“Tag der offenen Tür” und Kolloquium Provenienzforschung entfallen

13.03.2020

Auf­grund der ak­tu­el­len Um­stän­de im Zu­sam­men­hang mit dem CO­VID-19-Vi­rus sind die bei­den kom­men­den Ver­an­stal­tun­gen des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te vor­sorg­lich ab­ge­sagt. Das Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung mit dem Vor­trag von Na­di­ne Bau­er am 23. März im In­sti­tut für Eu­ro­päi­sche Eth­no­lo­gie an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin kann lei­der nicht statt­fin­den. Auch der ge­plan­te „Tag der of­fe­nen Tür“ zum Tag der Pro­ve­ni­enz­for­schung am 8. April im Sitz der Stif­tung in Mag­de­burg ent­fällt. Ob und wann die Ver­an­stal­tun­gen nach­ge­holt wer­den kön­nen, steht der­zeit noch nicht fest. Wir bit­ten um Ver­ständ­nis.

„Auf der Suche nach Kulturgutverlusten“ in den Stasi-Unterlagen

10.03.2020

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ver­öf­fent­licht in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Bun­des­be­auf­trag­ten für die Sta­si-Un­ter­la­gen ein neu­es Re­cher­che­mit­tel zur Pro­ve­ni­enz­for­schung

Wert­vol­le Kunst­wer­ke wur­den ih­ren ur­sprüng­li­chen Be­sit­ze­rin­nen und Be­sit­zern nicht nur wäh­rend der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ent­zo­gen, son­dern auch in der so­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne (SBZ) und der DDR. Erst­mals ha­ben sich jetzt das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te und der Bun­des­be­auf­trag­te für die Sta­si-Un­ter­la­gen (BStU) in ei­nem ge­mein­sa­men For­schungs­pro­jekt auf Spu­ren­su­che nach Be­le­gen für sol­che Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen und -trans­fers in den Sta­si-Ak­ten ge­macht.

Ziel der Ko­ope­ra­ti­on war es, ei­nen ver­läss­li­chen Zu­gang zu den ent­spre­chen­den Ak­ten­be­stän­den des Mi­nis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit (MfS) zu er­mög­li­chen und so wei­ter­ge­hen­der For­schung die Tü­ren zu öff­nen. Das 110 Sei­ten um­fas­sen­de In­ven­tar der Au­to­ren Ralf Blum, Hel­ge Hei­de­mey­er und Ar­no Pol­zin be­schreibt Zu­gangs­we­ge zu den Be­stän­den, die vom MfS bis 1990 be­reits ar­chi­viert wa­ren. Es lis­tet über 450 Do­ku­men­te auf, die bei die­ser Spu­ren­su­che ge­sich­tet wur­den und ord­net ih­re Aus­sa­ge­kraft ein. Da­mit er­mög­licht es ei­nen ers­ten Zu­gang zu zahl­rei­chen Ent­zugs­vor­gän­gen in der SBZ und DDR.

Er­gänzt wird das In­ven­tar durch ein über 550 Sei­ten star­kes wei­te­res Ver­zeich­nis, ei­ne Samm­lung von an­nä­hernd 2.000 zu­sätz­li­chen Ar­chivsi­gna­tu­ren, die Hin­wei­se auf mög­li­che Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen ge­ben kön­nen. Sie ent­stam­men der Re­cher­che in Un­ter­la­gen, die die BStU-Ar­chi­va­re nach dem En­de der Sta­si er­schlos­sen und ar­chi­viert ha­ben und die in der BStU-in­ter­nen Da­ten­bank SAE do­ku­men­tiert sind. Da­mit wird ein um­fas­sen­de­res Bild der Quel­len­la­ge er­mög­licht. Das zu­sätz­li­che Ver­zeich­nis ist beim Dow­n­load des Spe­zialin­ven­tars auf der Web­si­te des BStU au­to­ma­tisch da­bei. In der ge­druck­ten Ver­si­on ist das Spe­zialin­ven­tar oh­ne Ver­zeich­nis er­hält­lich.

Ralf Blum, Hel­ge Hei­de­mey­er und Ar­no Pol­zin: Auf der Su­che nach Kul­tur­gut­ver­lus­ten. Ein Spe­zialin­ven­tar zu den Sta­si-Un­ter­la­gen (2 Eu­ro, 110 Sei­ten plus 556 Sei­ten Do­ku­men­ten­ver­zeich­nis) gibt es ab so­fort un­ter www.bstu.de/kul­tur­gut­ver­lus­te als Dow­n­load und zum Be­stel­len.

Das Buch wird am Frei­tag, 13. März, um 19 Uhr im Rah­men ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on mit Ar­no Pol­zin, Ralf Blum und Uwe Hart­mann in der Ge­denk­stät­te Mu­se­um in der „Run­den Ecke“ in Leip­zig vor­ge­stellt.

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste lädt zum “Kolloquium Provenienzforschung” am 23.3.2020

02.03.2020

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt in Ko­ope­ra­ti­on mit CAR­MAH (Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge) zur Ver­an­stal­tungs­rei­he „Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung“ des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te ein. Am Mon­tag, dem 23. März 2020, um 18 Uhr hält Na­di­ne Bau­er, Pro­ve­ni­enz­for­sche­rin, ei­nen Vor­trag zum The­ma: „”Ei­ne wirk­li­che Nutz­nie­ße­rin der Na­zis” – Ver­or­tung der Kunst­händ­le­rin Ma­ria Diet­rich“.

Der Vor­trag wird Grund­la­gen zur Bio­gra­fie Ma­ria Diet­richs und ih­rer Ga­le­rie Al­mas ver­mit­teln und gleich­zei­tig auf­zei­gen, wel­che De­si­de­ra­te hin­sicht­lich ih­rer kunst­händ­le­ri­schen Tä­tig­keit be­ste­hen. Es soll zu­dem nach­ge­zeich­net wer­den, wie sich Diet­rich von ei­ner me­dio­ke­ren Münch­ner Kunst- und An­ti­qui­tä­ten­händ­le­rin in­ner­halb we­ni­ger Jah­re hin zur Hauptein­käu­fe­rin für Hit­ler und des­sen „Son­der­auf­trag Linz“ ent­wi­ckel­te. Am En­de steht die Fra­ge, in­wie­fern die aus Diet­richs Spruch­kam­merak­te stam­men­de Be­wer­tung ‚Nutz­nie­ße­rin der Na­zis‘ aus dem Jahr 1947 heu­te noch Gül­tig­keit be­sitzt.

Die Ver­an­stal­tung fin­det im Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge, In­sti­tut für Eu­ro­päi­sche Eth­no­lo­gie, Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, Moh­ren­stra­ße 40/41, in 10 117 Ber­lin, in Raum 408 (4. Stock) statt.

Auf­grund der be­grenz­ten An­zahl von Plät­zen möch­ten wir Sie bit­ten, sich un­ter der fol­gen­den E-Mail-Adres­se bis zum 20.03. an­zu­mel­den:

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Jo­se­fi­ne Han­nig
Ver­an­stal­tun­gen
Hum­boldt­stra­ße 12
39112 Mag­de­burg
Te­le­fon+49 (0) 391 727 763 23
Te­le­fax+49 (0)391 727 763 6
E-Mailjo­se­fi­ne.han­nig@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

ZDFkultur zeigt in der “Digitalen Kunsthalle” eine Ausstellung über NS-Raubkunst

Saulmann, von Klemperer, von Bleichröder, Rubinstein: Diese vier Namen stehen stellvertretend für die Schicksale unzähliger jüdischer Familien während der NS-Zeit – und sie stehen stellvertretend für das Schicksal bedeutender privater Sammlungen, die von den Nationalsozialisten gestohlen, auseinandergerissen, verkauft oder zerstört worden sind. Die Ausstellung “Geraubte Kunst”, die ZDFkultur ab sofort unter https://digitalekunsthalle.zdf.de zeigt, dokumentiert erstmals in virtuell begehbaren Räumen die Verlustgeschichte der einstigen Sammlungen von Ernst und Agathe Saulmann, Gustav von Klemperer, James von Bleichröder und Arthur Rubinstein. Sie zeigt am Beispiel ausgewählter Werke aus diesen Sammlungen, wie der NS-Raub vonstattenging, wie der Kunstmarkt von der Zwangslage jüdischer Kunstbesitzer profitierte und wie Museen heute mit möglichen Restitutionsfällen im Sinne der Washingtoner Erklärung umgehen.

Die Schau entstand im Austausch mit den Provenienzforschern bedeutender deutscher Kultureinrichtungen: der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Städel Museum in Frankfurt, die insgesamt vier Fälle für die Produktion bereitgestellt haben. Sie waren in den Besitz von Raubkunst aus jenen Sammlungen gelangt, an die nun in der Ausstellung in der “Digitalen Kunsthalle” erinnert wird. Inzwischen wurden diese Objekte an die rechtmäßigen Eigentümer restituiert und teilweise im Anschluss wiedererworben. Präsentiert wird unter anderem ein “Pinseläffchen” des Modelleurs Johann Joachim Kaendler der Porzellanmanufaktur Meissen (um 1730), das einst Eigentum der Dresdner Bankiersfamilie von Klemperer war. Aus der Sammlung des schwäbischen Textilfabrikanten Ernst Saulmann und seiner Frau Agathe stammen eine Madonna mit Kind aus dem 14. Jahrhundert und das Relief “Drei Engel mit dem Christuskind” (um 1430) aus dem Umkreis von Hans Multscher. Das um 1530/40 geschaffene Gemälde “Die Auferweckung des Lazarus” gehörte einst der Bankiersfamilie Bleichröder, und aus der Privatbibliothek des Pianisten Arthur Rubinstein ist eine Ausgabe von Miguel de Cervantes’ “Don Quijote” zu sehen.

Neben diesen Objekten, die auf ganz unterschiedlichen Wegen in die Institutionen gelangten, werden in der Ausstellung in vier Filmen die vier Sammlungen vorgestellt und die Geschichten ihrer Besitzer geschildert, wobei jeweils verschiedene Aspekte von Raub und Restitution thematisiert werden. Im “Raum der Stimmen” kommen zudem in kurzen Videoclips renommierte Expertinnen und Experten zum Thema NS-Raubkunst zu Wort. Darunter Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die über die “Notwendigkeit rückhaltloser Aufklärung” spricht. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, äußert sich zur Verantwortung von Museen und Kulturinstitutionen. Gilbert Lupfer, Kunsthistoriker und ehrenamtlicher Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, sucht Antworten auf die Frage, warum Provenienzforschung und Restitutionen erst so spät begannen. Und Stuart E. Eizenstat, Diplomat und Mitinitiator der Washingtoner Konferenz von 1998, auf der die Prinzipien für den Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut festgelegt wurden, erläutert, welche Zwecke die Nationalsozialisten mit dem Raub jüdischer Sammlungen verfolgten.

Die digitale Ausstellung “Geraubte Kunst” widmet sich einem gesellschaftlich höchst relevanten Thema und trägt dazu bei, es stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Damit erfüllt sie zentrale Zielsetzungen, die bei der Gründung von ZDFkultur vor einem Jahr formuliert wurden: Kultur für alle zugänglich zu machen, das kulturelle Gedächtnis zu fördern, einen Raum zu bieten für fundiertes Wissen, aktuelle Diskurse und neue Perspektiven.

Eingebettet in die ZDFmediathek bündelt ZDFkultur Inhalte aus unterschiedlichen Bereichen wie Kunst, Literatur und Musik – und ist selbst als Kulturproduzent tätig. Anlässlich des Jahrestages von ZDFkultur am 13. Februar 2020 erhält die “Digitale Kunsthalle” ein neues, optimiertes Design.

Parallel zur Ausstellung entstand die Dokumentation “Geraubte Kunst. Jüdische Sammlungen im Nationalsozialismus” von Felix von Boehm und Constantin Lieb, die unter https://zdf.de/kultur/kulturdoku/geraubte-kunst-100.html zu sehen ist und beispielhaft vom Schicksalsweg von Ernst und Agathe Saulmann und ihrer Kunstsammlung erzählt.

Ansprechpartnerinnen:

Dr. Britta Schröder, , Katharina Rudolph, ; Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108,

Ausstellung “Geraubte Kunst” in der “Digitalen Kunsthalle”: https://digitalekunsthalle.zdf.de/geraubtekunst/index.html

Doku “Geraubte Kunst. Jüdische Sammlungen im Nationalsozialismus” in der ZDFmediathek: https://zdf.de/kultur/kulturdoku/geraubte-kunst-100.html

ZDFkultur in der ZDFmediathek: https://zdfkultur.de

ZDFkultur bei Facebook: https://facebook.com/ZDFkultur

https://twitter.com/ZDFpresse

Pressekontakt:

ZDF Presse und Information
Telefon: +49-6131-70-12121

Kolloquium Provenienzforschung, Berlin: Vortrag von Dr. Andrea Baresel-Brand – Digitale Provenienzforschung – die neue Forschungsdatenbank PROVEANA

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt in Ko­ope­ra­ti­on mit CAR­MAH (Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge) zur Ver­an­stal­tungs­rei­he „Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung“ des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te ein. Am Mon­tag, dem 24. Fe­bru­ar 2020, um 18 Uhr hält Dr. An­drea Ba­re­sel-Brand (Lei­te­rin des Fach­be­reichs Lost Art, Do­ku­men­ta­ti­on beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te) ei­nen Vor­trag zum The­ma: „Di­gi­ta­le Pro­ve­ni­enz­for­schung – die neue For­schungs­da­ten­bank PRO­VEA­NA“.

Di­gi­ta­le Da­ten, de­ren Auf­be­rei­tung, Ana­ly­se und Vi­sua­li­sie­rung sind zen­tra­le The­men der Di­gi­tal Hu­ma­ni­ties. Ei­ne zeit­ge­mä­ße Pro­ve­ni­enz­for­schung be­darf di­gi­ta­ler Platt­for­men und Werk­zeu­ge. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat mit der im Ja­nu­ar on­line ge­gan­ge­nen Pro­vea­na die bun­des­weit bis­her um­fas­sends­te Pro­ve­ni­enz­for­schungs-Da­ten­bank ge­star­tet. Un­ter http://www.pro­vea­na.de sind zu­nächst die Er­geb­nis­se der bis­her von der Stif­tung und zu­vor von der „Ar­beits­stel­le für Pro­ve­ni­enz­for­schung“ ge­för­der­ten For­schungs­pro­jek­te so­wie Da­ten und Be­rich­te zur Pro­ven­ienz­re­cher­che im Fall Gur­litt re­cher­chier­bar. Der Vor­trag gibt Ein­bli­cke in Kon­zept, Funk­tio­na­li­tä­ten und Ent­wick­lungs­po­ten­tia­le von Pro­vea­na.

Die Ver­an­stal­tung fin­det im Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge, In­sti­tut für Eu­ro­päi­sche Eth­no­lo­gie, Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, Moh­ren­stra­ße 40/41, in 10 117 Ber­lin, in Raum 408 (4. Stock) statt.

Auf­grund der be­grenz­ten An­zahl von Plät­zen möch­ten wir Sie bit­ten, sich un­ter der fol­gen­den E-Mail-Adres­se bis zum 21.02. an­zu­mel­den:

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Jo­se­fi­ne Han­nig
Ver­an­stal­tun­gen
Hum­boldt­stra­ße 12
39112 Mag­de­burg
Te­le­fon+49 (0) 391 727 763 23
Te­le­fax+49 (0)391 727 763 6
E-Mailjo­se­fi­ne.han­nig@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

POSTKOLONIALE PROVENIENZFORSCHUNG ÜBERSICHT ZU FORSCHUNGSPROJEKTEN IM BEREICH DER KOLONIALEN PROVENIENZEN JETZT ONLINE

Die „schnellstmögliche weltweite Verfügbarmachung der Bestandsverzeichnisse afrikanischer Objekte“ ist die zentrale Forderung der Unterzeichner_innen des Appells „Öffnet die Inventare!“ an die deutschen Museen im Oktober 2019. Appelle wie diese machen deutlich, wie wichtig Transparenz ist – das gilt auch für die an deutschsprachigen Museen, Universitäten und anderen Einrichtungen geleistete Forschungsarbeit zu Sammlungen aus kolonialen Kontexten. Die Arbeitsgruppe Koloniale Provenienzen – eine Initiative von Wissenschaftler_innen, die zu ethnologischen Sammlungen, aber auch im Bereich der menschlichen Überreste forscht – stellt unter https://www.postcolonial-provenance-research.com/ag-projekte eine Übersicht von laufenden und abgeschlossenen For-schungsprojekten postkolonialer Provenienzforschung online. Die Liste wird kontinuierlich aktualisiert und ergänzt.


Die Arbeitsgruppe Koloniale Provenienzen ist seit 2018 im Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. organisiert. Den Wissenschaftler_innen der Arbeitsgruppe geht es um einen Austausch über die oftmals durch Drittmittel geförderten Projekte und Initiativen, die sich dezidiert der Aufarbeitung kolonialer Provenienzen widmen. Die Bündelung von Informationen, Wissenstransfer und die Vernetzung der Akteur_innen zunächst innerhalb der deutschsprachigen Museen und Universitätssammlungen ist Teil dieses Austauschs. Zentral ist die Frage, wie die an vielen Häusern seit Jahren durchgeführte sammlungsgeschichtliche Forschung für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden kann. Die nun online gestellte Liste der Projekte mit den jeweiligen Mitarbeiter_innen und Kooperations-partner_innen ist hierfür ein wichtiger Ausgangspunkt. Sie verweist auf die vielfältigen Aktivitäten in dem Forschungsfeld gerade auch in Hinblick auf die zunehmende Bedeutung der Zusammenarbeit mit den sogenannten Herkunftsgesellschaften.


Die Arbeitsgruppe setzt sich aus freiberuflichen, fest angestellten und ehrenamtlichen Provenienzforscher_innen zusammen, die sich im Rahmen der alljährlich im Herbst stattfindenden Tagungen des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V. treffen. Zudem kommt die Gruppe zweimal im Jahr in einem der ethnologischen Museen im deutschsprachigen Raum zusammen. Im Rahmen von Vorträgen und praktischen Workshops werden u.a. die Herausforderungen und Methoden postkolonialer Prove-nienzforschung diskutiert, dazu gehören auch die dringend anstehende Digitalisierung der Sammlungen und ihre Einbindung in einer übergreifenden online-Datenbank. Das nächste Treffen findet am 13. und 14. Februar 2020 im Weltmuseum Wien statt.


Die Arbeitsgruppe ist offen für alle Wissenschaftler_innen und Museumsexpert_innen, die Provenienzforschung betreiben und sich mit der Thematik der Translokation von Objekten im Kontext des Kolonialismus auseinandersetzen.

Pressekontakt:
Kristin Weber-Sinn (Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz)

Noch mehr Offenheit und Vernetzung in der Provenienzforschung: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste startet neue Forschungs-Datenbank Proveana

23.01.2020

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat mit der am 23. Ja­nu­ar on­line ge­gan­ge­nen Pro­vea­na die bun­des­weit bis­her um­fas­sends­te Pro­ve­ni­enz­for­schungs-Da­ten­bank ge­star­tet. Über Pro­vea­na sind zu­nächst die Er­geb­nis­se der bis­her von der Stif­tung und zu­vor von der „Ar­beits­stel­le für Pro­ve­ni­enz­for­schung“ ge­för­der­ten For­schungs­pro­jek­te so­wie Da­ten und Be­rich­te zur Pro­ven­ienz­re­cher­che im Fall Gur­litt re­cher­chier­bar.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters: „Der heu­ti­ge Start der Da­ten­bank Pro­vea­na ist ein Mei­len­stein in der Pro­ve­ni­enz­for­schung. Durch das neue An­ge­bot des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te wer­den die Trans­pa­renz und vor al­lem die Ver­net­zung un­zäh­li­ger For­schungs­er­kennt­nis­se ge­stärkt. Das ist ein großer Fort­schritt für die Auf­ar­bei­tung des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kul­tur­gu­trau­bes. Die mit Pro­vea­na ver­bes­ser­te Wis­sens­ba­sis ist ein Ge­winn für die Wis­sen­schaft und die For­schungs­ar­beit in Mu­se­en und Samm­lun­gen, in Bi­blio­the­ken und Ar­chi­ven so­wie für vie­le Pro­ve­ni­enz­for­scher. Pro­vea­na wen­det sich zu­dem an die vom Kul­tur­gu­traub Be­trof­fe­nen und de­ren Nach­fah­ren. Es ist da­mit ein wei­te­res un­mit­tel­ba­res An­ge­bot für all die­je­ni­gen, de­nen auch wei­ter­hin un­se­re gan­ze Auf­merk­sam­keit und all un­se­re An­stren­gun­gen gel­ten müs­sen – für die Op­fer des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kul­tur­gu­trau­bes und ih­re Fa­mi­li­en.“

Die frisch ge­star­te­te Da­ten­bank ist als ste­tig wach­sen­de Un­ter­neh­mung kon­zi­piert: Sie wird von ei­nem Re­dak­ti­ons­team stän­dig mit neu­en In­for­ma­tio­nen ge­füllt und ak­tua­li­siert. Das neue An­ge­bot steht in­halt­lich auf vier Bei­nen. Es ver­sam­melt For­schungs­er­geb­nis­se aus den von der Stif­tung ge­för­der­ten vier Be­rei­chen: NS-Raub­gut, Kriegs­ver­lus­te, Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne und der DDR so­wie Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten. Der Schwer­punkt liegt da­bei auf dem Kul­tur­gut­ent­zug zwi­schen 1933 und 1945. Pro­vea­na bie­tet In­for­ma­tio­nen über Per­so­nen, In­sti­tu­tio­nen und Er­eig­nis­se, über Samm­lun­gen und Ob­jek­te. Da­zu kom­men wei­ter­füh­ren­de Quel­len, Ar­chi­va­li­en, Li­te­ra­tur und di­gi­ta­le An­ge­bo­te. „Pro­vea­na soll ei­ne Road­map wer­den für For­scher und In­ter­es­sier­te“, so der wis­sen­schaft­li­che Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te, Gil­bert Lup­fer. „Die Da­ten­bank soll Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern, aber auch Be­trof­fe­nen of­fen ste­hen für ih­re ei­ge­nen Re­cher­chen.“

Die Idee da­hin­ter: Pro­vea­na fasst zu­sam­men und durch­leuch­tet, was in der ge­för­der­ten Pro­ve­ni­enz­for­schung seit 2008 zu­sam­men­ge­tra­gen wur­de. Sie bün­delt For­schung, macht Re­sul­ta­te leich­ter hand­hab­bar und gibt tie­fe Ein­bli­cke. Pro­vea­na er­hebt selbst­ver­ständ­lich kei­nen An­spruch auf Voll­stän­dig­keit. Sie soll wach­sen und sich ver­zwei­gen, die Er­trä­ge der Pro­ve­ni­enz­for­schung trans­pa­rent und bes­ser nutz­bar ma­chen. Pro­vea­na, so Lup­fer, soll „neue Ver­bin­dun­gen her­stel­len, Mög­lich­kei­ten und We­ge auf­zei­gen, In­ter­es­sier­ten und For­schern neue Res­sour­cen er­öff­nen und sie in ih­rer Ar­beit un­ter­stüt­zen. Da­hin­ter steht im­mer un­ser An­spruch, zu Lö­sun­gen bei­zu­tra­gen, die im Sin­ne der Op­fer von Kunst­raub und Kul­tur­gut­ent­zug sind.“

Pro­vea­na er­laubt auch den Zu­griff auf In­for­ma­tio­nen der eben­falls vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­nen Lost Art-Da­ten­bank. Die­se er­fasst vor al­lem Kul­tur­gü­ter, die un­ter der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ge­walt­herr­schaft ins­be­son­de­re jü­di­schen Ei­gen­tü­mern ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ist ei­ne 2015 vom Bund, den Län­dern und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den ge­grün­de­te Stif­tung. Es ist na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal der zen­tra­le An­sprech­part­ner zu Fra­gen un­recht­mä­ßi­ger Ent­zie­hun­gen von Kul­tur­gut, das sich heu­te in Samm­lun­gen deut­scher kul­tur­gut­be­wah­ren­der Ein­rich­tun­gen be­fin­det. Das Haupt­au­gen­merk des Zen­trums gilt hier­bei dem im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­gut ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz. Das Zen­trum ver­steht sei­ne Ar­beit als wich­ti­gen Bei­trag zur Wie­der­gut­ma­chung er­lit­te­nen Un­rechts.

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste lädt zum “Kolloquium Provenienzforschung” am 27.1.2020

21.01.2020

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt in Ko­ope­ra­ti­on mit CAR­MAH (Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge) zur Ver­an­stal­tungs­rei­he des „Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung“ des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te ein.

Am Mon­tag, dem 27. Ja­nu­ar 2020, um 19 Uhr hält Dr. Hol­ger Sto­e­cker (Se­mi­nar für Afri­ka­wis­sen­schaf­ten der HU Ber­lin) ei­nen Vor­trag zum The­ma: „Aus­lands­kul­tur­po­li­tik im Di­lem­ma. Zum Um­gang der DDR mit For­de­run­gen nach Rück­ga­be von Ob­jek­ten ko­lo­nia­ler Pro­ve­ni­enz“.

Seit den frü­hen 1970er Jah­ren wur­de die DDR mit ei­nem un­er­war­te­ten Phä­no­men kon­fron­tiert: mit For­de­run­gen aus der „Drit­ten Welt“ nach Rück­ga­be von Kul­tur­gü­tern, wel­che wäh­rend der Ko­lo­ni­al­zeit in deut­sche Mu­se­en ge­langt wa­ren. Die Rück­ga­be­for­de­run­gen aus den „jun­gen Na­tio­nal­staa­ten“ führ­ten zu ei­ner an­hal­ten­den Ir­ri­ta­ti­on in den zu­stän­di­gen DDR-Stel­len. Der Vor­trag un­ter­sucht das Be­mü­hen der DDR-Au­ßen­kul­tur­po­li­tik in den 1970er und 1980er Jah­ren, kon­zep­tio­nel­le und prag­ma­ti­sche Aus­we­ge aus die­sem au­ßen­kul­tur­po­li­ti­schen Di­lem­ma zu fin­den, oh­ne da­bei ei­ge­ne Rück­füh­rungs­an­sprü­che auf­zu­ge­ben.

Die Ver­an­stal­tung fin­det im Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge, In­sti­tut für Eu­ro­päi­sche Eth­no­lo­gie, Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, Moh­ren­stra­ße 40/41, in 10 117 Ber­lin, in Raum 408 (4. Stock) statt.

Auf­grund der be­grenz­ten An­zahl von Plät­zen möch­ten wir Sie bit­ten, sich un­ter der fol­gen­den E-Mail-Adres­se bis zum 26.01. an­zu­mel­den:

Ma­thi­as Dei­nert
Te­le­fon+49 (0) 391 727 763 32
E-Mailma­thi­as.dei­nert@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

 

Intensiver Austausch: Israelischer Gesandter Sagui besucht die Stiftung

15.01.2020

Der Ge­sand­te der Bot­schaft des Staa­tes Is­rael in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Aaron Sa­gui, hat am 14. Ja­nu­ar das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­sucht, um sich ein Bild von der Ar­beit und der Struk­tur der Stif­tung zu ma­chen. Großes In­ter­es­se zeig­te er an der Ein­rich­tung des neu­en Help Desks in Ber­lin, der seit 1. Ja­nu­ar ins­be­son­de­re jü­di­schen Op­fern des NS-Kul­tur­gu­traubs und ih­ren Nach­fah­ren Be­ra­tung und Hil­fe­stel­lung bie­tet.

Au­ßer­dem wur­de über den wei­te­ren Dia­log des Zen­trums und die Zu­sam­men­ar­beit mit is­rae­li­schen Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen ge­spro­chen. Ein wei­te­res The­ma war die vom Zen­trum be­trie­be­ne Lost Art-Da­ten­bank. Der Ge­sand­te wür­dig­te die Be­deu­tung der Da­ten­bank und die Ar­beit der Stif­tung ins­ge­samt und gab der Be­reit­schaft sei­tens der Bot­schaft Aus­druck, das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in sei­ner wei­te­ren Ar­beit nach Kräf­ten zu un­ter­stüt­zen.

Aaron Sa­gui ist seit dem Jahr 2000 als Di­plo­mat im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um des Staa­tes Is­rael tä­tig. Seit Au­gust 2019 ist er Ge­sand­ter der Bot­schaft des Staa­tes Is­rael in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Netzwerk der europäischen Restitutionskommissionen veröffentlicht 5. Newsletter

14.01.2020

Das zu Be­ginn des Jah­res ge­grün­de­te Netz­werk der fünf Kom­mis­sio­nen, die sich in Eu­ro­pa mit der Er­for­schung und Rück­ga­be von NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut be­fas­sen, hat sei­nen fünf­ten Newslet­ter (PDF, 3 MB) her­aus­ge­ge­ben.

Das Netz­werk be­steht aus der Be­ra­ten­den Kom­mis­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­guts, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz (Deutsch­land), der Com­mis­si­on pour l’in­dem­ni­sa­ti­on des vic­ti­mes de spo­lia­ti­ons (Frank­reich), dem Spo­lia­ti­on Ad­vi­so­ry Pa­nel (Groß­bri­tan­ni­en), der Re­sti­tu­tie­com­mis­sie (Nie­der­lan­de) und der Kom­mis­si­on für Pro­ve­ni­enz­for­schung (Ös­ter­reich).

Die Ko­ope­ra­ti­on wur­de auf der In­ter­na­tio­na­len Kon­fe­renz in Lon­don im Sep­tem­ber 2017 be­schlos­sen. Ein Jahr spä­ter setz­ten die fünf Kom­mis­sio­nen die­se Idee um und leg­ten die Be­din­gun­gen ih­rer Ko­ope­ra­ti­on im Rah­men ih­rer je­wei­li­gen po­li­ti­schen Man­da­te und Struk­tu­ren fest.

Al­le Newslet­ter des Netz­wer­kes auf ei­nen Blick