Erstchecks III in Südniedersachsen (DZK-Projekt-ID KU03-2022)

Die Suche nach Kulturgütern, die während der NS-Zeit in Südniedersachsen unrechtmäßig entzogen wurden und in Museen gelangt sind, geht weiter. Bereits 2016 und 20217 führte der Landschaftsverband Südniedersachsen zwei Erstchecks mit anschließender Tiefenforschung über vier Jahre in insgesamt neun stadtgeschichtlichen Museen durch. Mit dem dritten Erstcheck in der Region soll Forschungsbedarf in vier weiteren Museen ermittelt werden: den Stadtmuseen Bad Gandersheim, Goslar und Moringen sowie dem Museum der Porzellanmanufaktur Schloss Fürstenberg. Auch diese Forschungsrunde wird wieder vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanziell gefördert.

Es wurden Museen ausgewählt, die entweder bereits vor der NS-Zeit gegründet wurden oder – wie im Fall Fürstenberg und Moringen – Objekte aus der Zeit vor 1945 im Bestand haben. Seitens der Museen besteht ein lebhaftes Interesse an der Klärung der unbekannten Herkunft von Einzelobjekten und Beständen. So hat beispielsweise das Heimatmuseum Moringen eine Fahne des örtlichen Arbeiter-Radfahrervereins im Bestand, deren Herkunft unklar ist. Oder im Museum Goslar soll dem Erwerb von Bildern des Goslarer Kunstsammlers Max Jacob (1897-1945 für tot erklärt) nachgegangen werden. Nach der Deportation des Sammlers im Jahr 1942 fragte das Finanzamt

Goslar den örtlichen Museumsleiter Dr. Carl Borchers als Taxator für zwölf von Max Jacob eingezogene Gemälde an. Bei dieser Gelegenheit erwarb das Museum zwei Bilder, der Weg der übrigen Bilder ist unbekannt.

Das Projekt erstreckt sich über einen Zeitraum von sechs Monaten. Es wird mit einer öffentlichen Abschlussveranstaltung enden. Die Ergebnisse werden auf der Webseite des Landschaftsverbands veröffentlicht werden, wo auch alle bisherigen Provenienzforschungsergebnisse und Publikationen zugänglich sind (https://landschaftsverband.org/museumsberatung/provenienzforschung.html). Der Erstcheck wird von Dr. Christian Riemenschneider übernommen, der bereits die vorausgegangenen Provenienzforschungsprojekte des Landschaftsverbands durchgeführt hat.

 

Fahne des Arbeiter-Radfahrervereins Sturmvogel 1922 Moringen im Heimatmuseum Moringen (Foto: Christian Riemenschneider)
Fahne des Arbeiter-Radfahrervereins Sturmvogel 1922 Moringen im Heimatmuseum Moringen (Foto: Christian Riemenschneider)