aus Archiven, Bibliotheken und Museen sowie an Forschungseinrichtungen und den Kunsthandel.

Neue Förderung für Forschung zu Kulturgutverlusten in SBZ und DDR

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste erweitert ab 1. Januar 2026 seine Möglichkeiten der Projektförderung: Auf Beschluss des Stiftungsrats startet mit Beginn des neuen Jahres die Förderung der Provenienzforschung zu Kulturgutentziehungen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR. Mit dieser Unterstützung können öffentliche und private Kultureinrichtungen ihre Bestände auf Kulturgüter hin untersuchen, bei denen der begründete Verdacht besteht, dass sie ihren Eigentümer:innen aufgrund von staatlicher Verfolgung und Willkür entzogen wurden, und identifizierte Objekte bei noch bestehenden Rückgabeansprüchen zurückgeben. Für Forschungsvorhaben in diesem Themenbereich stehen im Jahr 2026 insgesamt bis zu 800.000 Euro zur Verfügung. Institutionen können ab dem 1. Januar Anträge einreichen.

Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer: „Das Bewusstsein für das Unrecht in der Sowjetischen Besatzungszone und in der SED-Diktatur ist gestiegen. Wir sind sensibler geworden für die Auswirkungen staatlicher Repression und die oft bis heute nachwirkenden seelischen, aber auch materiellen Folgen für die Opfer. Mit den neuen Fördermöglichkeiten des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste stärken wir die Aufarbeitung der Kulturgutentziehungen in der SBZ und DDR und schaffen Transparenz über die Herkunft von Objekten. Damit setzen wir einen Auftrag aus dem Koalitionsvertrag um und beleuchten ein weniger bekanntes Kapitel der deutschen Geschichte.“

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste finanziert die Aufarbeitung der Kulturgutverluste in der SBZ und DDR bereits seit 2017 im Bereich der Grundlagenforschung. Mit der neuen Förderlinie können ab 2026 nun auch die Sammlungen öffentlicher und privater kulturgutbewahrender Einrichtungen erforscht werden.

Zwischen 1945 und 1990 kam es im Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone und DDR zu zahlreichen Kulturgutverlusten. Privateigentümer:innen wurden etwa während der Bodenreform entschädigungslos enteignet. Staatliche Stellen der DDR brachten Objekte aber auch in ihren Besitz, um sie zu verkaufen und damit Einkünfte und Devisen zu generieren. Betroffen waren neben Adligen, Großgrundbesitzer:innen und Unternehmer:innen beispielweise auch Republikflüchtlinge oder politische Häftlinge, deren Vermögen eingezogen wurde. Ebenso wurden Privatsammler:innen und Kunsthändler:innen durch konstruierte Steuerhinterziehungsverfahren dazu gezwungen, ihren Besitz zu veräußern.

Die juristische Aufarbeitung hat nach der Wiedervereinigung, gestützt auf das Vermögensgesetz vom 23. September 1990 und das Ausgleichsleistungsgesetz vom 27. September 1994, weitgehend stattgefunden. Die Fristen für Rückgabeverfahren sind in der Regel abgelaufen. Bis heute besitzen öffentliche Sammlungen Objekte, die in der SBZ und der DDR entzogen wurden und damit auch ethische Fragen aufwerfen.

Weitere Informationen zu den Fördermöglichkeiten sowie die Förderrichtlinie unter: https://kulturgutverluste.de/kontexte/sbz-ddr/foerderung