Auftaktveranstaltung zum Erstcheck-Projekt „Provenienzforschung in Ostfriesland“

PRESSE-INFORMATION

Zum 1. August ist das erste vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderte Erstcheck-Projekt zur Provenienzforschung in Ostfriesland gestartet. Eine Auftaktveranstaltung zu diesem Projekt führt am Freitag, 11. August die Beteiligten mit den haupt- und ehrenamtlich tätigen Forscherinnen und Forschern sowie Interessierte der Region zusammen und eröffnet auf der Basis erster Forschungserfahrungen zum „Erstcheck“ in Südniedersachsen den Fragen- und Quellenkontext. Die Veranstaltung findet im Klottje-Huus des Heimatmuseums Leer statt.

Der Historiker Lennart Gütschow M.A. wird in einem Zeitraum von vier Monaten in den Heimatmuseen Leer und Rheiderland sowie bei der Ostfriesischen Landschaft eine Sichtung der Sammlungsbestände und ihrer Dokumentationen vornehmen, um einzuschätzen, ob es Objekte gibt, deren Herkunft ungeklärt oder verdächtig ist. Dabei werden vornehmlich die Stücke in den Blick genommen, die zwischen 1933 und 1945 Eingang in die jeweiligen Sammlungen gefunden haben.

Die Dokumentation der Objektherkunft gehört zur wichtigen Grundlagenarbeit von Museen und anderen Sammlungen, ist aber aus den verschiedensten Gründen oftmals nicht vollständig. Um einen ersten Überblick zu erhalten, ob für die Zeit des Nationalsozialismus Sammlungszugänge als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut verdächtig zu erachten sind, ist es notwendig, die dafür sprechenden Quellen – Zugangsbücher, Inventaraufzeichnungen, Schriftverkehr und andere Akten der Verwaltung – zu sichten und die Bestände auf Herkunftsvermerke zu untersuchen.

Auf Initiative des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur wurde das Modell des „Erst-Checks“ mit dem Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen und dem Landschaftsverband Südniedersachsen bereits 2016 erfolgreich in Südniedersachsen eingeführt und dort mittlerweile auf weitere Einrichtungen ausgedehnt. Es richtet sich explizit an mittlere und kleine Museen, die aus verschiedenen Gründen oftmals nicht in der Lage sind, die aufwändigen Recherchen zur Herkunft ihrer Sammlungsbestände aus eigener Kraft durchzuführen. In der Mehrzahl der bereits überprüften Einrichtungen konnten Verdachtsfälle ermittelt werden, denen nun im Rahmen weiterer Forschungen nachgegangen wird. Mit dem nun gestarteten Pilotprojekt in Ostfriesland wird die notwendige Suche nach NS-Raubgut nach Norden ausgedehnt und damit insgesamt intensiviert.

Finanziell gefördert wird das Projekt vom Deutschen Zentrum Kulturgutverlust, darüber hinaus unterstützt vom Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen.

Neben Grußworten u. a. von Vertretern des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste und des Museumsverbands für Niedersachsen und Bremen e. V. sind folgende Vorträge zu hören:

  • Dr. Claudia Andratschke, Provenienzforscherin, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover / Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen: Vernetzte Provenienzforschung in Niedersachsen
  • Kirsten Hoffmann, Niedersächsisches Landesarchiv – Standort Aurich: Archivalische Quellen im Niedersächsischen Landesarchiv – Standort Aurich und die Provenienzforschung
  • Dr. Christian Riemenschneider, Göttingen, Provenienzforscher: Beschlagnahmt, erbeutet, „geschenkt“ – Erfahrungsbericht zum Erstcheck in den Museen Südniedersachsens 2016/17

Kontakt

Dr. Nina Hennig, Museumsfachstelle der Ostfriesischen Landschaft
Georgswall 1-5, 26603 Aurich
Mail:
Tel.: 04941 / 1799-50

Artikel-Informationen

11. August 2017

Presse-Information der Ostfriesischen Landschaft vom 11.08.2017