Stadtbibliothek Hannover gibt NS-Raubgut an Erbin zurück – Buch von Else Kreuzer an Enkelin restituiert

Mehr als 80 Jahre war das Buch von Else Kreuzer im Bestand der Stadtbibliothek Hannover. Am Donnerstag, den 8. Oktober übergab Oberbürgermeister Belit Onay das Buch an Kreuzers Enkelin Atalia Shafir. Sie und weitere Familienangehörige waren dafür eigens aus Israel nach Hannover angereist – unter anderem auch die hannoversche Holocaust-Überlebende Gerda Steinfeld, eine Nichte von Else
Kreuzer. Die Stadtbibliothek Hannover hat das Exemplar von Johann Gottfried von Herders „Stimmen der Völker in Liedern“ im Rahmen der Provenienzforschung als Eigentum von Else Kreuzer identifiziert.

Entdeckt wurde das Buch im Bestand 2024. Den entscheidenden Hinweis lieferte eine handschriftliche Widmung: Else Kreuzers älterer Halbbruder Willy Hausen hatte ihr das Buch zum Jahreswechsel 1908/09 geschenkt. Neben den Namen und dem Datum enthält die Widmung auch den Ort Lissa, heute Leszno in Polen. Weitere Recherchen ermöglichten es, ihre Lebens- und Verfolgungsgeschichte zu rekonstruieren und ihre Nachkommen ausfindig zu machen. Ausgewertet wurden unter anderem Geburtsurkunden und Wiedergutmachungsakten der Nachkriegszeit. Schließlich konnte die Stadtbibliothek Hannover Kontakt zu Atalia Shafir, der Enkelin von Else Kreuzer in Israel herstellen. Das Buch und seine Eigentümerin Else Kreuzer, geborene Goldschmidt, wurde am 4. März 1896 als Tochter des Kaufmanns Emil Goldschmidt und seiner Frau Ida in Lissa geboren. Nach ihrer Heirat mit dem Kaufmann Bernhard Kreuzer aus Bückeburg zog sie in die Umgebung von Hannover. Ab 1921 lebte das Ehepaar in Wunstorf, wo es ein Textilwarengeschäft führte. Ihre beiden Söhne Hans-Joachim und Klaus wurden in Hannover geboren.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die Familie antisemitischer Hetze und Ausgrenzung ausgesetzt. Das Geschäft wurde boykottiert und schließlich verkauft. Nach dem Novemberpogrom 1938 und der zeitweiligen Inhaftierung von Bernhard Kreuzer im Konzentrationslager Buchenwald zog die Familie nach Hannover. Ihr ältester Sohn Hans-Joachim konnte im Juni 1939 nach Palästina auswandern. 1941 mussten Else, Bernhard und Klaus Kreuzer in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Lützowstraße 3 umziehen. Von dort aus wurden sie am 15. Dezember 1941 von Hannover in das Ghetto Riga deportiert und 1944 in das Konzentrationslager Stutthof verschleppt. Else Kreuzer starb dort am 29. November 1944 im Alter von 48 Jahren. Auch Bernhard Kreuzer starb in Stutthof. Der dreizehnjährige Klaus wurde nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. Hans Joachim überlebte die Shoah und gründete in Israel eine Familie.

Wie das Buch in die Stadtbibliothek kam, lässt sich heute nicht mehr genau rekonstruieren. Bekannt ist aber, dass die Stadtverwaltung während der NS-Zeit den Hausrat aus zwangsgeräumten jüdischen Wohnungen in Sammellager brachte, schätzen ließ und teilweise versteigerte. Es ist zu vermuten, dass auch das Buch von Else Kreuzer auf diesem Weg in den Besitz der Stadt gelangte.

Hintergrund
Die Stadtbibliothek Hannover untersucht seit 2017 ihre Bestände systematisch auf NS-Raubgut. Ziel ist es, frühere Eigentümer*innen beziehungsweise ihre Erb*innen zu ermitteln und die Bücher zurückzugeben. Die Provenienzforschung wird durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gefördert. Mit dem Buch von Else Kreuzer konnten bislang insgesamt 28 Bücher an 17 Erb*innen beziehungsweise Rechtsnachfolger*innen restituiert werden. Das restituierte Buch von Johann Gottfried von Herder Stimmen der Völker in Liedern. Halle an der Saale: Otto Hendel, ohne Jahresangabe ist in der Datenbank „Looted Cultural Assets“ dokumentiert.

Stellenausschreibung: Zwei Provenienzforscherinnen/Provenienzforscher (m/w/d) zur Durchführung von Erstchecks zu NS-Raubgut in Thüringer Museen

Ausschreibung Werkverträge DZK Projekt final 2026-10-08

Der Museumsverband Thüringen e. V. (MVT) schreibt zum 1. Januar 2027 zwei Werkverträge für die Fortführung des zeitlich befristeten, vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanzierten Erstcheck-Projekts „Auf der Suche nach NS-Raubgut in 17 Thüringer Museen“ aus. Die Tätigkeiten beinhalten die Durchführung von NS-Erstchecks in 12 beteiligten Museen. Sechs davon entfallen auf jeden Werkvertragsnehmenden.

Der Museumsverband Thüringen e. V. (MVT) vertritt seit 1990 als Fachverband die Interessen von rund 240 Museen im Freistaat Thüringen. Er berät den Freistaat, seine Mitgliedsmuseen und deren Träger in allen musealen Belangen und unterstützt sie bei ihrer Arbeit nach ICOM-Standards.
Mit Fortbildungen, der Förderung von Austausch und Vernetzung sowie der fachlichen Begleitung in Bereichen wie Digitalisierung, Barrierearmut, Provenienzforschung und zukunftsorientierter Museumsarbeit trägt der Verband zur Weiterentwicklung und Pflege der Thüringer Museumslandschaft bei. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben als Interessenvertretung, Service-, Beratungs- und Koordinationsorgan unterhält der MVT eine Geschäftsstelle in Erfurt.

Für jede/n Werkvertragsnehmerin/Werkvertragsnehmer steht ein Gesamtbudget in Höhe von 43.500 € (Brutto) zur Verfügung. Die Honorierung erfolgt in Anlehnung an den TVöD VKA in der Entgeltgruppe 13, Vollzeit. Das Budget umfasst sämtliche im Rahmen der Leistungserbringung anfallenden Kosten und Nebenkosten, insbesondere Personal-, Sach- und Reisekosten. Eine darüberhinausgehende Vergütung oder Erstattung zusätzlicher Kosten ist ausgeschlossen. Die Projektlaufzeit umfasst einen Zeitraum von 15 Monaten: Sie beginnt am 1. Januar 2027 und endet am 31. März 2028.

Tätigkeitsfeld
Der Erstcheck ist eine Methode, um in Sammlungen feststellen zu können, ob ein Verdacht auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter vorliegt. Damit soll der Bedarf an tiefergehender, langfristiger Provenienzforschung ermittelt oder ausgeschlossen werden. Im Erstcheck werden meist mehrere Einrichtungen untersucht. Es handelt sich dabei um kleine bis mittelgroße Museen, deren finanzielle, zeitliche und personelle Kapazitäten eigene Provenienzforschung nicht gewährleisten können.
Die Sammlungsbestände von 12 für den Erstcheck ausgewählten Museen sollen im Hinblick auf einen nationalsozialistischen Unrechtskontext untersucht werden.

Ihre Aufgaben:
• kurze mehrtägige Forschungsaufenthalte in den betreffenden Museen zur Durchsicht der Sammlungsdokumentation und des Hausarchivs sowie zur Erfassung der Verdachtsmomente auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut samt Objektautopsien mit Erfassung von Provenienzmerkmalen
• Recherchen von und zu Vorbesitzern in Archivbeständen, Bibliotheken, Museen sowie fachbezogenen Datenbanken; ggf. Archivanfragen und -besuche
• vollständige Dokumentation der recherchierten Vorgänge und Ergebnisse mit Belegnachweisen in je einem wissenschaftlichen Einzelbericht für die betreffenden Museen sowie Anfertigung einer Statistik nach Vorlage der Praxis-Handreichung für Erstchecks (Saskia Johann, Annette Müller-Spreitz, Alexander Sachse: Erstcheck Provenienzforschung, hrsg. vom Museumsverband des Landes Brandenburg, Museumsverband Hessen und Museumsverband Sachsen-Anhalt, Bernburg 2024)
• Unterstützung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des MVT
• öffentliche Präsentation der Forschungsergebnisse im Rahmen einer Abschlussveranstaltung, Mitwirkung an deren inhaltlicher Vorbereitung
• Ausübung der Tätigkeiten in enger Abstimmung mit der Koordinierungsstelle Provenienzforschung beim MVT, Dr. Conny Dietrich

Ihre fachlichen Voraussetzungen:
• abgeschlossenes Hochschulstudium mit einschlägigen Fachkenntnissen (z. B. Geschichte, Kunstgeschichte, Provenienzforschung) oder vergleichbare Qualifikation
• einschlägige Berufserfahrung in der Provenienzforschung; von Vorteil/erwünscht sind nachweisbare Erfahrungen im Bereich von DZK geförderten Erstcheck-Projekten
• Vertrautheit mit der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere der Zeit des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit
• Erfahrungen in der Archivarbeit, beim Lesen historischer Handschriften sowie in der quellenkritischen Auswertung von Archivmaterial und Sammlungsdokumentationen
• Erfahrungen im Umgang mit Museumsobjekten
• sehr gutes sprachliches und schriftliches Ausdrucksvermögen

Persönliche Voraussetzungen:
• ein hohes Maß an Sensibilität und Professionalität gegenüber den beteiligten Museen und ihren Trägern sowie in der Öffentlichkeit
• Engagement, eigenverantwortliche, strukturierte Arbeitsweise, Organisationsgeschick und eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit
• sicherer Umgang mit gängigen Office-Anwendungen (Standardsoftware wie Excel) und einschlägigen Datenbanken
• Bereitschaft zur Reisetätigkeit innerhalb von Thüringen (Führerschein Klasse B / eigener PKW ist Voraussetzung / nicht alle Museen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen)

Hinweise zur Stellenausschreibung:
Vielfalt ist uns wichtig, daher begrüßen wir Bewerbungen von Personen jeglichen Geschlechts, unabhängig des Alters, des Glaubens, der kulturellen und sozialen Herkunft oder der sexuellen Identität. Menschen mit Behinderung werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.
Sind Sie interessiert?
Sollten wir Ihr Interesse an der Übernahme des Werkvertrags geweckt haben und Sie die geforderten Voraussetzungen erfüllen, dann senden Sie Ihre Bewerbung bis zum 2. November 2026 in Form einer PDF an . Bitte achten Sie darauf, dass die Größe der Datei nicht mehr als 4 MB beträgt.
Bei Fragen zum Projekt wenden Sie sich gerne an die Koordinierungsstelle Provenienzforschung des MVT, Frau Dr. Conny Dietrich (Tel.: +49 361 21956979, ).

Nach Abschluss des Verfahrens werden die Unterlagen nicht berücksichtigter Bewerberinnen und Bewerber vernichtet. Bewerbungskosten werden nicht erstattet.
Mit der Übersendung Ihrer Bewerbung willigen Sie in die Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten in den Systemen des Museumsverbandes Thüringen e. V. ein. Ein Widerruf dieser Einwilligung ist jederzeit möglich.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Call for Cases: Datenschutz als Hindernis der Provenienzforschung?

FPK Bonn — Provenienzforschung und Datenschutz — Call for Cases

Dieses Jahr haben am Forschungszentrum Provenienzforschung, Kunst- und Kulturgutschutzrecht (FPK) der Universität Bonn unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Weller, Mag. rer. publ., MAE, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christoph Zuschlag und Jun.-Prof. Dr. Lucy Wasensteiner Arbeiten an dem Forschungsprojekt „Provenienzforschung und Datenschutzrecht“ begonnen. Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, den Umgang mit Daten in der Provenienzforschung zu untersuchen und die rechtlichen Handlungsspielräume des Informationszugangs und der Datennutzung und herauszuarbeiten und wo immer möglich auch zu erweitern oder zu überwinden.

Um die Provenienz eines Kulturguts zu rekonstruieren, müssen Provenienzforscher:innen auf Quellen zugreifen, Informationen zusammenführen, Personen, Institutionen und Besitzverhältnisse identifizieren. Doch was geschieht, wenn die Quelle zwar vorhanden ist, aber nicht ohne Weiteres eingesehen oder verarbeitet werden kann? Gerade beim Umgang mit Daten bewegt sich die Provenienzforschung in einem komplexen Geflecht internationaler, europäischer und nationaler rechtlicher Vorgaben. Nicht immer ist klar, welche Daten wie erhoben, eingesehen, miteinander verknüpft, ausgetauscht oder veröffentlicht werden dürfen.

Hier setzt das Forschungsprojekt an: Es sammelt und analysiert dazu Fälle aus der Forschungspraxis und untersucht die rechtlichen Rahmenbedingungen des Daten- und Informationszugangs sowie der Datennutzung in der Provenienzforschung.

Wir laden Sie herzlich ein, uns – abstrakt – Ihre Fallkonstellationen aus der Forschungspraxis zu schildern. Wo sind Sie bei Ihrer Arbeit mit dem Argument Datenschutz in Berührung gekommen? Uns interessieren Fälle, in denen Datenschutzrecht, Archivrecht oder andere informationsrechtliche Vorgaben den Zugang zu Quellen, die Recherche, die Dokumentation oder die Veröffentlichung beeinflusst haben. Dabei sollen nicht nur Fällen erfasst werden, in denen eine rechtliche Vorgabe tatsächlich den Zugang oder die Nutzung von Informationen begrenzt hat. Von Interesse sind gerade auch Situationen, in denen die Rechtslage unklar war oder in denen ein pragmatischer Umgang gefunden wurde.

Gerne können Sie Ihre abstrakte Fallkonstellation formlos per Email schildern – in deutscher und englischer Sprache. Von Interesse sind insbesondere Angaben dazu, um welche Information oder Quelle es ging, welche Akteure beteiligt waren und in welchem Kontext der Fall stand. Ggf. richten wir Rückfragen an Sie, um die Konstellation in ihrer informationsrechtlichen Dimension besser zu verstehen, ohne dass wir auf konkrete Daten zum Fall angewiesen wären.

Ihre Erfahrungen tragen dazu bei, typische rechtliche und praktische Problemlagen sichtbar zu machen und praxisnahe, rechtssichere Handlungsmöglichkeiten für die zukünftige Provenienzforschung zu entwickeln.

Sofern Sie uns Daten zur Forschungszwecken übermitteln, wird mit Ihren Eingaben unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen umgegangen. Eingereichte personenbezogene Daten werden für die Zwecke des Forschungsprojekts verarbeitet und können in die Veröffentlichung des Forschungsprojekts einfließen.

Das Forschungsprojekt wird am Dienstag, den 10. November 2026, 18 Uhr, per Videokonferenz vorgestellt. Federführend wird Frau Wiss.-Mit. Louisa Schierbaum sein. Melden Sie sich gerne an: . In Antwort auf Ihre Email erhalten Sie am Tag der Veranstaltung die Zugangsdaten. Senden Sie uns gerne auch schon vorab Anregungen, Erfahrungen oder sogar bereits konkrete Fallkonstellationen.

Datenschutz: Wir speichern Ihre Email-Adresse aufgrund Ihrer ausdrücklichen Zustimmung, früherer individueller Kontakte und/oder vermuteten wissenschaftlichen Interesses an der jeweiligen Veranstaltung. Selbstverständlich löschen wir Ihre Email-Adresse, wenn Sie dies wünschen. Ebenso geben wir gerne Auskunft zum Umgang mit Ihren Daten im Übrigen (hierzu wenden Sie sich bitte an ).

Stellenausschreibung: Projektkoordinator:in (w/m/d) in Teilzeit (60 %) am Linden-Museum Stuttgart

Das Linden-Museum Stuttgart sucht zum 1.1.2027 eine/n Projektkoordinator:in (w/m/d) in Teilzeit (60 %). Die Stelle ist als Elternzeitvertretung befristet bis zur Rückkehr der vertretenen Person, längstens bis zum 31.10.2028 (Projektende).

Das Linden-Museum Stuttgart beherbergt die Koordinierungsstelle des Projekts „Das kulturelle Erbe kamerunischer Gemeinschaften in deutschen Sammlungen: Ein Community-orientierter Ansatz zur kollaborativen Provenienz- und Objektforschung“.

Dieses Projekt untersucht erstmals systematisch die Provenienz königlicher Machtobjekte von vier kamerunischen Gemeinschaften in deutschen Museen. Es wird durchgeführt in internationaler Zusammenarbeit mit kamerunischen Forschungspartnern sowie drei deutschen Museen.

Während der Forschungsaktivitäten in Archiven, Museumssammlungen und im Feld in Kamerun werden Inhalte produziert, die nach Abschluss des Projektes zu einer großen Ausstellung beitragen werden, die sowohl im Linden-Museum in Deutschland als auch in Kamerun gezeigt wird.

Die Position bietet eine hervorragende Gelegenheit, fundierte Erfahrungen im wissenschaftlichen Projektmanagement zu sammeln und sich in einem gesellschaftlich relevanten Forschungsfeld zu etablieren.

Ihre Aufgaben im Projekt sind u. a.:

Projektmanagement und Controlling

  • Monitoring und Steuerung der Projektzeitpläne, Meilensteine und des Berichtswesens
  • Überwachung des Projektfortschritts und proaktive Identifikation von Abweichungen

Koordination und Kommunikation

  • Organisation und Durchführung von Projektmeetings, sowie Pflege der internen Kommunikationsstrukturen
  • Schnittstelle zwischen operativem Projektgeschäft, wissenschaftlicher und administrativer Leitung
  • Koordination und Planung der Forschungs- und Netzwerkreisen sowie Projektworkshops mit internationalen Partnern

Dokumentation und Berichterstattung

  • Nachverfolgung und Qualitätssicherung des Bericht- und Dokumentationswesens
  • Unterstützung bei der Erstellung von Projekt- und Zwischenberichten sowie Dokumentationen
  • Unterstützung bei Finanzüberwachung und Abrechnung

Wissenschaftliche Unterstützung

  • Zuarbeit für die wissenschaftliche Koordination bei grundlegenden wissenschaftlichen Aufgaben
  • Recherche und Aufbereitung projektrelevanter Informationen

Ihr Profil

  • Abgeschlossenes Hochschulstudium (Bachelor oder vergleichbarer Abschluss) in Kultur-, Geistes-, Sozialwissenschaften, Museologie, Ethnologie, Projektmanagement oder verwandten Fachrichtungen
  • Alternativ: gleichwertige Qualifikation durch einschlägige Berufserfahrung
  • Kenntnisse im Projektmanagement oder in der Projektkoordination
  • Sicherer Umgang mit MS Office und digitalen Kollaborationstools
  • Ausgeprägte Organisationsfähigkeit und strukturierte, selbstständige Arbeitsweise
  • Fähigkeit, den Überblick über komplexe Prozesse und mehrere parallele Aktivitäten zu behalten
  • Hohes Maß an Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative
  • Exzellente Kommunikationsfähigkeiten und professionelles Auftreten
  • Ausgeprägte Teamfähigkeit und interkulturelle Kompetenz
  • Sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift (erforderlich). Französischkenntnisse wünschenswert

Das bieten wir

  • Eine verantwortungsvolle Position in einem innovativen internationalen Forschungsprojekt
  • Einblick in die internationale Provenienz- und Museumsforschung
  • Vergütung nach dem TV-L mit jährlicher Sonderzahlung. Die Eingruppierung erfolgt bei Vorliegen aller tarifrechtlichen und persönlichen Voraussetzungen in die Entgeltgruppe 9b TV-L
  • Flexible Arbeitszeiten und familienfreundliche Arbeitsbedingungen
  • 30 Tage Erholungsurlaub im Jahr sowie zeitausgleich bei Überstunden

Wir schätzen Vielfalt und begrüßen daher alle Bewerbungen – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer und sozialer Herkunft, Religion/Weltanschauung, Behinderung, Alter sowie sexueller Orientierung und Identität. Schwerbehinderte Bewerber:innen (w/m/d) werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

Bitte senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen bis zum 9. Oktober 2026 vorzugsweise in digitaler Form (eine pdf-Datei mit max. 5 MB) an . Die Anschrift für postalische Bewerbungen ist: Linden-Museum Stuttgart, Personalabteilung, Hegelplatz 1, 70174 Stuttgart. Bitte beachten Sie, dass Bewerbungsunterlagen nur zurückgesandt werden, wenn ein ausreichend frankierter und adressierter Briefumschlag beigelegt ist.

Die Vorstellungsgespräche sind für den 27. und 28. Oktober 2026 vorgesehen.

Für inhaltliche Rückfragen steht Ihnen Peter Bibinger (Projektleiter), Telefon 0711.2022-442 oder , gerne zur Verfügung. Bei organisatorischen Fragen rund um die Stelle wenden Sie sich bitte an .

Hinweis zum Datenschutz:
Die Informationen zur Erhebung von personenbezogenen Daten bei der betroffenen Person nach Art. 13 Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) können Sie unter Tel. 0711.2022-421 erfragen.

Weitere Informationen zur Stellenausschreibung finden Sie hier: https://lindenmuseum.de/ueber-uns/jobs/

Kurator:in Ethnografische Sammlung 80% mit Schwerpunkt Afrika und zusätzlichem Fokus auf orientalistische Sammlungen

Das Bernische Historische Museum zählt zu den bedeutendsten kulturhistorischen Museen der Schweiz. Es ist ein wachsender Wissens- und Erfahrungsspeicher für die Kultur und Geschichte Berns und der Welt. Die Sammlungen zur Geschichte, Archäologie sowie Ethnografie umfassen rund 567’000 Objekte. Sie bieten Einblicke in Lebenswelten aus unterschiedlichen historischen Epochen und kulturellen Kontexten. Das integrierte Einstein Museum stellt Leben und Werk des Physikers in den Kontext der Weltgeschichte.
Das Museum steht mit der geplanten Sanierung und umfassenden musealen Erneuerung vor grossen Veränderungen und spannenden Herausforderungen. Ziel ist es, das Museum im Jahr 2032 als lebendiges Haus der Geschichte mit vielfältigen Vermittlungsformaten, neuem Zugang zum Museumsquartier Bern und hoher Aufenthaltsqualität wiederzueröffnen.

Wir suchen per 1. Januar 2027 oder nach Vereinbarung eine:n

Kurator:in Ethnografische Sammlung 80% 

mit Schwerpunkt Afrika und zusätzlichem Fokus auf orientalistische Sammlungen
Im Team betreuen Sie die drittgrösste ethnografische Sammlung der Schweiz, welche rund 65‘000 Objekte zu Asien, Afrika, Amerika, Europa und Ozeanien umfasst. Sie sind Historiker:in oder Kulturwissenschafter:in mit Interesse an museologischen Fragestellungen und verfügen über ausgewiesene Fachkenntnisse zu Afrika und/oder Zentralasien. Erfahrung mit Provenienzforschung sind ein willkommenes Plus.

Sie verantworten folgende Aufgaben: 

 

  • Mitarbeit bei der Festlegung der Sammlungspolitik
  • Erschliessen und Erforschen der Sammlungsbestände
  • Führen des Sammlungsinventars und der Objektdokumentation
  • Sicherstellen der fachgerechten Aufbewahrung der Sammlungsbestände in Zusammenarbeit mit dem Team Konservierung-Restaurierung
  • Inhaltliche Kuration und Mitarbeit beim Konzipieren und Realisieren von Vermittlungsangeboten, wie Ausstellungen, Veranstaltungen, partizipativen Angeboten besonders im Hinblick auf das Ausstellungs-/Vermittlungsprogramm bei Neueröffnung des Museums 2032
  • Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen und Herkunftsgesellschaften in Bezug auf die Sammlung des BHM
  • Vorbereiten und Durchführen von Führungen durch Dauer- und Wechselausstellungen
  • Verfassen von Texten für ein Fachpublikum und die breite Öffentlichkeit
  • Betreuen der Objekte beim Leihverkehr, inkl. Kurierdienste im In- und Ausland

    Was Sie mitbringen:

    Ein abgeschlossenes Hochschulstudium (mind. Master-Stufe) in Geschichte, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften oder Sozialanthropologie sowie ein breites Interesse im Fachgebiet und vertiefte Kenntnisse zu Afrika und/oder Zentralasien sind Voraussetzung für eine Bewerbung. Dank Ihrer mehrjährigen Berufserfahrung im Museum sind Sie bestens mit kuratorischer Praxis und den aktuellen Diskursen der Museumswelt vertraut. Sie pflegen einen globalhistorischen Zugang zur Sammlung, reflektieren die Funktion und Bedeutung musealer Sammlungsbestände, verfügen idealerweise bereits über ein für die Aufgabe relevantes Netzwerk und sind auch bereit, sich in neue Themengebiete einzuarbeiten. 
     
    Sie bringen zudem Erfahrung in der Leitung von Projekten und in der Mitarbeit bei Ausstellungen mit. Als kommunikative Persönlichkeit ist Ihnen der kontinuierliche Austausch sowohl innerhalb des wissenschaftlichen Teams als auch interdisziplinär mit Spezialist:innen aller anderen Museumsbereiche ein Anliegen. Sie haben grosse Freude daran, Ihr Wissen lebendig an Fachpersonen sowie an unsere Museumsgäste weiterzugeben. Sehr gute Fremdsprachenkenntnisse in Französisch und Englisch (weitere sammlungsrelevante Sprachen sind ein Plus), eine strukturierte Arbeitsweise, ein hohes Qualitätsbewusstsein sowie ein gewandter Umgang mit Museumsdatenbanken runden Ihr Profil ab.
    Wir freuen uns über Ihre vollständige Bewerbung (Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse) bis zum 25. Oktober 2026. Im Motivationsschreiben beschreiben Sie kurz Ihre fachlichen und persönlichen Kompetenzen, Ihre Museumserfahrung sowie Ihre Erwartungen und Ziele für die ausgeschriebene Stelle.
     
    Weitere Auskünfte erteilt Ihnen Saskia Klaassen, Leiterin Sammlungen, 031 350 77 54.
     

    Stellenausschreibung: Assistent:in (w/m/d) der Direktion am Museum der Weltkulturen

    Museum der Weltkulturen

    Nur wer das Alte hinterfragt, kann Neues schaffen. Darum suchen wir Sie als Assistent:in (w/m/d) der Direktion für unser Stadt-Up Frankfurt! Bereit für eine Aufgabe für Herz und Verstand? Bewerben Sie sich jetzt und erweitern den Horizont von ganz Frankfurt!

    Das Museum der Weltkulturen arbeitet an der Schnittstelle von Ethnologie und Kunst und fördert den transkulturellen Austausch. Das Museum beherbergt „cultural belongings“ sowie historische Fotografien aus afrikanischen Ländern, Südostasien, dem Pazifik und den Amerikas. Dieses kulturelle Erbe sucht es in Kooperationsprojekten mit den jeweiligen Urhebergesellschaften in neue Deutungs- und Aushandlungskontexte zu stellen sowie Provenienzfragen und Restitutionsanliegen zu klären. Es setzt sich derzeit intensiv mit seiner kolonialen Geschichte auseinander. Es versteht sich als Museum in Bewegung und in Beziehung, das Prozesse sichtbar macht, Verantwortung übernimmt und aktiv in die Stadtgesellschaft hineinwirkt.

    Als Assistenz der Direktion übernehmen Sie eine verantwortungsvolle Schlüsselrolle im organisatorischen Tagesgeschäft sowie für die Kommunikation der Direktion im Haus und mit externen Partner:innen. Sie unterstützen die Direktion und das Leitungsteam bei der Steuerung der Institution und der Leitung einzelner wichtiger Projekte.

    Weitere Informationen zur Stellenbeschreibung und Bewerbung finden Sie hier: 3202_0007_6906

    Jetzt für den Masterstudiengang Provenienzforschung in Bonn bewerben

    Der Masterstudiengang „Provenienzforschung und Geschichte des Sammelns“ am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn startet im Wintersemester 2026/27 in eine neue Runde.

    Provenienzforschung wird hier als epochenübergreifende, interdisziplinäre Kontextforschung verstanden, die die Vielschichtigkeit der Werte aufzeigt, die Kunst- und Kulturgütern in verschiedenen Gesellschaften, sozialen Konstellationen und auch von Individuen zugesprochen werden. Eng verbunden ist damit die Geschichte des privaten und institutionellen Sammelns, die einen weiteren Schwerpunkt des Studiengangs bildet. Die Lehrveranstaltungen nehmen unterschiedliche Epochen und europäische wie auch außereuropäische Regionen in den Blick.

    Studierende können ihre Kenntnisse vertiefen und sich auf eine Laufbahn in der Kunstwelt vorbereiten. Die Bewerbung ist bis zum 15. September 2026 möglich!

    Weitere Informationen unter: https://www.khi.uni-bonn.de/fpk/de

    Jetzt Projekte beantragen!

    Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg stellt wieder Fördermittel für Projekte zur Provenienzforschung in den Bereichen „NS-Raubgut“ und „Koloniale Kontexte“ und „SBZ/DDR“ zur Verfügung.

    Die nächste Antragsfrist für eine langfristige Förderung endet am 1. Oktober 2026. Einzelfallbezogenen, kurzfristigen Forschungsbedarf fördert das Zentrum in allen Bereichen ohne Frist ganzjährig.

    Forschungsbereich „NS-Raubgut“

    Im Forschungsbereich „NS-Raubgut“ sind neben öffentlichen Einrichtungen auch privat getragene Einrichtungen (z.B. Museen, Archive, Vereine, Unternehmen) und Privatpersonen in Deutschland antragsberechtigt. Das Zentrum fördert systematische Bestandsprüfungen und Grundlagenforschung zum historischen Kontext des NS-Kulturgutraubs sowie die Erschließung von Archivbeständen und die Rekonstruktion von privaten Sammlungen, die während der NS-Herrschaft verfolgungsbedingt entzogen, aufgeteilt oder zerstört wurden.

    Auch die Provenienzklärung privater Sammlungen ist förderfähig, sofern ein Verdacht auf NS-verfolgungsbedingten Entzug besteht.
    Seit Januar 2019 fördert das Zentrum zudem auch Projekte, die dazu dienen, die Erben von Objekten aus verfolgungsbedingt entzogenen Sammlungen, zu denen bereits Provenienzforschung stattgefunden hat, zu ermitteln. Ziel von Anträgen mit diesem Förderschwerpunkt soll es sein, mit den Erben eine gerechte und faire Lösung im Sinne der Washingtoner Prinzipien von 1998 und der Gemeinsamen Erklärung von 1999 herbeizuführen.

    Weitere Informationen zum Förderbereich „NS-Raubgut“ sowie das aktuelle Antragsformular

    • für öffentliche Institutionen
    • für private Institutionen und für Privatpersonen

    Bei inhaltlichen und formalen Fragen berät das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gerne persönlich. Bitte beachten Sie, dass eine Beratung nur bis zum 15. August 2026 in Anspruch genommen werden kann und für privat getragene Einrichtungen und Privatpersonen verpflichtend ist. Wenden Sie sich hierzu bitte an:

    Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
    Humboldtstraße 12
    39112 Magdeburg

    Cathleen Tasler
    Projektberatung („NS-Raubgut“ – öffentliche Einrichtungen)
    Telefon: +49 (0) 391 727 763 21
    E-Mail: 

    Sandra Leinert
    Projektberatung („NS-Raubgut“ – private Einrichtungen und Privatpersonen)
    Telefon: +49 (0) 391 727 763 31
    E-Mail: 

    Forschungsbereich „Koloniale Kontexte“

    Das Zentrum fördert seit Beginn des Jahres 2019 langfristige und kurzfristige Projekte zu Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten.

    Antragsberechtigt sind Institutionen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft und private Einrichtungen, die nach § 59 in Verbindung mit § 52 Abgabenordnung als gemeinnützig anerkannt sind. Die antragstellende Institution muss ihren Sitz in Deutschland haben und Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten sammeln, bewahren oder dazu forschen. Dazu zählen Museen, Universitäten und andere Forschungseinrichtungen.

    Das Zentrum fördert einerseits die konkrete Erforschung von Objekten, Konvoluten und größeren Beständen, andererseits aber auch Grundlagenforschung und Forschung zum historischen Kontext, wenn es sich um Fragestellungen handelt, die über einzelne Objekte hinaus von grundsätzlicher Bedeutung für die Provenienzforschung sind. Dabei werden nicht nur Einzel-, sondern auch Verbundprojekte gefördert. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften und -ländern, die über Kooperationen in die Projekte einbezogen werden können. Zudem sind auch Projekte möglich, die sich mit der Erschließung, Verzeichnung und Auswertung von Archivalien und Dokumenten beschäftigen.

    Weitere Informationen zum Förderbereich „Koloniale Kontexte“ sowie das aktuelle Antragsformular

    Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste berät Sie gerne persönlich zu inhaltlichen und formalen Fragen. Bitte beachten Sie, dass eine Beratung verpflichtend ist, aber nur bis zum 1. September 2026 in Anspruch genommen werden kann. Wenden Sie sich daher bitte möglichst frühzeitig an:

    Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Außenstelle
    Seydelstraße 18
    10117 Berlin

    Anna Wickes-Neira
    Projektberatung („Koloniale Kontexte“)
    Telefon: +49 (0) 30 2338493 84
    E-Mail: 

    Forschungsbereich „SBZ/DDR“

    Das Zentrum fördert seit Beginn des Jahres 2026 langfristige und kurzfristige Projekte aus dem Bereich SBZ/DDR. Zuvor wurden bereits seit 2017 Projekte der Grundlagenforschung gefördert.

    Antragsberechtigt sind Kulturgut sammelnde oder bewahrende Einrichtungen in öffentlich-rechtlicher oder privatrechtlicher Trägerschaft (insbesondere Museen, Archive und Bibliotheken), Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie sonstige Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen und privaten Rechts mit Hauptsitz in Deutschland.

    Gegenstand der Förderung sind Projekte zur Erforschung der Provenienz von Kulturgut, bei dem ein Entzug oder Abhandenkommen im Zusammenhang mit Verfolgungs- und Willkürmaßnahmen in der SBZ/DDR feststeht oder vermutet wird. Gefördert werden insbesondere die systematische Untersuchung von Sammlungen und Beständen einschließlich Einzelrecherchen und sowie deren nachhaltige Dokumentation, Projekte der Grundlagenforschung zum historischen Kontext des Kulturgutentzugs in der SBZ/DDR mit über den Einzelfall hinausgehender Bedeutung sowie sogenannte Erstchecks zur Prüfung von Verdachtsmomenten in Kulturgut sammelnden oder bewahrenden Einrichtungen, die selbst keine Provenienzforschung durchführen können.

    Weitere Informationen zum Förderbereich „SBZ/DDR“  

    Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste berät Sie gerne persönlich zu inhaltlichen und formalen Fragen Ihres Vorhabens. Bitte beachten Sie, dass die Projektberatung vor der Antragstellung verpflichtend ist und nur bis einschließlich 1. September 2026 in Anspruch genommen werden kann. Wenden Sie sich hierzu bitte an:

    Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
    Humboldtstraße 12
    39112 Magdeburg

    Mathias Deinert
    Projektberatung („SBZ/DDR“)
    Telefon: +49 (0) 391 727763 32
    E-Mail:  

    Sabine Kramer
    Projektberatung („SBZ/DDR“)
    Telefon: +49 (0) 391 727763 43
    E-Mail:  
     

    Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg restituiert vier Objekte aus der kulturgeschichtlichen Sammlung an die Nachfahren der jüdischen Oldenburger Familie Insel

    Die Schenkung bzw. der Verkauf von zwei Likörgläsern und zwei Tassen an das Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg im Jahr 1936 resultierten, so das Ergebnis eingehender Provenienzrecherchen, aus einer NS-verfolgungsbedingten Zwangslage. Das Landesmuseum hat daher die vier Objekte an die Nachfahren der einstigen Eigentümer restituiert.

    Ein problematisches Geschenk: Im Jahr 1936 gelangten zwei Likörgläser und eine Tasse mit Blumendekor als Schenkung der damals 63-jährigen Oldenburgerin Henny Insel in die Sammlung des Landesmuseums. Kaum zwei Wochen später verkaufte sie dem Museum noch eine Tasse mit Untertasse aus Porzellan. Intensive Provenienzrecherchen haben ergeben, dass die Umstände, unter denen die Objekte in den Besitz des Landesmuseums übergingen, in unmittelbarem Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Verfolgung der Familie Siegfried und Henny Insel stehen.

    Der Umzug der Familie Insel von Oldenburg nach Hannover, der nur etwa zwei Wochen nach Schenkung bzw. Verkauf der Objekte an das Landesmuseum stattgefunden hat, und schließlich die Emigration nach Amsterdam erfolgten vor einem NS-verfolgungsbedingten Hintergrund. Der Umzug in eine deutlich kleinere und günstigere Wohnung, der Verkauf des Elternhauses von Siegfried Insel weit unter Preis und die notgedrungene Reduzierung des Hausstandes waren unmittelbare Folgen der Diskriminierung und Entrechtung des Ehepaars Insel. Der ungewöhnlich niedrige Verkaufspreis von 5 Reichsmark für die erworbene Tasse verdeutlicht die Notsituation der Insels.

    Nach ihrer Verhaftung und Internierung wurden Siegfried und Henny Insel im Mai 1943 vom niederländischen Durchgangslager Westerbork in das Vernichtungslager Sobibór in Polen deportiert und dort ermordet. Ihre Kinder Grete und Hermann Insel wurden 1942 in Auschwitz-Birkenau ermordet.

    „Die Tatsache, dass Schenkungen nicht notwendigerweise mit einer selbstbestimmten Entscheidung des Gebenden einhergehen, ist insbesondere für die Provenienzforschung nicht neu“, konstatiert Prof. Dr. Marcus Kenzler, Provenienzforscher am Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg. Gemäß der Washingtoner Erklärung vom 3. Dezember 1998 war das Landesmuseum bestrebt, eine „gerechte und faire Lösung“ zu finden und die Objekte aus dem Besitz der Familie Insel zu restituieren.

    Im Zuge ausführlicher genealogischer Nachforschungen konnte ermittelt werden, dass aus der Verbindung von Siegfried und Henny Insel keine noch lebenden, erbberechtigten Nachfolger:innen hervorgegangen sind. Siegfried Insel hatte jedoch fünf Brüder und drei Schwestern, deren Nachfahren sich zu einer Erbengemeinschaft zusammengetan haben.

    Diese Erbengemeinschaft teilte die vier Objekte untereinander auf und entschied wie folgt: Während ein in den USA lebender Erbe auf eine Rückgabe der zwei Gläser verzichtete und sie dem Landesmuseum als Schenkung überließ, nahm ein in Israel lebender Erbe das Restitutionsangebot für die zwei Tassen an. „Wir freuen uns, dass die beiden Tassen nun an einen Nachfahren der einstigen Eigentümer übergeben werden konnten und auch darüber, dass zwei Gläser der kulturgeschichtlichen Sammlung des Hauses als Schenkung erhalten bleiben“, so Dr. Anna Heinze, Direktorin (m.d.W.d.A.b.) des Landesmuseums Kunst & Kultur Oldenburg.

    Nähere Informationen sind auch der Pressemitteilung zu entnehmen. Pressebilder in druckfähiger Auflösung stehen im Pressebereich auf der Museumswebsite zum Download bereit.

    Restituierte Likörgläser und Tassen aus der kulturgeschichtlichen Sammlung des Landesmuseums Kunst & Kultur Oldenburg. Foto: Sven Adelaide

    Gerecht, fair – aktuell?

    Zum 25-jährigen Bestehen der Washingtoner Prinzipien lädt das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste herzlich zu einer Festveranstaltung am Donnerstag, 7. Dezember, um 18 Uhr in den Humboldt-Saal der Staatsbibliothek Berlin, Haus Unter den Linden. Die Veranstaltung unter dem Titel „Gerecht, fair – aktuell? 25 Jahre Washingtoner Prinzipien“ soll die „Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden“ würdigen, mit denen sich mehr als 40 Staaten und 13 nichtstaatliche Organisationen verpflichteten, NS-verfolgungsbedingt entzogene Kunstwerke zu identifizieren und gerechte und faire Lösungen mit den ursprünglichen Eigentümer:innen oder ihren Nachfahr:innen zu finden.

    Die Washingtoner Prinzipien haben entscheidend zur Entwicklung der Provenienzforschung in Deutschland beigetragen, die seit 2015 vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird: Die Aufarbeitung des NS-Kulturgutentzugs leistet heute einen wesentlichen Beitrag dazu, den Raub an der jüdischen Bevölkerung wenigstens ansatzweise wiedergutzumachen und das Gedenken an das Menschheitsverbrechen des Holocaust wachzuhalten. Doch die Prinzipien aus dem Jahr 1998 sollen auch kritisch auf ihre Aktualität befragt werden: Haben sie heute dieselbe Relevanz wie einst? Reicht ein solches „Soft Law“ noch aus? Welche Ansprüche haben wir heute an „gerechte und faire“ Lösungen und wie können wir sie einlösen?

    Im Anschluss lädt das Zentrum zu einem Stehempfang in den Fontane-Saal der Staatsbibliothek.

    Der Abend wird aufgezeichnet und nachträglich auf dem YouTube-Kanal des Zentrums und seiner Website kulturgutverluste.de als Video veröffentlicht.

    Aus Gründen der Raumkapazität bitten wir um eine verbindliche Anmeldung bis 22. November unter oder Telefon +49 (0) 391 727 763-23. Der Eintritt ist kostenfrei.

    Programm:

    Begrüßung
    Achim Bonte
    Generaldirektor Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

    Grußwort
    Claudia Roth
    Staatsministerin für Kultur und Medien

    Grußwort
    Wesley Fisher
    Director of Research, Claims Conference

    Einführung
    Gilbert Lupfer
    Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste

    Literarischer Impuls
    Rafael Cardoso
    Nachfahre von Hugo Simon, dessen Sammlung im Rahmen eines vom Zentrum geförderten Projekts rekonstruiert wird

    Podiumsdiskussion

    Isabel Pfeiffer-Poensgen
    Geschäftsführerin der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Ministerin für Kultur und Wissenschaft NRW a.D, ehem. Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder

    Léontine Meijer-van Mensch
    Direktorin der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen (SES) innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

    Stefan Koldehoff
    Autor und Journalist, Chefreporter Kultur, Deutschlandradio

    Rüdiger Mahlo
    Repräsentant Claims Conference

    Moderation des Abends: Shelly Kupferberg

    Stehempfang