Deutsches Zentrum Kulturgutverluste lädt zur Herbstkonferenz 2020

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te wid­met sich seit sei­ner Grün­dung 2015 auch den Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne (SBZ) und in der DDR. 2016 be­fass­te sich be­reits ei­ne Herbst­kon­fe­renz mit die­sem The­ma; 2017 be­schloss dann der Stif­tungs­rat des Zen­trums, Grund­la­gen­for­schung in die­sem Be­reich zu er­mög­li­chen. 30 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung ist es nun an der Zeit, bis­her Er­reich­tes zu bi­lan­zie­ren, Mach­ba­res aus­zu­lo­ten und nächs­te Zie­le zu for­mu­lie­ren. Mit der dies­jäh­ri­gen Herbst­kon­fe­renz am 30. No­vem­ber 2020 möch­te das Zen­trum die Ge­le­gen­heit da­zu bie­ten. Die Kon­fe­renz­bei­trä­ge rich­ten den Blick haupt­säch­lich auf den Bin­nen- und Au­ßen­han­del der DDR mit Kunst und An­ti­qui­tä­ten. Da­bei in­ter­es­siert des­sen Wech­sel­wir­kung mit der staat­li­chen Mu­se­umspo­li­tik eben­so wie sei­ne Über­la­ge­rung mit Un­rechts­kon­tex­ten und sei­ne in­ter­na­tio­na­le Reich­wei­te.

Die Kon­fe­renz wird vor dem Hin­ter­grund der Co­ro­na-Pan­de­mie oh­ne Prä­senz-Pu­bli­kum statt­fin­den und nur di­gi­tal über­tra­gen (li­ve auf www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de und auf dem You­Tu­be-Ka­nal: Kul­tur­gut­ver­lus­te/ Ger­man Lost Art Foun­da­ti­on). Sie wird zu­dem auf der Web­si­te des Zen­trums im Be­reich Ver­an­stal­tungs­do­ku­men­ta­ti­on nach­ge­hal­ten.

Bit­te mel­den Sie sich vor­her an. An­mel­de­frist: 20. No­vem­ber 2020.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur Kon­fe­renz “‘VEB Kunst’ – Kul­tur­gut­ent­zug und Han­del in der DDR” am 30. No­vem­ber 2020

Am Abend vor der Kon­fe­renz geht ei­ne Po­di­ums­dis­kus­si­on der Fra­ge nach, wo wir der­zeit mit der his­to­ri­schen, ju­ris­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen Auf­ar­bei­tung des Kul­tur­gut­ent­zugs in der DDR ste­hen. Ist Rechts­frie­den ge­schaf­fen oder sind Chan­cen ver­passt wor­den? Ist mit der Be­ar­bei­tung von Rück­über­tra­gungs­an­trä­gen ab 1990 nun­mehr ein Punkt er­reicht, strit­ti­ge Fäl­le als er­le­digt zu be­trach­ten und al­les zu den Ak­ten zu le­gen? Bleibt die Be­schäf­ti­gung mit pri­va­ten Kul­tur­gut­ver­lus­ten in SBZ und DDR künf­tig rein aka­de­mi­sche For­schung? Oder hat der Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel in Mu­se­en, Bi­blio­the­ken, Ar­chi­ven und öf­fent­li­chen Ver­wal­tun­gen ei­nen ganz neu­en Im­puls zur Auf­ar­bei­tung mit sich ge­bracht? Was könn­te und was soll­te als Auf­ga­be vor uns lie­gen? Als Me­di­en­part­ner fun­giert der Mit­tel­deut­sche Rund­funk. Er über­trägt die Po­di­ums­dis­kus­si­on am 1. De­zem­ber 2020 in der Sen­dung MDR KUL­TUR-Werk­statt. Sie kann an­schlie­ßend für ein Jahr in der ARD Me­dia­thek ab­ge­ru­fen wer­den.

An der Dis­kus­si­on neh­men teil Ul­ri­ke Lo­renz (Prä­si­den­tin der Klas­sik Stif­tung Wei­mar), Ro­land Jahn (Bun­des­be­auf­trag­ter für die Un­ter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen Deut­schen De­mo­kra­ti­schen Re­pu­blik), Ulf Bi­schof (Rechts­an­walt) und Uwe Hart­mann (Lei­ter des Fach­be­reichs Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te).

Die Po­di­ums­dis­kus­si­on ist öf­fent­lich. Auf­grund der sehr be­grenz­ten Platz­zahl und der der­zei­ti­gen Si­tua­ti­on im Hin­blick auf die Co­ro­na-Pan­de­mie ist die Teil­nah­me je­doch nur nach vor­he­ri­ger An­mel­dung mög­lich. Ei­ne Teil­nah­me oh­ne vor­he­ri­ge An­mel­dung ist aus­ge­schlos­sen!

An­mel­de­frist: 20. No­vem­ber 2020; Ih­re An­mel­dung wird be­stä­tigt. Mit dem Aus­druck die­ser Be­stä­ti­gung wei­sen Sie sich vor Ort aus.

In den öf­fent­li­chen Be­rei­chen (Gän­gen, Toi­let­ten) be­steht die Pflicht, ei­nen Mund-Na­sen-Schutz zu tra­gen! Ach­ten Sie auf aus­rei­chen­den Min­destab­stand. Bit­te be­ach­ten Sie, dass ei­ne Durch­füh­rung der Po­di­ums­dis­kus­si­on mit Pu­bli­kum wei­ter­hin nicht ga­ran­tiert wer­den kann.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur Po­di­ums­dis­kus­si­on “Ent­eig­net, ent­zo­gen, ver­kauft: Zur Auf­ar­bei­tung der Kul­tur­gut­ver­lus­te in der DDR” am 29. No­vem­ber 2020

Pro­gramm der Po­di­ums­dis­kus­si­on und der Herbst­kon­fe­renz (PDF, 2 MB)

LWL zeigt Wanderausstellung zur Provenienzforschung

Das Mu­se­um­samt des Land­schafts­ver­bands West­fa­len-Lip­pe (LWL) hat in Ko­ope­ra­ti­on mit dem LVR-Fach­be­reich Re­gio­na­le Kul­tu­r­ar­beit ei­ne Aus­stel­lung zur Pro­ve­ni­enz­for­schung er­ar­bei­tet, die in ins­ge­samt acht Mu­se­en Nord­rhein-West­fa­lens ab Sep­tem­ber 2020 prä­sen­tiert wird.

Die Aus­stel­lung „Ge­schich­te der Din­ge. Zur Her­kunft von Ob­jek­ten in nord­rhein-west­fä­li­schen Samm­lun­gen“ wid­met sich in ins­ge­samt zehn Ka­pi­teln den un­ter­schied­li­chen Ent­zugs­kon­tex­ten (u.a. NS-ver­fol­gungs­be­ding­tem Ent­zug, Ko­lo­nia­lis­mus, DDR-Un­recht, Beu­te­kunst, il­le­ga­le Aus- bzw. Ein­fuhr), ver­schie­de­nen Ob­jekt­grup­pen (bspw. Ju­dai­ka) wie auch Ak­teu­ren und Struk­tu­ren.

Die Aus­stel­lung prä­sen­tiert 50 Leih­ga­ben aus Nord­rhein-West­fa­len, an­hand de­rer die Le­bens- und Er­werbs­ge­schich­ten dar­ge­stellt wer­den.

Ein Ka­ta­log, für den nam­haf­te Au­tor*in­nen ge­won­nen wer­den konn­ten, ver­tieft und er­wei­tert die The­men­be­rei­che und zeigt aus­ge­wähl­te Aus­stel­lungs­ob­jek­te. Dar­über hin­aus wur­de ein mu­se­umspäd­ago­gi­sches Be­gleit­pro­gramm für Er­wach­se­ne so­wie die Se­kun­dar­stu­fe II ent­wi­ckelt.

Zu­nächst wird die Aus­stel­lung ab dem 27.Sep­tem­ber im Kreis­mu­se­um We­wels­burg in Bü­ren zu se­hen sein, an­schlie­ßend im Jü­di­schen Mu­se­um West­fa­len. Sie en­det im Früh­jahr 2022 im Stadt­mu­se­um Düs­sel­dorf.

Wan­deraus­stel­lun­gen sind ein kos­ten­lo­ses Ser­vice­an­ge­bot der Ver­bän­de an die kom­mu­na­len Mu­se­en.

Hin­ter­grund:
In ei­nem Pro­jekt zur Pro­ve­ni­enz­for­schung in NRW nahm die LVR-Mu­se­ums­be­ra­tung fe­der­füh­rend zu­sam­men mit dem LWL-Mu­se­um­samt in den Jah­ren 2017 bis 2019 be­son­ders klei­ne­re und mit­tel­große Mu­se­en in den Blick. Ge­gen­stand des Pro­jek­tes war die Er­stel­lung ei­nes Kon­zep­tes zur Eta­blie­rung, Sys­te­ma­ti­sie­rung so­wie struk­tu­rel­len Ver­bes­se­rung der Pro­ve­ni­enz­for­schung an den Mu­se­en in Nord­rhein-West­fa­len. Die Pro­jek­t­er­geb­nis­se sind im Pro­jekt­ab­schluss­be­richt „Pro­ve­ni­enz­for­schung in NRW – In­for­ma­tio­nen und Emp­feh­lun­gen für ei­ne sys­te­ma­ti­sche, flä­chen­de­cken­de und nach­hal­ti­ge Pro­ve­ni­enz­for­schung“ pu­bli­ziert, an dem das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te mit­ge­wirkt hat. Von Be­ginn an war ge­plant, im Rah­men ei­ner Wan­deraus­stel­lung nicht nur die Er­geb­nis­se die­ses Pro­jekts vor­zu­stel­len, son­dern auch nied­rig­schwel­lig und ob­jekt­ba­siert das The­ma Pro­ve­ni­enz­for­schung den Be­su­cher*in­nen na­he­zu­brin­gen.

Kolloquium Provenienzforschung: „Naturkundliche Objekte aus kolonialen Kontexten – Erste Ansätze für die Provenienzforschung zu den Sammlungen des Berliner Botanischen Gartens und Museums”

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt in Ko­ope­ra­ti­on mit CAR­MAH am 5. Ok­to­ber 2020 um 18 Uhr zum Kolloquium Provenienzforschung mit Kat­ja Kai­ser ein. Thema: „Naturkundliche Objekte aus kolonialen Kontexten – Erste Ansätze für die Provenienzforschung zu den Sammlungen des Berliner Botanischen Gartens und Museums”

Am Montag, dem 5. Oktober 2020, um 18 Uhr hält Katja Kaiser (ehem. Doktorandin am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin) einen Vortrag zum Thema: „Naturkundliche Objekte aus kolonialen Kontexten – Erste Ansätze für die Provenienzforschung zu den Sammlungen des Berliner Botanischen Gartens und Museums“.
Vortragsabstract: In den Sammlungen des Berliner Botanischen Gartens und Museums befinden sich neben Herbarbelegen, Alkoholpräparaten und Holzproben aus den Kolonien zahlreiche Objekte mit direktem Kolonialbezug wie Kisten für den Pflanzenversand und Fotografien zu botanischen und landwirtschaftlichen Unternehmungen in den Tropen. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Institutionen- und Sammlungsgeschichte der Berliner botanischen Einrichtungen und stellt erste Beispiele für die Provenienzforschung zu deren Sammlungen vor.

Die Veranstaltung findet aufgrund der Corona Pandemie als Videokonferenz statt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Aufgrund der begrenzten Kapazität ist die Teilnahme jedoch nur nach vorheriger Anmeldung bis zum 2.10.2020 möglich.

Nach erfolgter Anmeldung erhalten die Teilnehmer/innen am Tag der Veranstaltung die Zugangsdaten Konferenz, welche mit dem Anbieter WebEx durchgeführt wird.

Kontakt

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
Josefine Hannig
Veranstaltungen
Humboldtstraße 12
39112 Magdeburg
Telefon: +49 (0) 391 727 763 23
Telefax: +49 (0)391 727 763 6
E-Mail:

Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland startet

Die bei der Kulturstiftung der Länder angesiedelte Kontaktstelle ist die neue zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland.


Dazu Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder und Leiter der Kontaktstelle: „Mit der Einrichtung der Kontaktstelle haben Bund, Länder und Kommunen eine wichtige Voraussetzung für den partnerschaftlichen Dialog mit Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften über den verantwortungsvollen Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten geschaffen. Dies stellt die Entschlossenheit aller Beteiligten bei der gemeinsamen Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte als Teil unserer gesellschaftlichen Erinnerungskultur unter Beweis.“


Die Kontaktstelle richtet sich insbesondere an Personen und Institutionen aus den Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften. Als erste Anlaufstelle soll sie den Zugang zu Informationen über Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland eröffnen. Zudem soll sie Beratung auch für Einrichtungen in Deutschland anbieten und die relevanten Akteure miteinander vernetzen.


Die Kulturstiftung der Länder ist administrativer und organisatorischer Träger der Kontaktstelle. Verbundpartner sind das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanzierte Deutsche Zentrum Kulturgutverluste, die vom Auswärtigen Amt finanzierte Agentur für Internationale Museumskooperation (bis zu deren Errichtung zunächst das Auswärtige Amt) sowie die kommunalen Spitzenverbände.


Als zentrales Steuerungs- und Aufsichtsgremium legt die Bund-Länder AG „Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ die inhaltlichen Schwerpunkte und strategischen Ziele der Kontaktstelle fest. In dieser Bund-Länder AG arbeiten die Länder, das Auswärtige Amt, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die kommunalen Spitzenverbände, der Deutsche Museumsbund sowie das Deutsche Nationalkomitee des Internationalen Museumsrates ICOM zusammen.


Die Errichtung der Kontaktstelle geht zurück auf einen Beschluss von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden: Am 13. März 2019 hatten sich die Staatsministerin für Kultur und Medien, die Staatsministerin im Auswärtigen Amt für internationale Kulturpolitik, die Kulturministerinnen und Kulturminister der Länder und die kommunalen Spitzenverbände auf „Erste Eckpunkte zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ verständigt.


Die gemeinsam getragene Kontaktstelle ist zunächst als Pilotprojekt angelegt. Sie ist mit drei Personalstellen ausgestattet und wird mit insgesamt 1,185 Millionen Euro über drei Jahre zur einen Hälfte von den Ländern und zur anderen Hälfte von dem Auswärtigen Amt sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert.

Weitere Informationen zur Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland: https://www.kulturstiftung.de/kontaktstelle-sammlungsgut-aus-kolonialen-kontexten/


Die Webseite der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten finden Sie unter www.cp3c.de


Die Kulturstiftung der Länder entwickelt, fördert und begleitet im Auftrag der 16 deutschen Länder Initiativen und Projekte in den Bereichen Kunst und Kultur, die für ganz Deutschland bedeutsam sind und im Zusammenwirken mehrerer Partner umgesetzt werden. Die Kulturstiftung der Länder stellt die gesellschaftliche Bedeutung von Kultur in den Vordergrund. Dabei versteht sie unter Kultur die Gesamtheit der kulturellen Ausdrucksformen – materiell und immateriell –, die Menschen in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt hervorbringen, um Ideen und Werte auszudrücken und ihren Platz in dieser Welt zu bestimmen. Die Kulturstiftung der Länder will die kulturelle Teilhabe möglichst vieler Menschen erhöhen. Zu ihren wichtigsten Aufgaben zählen die Erwerbung, der Erhalt, die Dokumentation und die Präsentation und Vermittlung von Kulturgut. Sie wollen mehr erfahren? Besuchen Sie uns auf www.kulturstiftung.de und auf den sozialen Medien: Twitter @LaenderKultur, Facebook „Kulturstiftung der Länder“, Instagram @kulturstiftungderlaender und YouTube „Kulturstiftung der Länder“. Die Podcasts der Kulturstiftung der Länder finden Sie auf Spotify und iTunes.


Hans-Georg Moek, Leiter Kommunikation
Tel +49 (0)30 / 89 36 35 29,
Kulturstiftung der Länder
Lützowplatz 9, 10785 Berlin
www.kulturstiftung.de

Call for Papers: Eine Frage der Perspektive. Objekte als Vermittler von Wissenschaft. „JUNGES FORUM FÜR SAMMLUNGS- UND OBJEKTFORSCHUNG“ //WORKSHOP HALLE (SAALE) 2020

„Sobald der Mensch die Gegenstände um sich her gewahr wird, betrachtet er sie in bezug auf sich selbst, und mit Recht.“
Johann Wolfang Goethe sandte am 10. Januar 1798 einen Artikel an Schiller: DER VERSUCH ALS VERMITTLER VON OBJEKT UND SUBJEKT. Gedruckt erschien dieser Aufsatz erstmalig 1823.


Der Blick auf ein Objekt ist individuell und damit immer unterschiedlich. Bei der Objektforschung kommt es also auch auf die Perspektive des Vermittlers oder der Wissenschaftlerin an. Ein bestimmtes Objekt wird wahrscheinlich von einer Naturwissenschaftlerin anders gesehen, bewertet und genutzt als von einem Kulturwissenschaftler. Bei der Objektforschung sind demnach interdisziplinäre Betrachtungen und ergebnisoffene Ansätze wichtig, um neue Erkenntnisse zu generieren und für Forschung und Wissenstransfer nutzbar zu machen.


Vom 14. bis 15. Oktober 2020 findet an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg der fünfte Workshop der Reihe „Junges Forum für Sammlungs- und Objektforschung“ statt. Das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen (ZNS) lädt dazu Doktorandinnen und Doktoranden aller Disziplinen ein, die an und mit Objekten oder Sammlungen arbeiten. Bei diesem Workshop am ZNS steht vor allem die interdisziplinäre Perspektive auf die Objekte im Vordergrund. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, wissenschaftliche Fragestellungen, Methoden und Ergebnisse darzustellen und mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs sowie einem Experten-Team aus unterschiedlichen Fachkulturen zu diskutieren. Von den Referentinnen und Referenten wird erwartet, dass sie bereit sind, ihre Arbeit in einem Team interdisziplinär zu diskutieren und die eigenen Ergebnisse in einer gemeinsamen Online-Publikation darzulegen.


Das Junge Forum für Sammlungs- und Objektforschung
Die Initiative „Junges Forum für Sammlungs- und Objektforschung“ ist ein Kooperationsprojekt der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitäts-sammlungen, Berlin, mit vier Universitäten; es wird von der VolkswagenStiftung finanziert. Die Workshopreihe bietet eine besondere Plattform für jüngere Nachwuchs-wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, um sich fächerübergreifend
miteinander zu vernetzen und Fragen der objektbasierten Forschung insbesondere in
wissenschaftlichen Sammlungen an Hochschulen zu reflektieren.
Zentrales Anliegen ist es, den wissenschaftlichen Nachwuchs dazu anzuregen, mit wissenschaftlichen Sammlungen und Objektbeständen an Hochschulen und Museen zu arbeiten, Objektkompetenz zu erwerben und interdisziplinäre Projekte entwickeln zu lernen.


Informationen
Wir bitten um ein kurzes, maximal einseitiges Abstract für eine 20-minütige Präsentation sowie eine Kurzvita (max. 800 Zeichen) mit Stichworten zu den eigenen Forschungsinteressen an die nachfolgende E-Mail.
Stichtag der Einsendung ist der 01. September 2020
Einsendungen bitte an: (Betreff: „Junges Forum“)
Bei positiver Auswahl Ihres Beitrags wird erwartet, dass ein publizierbares Manuskript zur Forschungsarbeit bis spätestens 15. Januar 2021 vorliegt.


Die Tagungsbeiträge werden von der Gesellschaft für Universitätssammlungen e.V. (GfU) digital publiziert; die Reise- und Übernachtungskosten werden erstattet.


Für weitere Informationen:
• Zum ZNS siehe www.naturkundemuseum.uni-halle.de
• Zur Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen siehe http://wissenschaftliche-sammlungen.de
• Zu den digitalen Publikationen der Workshopreihe des „Jungen Forums“ siehe https://edoc.hu-berlin.de/junges_forum


Falls weitere Fragen auftreten, wenden Sie sich gerne an


Museum für Haustierkunde / ZNS
Dr. Renate Schafberg
Domplatz 4
06120 Halle (Saale)

Call-for-Papers: “Völkerschau-Objekte”

Die Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck lädt in Kooperation mit dem Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck und der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde zu einer interdisziplinären Tagung ein, die vom 27. bis 29. Oktober 2020 in Lübeck stattfindet.

Mit dem Begriff „Völkerschau“ wird eine Fülle höchst unterschiedlicher Präsentationen von Menschen fremdkultureller Herkunft bezeichnet, die meist vor 1945 stattfanden. Das Spektrum dieser Veranstaltungen reicht von den vieldiskutierten Völkerschauen des Hamburger Zoo-Unternehmers Hagenbeck und Zirkustourneen, über „Eingeborenendörfer“ auf Kolonialschauen und Weltausstellungen bis hin zu lokalen Auftritten von Indigenen in Theatern, Gasthöfen oder Schaubuden auf Volksfesten. In der bisherigen Forschung ist primär die Bedeutung der größeren Völkerschauen im Kontext des Kolonialismus und Rassismus herausgearbeitet worden, wobei die Opferrolle der zur Schau gestellten besondere Betonung fand. Einige neuere Studien bemühen sich auch um eine differenzierte Darstellung der Agency der Indigenen, indem sie deren Sichtweisen, ihren Motivationen und Handlungsspielräumen im Rahmen solcher Veranstaltungen nachspüren. Dabei beschränkt sich die Völkerschau-Forschung weitgehend auf Bild- und Textquellen.

Tatsächlich existiert in deutschen Museen eine Reihe von ethnographischen und naturkundlichen Sammlungen, die in ihrer Provenienz mit solchen Veranstaltungen verknüpft sind. Im Rahmen dieser Tagung soll erstmalig ein Überblick über diese Bestände gegeben und Möglichkeiten einer interdisziplinären Erforschung solcher „Völkerschau-Objekte“ diskutiert werden.

Uns interessieren sowohl Ethnographica oder Naturalien, die während der Anwerbungsreisen in den betreffenden Ländern gesammelt wurden, als auch Objekte, die von den Indigenen erst während der Schauen produziert, verwendet oder verkauft wurden. Wie die Reisen der Brüder Jakobsen an der nordamerikanischen Nordwestküste in den 1880er Jahren belegen, wurden z.T. schon im Rahmen der Anwerbung von Indigenen in den Herkunftsländern umfangreiche Sammlungen gezielt für den Verkauf an Museen angelegt. Solche Sammlungsreisen ließen sich als eine Art Forschung darstellen. Und auch die Völkerschauen selbst erhoben den Anspruch, einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Die Indigenen wurden während ihrer Tourneen häufig von Wissenschaftlern befragt, fotografiert und anthropologisch vermessen. Im Falle ihres Ablebens konnten sogar ihre Schädel in medizinischen und musealen Sammlungen enden. Weithin unbeachtet geblieben ist hingegen, dass die Indigenen bisweilen auch Übersetzungsarbeiten oder die Interpretation von Exponaten für die Museen leisteten, die somit ebenfalls in die Kategorie „Völkerschau-Objekte“ fallen. Ohne die kolonialen Machtverhältnisse in Abrede stellen zu wollen erscheint es daher angebracht, Völkerschauen auch als einen Wissensraum zu betrachten und die Rolle der Indigenen bei der Produktion musealen Wissens zu würdigen.

Eine Sektion der Tagung wird sich der Sammlung Jakobsen widmen, die heute auf verschiedene Museen verstreut ist. Darüber hinaus sind Angehörige aller anderen Museen im deutschsprachigen Raum, etablierte Fachleute an den Universitäten sowie der wissenschaftliche Nachwuchs herzlich eingeladen, sich mit einer Vorstellung ihrer Bestände oder den Ergebnissen ihrer Forschungen rund um diese Thematik an unserer Tagung zu beteiligen. Dies schließt ausdrücklich auch naturkundliche Sammlungen mit ein, die z. B. präparierte Tiere oder Pflanzen bewahren, welche während solcher Schauen zusammen mit den Indigenen präsentiert wurden.
Besonderes Interesse gilt dabei Fragen nach der Provenienz und der indigenen Agency, die solche „Völkerschau-Objekte“ reflektieren. Welche Funktion hatten die Objekte in den Herkunftsgemeinschaften? Wurden sie speziell für den Verkauf nach Europa geschaffen? Unter welchen Bedingungen wurden sie produziert oder gesammelt? Auch weitere Aspekte ihrer Objektbiographien und ihrer sich wandelnden Bedeutungen, etwa im Rahmen ihrer Rezeption in Ausstellungen und Veröffentlichungen sind von Interesse. Inwiefern taugen solche Objekte als historische oder ethnographische Quellen? In welcher Form und mit welcher Zielsetzung könnten Sie in einer zeitgemäßen Ausstellung präsentiert werden? Und last but not least: Welche Bedeutung kommt diesen Objekten aus Sicht der Nachfahren ihrer Ursprungsgemeinschaften zu und was spricht für oder gegen eine Restitution?

Die Tagung beginnt am Abend des 27. Oktober 2020 im großen Saal der Gemeinnützigen (Königstr. 5) mit einem an eine breite Öffentlichkeit adressierten Doppelvortrag von Dr. Hilke Thode-Arora und Dr. Lars Frühsorge mit einer allgemeinen Einführung in das Thema der Völkerschauen und deren lokalspezifischer Ausprägung in Lübeck. Das weitere Tagungsprogramm findet an den folgenden Tagen im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (Königstr. 42) statt.

Alle Interessenten werden gebeten, kurze Zusammenfassungen im Umfang von bis zu 2.000 Zeichen und einer kurzen biographischen Notiz von bis zu 500 Zeichen einzureichen. Senden Sie diese bitte bis zum 1. September 2020 an den Leiter der Völkerkundesammlung Dr. Lars Frühsorge ().

Kontakt

Dr. Lars Frühsorge
Völkerkundesammlung
Großer Bauhof 14
23552 Lübeck

Tel.: 0451 122 4340

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste bewilligt in der ersten Antragsrunde 2020 rund 650.000 Euro für fünf Forschungsprojekte im Bereich koloniale Kontexte

Wie ka­men wert­vol­le an­ti­ke Glä­ser aus Sy­ri­en nach Mainz und wa­rum gibt es bis heu­te mensch­li­che Über­res­te aus Afri­ka in der Ro­sto­cker Ana­to­mie? Seit auch in Deutsch­land die De­bat­te über den Um­gang mit Ob­jek­ten aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten Fahrt auf­ge­nom­men hat, stel­len sich In­sti­tu­tio­nen hier­zu­lan­de ver­stärkt Fra­gen nach der Her­kunft ih­rer Be­stän­de.

Um die Pro­ve­ni­enz von Ob­jek­ten aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten in deut­schen Ein­rich­tun­gen zu klä­ren, hat nun der Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg auf Emp­feh­lung sei­nes För­der­bei­rats in der ers­ten An­trags­run­de 2020 fünf neu­en For­schungs­an­trä­gen von Mu­se­en und Uni­ver­si­tä­ten zu­ge­stimmt und da­für ins­ge­samt zu­nächst 653.200 Eu­ro För­der­geld be­wil­ligt.

Da­bei rich­tet sich der Fo­kus nicht nur auf Ob­jek­te aus eth­no­lo­gi­schen Mu­se­en, son­dern auch auf sol­che in ar­chäo­lo­gi­schen und na­tur­kund­li­chen Samm­lun­gen.

So er­forscht das Rö­misch-Ger­ma­ni­sche Zen­tral­mu­se­um, Leib­niz-For­schungs­in­sti­tut für Ar­chäo­lo­gie in Mainz jetzt die Her­kunft ei­nes Kon­vo­luts von an­ti­ken Glä­sern aus Sy­ri­en, die ver­mut­lich beim Bau der Bag­dad­bahn zwi­schen 1912 und 1914 in Sy­ri­en ge­fun­den wur­den. Die Ob­jek­te er­zäh­len auch vom ko­lo­ni­al ge­präg­ten An­ti­ken­han­del in den 1910er Jah­ren.

Das Pro­jekt des Mu­se­ums für Na­tur­kun­de Ber­lin un­ter­sucht aus­ge­hend vom Netz­werk des Kus­tos der Säu­ge­tier­samm­lung, Paul Mat­schie, der zwi­schen 1890 und 1926 an der Samm­lung tä­tig war, die grund­sätz­li­chen, ko­lo­ni­al ge­präg­ten Struk­tu­ren bei der Be­schaf­fung na­tur­kund­li­cher Ob­jek­te.

Großes Ge­wicht hat nach wie vor die Klä­rung der Her­kunft von mensch­li­chen Über­res­ten. Das In­sti­tut für Ana­to­mie und der Ar­beits­be­reich Ge­schich­te der Me­di­zin der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ro­stock neh­men ei­ne Samm­lung mensch­li­cher Über­res­te un­ter die Lu­pe, die zum Teil aus ehe­ma­li­gen Ko­lo­ni­en stam­men. Vor rund hun­dert Jah­ren hat­te der Me­di­zi­ner Fried­rich Mer­kel ei­ne „Ras­sen­schä­del­samm­lung“ be­grün­det. Das Pro­jekt in Ro­stock soll nicht nur der wis­sen­schaft­li­chen Auf­ar­bei­tung die­nen, son­dern auch ei­ne Grund­la­ge schaf­fen, um mit den Her­kunfts­ge­sell­schaf­ten in Dia­log über mög­li­che Rück­ga­ben zu tre­ten.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ist na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal der zen­tra­le An­sprech­part­ner zu al­len Fra­gen un­recht­mä­ßig ent­zo­ge­nen Kul­tur­gu­tes. Seit Ja­nu­ar 2019, als das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te auf­grund ei­nes För­der­man­dats des Stif­tungs­rats um ei­nen Fach­be­reich für ko­lo­nia­le Kon­tex­te er­wei­tert wur­de, ist es mög­lich, die För­de­rung von Pro­jek­ten zu be­an­tra­gen, die sich mit Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten be­fas­sen.

An­trä­ge für län­ger­fris­ti­ge Pro­jek­te kön­nen je­weils zum 1. Ja­nu­ar und 1. Ju­ni ei­nes Jah­res ein­ge­reicht wer­den. An­trags­be­rech­tigt sind al­le Ein­rich­tun­gen in Deutsch­land in öf­fent­lich-recht­li­cher Trä­ger­schaft, die Kul­tur­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten sam­meln, be­wah­ren oder er­for­schen. Da­zu zäh­len Mu­se­en, Uni­ver­si­tä­ten und an­de­re For­schungs­ein­rich­tun­gen.

 

Über­sicht der ge­för­der­ten Pro­jek­te

Gilbert Lupfer wird neuer hauptamtlicher Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste

15.05.2020

Der Kunst­his­to­ri­ker Prof. Dr. Gil­bert Lup­fer wird zum 15. Mai 2020 haupt­amt­li­cher Vor­stand des Deut-schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te. Er löst da­mit auf Be­schluss des Stif­tungs­rats Rü­di­ger Hüt­te ab, der sei­ne Amts­zeit ver­ein­ba­rungs­ge­mäß nach fünf Jah­ren be­en­det. Gil­bert Lup­fer, der zu­vor be­reits eh­ren­amt­li­cher wis­sen­schaft­li­cher Vor­stand der Stif­tung ge­we­sen war, ist da­mit nun al­lei­ni­ger Vor­stand.

Pres­se­mit­tei­lung (PDF, 116 KB)

Call for Papers: “Global Provenance. Revisiting Appropriated Heritage in the Light of Inclusive Partnerships?”

28-29 January 2021

Palais de Rumine (Lausanne, Switzerland)

 This international conference will take place on January 28-29, 2021 in the framework of the scientific program of the exhibition The Exotic? Switzerland Looking Outward in the Age of Enlightenment, which will run from 24 September 2020 to 28 February 2021 at the Palais de Rumine.

It proposes to revisit the heritage that has been appropriated, whatever its nature (zoology, geology, botany, archaeology, history, history of art and ethnology), through inclusive collaborations in Switzerland and elsewhere. Please find more information in the documents linked below.

This conference is organized in partnership with the University of Bern, the Swiss National Science Federation, the Ethnography Museum of Geneva, the Ethnography Museum of Neuchâtel and the Palais de Rumine.

 

Floriane Morin
Conservatrice, responsable du
département Afrique
T. +41 22 418 45 83 (direct)

Musée d’ethnographie de Genève
Boulevard Carl-Vogt 67
CH – 1205 Genève
http://www.meg-geneve.ch

DIGITAL BENIN Zusammenführung der königlichen Kunstschätze

Das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt (MARKK) in Hamburg eröffnet mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung ein internationales Projektbüro zur digitalen Zusammenführung der weltweit zerstreuten Kunstwerke aus dem ehemaligen Königreich Benin. Als beispielloses Wissensforum wird Digital Benin innerhalb der nächsten zwei Jahre Objektdaten und zugehöriges Dokumentationsmaterial aus Sammlungen weltweit bündeln und somit den seit Langem geforderten Überblick zu den im 19. Jh. geplünderten Hofkunstwerken ermöglichen. Ziel ist ein fundierter und nachhaltiger Bestandskatalog über Geschichte, kulturelle Bedeutung und Provenienz der Werke. Das Projekt deutscher, nigerianischer, europäischer und amerikanischer Expert*innen wird mit über 1,2 Mio. Euro von der Ernst von Siemens Kunststiftung finanziert. Der Launch der Website ist im Jahr 2022 geplant.

Die koloniale Besetzung des Königreichs Benin (heute Edo State, Nigeria) durch britische Truppen im Februar 1897 führte zu einer weltweiten Zerstreuung von schätzungsweise 3000 bis 5000 Objekten, die aus dem königlichen Palast und anderen zeremoniellen Stätten entwendet wurden. Die Kunstwerke aus Bronze, Elfenbein und Holz, die häufig unter dem Begriff „Benin-Bronzen“ zusammengefasst werden, stehen heute im Fokus öffentlicher Debatten um Restitution von kolonialem Erbe. In Aussicht stehende Rückführungen können den tragischen Verlust lokalen Wissens und kultureller Werte mindern, doch bedarf es darüber hinaus einer Erschließung vorhandener Wissensressourcen. Ein Gesamtüberblick über die einst zusammenhängenden Objektkomplexe und bis heute erhaltenen Informationen, die auf eine Vielzahl von Institutionen verteilt sind, soll ein umfassenderes Bild von dem Stellenwert dieser herausragenden Kunstschätze ermöglichen.

Die Online-Plattform stellt Daten aus diversen nationalen und internationalen Museumsdatenbanken zusammen, die derzeitig Benin-Werke in ihren Sammlungen halten. Das technische Team wird durch neue digitale und mediale Methoden eine Datenzufuhr für die Plattform entwickeln, die künftig als Modell für die international vernetzte Zusammenarbeit im Museumsbereich und die digitale Zusammenführungen anderer Bestände dienen kann. Das Digital Benin Projekt entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Benin-Dialog-Gruppe, der der Königshof Benin, das Edo State Government und die National Commission for Museums and Monuments Nigeria sowie sämtliche europäische Museen mit bedeutenden Benin-Sammlungen angehören.