Noch mehr Offenheit und Vernetzung in der Provenienzforschung: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste startet neue Forschungs-Datenbank Proveana

23.01.2020

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat mit der am 23. Ja­nu­ar on­line ge­gan­ge­nen Pro­vea­na die bun­des­weit bis­her um­fas­sends­te Pro­ve­ni­enz­for­schungs-Da­ten­bank ge­star­tet. Über Pro­vea­na sind zu­nächst die Er­geb­nis­se der bis­her von der Stif­tung und zu­vor von der „Ar­beits­stel­le für Pro­ve­ni­enz­for­schung“ ge­för­der­ten For­schungs­pro­jek­te so­wie Da­ten und Be­rich­te zur Pro­ven­ienz­re­cher­che im Fall Gur­litt re­cher­chier­bar.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters: „Der heu­ti­ge Start der Da­ten­bank Pro­vea­na ist ein Mei­len­stein in der Pro­ve­ni­enz­for­schung. Durch das neue An­ge­bot des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te wer­den die Trans­pa­renz und vor al­lem die Ver­net­zung un­zäh­li­ger For­schungs­er­kennt­nis­se ge­stärkt. Das ist ein großer Fort­schritt für die Auf­ar­bei­tung des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kul­tur­gu­trau­bes. Die mit Pro­vea­na ver­bes­ser­te Wis­sens­ba­sis ist ein Ge­winn für die Wis­sen­schaft und die For­schungs­ar­beit in Mu­se­en und Samm­lun­gen, in Bi­blio­the­ken und Ar­chi­ven so­wie für vie­le Pro­ve­ni­enz­for­scher. Pro­vea­na wen­det sich zu­dem an die vom Kul­tur­gu­traub Be­trof­fe­nen und de­ren Nach­fah­ren. Es ist da­mit ein wei­te­res un­mit­tel­ba­res An­ge­bot für all die­je­ni­gen, de­nen auch wei­ter­hin un­se­re gan­ze Auf­merk­sam­keit und all un­se­re An­stren­gun­gen gel­ten müs­sen – für die Op­fer des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kul­tur­gu­trau­bes und ih­re Fa­mi­li­en.“

Die frisch ge­star­te­te Da­ten­bank ist als ste­tig wach­sen­de Un­ter­neh­mung kon­zi­piert: Sie wird von ei­nem Re­dak­ti­ons­team stän­dig mit neu­en In­for­ma­tio­nen ge­füllt und ak­tua­li­siert. Das neue An­ge­bot steht in­halt­lich auf vier Bei­nen. Es ver­sam­melt For­schungs­er­geb­nis­se aus den von der Stif­tung ge­för­der­ten vier Be­rei­chen: NS-Raub­gut, Kriegs­ver­lus­te, Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne und der DDR so­wie Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten. Der Schwer­punkt liegt da­bei auf dem Kul­tur­gut­ent­zug zwi­schen 1933 und 1945. Pro­vea­na bie­tet In­for­ma­tio­nen über Per­so­nen, In­sti­tu­tio­nen und Er­eig­nis­se, über Samm­lun­gen und Ob­jek­te. Da­zu kom­men wei­ter­füh­ren­de Quel­len, Ar­chi­va­li­en, Li­te­ra­tur und di­gi­ta­le An­ge­bo­te. „Pro­vea­na soll ei­ne Road­map wer­den für For­scher und In­ter­es­sier­te“, so der wis­sen­schaft­li­che Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te, Gil­bert Lup­fer. „Die Da­ten­bank soll Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern, aber auch Be­trof­fe­nen of­fen ste­hen für ih­re ei­ge­nen Re­cher­chen.“

Die Idee da­hin­ter: Pro­vea­na fasst zu­sam­men und durch­leuch­tet, was in der ge­för­der­ten Pro­ve­ni­enz­for­schung seit 2008 zu­sam­men­ge­tra­gen wur­de. Sie bün­delt For­schung, macht Re­sul­ta­te leich­ter hand­hab­bar und gibt tie­fe Ein­bli­cke. Pro­vea­na er­hebt selbst­ver­ständ­lich kei­nen An­spruch auf Voll­stän­dig­keit. Sie soll wach­sen und sich ver­zwei­gen, die Er­trä­ge der Pro­ve­ni­enz­for­schung trans­pa­rent und bes­ser nutz­bar ma­chen. Pro­vea­na, so Lup­fer, soll „neue Ver­bin­dun­gen her­stel­len, Mög­lich­kei­ten und We­ge auf­zei­gen, In­ter­es­sier­ten und For­schern neue Res­sour­cen er­öff­nen und sie in ih­rer Ar­beit un­ter­stüt­zen. Da­hin­ter steht im­mer un­ser An­spruch, zu Lö­sun­gen bei­zu­tra­gen, die im Sin­ne der Op­fer von Kunst­raub und Kul­tur­gut­ent­zug sind.“

Pro­vea­na er­laubt auch den Zu­griff auf In­for­ma­tio­nen der eben­falls vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­nen Lost Art-Da­ten­bank. Die­se er­fasst vor al­lem Kul­tur­gü­ter, die un­ter der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ge­walt­herr­schaft ins­be­son­de­re jü­di­schen Ei­gen­tü­mern ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ist ei­ne 2015 vom Bund, den Län­dern und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den ge­grün­de­te Stif­tung. Es ist na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal der zen­tra­le An­sprech­part­ner zu Fra­gen un­recht­mä­ßi­ger Ent­zie­hun­gen von Kul­tur­gut, das sich heu­te in Samm­lun­gen deut­scher kul­tur­gut­be­wah­ren­der Ein­rich­tun­gen be­fin­det. Das Haupt­au­gen­merk des Zen­trums gilt hier­bei dem im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­gut ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz. Das Zen­trum ver­steht sei­ne Ar­beit als wich­ti­gen Bei­trag zur Wie­der­gut­ma­chung er­lit­te­nen Un­rechts.

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste lädt zum “Kolloquium Provenienzforschung” am 27.1.2020

21.01.2020

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt in Ko­ope­ra­ti­on mit CAR­MAH (Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge) zur Ver­an­stal­tungs­rei­he des „Kol­lo­qui­um Pro­ve­ni­enz­for­schung“ des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te ein.

Am Mon­tag, dem 27. Ja­nu­ar 2020, um 19 Uhr hält Dr. Hol­ger Sto­e­cker (Se­mi­nar für Afri­ka­wis­sen­schaf­ten der HU Ber­lin) ei­nen Vor­trag zum The­ma: „Aus­lands­kul­tur­po­li­tik im Di­lem­ma. Zum Um­gang der DDR mit For­de­run­gen nach Rück­ga­be von Ob­jek­ten ko­lo­nia­ler Pro­ve­ni­enz“.

Seit den frü­hen 1970er Jah­ren wur­de die DDR mit ei­nem un­er­war­te­ten Phä­no­men kon­fron­tiert: mit For­de­run­gen aus der „Drit­ten Welt“ nach Rück­ga­be von Kul­tur­gü­tern, wel­che wäh­rend der Ko­lo­ni­al­zeit in deut­sche Mu­se­en ge­langt wa­ren. Die Rück­ga­be­for­de­run­gen aus den „jun­gen Na­tio­nal­staa­ten“ führ­ten zu ei­ner an­hal­ten­den Ir­ri­ta­ti­on in den zu­stän­di­gen DDR-Stel­len. Der Vor­trag un­ter­sucht das Be­mü­hen der DDR-Au­ßen­kul­tur­po­li­tik in den 1970er und 1980er Jah­ren, kon­zep­tio­nel­le und prag­ma­ti­sche Aus­we­ge aus die­sem au­ßen­kul­tur­po­li­ti­schen Di­lem­ma zu fin­den, oh­ne da­bei ei­ge­ne Rück­füh­rungs­an­sprü­che auf­zu­ge­ben.

Die Ver­an­stal­tung fin­det im Cen­tre for An­thro­po­lo­gi­cal Re­se­arch on Mu­se­ums and He­ri­ta­ge, In­sti­tut für Eu­ro­päi­sche Eth­no­lo­gie, Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, Moh­ren­stra­ße 40/41, in 10 117 Ber­lin, in Raum 408 (4. Stock) statt.

Auf­grund der be­grenz­ten An­zahl von Plät­zen möch­ten wir Sie bit­ten, sich un­ter der fol­gen­den E-Mail-Adres­se bis zum 26.01. an­zu­mel­den:

Ma­thi­as Dei­nert
Te­le­fon+49 (0) 391 727 763 32
E-Mailma­thi­as.dei­nert@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

 

Intensiver Austausch: Israelischer Gesandter Sagui besucht die Stiftung

15.01.2020

Der Ge­sand­te der Bot­schaft des Staa­tes Is­rael in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Aaron Sa­gui, hat am 14. Ja­nu­ar das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­sucht, um sich ein Bild von der Ar­beit und der Struk­tur der Stif­tung zu ma­chen. Großes In­ter­es­se zeig­te er an der Ein­rich­tung des neu­en Help Desks in Ber­lin, der seit 1. Ja­nu­ar ins­be­son­de­re jü­di­schen Op­fern des NS-Kul­tur­gu­traubs und ih­ren Nach­fah­ren Be­ra­tung und Hil­fe­stel­lung bie­tet.

Au­ßer­dem wur­de über den wei­te­ren Dia­log des Zen­trums und die Zu­sam­men­ar­beit mit is­rae­li­schen Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen ge­spro­chen. Ein wei­te­res The­ma war die vom Zen­trum be­trie­be­ne Lost Art-Da­ten­bank. Der Ge­sand­te wür­dig­te die Be­deu­tung der Da­ten­bank und die Ar­beit der Stif­tung ins­ge­samt und gab der Be­reit­schaft sei­tens der Bot­schaft Aus­druck, das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in sei­ner wei­te­ren Ar­beit nach Kräf­ten zu un­ter­stüt­zen.

Aaron Sa­gui ist seit dem Jahr 2000 als Di­plo­mat im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um des Staa­tes Is­rael tä­tig. Seit Au­gust 2019 ist er Ge­sand­ter der Bot­schaft des Staa­tes Is­rael in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Netzwerk der europäischen Restitutionskommissionen veröffentlicht 5. Newsletter

14.01.2020

Das zu Be­ginn des Jah­res ge­grün­de­te Netz­werk der fünf Kom­mis­sio­nen, die sich in Eu­ro­pa mit der Er­for­schung und Rück­ga­be von NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut be­fas­sen, hat sei­nen fünf­ten Newslet­ter (PDF, 3 MB) her­aus­ge­ge­ben.

Das Netz­werk be­steht aus der Be­ra­ten­den Kom­mis­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­guts, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz (Deutsch­land), der Com­mis­si­on pour l’in­dem­ni­sa­ti­on des vic­ti­mes de spo­lia­ti­ons (Frank­reich), dem Spo­lia­ti­on Ad­vi­so­ry Pa­nel (Groß­bri­tan­ni­en), der Re­sti­tu­tie­com­mis­sie (Nie­der­lan­de) und der Kom­mis­si­on für Pro­ve­ni­enz­for­schung (Ös­ter­reich).

Die Ko­ope­ra­ti­on wur­de auf der In­ter­na­tio­na­len Kon­fe­renz in Lon­don im Sep­tem­ber 2017 be­schlos­sen. Ein Jahr spä­ter setz­ten die fünf Kom­mis­sio­nen die­se Idee um und leg­ten die Be­din­gun­gen ih­rer Ko­ope­ra­ti­on im Rah­men ih­rer je­wei­li­gen po­li­ti­schen Man­da­te und Struk­tu­ren fest.

Al­le Newslet­ter des Netz­wer­kes auf ei­nen Blick

Start des „Help Desk NS-Raubgut“ in Berlin

09.01.2020

Men­schen, de­nen wäh­rend der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft Kul­tur­gü­ter ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den, kön­nen sich eben­so wie ih­re Nach­fah­ren seit An­fang Ja­nu­ar mit ih­ren An­lie­gen an ei­ne zen­tra­le Kon­takt­stel­le in Ber­lin wen­den. Fi­nan­ziert wird die­ser „Help Desk“ von der Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur und Me­di­en.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters er­klärt: „Vie­le po­ten­zi­el­le Re­sti­tu­ti­ons­fäl­le sind schon in­halt­lich au­ßer­or­dent­lich kom­plex. Um den oft im Aus­land le­ben­den Op­fern des NS-Re­gimes und ih­ren Nach­fah­ren die Ori­en­tie­rung zu er­leich­tern und An­sprech­part­ner nen­nen zu kön­nen, steht ih­nen ab so­fort in der Ber­li­ner Be­ra­tungs­stel­le ei­ne er­fah­re­ne Kunst­his­to­ri­ke­rin zur Sei­te. Denn die Men­schen, de­nen selbst oder de­ren Vor­fah­ren un­vor­stell­ba­res Leid von deut­scher Hand wi­der­fah­ren ist, sol­len hier nicht auf bü­ro­kra­ti­sche Hür­den sto­ßen, son­dern ih­nen soll ge­hol­fen wer­den.“

Gil­bert Lup­fer, wis­sen­schaft­li­cher Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg: „Seit län­ge­rem be­steht auf Sei­ten der Op­fer des NS-Kul­tur­gu­traubs und ih­rer Nach­fah­ren das Be­dürf­nis nach stär­ke­rer fach­li­cher Be­ra­tung bei der Su­che nach Kul­tur­gü­tern aus Fa­mi­li­en­be­sitz, beim Fin­den der zu­stän­di­gen An­sprech­part­ner so­wie im Dia­log auf Au­gen­hö­he mit Mu­se­en, Bi­blio­the­ken und Be­hör­den in Deutsch­land. Wir freu­en uns, mit Su­san­ne Mey­er-Abich ei­ne neue Kol­le­gin ge­fun­den zu ha­ben, die die­se wich­ti­ge und sen­si­ble Auf­ga­be mit ih­rer lang­jäh­ri­gen in­ter­na­tio­na­len Er­fah­rung und ih­rer kom­mu­ni­ka­ti­ven Kom­pe­tenz ge­wiss sehr gut aus­fül­len wird.“

Dies, so Prof. Lup­fer, gel­te be­son­ders für Per­so­nen, die nicht in Deutsch­land leb­ten, nicht die deut­sche Spra­che be­herrsch­ten und nicht mit den Ge­pflo­gen­hei­ten des deut­schen Kul­tur­fö­de­ra­lis­mus ver­traut sei­en. „Die neue Kon­takt- und Ver­trau­ens­per­son in Ber­lin soll ge­nau die­se Lücke schlie­ßen und Be­trof­fe­nen bei ers­ten Schrit­ten un­ter­stüt­zend zur Sei­te ste­hen.“

Die Kunst­his­to­ri­ke­rin Dr. Su­san­ne Mey­er-Abich lei­tet seit dem 1. Ja­nu­ar 2020 den „Help Desk NS-Raub­gut“. Sie stu­dier­te Kunst­ge­schich­te, Eng­lisch und Ita­lie­nisch an der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bo­chum und pro­mo­vier­te dort 1995. Von 1998 bis 2016 ar­bei­te­te sie in in­ter­na­tio­na­len Auk­ti­ons­häu­sern. Seit Ju­ni 2016 war Su­san­ne Mey­er-Abich als Fach­über­set­ze­rin für Kunst und Kul­tur tä­tig, seit No­vem­ber 2016 als lei­ten­de Re­dak­teu­rin beim Jour­nal for Art Mar­ket Stu­dies an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin.

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Dr. Su­san­ne Mey­er-Abich
An­sprech­part­ne­rin “Help Desk”
Ber­t­ha-Benz-Stra­ße  5
10117 Ber­lin
Te­le­fon+49 (0) 30 34 65 542 49
Te­le­fax+49 (0)391 727 763 6
E-Mailsu­san­ne.mey­er-abich@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

Der „Help Desk“ ist ganz­tä­gig be­setzt. Te­le­fo­ni­sche Sprech­zei­ten sind mon­tags bis don­ners­tags 14 bis 18 Uhr und nach Ver­ein­ba­rung. Per E-Mail ist der „Help Desk“ je­der­zeit er­reich­bar.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ist ei­ne 2015 vom Bund, den Län­dern und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den ge­grün­de­te Stif­tung. Es ist in Deutsch­land na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal der zen­tra­le An­sprech­part­ner zu Fra­gen un­recht­mä­ßi­ger Ent­zie­hun­gen von Kul­tur­gut im 19. und 20. Jahr­hun­dert, das sich heu­te in Samm­lun­gen deut­scher kul­tur­gut­be­wah­ren­der Ein­rich­tun­gen be­fin­det. Das Haupt­au­gen­merk des Zen­trums gilt hier­bei dem im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­gut ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz. Das Zen­trum ver­steht sei­ne Ar­beit als wich­ti­gen Bei­trag zur Wie­der­gut­ma­chung er­lit­te­nen Un­rechts.

Kunstsammlung Oetker restituiert NS-Raubgut

Das Bie­le­fel­der Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men Dr. Oet­ker hat ein Ge­mäl­de an die Er­ben des jü­di­schen Kunst­samm­lers Leo Ben­del zu­rück­ge­ge­ben. Bei dem Werk mit dem Ti­tel „Der He­xen­meis­ter“ von Carl Spitz­weg han­delt es sich um NS-Raub­gut.

Leo Ben­del, Ta­bak­händ­ler mit pol­ni­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit, leb­te zu­sam­men mit sei­ner Ehe­frau El­se Ben­del (geb. Gol­ze) in Ber­lin und Wien, bis er im Jahr 1935 auf­grund sei­nes jü­di­schen Glau­bens sei­nen Be­ruf ver­lor und kurz dar­auf sei­nen Wohn­sitz in Ber­lin auf­gab. Er ver­kauf­te das Kunst­werk 1937 an die Ga­le­rie Hei­ne­mann in Mün­chen. Im Jahr 1938 leg­te Ben­del sei­ne pol­ni­sche Staats­bür­ger­schaft ab und kon­ver­tier­te ge­mein­sam mit sei­ner Frau zum Ka­tho­li­zis­mus. Den­noch wur­de er im Sep­tem­ber 1939 von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten in Wien ver­haf­tet und ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald de­por­tiert, wo er im März 1940 er­mor­det wur­de. Sei­ne nicht­jü­di­sche Ehe­frau über­leb­te.

Ca­ro­li­ne Oet­ker er­stand das Carl-Spitz­weg-Ge­mäl­de von der Mün­che­ner Ga­le­rie Hei­ne­mann im Jah­re 1937. Sie ver­mach­te das Bild ih­rem En­kel Ru­dolf-Au­gust Oet­ker. 1998 wur­de es Be­stand­teil der dann ge­grün­de­ten Kunst­samm­lung Ru­dolf- Au­gust Oet­ker GmbH. Im Jahr 2006 hat­ten die Ver­tre­ter der Er­ben von Leo Ben­del die Kunst­samm­lung dar­auf auf­merk­sam ge­macht, dass sich das Ge­mäl­de einst in der Samm­lung von Leo Ben­del be­fand. Bei­de Sei­ten ei­nig­ten sich be­reits 2016 prin­zi­pi­ell auf ei­ne Rück­ga­be des Ge­mäl­des von der Kunst­samm­lung an die Er­ben Leo und El­se Ben­dels, je­doch nahm es Zeit in An­spruch, bis die recht- mä­ßi­gen Er­ben aus­fin­dig ge­macht und ihr An­spruch durch ent­spre­chen­de Erb­nach­wei­se be­legt wer­den konn­ten. Nach­dem das zu­stän­di­ge Ge­richt die an­spruchs­be­rech­tig­te Par­tei nun be­stimmt hat, konn­te das Ge­mäl­de zu­rück­ge­ge­ben wer­den.

Seit 2016 lässt die Kunst­samm­lung die Pro­ve­ni­en­zen der da­zu­ge­hö­ren­den Ob­jek­te um­fas­send re­cher­chie­ren. Ziel ist es, zu über­prü­fen, ob Kunst­wer­ke der Samm­lung ur­sprüng­lich im Be­sitz von Per­so­nen wa­ren, die von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­folgt wur­den und ob die Ob­jek­te auf­grund des­sen un­recht­mä­ßig ab­han­den­ge­kom­men sind.

Seit 2017 kön­nen pri­vat­recht­li­che Ein­rich­tun­gen oder Pri­vat­per­so­nen, die bei der ei­ge­nen Su­che nach NS-Raub­gut und fai­ren und ge­rech­ten Lö­sun­gen den Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en und der Ge­mein­sa­men Er­klä­rung fol­gen, ei­ne För­de­rung der Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­an­tra­gen.

Jüdische Gemeinde Oldenburg erhält Grundstein der alten Synagoge

20.06.2019

In ei­nem be­we­gen­den Fes­t­akt hat die Jü­di­sche Ge­mein­de Ol­den­burg den Grund­stein der al­ten Syn­ago­ge zu­rück­er­hal­ten. Der Grund­stein be­fand sich vie­le Jah­re im Be­stand des Stadt­mu­se­ums Ol­den­burg und konn­te im Zu­ge der dor­ti­gen vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten Pro­ve­ni­enz­for­schung nun als ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut re­sti­tu­iert wer­den. Die Jü­di­sche Ge­mein­de über­lässt den sym­bol­hal­ti­gen Stein dem Stadt­mu­se­um als wich­ti­ge Leih­ga­be für die Dau­er­aus­stel­lung.

„Am Bei­spiel sol­cher Re­sti­tu­tio­nen zeigt sich, wa­rum es wich­tig ist, Pro­ve­ni­enz­for­schung zu be­trei­ben und mit den recht­mä­ßi­gen Er­ben nach ge­rech­ten und fai­ren Lö­sun­gen im Sin­ne der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en zu su­chen. Sol­che Re­sti­tu­tio­nen krö­nen den lan­gen Weg der oft her­aus­for­dern­den For­schungs­ar­bei­ten“, sag­te So­phie Le­schik, Re­fe­ren­tin im Fach­be­reich Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Zen­trum.

Der Grund­stein war 1854 ge­legt wor­den. In der Po­grom­nacht 1938 setz­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten die Syn­ago­ge in Brand und zer­stör­ten sie, der Stein tauch­te 1959 bei Bau­ar­bei­ten wie­der auf und wur­de dann in die Samm­lun­gen des Stadt­mu­se­ums Ol­den­burg ge­ge­ben. Der ur­sprüng­li­che In­halt des Steins be­fin­det sich heu­te im Be­sitz des Braun­schwei­gi­schen Lan­des­mu­se­ums und um­fasst zwei gra­vier­te Plat­ten, zwei Mün­zen und ei­ne Zeit­kap­sel, die das Stadt­mu­se­um Ol­den­burg als Leih­ga­ben er­hält. Dar­über hin­aus ent­hielt er ei­ne Grund­riss­skiz­ze, ei­ne Glau­bens- und Pflich­ten­leh­re, ein Ge­set­zes­blatt und ei­nen Zei­tungs­aus­schnitt.

In der Stadt Ol­den­burg wird seit 2016 mit Un­ter­stüt­zung des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te Pro­ve­ni­enz­for­schung im Stadt­mu­se­um be­trie­ben: Über­prüft wer­den al­le künst­le­ri­schen Ar­bei­ten, die von 1933 bis 1945 Ein­gang in die Be­stän­de des Mu­se­ums fan­den. Be­trof­fen sind ins­ge­samt ca. 1000 Ob­jek­te.

Pres­se­mit­tei­lung der Stadt Ol­den­burg

Archiv-Workshop für Provenienzforscher

29.04.2019

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te und das Säch­si­sche Staats­ar­chiv, Staats­ar­chiv Leip­zig ver­an­stal­ten am 5. Ju­ni 2019 im Staats­ar­chiv Leip­zig den Work­shop „Ar­chi­ve und Ar­chiv­gut: Quel­len und Re­cher­che­we­ge für die Pro­ve­ni­enz­for­schung“. Der Work­shop rich­tet sich an Pro­ve­ni­enz­for­scher und führt in ar­chi­vi­sche Zu­stän­dig­kei­ten, wich­ti­ge Quel­len­grup­pen so­wie ana­lo­ge und di­gi­ta­le Re­cher­chemög­lich­kei­ten ein.

Das aus­führ­li­che Pro­gramm mit den An­mel­de­mo­da­li­tä­ten zum Work­shop fin­den Sie hier.

10. April: Zentrum unterstützt „Tag der Provenienzforschung“

09.04.2019

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg un­ter­stützt den vom Ar­beits­kreis Pro­ve­ni­enz­for­schung e. V. in­iti­ier­ten ers­ten „Tag der Pro­ve­ni­enz­for­schung“ am 10. April 2019. Ge­mein­sam mit dem Nie­der­säch­si­schen Lan­des­ar­chiv und der „Kon­fe­renz der Lei­te­rin­nen und Lei­ter der Ar­chiv­ver­wal­tun­gen des Bun­des und der Län­der“ rich­tet das Zen­trum an die­sem Tag die Fach­kon­fe­renz „Mu­se­ums­über­lie­fe­rung – Im Schnitt­punkt der In­ter­es­sen von Mu­se­en, Ar­chi­ven und der For­schung“ aus.

Uwe Hart­mann, Lei­ter des Fach­be­reichs Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Zen­trum, und Ma­thi­as Dei­nert, An­sprech­part­ner im Be­reich Pro­jekt­ko­or­di­na­ti­on Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in SBZ und DDR, wer­den im Rah­men der Ta­gung be­grü­ßen, ein­zel­ne Sek­tio­nen mo­de­rie­ren und die Ab­schluss­dis­kus­si­on lei­ten.

Ziel ist es, den fach­li­chen Dia­log zwi­schen Pro­ve­ni­enz­for­schung, Mu­se­en und Ar­chi­ven vor­an­zu­trei­ben und dar­zu­stel­len, wel­che spe­zi­fi­schen An­for­de­run­gen und Be­dürf­nis­se Pro­ve­ni­enz­for­scher an die Er­schlie­ßung von Mu­se­ums-Schrift­gut ha­ben. An­hand von Er­fah­rungs­be­rich­ten wer­den er­folg­rei­che Mo­del­le und Bei­spie­le gu­ter Zu­sam­men­ar­beit vor­ge­stellt, aber auch Pro­ble­me und Hür­den be­spro­chen, um ge­mein­sam über Lö­sun­gen nach­zu­den­ken.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur vom Zen­trum aus­ge­rich­te­ten Ta­gung fin­den Sie hier.

Der Tag der Pro­ve­ni­enz­for­schung fin­det in die­sem Jahr erst­ma­lig statt. Mehr als 70 Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen in Deutsch­land, Groß­bri­tan­ni­en, Ös­ter­reich, den Nie­der­lan­den und der Schweiz neh­men dar­an teil und ge­ben u. a. im Rah­men von Füh­run­gen, Prä­sen­ta­tio­nen, Aus­stel­lun­gen oder an­der­wei­ti­gen Ak­tio­nen ei­nen ak­tu­el­len Ein­blick in we­sent­li­che Fra­gen und Er­geb­nis­se der Pro­ve­ni­enz­for­schung. Zu­künf­tig soll der Ak­ti­ons­tag ein­mal jähr­lich, je­weils am zwei­ten Mitt­woch im April statt­fin­den.

Ei­ne Über­sicht der teil­neh­men­den Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen fin­det sich auf der Web­si­te des Ar­beits­krei­ses Pro­ve­ni­enz­for­schung.

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: Jetzt Förderung von Projekten zur Erbenermittlung

08.04.2019

Mit der am 22. Ja­nu­ar 2019 in Kraft ge­tre­te­nen Er­wei­te­rung der Richt­li­nie für die För­de­rung der Pro­ve­ni­enz­for­schung (PDF, 2 MB) (NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut) be­steht nun auch die Mög­lich­keit, beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ei­ne För­de­rung von Pro­jek­ten zur Er­be­ner­mitt­lung zu be­an­tra­gen.

Der neue För­der­ge­gen­stand zielt dar­auf ab, Er­ben zu Ob­jek­ten aus Samm­lun­gen, zu de­nen be­reits Pro­ve­ni­enz­for­schung statt­ge­fun­den hat, zu er­mit­teln und so zu ei­ner ge­rech­ten und fai­ren Lö­sung im Sin­ne der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en von 1998 und der Ge­mein­sa­men Er­klä­rung von 1999 bei­zu­tra­gen.

Die nächs­te An­trags­frist für lang­fris­ti­ge For­schungs­pro­jek­te en­det am 1. Ju­ni 2019.
Ein­zel­fall­be­zo­ge­nen, kurz­fris­ti­gen For­schungs­be­darf bis zu ei­ner ma­xi­ma­len För­der­sum­me von 15.000 Eu­ro för­dert das Zen­trum oh­ne Frist ganz­jäh­rig.

Das Zen­trum bie­tet zu­dem mit der On­line-Ru­brik “Er­be­ner­mitt­lung” im Rah­men sei­nes Auf­trags ei­nen ak­tu­ell ge­hal­te­ten Wis­sens­stand mit Hin­wei­sen zu Me­tho­den, Ab­läu­fen, Re­cher­chemög­lich­kei­ten und Quel­len zur Er­mitt­lung mög­li­cher Er­ben.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur För­de­rung so­wie die ak­tu­el­len An­trags­for­mu­la­re sind hier zu­gäng­lich.
Der Fach­be­reich Pro­ve­ni­enz­for­schung steht im Rah­men der Pro­jekt­be­ra­tung als An­sprech­part­ner zur Ver­fü­gung.

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Cath­leen Tas­ler
Pro­jekt­be­ra­tung (“NS-Raub­gut” – öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen)
Hum­boldt­stra­ße 12
39112 Mag­de­burg
Te­le­fon: +49 (0) 391 727 763 21
Te­le­fax: +49 (0)391 727 763 6
E-Mail: cath­leen.tas­ler@kul­tur­gut­ver­lus­te.de

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Dr. Dag­mar The­sing
Pro­jekt­be­ra­tung (“NS-Raub­gut” – pri­va­te Ein­rich­tun­gen und Pri­vat­per­so­nen)
Hum­boldt­stra­ße 12
39112 Mag­de­burg
Te­le­fon: +49 (0) 391 727 763 31
Te­le­fax: +49 (0)391 727 763 6
E-Mail: dag­mar.the­sing@kul­tur­gut­ver­lus­te.de