
Der Naturwissenschaftliche Historische Verein für das Land Lippe (NHV) in Kooperation mit der Lippischen Landesbibliothek laden zum Vortrag „Spurensuche. NS-Raubgut in der LLB“ am 23. November 2026 ab 19 Uhr.
Antonia Reck gibt Einblicke in das aktuelle Provenienzforschungsprojekt.
Zwischen 1933 und 1945 prägte Direktor Eduard Wiegend die Lippische Landesbibliothek. Er führte nicht nur „Bestandssäuberungen“ im Sinne der nationalsozialistischen Bibliothekspolitik durch, sondern etablierte die LLB als Ort der ideologischen „Gegnerforschung“. Dazu stellte er die sogenannte „Zeitgeschichtliche Sammlung“ zusammen, die neben NS-Schrifttum zahlreiche Bücher enthält, die Personen und Institutionen aufgrund ihrer Verfolgung während des Nationalsozialismus unrechtmäßig entzogen wurden. Neben der Entwicklung der NSDAP sollte die „Zeitgeschichtliche Sammlung“ die Geschichte der erklärten „Gegner“ des Nationalsozialismus dokumentieren.
Diese Sammlung untersucht die LLB seit Januar 2026 im Rahmen eines Provenienzforschungsprojekts systematisch auf NS-Raubgut. Durch die Rekonstruktion von Objektbiographien zwischen 1933 und 1945 sollen Eigentumsverhältnisse und die Frage nach rechtmäßigem oder unrechtmäßigem Erwerb geklärt werden. Die untersuchten Bücher sind dabei Zeugen des Schicksals ihrer Eigentümer:innen.
Nach einem kurzen Blick auf die Geschichte der LLB während der NS-Zeit veranschaulichen konkrete Beispiele die Zugangswege von NS-Raubgut in die Bibliothek. Abschließend wird die Zeit nach der Befreiung betrachtet. Welche Wege nahm NS-Raubgut aus der LLB, wo befinden sich diese Bücher heute und welche ethischen Fragen stellt die Sammlung?